Thailand: April 2006

Von Heike erfahren wir, dass wir insgesamt nur 5 Gäste sind. Ein russischer Tauchclub, der die anderen 10 Plätze gebucht hat, hat es vorgezogen sich gar nicht mehr zu melden. Für uns einfach wunderbar, für „Anggun“-Charter leider ein immenser Verlust.

Gegen 17.00 Uhr trudeln die restlichen Gäste, ein amerikanisches Ehepaar, Pat und Rex, und der Schweizer Sacha ein. Scheint eine gute Mischung zu sein und los geht der Transfer zum Schiff.

 

Die „Anggun“ ist eine 30 m lange und 7 m breite Stahl-Yacht und verfügt über 1 Master Kabine, 4 Deluxe Doppelkabinen und 2 Kabinen mit 2 Einzelbetten. Alle Kabinen sind mit privatem Bad, individuell einstellbarer Klimaanlage und großen Panoramafenstern ausgestattet, der Luxus pur und wir fünf können uns jetzt natürlich so richtig breit machen. Nach einem einführenden Schiffsbriefing, entzündet die Crew ein kurzes Feuerwerk um die Götter während der Reise gnädig zu stimmen und los geht die Fahrt.

Wir werden an Bord so richtig verwöhnt, das Essen ist einfach phantastisch und auch der Wettergott ist uns hold. Auf dem Weg in Richtung „Myanmar“ machen wir mehrere Tauchgänge im „Similans“ Nationalpark und auf den südlichen Inseln bevor wir in „Ranong“ einlaufen. Dort kommt der thailändische Zoll an Bord und stempelt unsere Visen aus, da wir ja nun Thailand verlassen. Eine kurze Fahrt und schon sind wir auf der burmesischen Seite in „Khaw Thoung“. Dort werden unsere Pässe beim Zoll hinterlegt und ein burmesischer Führer kommt an Bord. Dieser wird uns als eine Art Aufpasser auf der ganzen Reise begleiten, entpuppt sich aber recht schnell als unheimlich freundlicher und lieber Kerl.

 

Die Tage vergehen wie im Fluge, frei nach dem Motto: “eat, sleep and dive, there must be more in life than this, but I hope not”. (essen, schlafen und tauchen, es muss mehr im Leben geben als das, aber ich hoffe nicht). Zusammen mit Divemaster Holger bilden wir 6 eine lustige Truppe, einzig die Amis scheinen zeitweise irritiert ob der manchmal etwas derben Späße von Sascha und Jupp. Auf dem Rückweg ist in „Khaw Thoung“ Langgang angesagt. Die kleine Hafenstadt ist relativ schmutzig und wimmelt von Menschen, die irgendwelche Waren anpreisen. Wir drehen eine Runde durch den Ort und klettern die unzähligen Stufen zum „Wat“ hinauf. Von oben hat man einen sehr schönen Blick auf die Bucht.

Zum Abschluss gibt es ein kühles Burmabier bevor wir uns wieder auf der „Anggun“ einfinden. Dort sind inzwischen unsere Pässe wieder eingetrudelt, die wir ja bei der Einreise zurücklassen mussten. Fortan sind wir also nicht mehr staatenlos.

Es geht zurück auf die thailändische Seite nach „Ranong“, der Zoll kommt ein weiteres Mal an Bord und stempelt ohne großes Theater ein 4-wöchiges Visum in unsere Pässe ein. Wir suchen eine ruhige Bucht für die Nacht auf.

Morgens legen wir noch einige Tauchstopps im „Similans“ Nationalpark ein bevor wir am Abend Kurs auf „Phuket“ nehmen. Der Kapitän leistet ganze Arbeit, jedenfalls liegen wir am 31. 03. morgens um 6.00 Uhr am Pier. Es gibt ein letztes Frühstück und dann heißt es einmal mehr Abschied nehmen bevor es alle in verschiedenen Richtungen treibt. Wir haben noch etwas Zeit bis zu unserem Rückflug nach „Chiang Mai“ und Jupp nutzt die Gunst der Stunde um rein prophylaktisch nochmals bei Chiropraktiker Richard vorzusprechen, derweil ich die aufgelaufene Emailpost bearbeite und Heiko mit den neuesten Infos versorge.

