Vietnam: Mai 2006

Wir schaffen es bis zum späten Nachmittag nach „Hoi An“ und die nervige Suche geht wieder los. Stadt rauf und runter, Strand rauf und runter, alles ist zwecklos, nirgends ein Plätzchen für Monster und da wir es allmählich leid sind, landen wir im Hotel.

Wenigstens ist Monster von der Straße weg und der Zimmerpreis bringt uns auch nicht gerade um. Am Abend wollen wir nur kurz um die Ecke laufen um irgendwo etwas zu essen. Der Gärtner des Hotels macht gerade Feierabend und bietet sich an, uns zu einem ihm bekannten, kleinen Restaurant mitzunehmen. Wir willigen ein und wundern uns nicht schlecht, als er für diese Fahrt von 2 Minuten zu dritt auf einem Roller tatsächlich Geld verlangt. Haben die Leute denn hier immer nur die Dollarzeichen in den Augen? Kein Mensch macht auch nur die kleinste Dienstleistung umsonst, im Gegenteil, oftmals schießen sie mit ihren Preisvorstellungen haushoch über das Ziel hinaus. Das Abendessen und die nette Besitzerin versöhnen uns jedoch wieder ein wenig.

 

Am nächsten Morgen marschieren wir voller Erwartung zum Frühstücksbüffet. Doch, oh weh, kein Büffet weit und breit. Für die Erklärung der Kellnerin, es seien nur so wenige Gäste im Hotel, dass sich kein Büffet lohnt, haben wir vollstes Verständnis und wollen frohgemut a’ la carte bestellen. Für die nächste Erklärung aber, sie hätten keine Eier, fehlt uns angesichts einer Frühstückskarte nur mit Eiergerichten jegliche Einsicht. Völlig ungläubig fragen wir mehrmals: „No eggs?“ woraufhin die Kellnerin fröhlich nickt. Das ist des Guten zuviel und wir bestehen darauf, dass sie welche besorgen. Leicht säuerlich trabt die Gute von dannen, um kaum 5 Minuten später mit 2 wunderbaren Spiegeleiern zurückzukehren. Wir können es kaum glauben, niemand hat so schnell das Hotel verlassen und Eier holen können, anscheinend hatten die Damen in der Küche einfach keine Lust zu arbeiten.

 

Nach dem, dann doch noch gelungen Frühstück laden wir Maschine ab, für die ich an dieser Stelle auch mal ein paar lobende Worte finden möchte. Dieses 29 Jahre alte, kleine 50 ccm starke Moped hat uns schon unheimlich gute Dienste geleistet. Es hat in Kroatien einen Kupplungszug und in Nepal einen neuen Hinterreifen bekommen und trägt uns nun seit 2700 Kilometern ohne Murren umher. Nebenbei erregt es mit seiner Erscheinung überall Aufsehen und lockt immer ein Lächeln auf die Gesichter der Einheimischen. Auch heute trägt es uns sicher ins Zentrum von „Hoi An“.

 

Die romantischen Gassen, die idyllische Lage, die ruhige Atmosphäre und die meist freundlichen Menschen haben den Ort zu einem der meist besuchten Touristenziele Vietnams gemacht. Wir bummeln über den lebendigen Markt, entlang der Verkaufsstände der Fischerfrauen und feilschen mit den unzähligen T-Shirt Verkäuferinnen um den Preis. Eine von diesen erzählt uns von einem Deutschen, Thomas, der bereits seit einigen Jahren in „Hoi An“ lebt und sich immer freut Landsleute zu treffen. Sie gibt uns seine Adresse und wir brummen mit Maschine dort vorbei. Thomas ist gerade zu Hause und lädt uns bereitwillig ein, herein zu kommen. Gerne erzählen wir, was wir so machen, wie es uns nach Vietnam verschlagen hat und auch Thomas steckt da nicht zurück. Die Zeit vergeht wie im Fluge und auf unseren Eindruck hin, die Vietnamesen seien größtenteils geldgeil, gibt auch Thomas einige Geschichten zum Besten.

