Thailand: Juni 2006

Am 19.06.2006 rollen wir vorbei an zahlreichen Spielcasinos durch das Niemandsland zwischen den Schlagbäumen auf die thailändische Grenze zu.

Ich stelle mich zunächst in einer langen Reihe vor einem Schalter an um die neuen Visa zu beantragen. Ein 30 Tage Visum bekommt man völlig unbürokratisch und kostenlos bei der Einreise ausgestellt. Anders läuft es dieses Mal mit Monster. Zuerst benötigen die Zöllner von sämtlichen Papieren eine Fotokopie, wobei sie sich ganz besonders für unsere Haftpflichtversicherung interessieren. Diese hatten wir bei unserer 1. Einreise in „Sadao“ gleich für 6 Monate abgeschlossen, so können wir die Beamten schnell zufrieden stellen und sie verweisen uns zum nächsten Schalter. Während ich Monster schon mal auf thailändischen Boden fahre, trifft Jupp in einem Büro auf eine recht lustige Truppe von Zöllner.

Mit großem Spaß an ihrer Arbeit füllen sie im 10-Fingersuchsystem ein Computerformular aus, das sich nach dem Ausdrucken als falsch entpuppt. Macht ja nichts, nicht weniger enthusiastisch wird das Formular erneut ausgefüllt und wen wundert’s?, wieder falsch. Das ganze Prozedere dauert und dauert und die Zöllner haben ihre helle Freude. Während ich draußen langsam anfange mir Gedanken zu machen, nimmt Jupp drinnen die Dinge selbst in die Hand und füllt zur allgemeinen Belustigung das Formular persönlich aus. Uff, es ist vollbracht, jetzt fehlt nur noch der Einreisestempel und endlich kann es weitergehen.

 

Via „Aranyaprathet“ fahren wir auf der N33 zunächst in westlicher Richtung um dann nach Süden abzubiegen. Wir wollen heute noch soweit als möglich kommen, um morgen mit der Fähre nach „Koh Chang“ überzusetzen. Bei Einbruch der Dunkelheit finden wir eine Tankstelle mit einem etwas zurückliegenden Parkplatz. Leider ist kein Restaurant in der Nähe, da müssen wohl einmal mehr Spaghetti herhalten. Was würden wir nur ohne diese Dinger machen?

 

Die Temperaturen sind recht angenehm, bei geöffneten Fenstern lässt es sich ganz gut aushalten. Wir gehen zeitig ins Bett und schlafen tief und fest, jedenfalls bis die Besucher einer nahe gelegenen Bar ihre Sangesfreuden entdecken. Ohne Rücksicht auf Verluste zwitschern die ausschließlich männlichen Besucher fröhlich ihre Lieder und wir kommen zu der Erkenntnis, dass man bei der Auswahl seines Schlafplatzes sehr wohl ein Auge auf Karaokebars haben sollte.

 

Relativ müde, jedoch ausgestattet mit einem neuen Repertoire an thailändischen Liedern bringen wir die letzten Kilometer bis nach „Laem Ngop“ hinter uns. Wir steuern zunächst den Hafen an, doch dort können wir nur ein Ticket für die Überfahrt kaufen, die eigentlichen Fähren starten etwas außerhalb des Ortes. Die Hin- und Rückfahrt kostet für uns alle 500 Baht. Wir haben Glück, gerade wird eine Fähre beladen auf der Monster auch noch ein Eckchen findet.

Auf „Koh Chang“ haben wir uns den „White Sand Beach“ als möglichen Standort ausgeguckt und während wir nun darauf zufahren, beginnt es zu regnen. Was harmlos anfängt, artet in einen Monsunregen aus. Das Wasser fällt in Sturzbächen vom Himmel, dicht wie ein Vorhang und wir erwarten bald die ersten Fische vorbeischwimmen zu sehen. In null Komma nichts steht die Straße komplett unter Wasser.

Etliche Pkw müssen an den teils sehr steilen Wegen passen und links heranfahren und auch wir schaffen es trotz Allradeinsatz nur mit Mühe. Genauso schnell wie er gekommen ist, ist der ganze Spuk wieder vorüber und die Sonne strahlt als ob nichts gewesen wäre. Wir fahren langsam durch den Ort, können aber auf Anhieb keinen Monstergeeigneten Platz finden. Bei der Rückfahrt werden wir auf eine Kneipe aufmerksam, die mit deutscher Flagge und dem Namen „Berlin“ ausgestattet ist. Kurz entschlossen halten wir an, treffen aber leider nicht wie erwartet auf einen deutschen Wirt, sondern, wie soll’s auch anders sein?, auf einen Thai.