 

Anschließend haben wir ein unangenehmes Erlebnis mit einem Taxifahrer, der Jupp zu Richard und uns danach für insgesamt 500Baht zum Flughafen fährt. Am Ziel angekommen, verlangt er plötzlich mehr Geld und veranstaltet einen Höllenlärm. Wir lassen uns nicht erweichen, rufen laut nach der Touristenpolizei, welches in der Regel die Gemüter beruhigt, und verschwinden im Terminal. So eine Aufregung!!

 

Ein großes Lob an 1,2 fly to go (Orient-Thai), denn unsere Flüge sind abermals pünktlich. Beim Stopp in „Bangkok“ essen wir in einem „Foodstall“ zu Abend, der überwiegend von Flughafenangestellten frequentiert wird. Das Essen ist ausgezeichnet und supergünstig. Der „Foodstall“ liegt in einem Verbindungsgang zwischen dem internationalen und dem nationalen Terminal und wir fragen uns, warum die meisten Fluggäste in den anderen, recht teuren Restaurants essen. Mit vollem Bauch absolvieren wir auch noch die restliche Flugstrecke und stehen abends um 20.00 Uhr wieder vor Monsters Türen.

 

Unserem Baby scheint es gut zu gehen, einzig der große Zettel, der auf seiner Motorhaube klebt, dass wir uns beim Tankstellenmanager melden sollen, sorgt für etwas Beunruhigung. Es dauert gar nicht lange, da kommt dieser auch schon vorbei. Der gute Mann hat bei unserem Rückkehrdatum wohl irgendetwas missverstanden und sich dementsprechend Gedanken gemacht. Als wir dann heute im Laufe des Tages immer noch nicht eingetrudelt sind, hat er angefangen, Monster von allen Seiten, oben und unten auf Bomben zu untersuchen, schließlich könne man es ja nie wissen. Wir sind doch sehr erstaunt, auf welche Ideen manche Menschen verfallen. Jedenfalls ist jetzt alles wieder gut und alle Beteiligten freuen sich.

 

Am nächsten Morgen ist der versprochene Ölwechsel fällig und gleichzeitig wird Monster komplett abgeschmiert. Das ganze Prozedere dauert bis 10.30 Uhr. Zwischendurch versuchen wir herauszufinden, in welcher Stadt sich die vietnamesische Botschaft denn nun wirklich befindet, denn wir haben unterschiedliche Angaben in unseren Reiseführern. Die telefonische Verbindung kommt auch zustande, alleine mit der Verständigung klappt es mal wieder nicht so recht. Ich versuche es in allen, mir bekannten Sprachen, aber es hilft nichts. Der gute Mann an der Strippe behauptet zwar, er spräche englisch, aber meine Frage, ob sich sein Konsulat in „Khon Kaen“ oder in welcher Stadt es sich sonst befindet, kann er mir nicht beantworten. Ich bin so perplex, dass ich ihn wohl noch zehnmal frage, aber jedes Mal nur ein „No“ zur Antwort bekomme. Zum guten Schluss rufe ich die laotische Botschaft an, die sich ebenfalls in „Khon Kaen“ befindet, und frage dort, ob die vietnamesische auch in der Stadt ist. Jetzt löse ich zwar Irritationen auf der anderen Seite aus, aber wenigstens bekomme ich eine positive Antwort. Sachen gibt es, die glaubt man kaum.

 

Anschließend fahren wir zu dem bereits bekannten Supermarkt und decken uns mit so phantastischen Sachen wie Schinken, Kotelett, Grau- und Schwarzbrot ein. Angesichts des großartigen Angebotes muss ich mich sehr beherrschen, doch leider sind unsere Gefrierkapazitäten ja etwas begrenzt. Schade..!!

 

Wieder unterwegs auf Thailands Straßen, bemerken wir recht schnell, dass uns die kleine Auszeit recht gut getan hat. Wir rollen ganz gemütlich in Richtung „Sukhothai“, schaffen es aber nicht mehr vor der Dämmerung und biegen infolgedessen zum „Si Satchanalai-Chaliang„ historischen Park ab. Dieser liegt nur 2 km seitlich unserer Route und auf dem dazugehörigen Parkplatz schlagen wir unser Nachtlager auf. Wir machen uns an die Zubereitung von Bratkartoffeln und Kotelett und vertilgen anschließend alles bis auf den kleinsten Rest. Hmm, auch mal wieder lecker! Die Temperatur ist mit 27 Grad ganz erträglich und wir schlafen wie die Murmeltiere.