Er lebt seit 2 Jahren mit seiner Frau Kim Yen und seiner kleinen Tochter Lisa in seinem Haus neben einem Markt und geht dort natürlich auch zum Einkaufen. Beim Bezahlen wird er jedes Mal gefragt, ob er für sich oder für seine Frau einkauft. Wenn er dann antwortet für sich, muss er deutlich mehr bezahlen, ganz einfach mit der Begründung, dass die „Farangs“ ja mehr Geld hätten. Eine andere Geschichte hat sich in einem Restaurant abgespielt, in dem er oft mit seiner Frau für 20.000 Dong zu Abend gegessen hat. Als er zum 1. Mal alleine dort isst, soll er plötzlich das Doppelte bezahlen, was er natürlich verweigert. Einige Tage später kommt seine Frau nach Hause und erzählt, die Restaurantbesitzerin habe ihr gesagt, dass Thomas nicht mehr kommen soll. Wenn er nur so wenig bezahlen wolle, würde sie ihr Essen lieber an Vietnamesen verkaufen. Wir sind sprachlos, es fällt ausgesprochen schwer so etwas zu verstehen.

 

Wir könnten uns noch tagelang weiter unterhalten und sollte jemand unserer Leser nach „Hoi An“ kommen, können wir Thomas nur wärmstens empfehlen. Er bietet Rollertouren in die nähere Umgebung oder auch vietnamesische Kochkurse an und ist immer für ein gutes Gespräch zu haben. Für Interessierte gibt es Infos unter: www.8ung.at/thomas_vn.

Am Abend bummeln wir ein wenig durch die Gassen und laufen unserem Bekannten aus „Ninh Bien“ und seiner chinesischen Frau in die Arme. Wir quatschen nur ein wenig, da wir fürs Abendessen verschiedene Pläne haben und Jupp und ich gehen ins „Ba Le Well“ Restaurant. „Hoi An“ ist der einzige Ort in Vietnam, an dem das Gericht „Cao Lau“ gekocht werden kann, da das dafür benötigte Wasser aus dem Brunnen „Ba Le Well“ kommen muss. Es ist eine Paste aus flachen Nudeln gemischt mit Croutons, Bohnensprossen und Gemüse, die man unmittelbar vor dem Verzehr zusammen mit Fleischstückchen in knuspriges Reispapier rollt. Wir staunen nicht schlecht, als kurz nach unserer Bestellung die beiden aus „Beijing“ doch noch auftauchen. Anscheinend haben wir ihnen den Mund wässrig gemacht und das folgende Mahl ist dann auch das Beste, das wir bis jetzt in Vietnam gegessen haben.

Am nächsten Morgen scheint irgendwo eine Kamera versteckt zu sein. Es beginnt damit, dass wir in diesem Hotel zwar kostenlosen Internetzugang haben, aber merkwürdiger Weise nur die rein vietnamesischen Seiten aufgebaut werden. Unsere Emailabfrage oder auch die Monsterseite haben keine Chance. Als nächstes haben wir den Eindruck, dass uns die Geheimpolizei bespitzelt, da in der Lobby ein Mensch herumgeistert, der sich auffallend für unser nächstes Ziel interessiert und als drittes erleben wir im Speiseraum „Das Frühstücksbüffet die 2.“ Heute sind die Eier von Anfang an vorhanden und wir bestellen wagemutig 2 Spiegeleier. Frage: „Wollen Sie kein Omelett?“ Antwort: „Nein, wir möchten ein Spiegelei!“ Abmarsch der Kellnerin, 10 Minuten lang geschieht nichts, wir machen uns in Richtung Küche bemerkbar und sehen die Kellnerin mit der Speisekarte in Richtung Rezeption verschwinden. Weitere 10 Minuten vergehen, ein anderer Kellner erscheint und fragt: „Wollen Sie kein Omelett?“ „Nein, wir möchten ein Spiegelei!“ Weitere 10 Minuten vergehen, die Kellnerin kommt und serviert 2 Omelett. Wir sind so sprachlos, dass wir stillschweigend das Omelett mampfen und anschließend zum Auschecken zur Rezeption gehen.

 

Laut deren Aussage können wir mit Kreditkarte zahlen, nur leider hat man zuvor vergessen uns zu sagen, dass man 3.5% Provision bezahlen muss. Abermals sind wir sprachlos, 1. hätten die Damen uns dieses auf unsere Frage beim Einchecken sagen müssen und 2. seit wann zahlt denn der Kunde diese Provision? Wir zahlen dann doch lieber bar und verlassen diese geldvernichtende Stätte.

 

Weiter geht es in Richtung Süden auf dem National Highway 1, den wir bei „Qui Nhon“ verlassen, um auf der spektakulären Küstenstraße weiterzufahren. Kurz vor „Song Cau“ schlagen wir uns für die Nacht in die Büsche und bleiben prompt nicht unentdeckt. Es erscheinen mehrere Angler, die uns, als wir klarmachen, dass wir die Nacht hier verbringen wollen, freundlich zu sich nach Hause einladen. Wir lehnen dankend ab, ausnahmsweise stört das die Jungs auch nicht weiter und wir machen uns an die Zubereitung des letzten indischen Gulaschs (Danke Ton, et was weer heerlijk).