Da wir schon mal da sind, fragen wir ihn nach einem möglichen Stellplatz. Nach kurzer Überlegung sollen wir hinter ihm herfahren, er will uns einen Platz zeigen. Das kennen wir doch irgendwoher und aufgrund der zahlreichen schlechten Erfahrungen hegen wir keinerlei Hoffnung. Wir können es kaum fassen, als er uns etwas außerhalb des Ortes in einen kleinen Palmenhain direkt am Meer führt. Wir sind mitten im Paradies gelandet und als die Besitzerin uns auch noch mit Strom versorgt ist unser Glück perfekt.

 

Auf dem 100 x 150 m² großen Gelände stehen ganze 5 kleine Bambushütten, die vermietet werden und 1 offener Unterstand, in dem unser neuer Nachbar, ein Russe, haust.

Der arme Kerl ist Seemann, hat jedoch seit einem Jahre keine Heuer mehr. Jetzt fristet er sein Dasein in diesem Unterstand, der ihm von der Besitzerin gegen kleine Hilfsarbeiten kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Dort hat er seine wenigen Habseligkeiten verstaut, die jedoch bei diesen sintflutartigen Regenfällen ständig nass werden. Ein wirklich bedauernswertes Schicksal.

 

Für den Rest des Tages wechseln sich Sonne und Regen ab, erst gegen Abend bleibt es trocken und wir machen uns auf die Suche nach einem Gourmettempel. In einer typischen Garküche werden wir fündig und der Fisch süss-sauer schmeckt hervorragend.

In der Nacht beginnt es wieder zu regnen und hört für die nächsten Tage auch nicht mehr auf. Unser Russe hat sein Hab und Gut mittlerweile in Plastiktüten verpackt, die wenigen sonnigen Momente reichen zum Trocknen seiner Schlafmatte jedoch leider nicht aus. Wie soll es ihm denn nur während des Monsunregens gehen? Wir jedenfalls haben nach 3 Tagen Dauerregen genug davon und verlassen mit einigem Bedauern diesen paradiesischen Flecken Erde. Bei besseren Wetterbedingungen kann man es hier sicherlich längere Zeit aushalten. Wir verschenken unsere letzte indische und vor allen Dingen trockene Holzkohle an den Russen und packen unsere Siebensachen zur Abfahrt zusammen.

 

Da passiert es dann, ich klettere auf Monster’s Dach herum und aufgrund des nassen Bodens rutsche ich aus, kann mich jedoch zulasten meiner Wirbelsäule gerade noch auffangen. Ein fürchterlicher Schmerz durchfährt meinen Rücken. Für mich eine völlig neue Erfahrung, denn eigentlich ist Jupp doch für solche Art der Unterhaltung zuständig. Was hilft’s, aufgepäppelt mit Pillen und Salben machen wir uns auf die Reise nach „Pattaya“.

 

Wir haben Glück, die Fähre liegt abfahrbereit an der Anlegestelle, wir können direkt an Bord rollen und die Fahrt geht auch schon los. Wieder einmal beginnt es zu regnen, doch dieses Mal sitzen wir gemütlich im Innern beim Frühstück und lassen uns nicht erschüttern. Auch auf dem Festland ist das Wetter nicht wirklich prickelnd, doch während der Fahrt ist es uns sowieso relativ egal. Wir fahren entlang der Küste und treffen am Nachmittag in „Pattaya“ ein. Wie üblich haben wir uns einige mögliche Stellplätze im „Lonely Planet“ herausgesucht, doch unsere Auswahl ist auch hier nicht so glücklich. In einem Vorort könnten wir zwar direkt an der Strandpromenade parken, doch irgendwie wirkt hier alles so ausgestorben, dass es uns deutlich zu ruhig und somit zu unsicher ist. Also hinein ins Geschehen. „Pattaya“ scheint momentan eine einzige Baustelle zu sein, doch so richtig arbeiten sehen wir niemanden.

Dementsprechend nutzen wir die Gunst der Stunde und parken Monster auf einer Freifläche hinter einem Bauzaun an der Strandpromenade. Ich bin froh mit meinem schmerzenden Rücken endlich vom Sitz klettern zu können, stehen ist doch deutlich angenehmer.