Beim Sonnenaufgang um 6.00 Uhr sind wir dann auch putzmunter, legen sogleich los und stehen um 8.00 Uhr gestiefelt und gespornt vor dem historischen Park von „Sukhothai“. So früh am Morgen sind die Temperaturen noch angenehm. Am Parkeingang mieten wir Fahrräder und stellen fest, dass wir das Radeln in 8 Monaten nicht verlernt haben. Wir haben ausgesprochenes Glück, denn heute ist ein Feiertag und der Eintritt in den Park ist kostenlos.

„Sukhothai“ ist die ursprüngliche Hauptstadt des ersten thailändischen Königreiches und der historische Park ist Thailands eindruckvollste Stätte des Weltkulturerbes. Der Park beinhaltet 21 historische Stätten und 4 große Teiche innerhalb der alten Mauern und weitere 70 Stätten innerhalb eines 5 km Radius. Die Ruinen sind unterteilt in 5 Zonen, die Mitte, der Norden, der Süden, der Osten und der Westen, für jeden Sektor zahlt man normalerweise separaten Eintritt oder kauft ein Gesamtticket für alle Stätten einschließlich des „Sawanworanayok“ und des „Ramkhamhaeng“ Museums.

Der „Wat Mahathat“, im 13 Jahrhundert fertiggestellt, mit einem beeindruckenden Chedi nimmt die Mitte des Parks ein. Um den Chedi gruppieren sich vier Ecktürme aus Ziegeln und vier steinerne Kapellen. Auf der östlichen Seite erheben sich auf einer hohen Plattform zwei Säulenreihen, die früher das Dach des Hauptheiligtums trugen. Den Abschluss bildet ein großer Buddha in der üblichen Sitzhaltung. Wir durchfahren auf unseren Rädern den gesamten Park kreuz und quer, bis wir schlussendlich von einem Plattfuß an meinem Rad gestoppt werden. Da es inzwischen sehr heiß geworden ist, beenden wir dann auch gleich unsere Tour und starten in Richtung „Khon Kaen“.

 

Während der Fahrt regt sich wenigstens ein Lüftchen und die Temperaturen sind einigermaßen auszuhalten. Die Straßen sind in einem tadellosen Zustand und wir kommen so gut voran, dass wie es tatsächlich bis „Khon Kaen“ schaffen. Die Stadt zählt über 120.000 Einwohner und ist der Mittelpunkt der Provinz Isan.

Wir haben einen See, den „Beung Kaen Nakhon“ als Stellplatz ausgeguckt, den wir auch ohne große Mühe finden. Wir umkreisen den ganzen See, können aber leider nicht direkt ans Ufer kommen, da der See komplett eingezäunt ist. Zum guten Schluss nehmen wir mit einem relativ leeren Parkplatz vorlieb, in der Hoffnung, dass der Verkehr irgendwann nachlässt. Wir spazieren ein wenig um den See und betrachten das kollektive Aerobic, das anscheinend allabendlich dort stattfindet. Auf einer kleinen Bühne, mit Mikrofon bewaffnet, macht eine Trainerin zu lauter Musik die Übungen vor und wer sich sportlich animiert fühlt, macht einfach mit. Jupp betrachtet das Ganze zwar höchst interessiert, aber zum Mitmachen ist er nicht zu bewegen. Wir ziehen einen Besuch in einem der zahlreichen Seafood-Restaurants vor und packen einige Kalorien dazu anstatt diese abzutrainieren.

 

Am Montagmorgen wollen wir eigentlich der laotischen Botschaft bereits um 8.00 Uhr einen Besuch abstatten, die angegebene Straße finden wir auch recht schnell, aber bleibt uns das Geheimnis der Hausnummern verborgen. Die Zahlen sind eine Zeitlang aufsteigend, dann aber plötzlich absteigend und somit suchen wir eine halbe Stunde.