Die Nacht ist etwas beleuchtet, da die ganze Wasseroberfläche der Küste mit starken Neonröhren zwecks Anlockung der Kalmare bestrahlt wird. Es ist wirklich kein freier Flecken Wasser mehr zu sehen und wir fragen uns, wie der Fischbestand so etwas überleben soll. Unterwegs haben wir selbst das zur Schaustellen und den Verkauf von getrockneten und lackierten Korallenstöcken gesehen.

 

Überhaupt bekomme ich allmählich große Mühe mit Land und Leuten, auf der einen Seite sind die Menschen überaus freundlich und grundehrlich und andererseits müssen wir ständig aufpassen, nicht übervorteilt zu werden. Die immer wiederkehrende, fruchtlose Stellplatzsuche, wie auch heute in Nha Trang, trägt ein Weiteres dazu bei, dass es mir allmählich die Laune verregnet. Wieder einmal landen wir gezwungenermaßen in einem Guesthouse und auch hier startet die übliche Diskussion. In diesem Falle können wir Monster zwar direkt im Innenhof vor unserer Zimmertüre parken, aber es ist schlichtweg unmöglich auch in ihm zu schlafen, geschweige denn Strom für die Klimaanlage zu nutzen.

Wir verstehen die ansonsten doch so geschäftstüchtigen Vietnamesen nicht, sie könnten doch das Doppelte verdienen, wenn sie uns für den Zimmerpreis nur Strom geben und das Zimmer dann anderweitig vermieten würden. Doch des Menschen Wille ist sein Himmelreich und so beziehen wir ein weiteres Mal einen sehr spartanischen Raum. Die Einrichtung erinnert stark an den Stil der 60er Jahre.

 

Nachdem wir den Kakerlaken deutlich gemacht haben, dass nur für 2 Personen Platz ist, tauschen wir das Bettzeug gegen unser eigenes aus und so wird es doch noch ganz gemütlich.

Anschließend erkunden wir den Ort samt Strand und machen eine Tauchbasis ausfindig. Wir verabreden für den nächsten Morgen eine Halbtagesfahrt mit 2 Tauchgängen und machen dabei eine völlig neue Erfahrung, denn es muss eine Kaution hinterlegt werden, damit wir auch ja erscheinen. So etwas ist uns noch nie untergekommen, sind die Menschen denn hier alle nur Dollargesteuert?

 

Nach einer etwas unruhigen Nacht, irgendwelche Tiere spielten fangen auf unserem Dach, kochen wir uns in Monster noch schnell einen Kaffee und dann wartet bereits unser Transfer. Unterwegs werden weitere Taucher eingesammelt und dabei lernen wir Holger und seine vietnamesische Freundin kennen. Die beiden leben in „Ho Chi Minh City“ und sind für das Wochenende zum Tauchen herübergeflogen. Wir verstehen uns auf Anhieb prächtig, da wir aber leider nicht auf dem gleichen Boot sind, tauschen wir nur kurz unsere Telefonnummern aus. Das Tauchboot und auch der folgende Tauchgang sind sehr enttäuschend. Getaucht wird zwar in einem „Marinepark“, doch als Folge des jahrelangen Dynamitfischens macht die Unterwasserwelt einen ziemlich toten Eindruck. Sowohl die Fische als auch die wenigen Korallen haben Bonsaiformat und die schlechte Sicht setzt dem ganzen die Krone auf.

Wieder mit dem Kopf über Wasser sind wir sehr froh, dass wir den vor einiger Zeit geplanten Tauchurlaub niemals unternommen haben. Auch der 2. Tauchgang an diesem Tag ist keine Offenbarung und somit legen wir das Thema Tauchen in Vietnam zu den Akten. Den krönenden Abschluss dieser unerfreulichen Ausfahrt bildet die Heimfahrt. Es ist nicht möglich mit den nassen und dementsprechend schweren Tauchklamotten am Hotel abgesetzt zu werden obwohl der Bus direkt daran vorbeifährt. Wir müssen unbedingt zuerst mit zur Tauchbasis fahren um dort unsere Rechnung zu begleichen. Erst nach sehr gutem Zureden kann Jupp samt Gepäck den Bus verlassen während ich sozusagen als Pfand mit zur Basis fahre. Ich frage mich, welche und wieviele schlechte Erfahrungen solches Misstrauen auslösen. Wir haben bereits weltweit getaucht, aber so etwas gab es doch noch nie.