 

Für den Abend haben wir den Besuch einer Travestieshow geplant, daher machen wir uns schon mal Stadtfein und laufen los. Nachdem wir uns durch etliche T-Shirt Verkaufsläden, vorbei an zahlreichen Straßenständen gewühlt haben, kehren wir in einem Restaurant mit einem großen Büffet ein. Für umgerechnet 3,00 € schlagen wir uns, mehr oder weniger lecker, den Bauch voll und schleppen uns anschließend zum Tiffany-Theater. Angesichts der großen Anzahl von Japanern, Chinesen und Koreaner beschleichen uns 1. Zweifel, ob wir uns wohl an der passenden Stelle befinden. Nichtsdestotrotz lösen wir zwei Tickets und wohnen einer Vorstellung bei, die in keiner Weise unseren Erwartungen entspricht.

Wir versuchen eine Ähnlichkeit mit einer Travestieshow z.B. von „Mary and Gordy“ festzustellen, bemerken aber nur Züge einer Kostümvorstellung. Es werden glamouröse Roben auf der Bühne vorgeführt und das war dann auch schon die ganze Darbietung. Wir amüsieren uns mehr über das Gebaren der Besucher als über die Show und finden uns einigermaßen geläutert auf der Straße wieder.

 

Den Rest bekommen wir auf dem Nachhauseweg. In den zahlreichen Gassen sitzen vor hunderten von Bars tausende von Frauen jeglichen Alters und warten auf mögliche Freier. Wir fragen uns höchst erstaunt, wo diese Menge denn wohl herkommen soll, damit alle diese Mädchen davon leben können. Ganz „Pattaya“ scheint eine riesige Animiermeile zu sein und auch Jupp gerät in das Visier einiger Damen. Erst als sie meiner ansichtig werden, räumen sie schnell das Feld und wenden sich kichernd anderen Dingen zu. Wir trinken ein Bier und ziehen uns recht bald zum Schlafen zurück, jedoch nicht ohne vorher den Entschluss zur morgigen Weiterfahrt gefasst zu haben. „Pattaya“ gehört eindeutig zu den Orten, die man nicht gesehen haben muss.

 

Die Nacht wird ebenfalls entsprechend, ununterbrochen dröhnt die Musik, fahren die Autos und promenieren die Menschen an uns vorüber. Während die letzten Nachtschwärmer nach Hause wandern, sind die ersten Frühaufsteher bereits wieder unterwegs und so reißt der Lärm nicht ab. Um 7.00 Uhr geben wir erschöpft auf und brechen unsere Zelte ab. Weiterhin wollen wir an der Küste entlang um dem Moloch „Bangkok“ wenigstens halbwegs zu entgehen. Keine gute Idee, denn irgendwo verfranzen wir uns ziemlich haarig und finden uns schlussendlich an einem Fluss wieder. Mir nichts, dir nichts endet dort die Straße im Wasser und wir benötigen einige Zeit um zu begreifen, dass wir aufgrund eines Brückenbaus mit einer Fähre auf die andere Seite übersetzen müssen. Das man dafür auch bezahlen muss, ist selbstverständlich und erst jetzt verstehen wir, dass es nicht einfach nur ein freundliches Winken der Leute war, sondern es sich dabei um die Kassierer handelt. Na ja, kann ja schon mal vorkommen. Wir bezahlen unseren Obolus und weiter geht die Fahrt.

 

Unterwegs wundern wir uns über die zahlreichen übervollen Kanäle und die teils wüst aussehenden Felder. Erst Tage später erfahren wir von dem Taifun, der über Vietnam getobt hat und dessen Ausläufer auch Thailand getroffen haben.

 

Nach einem Einkaufsstopp bei „Tesco“ wissen wir wieder einmal nicht, wo es lang geht und landen, wir glauben es kaum, ein weiteres Mal an einem Fluss. Wir trauen unseren Augen kaum, hier kreuzen mindestens 20 Autofähren in alle Richtungen hin und her und eingekeilt in eine lange Schlange finden auch wir uns auf einer solchen wieder. Immerhin erfahren wir, dass wir uns gleich in „Bangkok“ befinden und müssen bei dieser Erkenntnis wohl völlig entgeistert geschaut haben, denn einer der Mitreisenden erklärt sich bereit uns auf den richtigen Weg zu geleiten. Nach einem ziemlichen Tumult bei der Abfahrt finden wir doch noch den Pickup, dem wir folgen sollen bzw. glücklicherweise findet dieser uns. Monsters Größe und Farbe sei Dank! In einem undefinierbaren Verkehrschaos geht es quer durch „Bangkok“ und irgendwann habe ich dann die Orientierung wiedergefunden. Wir bedanken uns artig und brausen in südlicher Richtung davon.