Die Bürgerbefragung gestaltet sich ebenfalls schwierig, keiner versteht uns. Irgendwann werden wir dann doch noch fündig und dann geht alles Schlag auf Schlag. Wir zahlen einen Expresszuschlag von 200 Baht und stehen nach 15 Minuten mitsamt einem 4-wöchigen Visum wieder draußen. Das läuft ja wie geschmiert, jetzt auf zur vietnamesischen Botschaft. Auch dort füllen wir die Anträge aus, sollen aber erst am nächsten Nachmittag zur Passabholung wiederkommen. Nach gutem Zureden mit Händen und Füßen einigen wir uns mit dem Beamten doch noch auf heute Nachmittag um 16.00 Uhr. Na also, geht doch! Jetzt plagt mich nur noch die Wäschefrage. Doch siehe da, direkt gegenüber ist eine Wäscherei und dort verspricht man, dass alles ebenfalls um 16.00 Uhr fertig ist und so habe ich alles im Döschen.

 

Wir müssen noch einige Dinge einkaufen und wollen unter anderem eine Bank aufsuchen. Da wir direkt vor einem Friseurladen parken, entschließt sich Jupp zu einem Friseurbesuch derweil ich zur Bank gehe. Dort komme ich mir vor wie im Film, hier muss irgendwo eine versteckte Kamera sein, denn der Umtausch der Travellerschecks dauert fast eine Stunde. Es ist kaum zu fassen. Zurückgekehrt zu Jupp hat die Friseuse anscheinend auch die gesamte Zeit genutzt, Haare sind jedenfalls nur noch wenige da. Naja, man muss das praktisch sehen, diese Frisur erspart mindestens 1 Friseurbesuch zwischendurch und pflegeleicht ist es auch.

 

Pünktlich um 16.00 Uhr holen wir unsere Pässe und auch die Wäsche wieder ab, unserer Abreise am nächsten Morgen steht nichts im Wege.

Bis zur Grenze haben wir noch einige Kilometer vor uns, da wir aber heute die Seite sowieso nicht mehr wechseln wollen, spielt es keine große Rolle. Seit einiger Zeit wackelt Monsters Lenkrad ein wenig, wir können es aber ohne passendes Werkzeug nicht wegbekommen. Also halten wir an einer Art Werkstatt, jedenfalls stehen einige Lkw herum, an denen gearbeitet wird und Jupp versucht sein Glück. Bald schon ist klar, was wir wollen, aber da die Jungs auch nicht über einen sog. Abzieher verfügen, wird es nix. Das Lenkrad tut keinen Mucks.

Derweil sitze ich im Auto, schaue mir die Umgebung an und mache Bekanntschaft mit meiner ersten Schlange. Sie schlängelt sich so durchs Gelände und ich bin froh, dass ich so hoch sitze. Unverrichteter Dinge geht die Fahrt weiter, auch die nächste Werkstatt muss passen, also wackelt das Lenkrad weiter. So lange es nicht schlimmer wird….!

 

Am frühen Nachmittag legen wir einen Stopp in einem Internetcafe ein, die Emailpost will noch erledigt werden und wer weiß, wann wir in Laos wieder online gehen können. Wir fahren bis zur Dämmerung, tanken in „Phibun Mangsahan“ voll, der Diesel in Laos ist teurer, und können an der Tankstelle auch gleich für die Nacht bleiben, die im Übrigen sehr ruhig wird.

Morgens haben wir nur noch wenige Kilometer bis zum Grenzort „Chong Mek“, den wir im Gegensatz zur eigentlichen Grenzstation sehr leicht finden.

Die Grenzstation befindet sich gerade im Umbau, jedenfalls auf thailändischer Seite entsteht ein völlig überdimensioniertes Grenzgebäude. Die Baustelle und die Tatsache, dass das ganze Gelände zusätzlich mit Marktständen zugebaut ist, erschwert uns die Suche. Wir müssen tatsächlich zweimal durch das ganze Gewusel fahren, bis wir einen Schlagbaum entdecken. Einmal gefunden, geht alles sehr zügig, Pässe und Carnet werden abgestempelt und schon geht es weiter nach Laos.