 

Den Nachmittag verbringen wir am Strand, an dem uns Holger und seine Freundin einen Besuch abstatten. Durch unsere Erzählungen sind die zwei neugierig auf Monster geworden. Es dauert gar nicht lange, da kommen wir über die Mentalität der Vietnamesen ins Reden und Holger gibt eine Story aus seinem Berufsleben zum Besten. Er erzählt, er habe geschäftlich in Bangkok zu tun gehabt und in seinem Büro in „Ho Chi Minh City“ angerufen. „Hallo, hier ist Mr. Holger, ich möchte….“ Sein Satz wird von seiner Sekretärin unterbrochen: „Mr. Holger ist nicht im Büro“. Er: “Ja weiß, dass ich nicht im Büro bin, aber ich….“. Sekretärin: „ Mr. Holger ist in Bangkok“! Er: „ Ja ich weiß, dass ich in Bangkok bin, aber ich…“. Daraufhin hört er nur noch ein gleichmäßiges Tuten, seine Sekretärin hat aufgelegt. Wir amüsieren uns köstlich über die Geschichte und lachen selbst heute noch, wenn einer von uns nur sagt: „Mr. Holger ist in Bangkok“!

Nachts lernen wir die Stabilität der vietnamesischen Bauweise kennen Wie in der Nacht zuvor, toben wieder Tiere über unsere Zimmerdecke und Juppi wirft wutentbrannt seine Sandale in Richtung Decke. Wir wundern uns nicht schlecht, als diese nicht mehr herunterkommt und stattdessen der ganze Schlappen gleich oben stecken bleibt.

 

Immerhin bewirkt diese Aktion, dass für den Rest der Nacht Ruhe herrscht.

 

Am Dienstagmorgen ziehen wir weiter, wir fahren bis „Mui Ne“ in der Hoffnung ein Plätzchen am Strand zu finden. Da es leider mit dem Tauchen nicht so geklappt hat, wollen wir einfach ein paar Tage relaxen. Abermals werden wir enttäuscht, doch bevor wir wieder einen halben Tag mit Suchen verbringen, quartieren wir uns gleich im „Blue Ocean“ Resort ein. Monster steht gut bewacht vor der Haustüre und wir verbringen 3 unbeschwerte Strandtage. Zwischendurch tritt ein Fernsehteam mit einer Interviewbitte an uns heran, die wir jedoch dankend ablehnen. Wir ziehen es vor weiterhin in der Anonymität zu reisen, für unseren Geschmack ist Monster an sich schon auffallend genug.

 

Donnerstagmorgen sind wir des Nichtstuns und Vietnams müde und machen uns auf in Richtung Grenze. Wir wollen uns ein wenig treiben lassen und ganz spontan entscheiden, ob wir den Weg nach „Ho Chi Minh City“ hinein suchen oder ob wir direkt zur Grenze fahren. Kurz vor „Saigon“ (Ho Chi Minh City) registrieren wir den 1. Kühlerbauer auf unserer ganzen bisherigen Reise. Monsters Kühler hat bereits seit Thailand einige feuchte Stellen, die zwar nicht lebensbedrohlich sind, aber da die Gelegenheit gerade so günstig ist, fahren wir rechts ran. Es nimmt einige Zeit in Anspruch bis Jupp dem Monteur klar machen kann, dass wir keine Reparatur sondern einen neuen Kühler möchten, doch als dieser es begreift, will er auch sogleich loslegen. Juppi kann ihn gerade noch stoppen um die Preisfrage zu klären. Wie sich herausstellt, ist dieses zwingend nötig, denn der Mensch verlangt doch sage und schreibe 1.000 US$ (in Worten: eintausend). Als er Jupps Empörung bemerkt, scheint er zu denken: Och, das war wohl etwas viel und verbessert sein Angebot auf 800 US$. Mit wüsten Beschimpfungen auf den Lippen und eindeutigen Handzeichen hinsichtlich des Geisteszustandes des Monteurs, verlässt Jupp die Werkstatt. Völlig entrüstet ob solcher Unverschämtheit brausen wir weiter. Wir trauen unseren Augen kaum als wir bereits 5 Kilometer weiter, an der gleichen Straße, einen weiteren Kühlerbauer sehen. Wieder rechts ran, erneute Erklärungen und Verhandlungen und oh Wunder, hier kostet ein neues Teil, sogar mit dem doppelten Volumen, nur noch 100 US$ inklusive Einbau. Mal wieder ein typisches Beispiel der vietnamesischen Denkweise bzw. Maßlosigkeit. Hätte der 1. Monteur einen Preis von 300 US$ genannt, hätten wir diesen unwissend akzeptiert und der Gute hätte immer noch reichlich verdient. Stattdessen ist er nun leer ausgegangen und wir haben eine Menge Geld gespart. Der 2. Monteur beendet kurz sein Mittagessen und dann geht es an die Arbeit.