 

Von einem früheren Thailandbesuch kennen wir „Hua Hin“ und dorthin führt uns unser Weg. Die Autobahnen sind hier in einem perfekten Zustand und wir sind gegen 16.00 Uhr an Ort und Stelle. Die Stadt hat sich seit dem Jahr 2000 komplett verändert und so warten wir vergeblich auf einen Blitz der Erkenntnis, alles sieht einfach völlig anders aus. Also beginnt die übliche Suche nach einem Stellplatz, die sich wie immer schwierig gestaltet. Die Zuhilfenahme einiger Rollerfahrer hätten wir uns auch gleich sparen können, nach 2 Stunden irren wir immer noch durch den Ort. Mittlerweile gefällt meinem angeschlagenen Rücken das Sitzen gar nicht mehr, was auch nicht gerade die Stimmung hebt.

 

Mit angestauter Wut im Bauch humpele ich relativ entmutigt zu einer Art Touristenbüro, das gottlob noch geöffnet ist. Auf meine Frage hin, bieten mir die beiden Anwesenden spontan den Parkplatz hinter ihrem Office an und wir sind endlich wieder happy. Der Parkplatz liegt mitten in der Stadt, in kurzer Distanz zum Strand und ist zumindest nachts absolut ruhig. Die Temperaturen sind erträglich und bei geöffneten Fenstern lässt es sich wunderbar schlafen. Wir sind so glücklich nach einer ruhig durchgeschlafenen Nacht, dass wir uns ein Frühstück in einer deutschen Bäckerei gönnen wollen.

Die Aussicht auf Graubrot und Kaffee lässt uns frohlocken und wie labern denn auch sogleich 2 deutsche Touris an, die sich ebenfalls dort eingefunden haben. Wir verstehen uns auf Anhieb so gut, dass wir zwischendurch die Position zu einer nahen Strandbar wechseln und dort nahtlos weiterquatschen. Der männliche Part des Duos outet sich als pensionierter Eisenbahner, der ebenfalls schon auf der ganzen Welt unterwegs war, allerdings alles mit dem Zug.

Nach etlichen getrunkenen Litern Wasser und einem gehörigen Sonnenbrand auf meinen Schultern, die irgendwie unter dem Schirm hervorgeschaut haben müssen, verschieben wir die weitere Unterhaltung auf den Abend beim Essen. Bei typischen Thai-Gerichten geht der Gesprächsstoff auch jetzt noch nicht aus. Keiner weiß, wie es ausgegangen wäre, wenn die beiden nicht am nächsten Morgen hätten abreisen müssen. So aber verbringen wir den Freitag mit der Erledigung unserer Emailpost und erfolglosem Shoppen und machen uns am Samstag zeitig auf den Weg weiter nach Süden.

 

Je nachdem wie wir vorankommen, peilen wir zunächst „Surathani“ an um von dort den Weg nach „Don Sak", dem Abfahrtsort der Fähren nach „Koh Samui“, zu suchen. Alles klappt wie am Schnürchen und wir wundern uns nicht schlecht als kurz vor „Surathani“ ein Männlein in einer beige-brauner Uniform todesmutig auf die Straße springt und uns zum Anhalten zwingt. Wie immer in solchen Fällen stoppt Jupp Monsters Maschine abrupt mitten auf der Fahrbahn und kurbelt herablassend die Seitenscheibe herunter. Dermaßen provoziert schnauzt denn auch der Polizist in ziemlichen Kommandoton: „You overtake line!“ Jupp schaut den Polizisten fragend an, ist fortan der englischen Sprache nicht mehr mächtig und sagt auf deutsch: „Hallo, wie komme ich denn nach Surathani?“ Der nun folgende Dialog findet auf Seiten des Polizisten in englisch, bei Jupp aber in deutscher Sprache statt. „Du hast die weiße Linie überfahren, du musst eine Strafe bezahlen!“ „Surathani?“ „Ja, ja der Weg führt nach Surathani, aber du musst bezahlen.“ “SUU-RAA-THAA-NIII?” „Führerschein, gib mir deinen Führerschein.“ Jupp greift zur Landkarte, hält sie dem Polizisten unter die Nase und sagt: “Surathani?“ Der Polizist ist der Verzweiflung nahe: “Ja, Surathani, Koh Samui, aber jetzt fahr an die Seite und gib mir deinen Führerschein.“ Beim Wort „Koh Samui“ strahlt Jupp und ruft begeistert:“ Ja, Koh Samui!“ wobei er wie wild auf seiner Karte herumzeigt. Die Gesichtszüge des Polizisten verzerren sich, wutentbrannt macht er wilde Handbewegungen und schreit dazu: “Fahr, fahr endlich weg!“ Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und schon brausen wir davon. Ich habe schon die ganze Zeit mit dicken Backen da gesessen und wohl kaum noch 2 Minuten ausgehalten ohne loszuprusten, dementsprechend wollen wir uns schier ausschütten vor Lachen. Ein höchst amüsantes Abenteuer.

 

Immer noch lachend erreichen wir den Fährhafen von „Don Sak“ und haben einmal mehr Glück. In 30 Minuten startet eine Fähre auf der wir für 650 Baht einen Platz für Monster ergattern. Wir bleiben während der 90 minütigen Überfahrt an Deck, machen einige Rückenübungen und genießen die Aussicht. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir Nathon an der Ostseite der Insel und entscheiden uns für einen Parkplatz direkt am Fähranleger als Übernachtungsplatz. Von dort ist es nur wenige hundert Meter bis zu einem kleinen Nachtmarkt, wo es selbstverständlich auch Essen und Trinken gibt. Das Essen bestellen wir an einer der vielen Garküchen, holen an einem anderen Stand einen Krug Bier und suchen uns einen freien Platz an einem der zahlreichen Tische. Mir ist nach wie vor schleierhaft, wie die einzelnen Garküchen anschließend ihr Geschirr wiederfinden bzw. auseinanderhalten. Anscheinend läuft das Ganze hier in geregelteren Bahnen ab als in unserer Heimat, wo der Eine dem Anderen wohl selbst das Besteck klaut. Wir essen jedenfalls mal wieder vorzüglich und liegen kurze Zeit später bereits in der Koje.

 

Morgens um 7.00 Uhr sind wir wieder auf den Beinen und los geht es weiter um die Insel. Überall halten wir die Augen auf nach einem Stellplatz am Strand, aber wie schon so oft gesehen ist auch hier die Küste total zugebaut. Im Hauptort „Chaweng“ ist es zwar um diese frühe Stunde noch sehr ruhig, aber die Leuchtreklamen und die vielen Geschäfte lassen uns über die voraussichtliche Anzahl der Touristen nicht im Zweifel. Auch hier werden wir also nicht fündig. Weiter geht die Suche, unzählige Male kurven wir durch die engen Straßen von „Lamai“. Das Ganze geht so lange, dass ich vor Rückenschmerzen kaum noch sitzen kann und wir beide uns am Ende in die Haare kriegen. Zehn Minuten lang fliegen die Fetzen, doch dadurch ist die größte Anspannung erst einmal heraus und wir können wieder etwas klarer denken.

 

Bei unserem Gekurve haben wir einen Tauchshop der „Easy Diver“ gesehen und vielleicht kann uns dort ja jemand einen Tipp geben. Wir bekommen auch wirklich einen Rat, wo wir eventuell fündig werden könnten. Während wir in der Basis noch herumreden, kommt ein etwas wild aussehender Typ herein. Dieser hat draußen Monster gesehen und ist einfach hin und weg, seine Begeisterung kennt keine Grenzen. Nachdem er ihn aus allen möglichen Blickwinkeln auf Zelluloid gebannt hat, erklärt er uns den Weg zu der Bar seines Freundes, in der Annahme, dass wir dort stehen können. Frohen Mutes machen wir uns auf den Weg, doch bei dem, der Bar angeschlossenen Resort finden wir keine Gegenliebe mit unserem Ansinnen nach Strom. Wir stehen noch da und beratschlagen, wie es weitergehen soll, da taucht der Typ von vorhin wieder auf. Dieses Mal stellt er sich vor, Marc aus Belgien, der bereits seit 7 Jahren auf der Insel lebt. Wir besprechen kurz die Situation und Marc erklärt sich bereit uns zu einer anderen Bungalowanlage zu bringen. So landen wir im „White Sands“, einer anscheinend aus der Hippiezeit übriggebliebenen Anlage, die aus vielen kleinen Holzhütten besteht. Marc und Jupp verhandeln mit dem Besitzer und Monster bekommt einen schattigen Platz inklusive Strom für 300 Baht pro Tag.