Ratzfatz ist der alte Kühler aus-, einige Teile umgebaut und keine 2 Stunden später ist die ganze Aktion abgeschlossen. Wir zahlen brav den vereinbarten Preis und starten den Motor. Doch das ruft einen Menschen auf den Plan, der sich als Besitzer des Parkplatzes vorstellt und doch tatsächlich 10 US$ für die Nutzung seines Platzes haben will. Wir können es wieder einmal nicht fassen, auf der einen Seite die netten, freundlichen Menschen und auf der anderen die Geldgeilen.

 

Wir zahlen selbstverständlich nichts und fahren davon, weiter in Richtung „Ho Chi Minh City“. Unterwegs frischen wir bei einem „BIG C“ Supermarkt unsere Vorräte auf, da wir nicht wissen, was in Kambodscha auf uns zukommt. Anschließend entscheiden wir die Großstadt wirklich ausfallen zu lassen und direkt zur Grenze zu fahren. Bei Einbruch der Dunkelheit passieren wir kurz vor „Moc Bai“ auf der Gegenseite eine Tankstelle, die fast wie ein deutscher Rastplatz anmutet. Kurz entschlossen wird Monster gewendet und die Tankstelle angesteuert. Die Anwesenden sind alle überaus freundlich, doch wie üblich versteht niemand englisch und somit unser Ansinnen. Nach etlichem Hin und Her ist jemand so schlau, ruft den obersten Chef an und drückt Jupp den Hörer in die Hand. Der Mann auf der anderen Seite erklärt in perfektem Englisch, wir sollen warten, er käme in 30 Minuten. Es dauert gar nicht so lange, da ist er auch schon da, zeigt uns einen Stellplatz für Monster und lädt uns zum Abendessen ein. Wir werden mit Krokodilfleisch (eine völlig neue Erfahrung) und Heinekenbier verwöhnt und fragen uns die ganze Zeit, wo der Haken an dieser Sache ist. Was will dieser Mensch denn nur von uns?

 

Im Laufe des Abends stellt sich heraus, dass er ein ganz cleverer Geschäftsmann ist, der auch schon in Deutschland zu Besuch gewesen ist. Am meisten hat ihn dabei die Disziplin der Deutschen beeindruckt. Als Beispiel erzählt er uns die Episode, als er eines Nachts nicht schlafen konnte und durch die Straßen von Berlin gelaufen ist. Er habe ein Auto gesehen, dessen Fahrer an einer roten Ampel angehalten und auf Grün gewartet habe, obwohl weit und breit kein anderes Fahrzeug zu sehen gewesen sei. So etwas könnte in Vietnam niemals vorkommen. Wir plaudern noch eine ganze Weile und beide Seiten versuchen herauszufinden, wie man aus dieser neuen Beziehung Kapital herausschlagen kann, müssen uns jedoch zu später Stunde mit einigem Bedauern voneinander verabschieden.

 

Die Nacht ist ruhig und angenehm gekühlt und wir wollen morgens zeitig starten. Leider versperren drei LKWs, auf denen große Holzkisten verladen werden, die Ausfahrt. Als wir neugierig aus Monster herausklettern, um das Spektakel näher zu betrachten, bemerken wir einen ziemlich strengen Geruch. Wir staunen nicht schlecht als wir das Ladegut endlich erkennen. Es werden leibhaftig lebende Krokodile verladen. Wie der Zufall es will, entweicht auch noch eins seinem Gefängnis und sitzt nun fauchend in der hintersten Ecke auf der Ladefläche.

Damit ist unser Bedarf an Abenteuer für heute gedeckt und sind froh, als die Ausfahrt wieder frei ist.

Bis zum Grenzort „Moc Bai“ ist nur noch ein kurzes Stückchen. Im Gegensatz zur Einreise klappt die Ausreise völlig reibungslos, innerhalb von 20 Minuten sind alle Formalitäten erledigt und wir fahren hinüber auf die kambodschanische Seite.