Wir parken direkt vor einer der Hütten, die wir für diesen Preis auch nutzen können, konstatieren aber nach einer Besichtigung, dass wir dort selbst einen Hund nicht unterbringen würden. Gottlob sind wir ja perfekt mit Bett und Dusche ausgerüstet und wollen zunächst also mal dort bleiben.

 

Nach einem wohltuenden Bad im Meer sieht die Welt gleich anders aus, jetzt fehlt uns nur noch ein Fernsehgerät am Abend zum Anschauen des anstehenden Formel 1 Rennens. Wie auf Bestellung taucht Marc wieder auf, dieses Mal in Begleitung seiner Freundin Carmen aus der Schweiz, und schon ist der TV Abend gesichert. Wir kehren gemeinsam in eine Pizzeria ein, deren italienischer Koch bekennender Ferrrarifan (was auch sonst?) ist und verbringen einen zufriedenen Abend.

Zufriedenstellend ist überhaupt unsere Zeit auf „Koh Samui“. Haben wir anfangs noch mit der „White Sands“ Anlage gehadert, so fühlen wir uns nach einiger Zeit dort sehr wohl. Niemand stört sich an unserer Anwesenheit und die Tage plätschern friedlich dahin. An drei Tagen erkunden wir die Unterwasserwelt rund um „Koh Samui“ und „Koh Tao“ und an zwei weiteren Tagen belegt uns Marc mit Beschlag. Auf Maschine „erfahren“ wir die Insel, scheitern an so manchem Berg und genießen doch wunderschöne Ausblicke. „Koh Samui“ muss in früheren Tagen für Aussteiger das ideale Ziel gewesen sein und so mancher fristet immer noch dort sein Leben. Nicht so ein junger Mann (36), den wir in unserer Anlage kennenlernen und uns stark an Robinson Crusoe erinnert.

Er lebt in einer der Hütten, die sich direkt am Strand befinden und hat sich dort ein gemütliches Heim geschaffen. Im Innern ausgestattet mit Büchern und TV, hat er rings um seine Behausung einen kleinen Garten angelegt und selbst die Hängematte auf der Veranda fehlt nicht. Er erzählt uns, dass er in Deutschland eine kleine Wohnung für 375,00 € vermietet hat und von dieser Summe lebt er nun ganzjährig in Thailand. Für sein leibliches Wohl sorgt er am Morgen selbst und für die anderen beiden Mahlzeiten kehrt er in eine der zahlreichen Garküchen ein. Im November und Dezember besucht er seinen alten Vater in Deutschland und finanziert diese Ausflüge mit Auftritten als Nikolaus oder Weihnachtsmann. Auf diese Art und Weise kommt er mit so einer für uns unwahrscheinlich kleinen Summe sehr gut zurecht und lebt wesentlich ruhiger und ausgeglichener als in unserer Heimat. Man sieht mal wieder, alles ist möglich, man muss es nur wollen.

 

Von Wollen kann bei uns gar keine Rede sein, als wir uns am Samstag, 10.06., mit Monster wieder auf die Straße begeben, doch möchten wir einigermaßen im selbstgesteckten Zeitplan bleiben, ist es nun an der Zeit. Morgens um 11.00 Uhr sind wir ein weiteres Mal auf einer Fähre, die uns knapp 1.5 Stunden später in „Don Sak“ wieder ausspukt. Heute heißt es nur noch fahren, fahren, fahren auf der Autobahn. Über „Nakhon Si Thammarat“ und die bereits bekannten Orte „Songkhla“ und „Hat Yai“ erreichen wir am frühen Abend den Grenzort „Sadao“. In weniger als 10 Minuten sind alle Formalitäten erledigt und wir rollen in Richtung Malaysia, voller Erwartung welche Überraschungen dort dieses Mal auf uns warten.