Thailand: März 2006

Die Einreise nach Thailand gestaltet sich ebenfalls sehr einfach. Wir parken Monster auf dem Zollinnenhof und wandern zu Fuß zu den verschiedenen Zollhäuschen. Zuerst lassen wir unsere Pässe abstempeln und anschließend ist Monster an der Reihe. Ein freundlicher Zöllner entnimmt dem Carnet de Passage die Fahrzeugdaten, füllt die offizielle Einfuhrerklärung aus und stempelt dann gleich noch das Carnet ab, obwohl dieses von Thailand eigentlich nicht anerkannt wird. Das funktioniert wohl alles ein bisschen nach dem Motto: Doppelt gemoppelt hält besser. Uns ist es gleichgültig, Hauptsache wir sind drin.

Wir lassen Monster im Zollhof stehen und gehen in den Grenzort Sadao. Dort wollen wir eine Fahrzeughaftpflichtversicherung abschließen. Wir erkundigen uns bei mehreren Agenturen und entscheiden uns mangels eines Angebotes für 4 Monate für eine sechsmonatige. Diese ist mit 660,00 Baht = 14,00 € unwesentlich teuerer als eine für 3 Monate und so sind wir für unsere Rückkehr im Mai oder Juni auch noch gleich versichert. Bei einer Siam Bankfiliale tauschen wir, kommissionsfrei, einige Travellerschecks (1,00 US$ = 39,14 Baht) und so sind wir für die Weiterfahrt gerüstet.

 

Zunächst fahren wir über Hat Yai in Richtung Ostküste, nach Songkhla.
Wir wollen versuchen am Samila Strand ein Plätzchen zu finden. Mittels der Ortskarte im „Lonely Planet“ finden wir uns gut zurecht, schauen gleich noch die bronzene Meerjungfrau an und lassen uns auf einem Parkplatz an der Strandpromenade nieder. Praktischerweise stehen auch gleich einige Garküchen (Hawker) um uns herum und da wir heute mal wieder etwas faul sind, bestellen wir unser Abendessen dort.
Die Lieferung erfolgt durch die Köchin persönlich, samt Tellern und Besteck frei Haus und so sitzen wir ganz bequem in Monster und lassen uns verwöhnen. Keiner weiß zwar so genau, um was es sich bei den verschiedenen Spießchen handelt, aber zusammen mit gebratenem Reis ist alles sehr lecker und schlägt gerade mal mit 75,00 Baht = 1,60 € zu Buche.

Wir hören noch einige Zeit ein paar Jugendlichen zu, die Gitarre spielend und Bier trinkend am Strand sitzen, doch um 21.00 Uhr kehrt überall Ruhe ein. Diese hält auch während der Nacht an, durch die offenen Fenster weht eine kühle Brise und so sind wir morgens schon früh putzmunter. Wie sich herausstellt, sogar eine Stunde früher als geplant, denn wieder einmal haben wir vergessen die Uhr umzustellen. Zu Deutschland sind wir hier nur noch 6 Stunden voraus.

 

Über sehr gute und größtenteils 2-spurige Straßen geht die Fahrt zunächst nach Trang. Auch der Verkehr und die Fahrweise der Thais entspricht doch mehr europäischen Vorstellungen, was soll uns nach Indien auch noch groß erschüttern? Bereits um 11.00 Uhr sind wir an Ort und Stelle und steuern Ani’s Buchladen an. Wir haben gelesen, dass man dort neben englischen und europäischen Büchern, auch gute Informationen über die nähere Umgebung bekommen kann. Das diese auch noch in deutscher Sprache sind, haben wir nicht erwartet. Der Buchladen wird von einem jungen Mann aus dem deutsch-holländischen Grenzgebiet bei Aachen und seiner thailändischen Frau geleitet. Die beiden sind wirklich sehr nett und geben uns gute Tipps, die umliegenden Strände und das Tauchen betreffend.

Sie erzählen, dass es auf der vorgelagerten Insel Ko Hai(Ngai) eine Tauchbasis gibt, die von einem deutschsprachigen Paar geleitet wird, die sehr nett seien. Wir verquatschen mal wieder ein Stündchen und legen anschließend einen Einkaufsstopp Tesco ein, bevor wir uns zum Strand aufmachen. In dem kleinen Ort Pak Meng am Pier versuchen wir Infos über eine Fahrverbindung nach Ko Hai zu bekommen. Der zuständige Agent des Ko Hai Resorts ist leider unauffindbar, aber ein anderer Thai hilft uns freundlicherweise mit der Telefonnummer und dann auch gleich mit seinem Telefon aus. Wir haben versäumt uns eine thailändische Telefonnummer zu zulegen und so können wir über die malaiische Nummer zwar noch angerufen werden, aber leider nicht mehr anrufen.

 

Das Unternehmen Tauchen stellt sich dann jedoch sehr schwierig dar. Wir müssten Monster auf dem Festland alleine, uns auf die Insel schippern lassen und eine Nacht im Resort verbringen, da die Tauchboote bereits um 7.30 Uhr starten, so früh aber noch kein Transfer möglich ist. Das behagt uns alles gar nicht und wir legen den Tauchgedanken vorerst auf Eis. Gemütlich fahren wir stattdessen an der Küste entlang und halten Ausschau nach einem schönen Platz. Im Hat Jao Mai Nationalpark werden wir fündig. Außer uns ist nur ein Paar samt Ultraleichtflieger und Flugschüler dort. Die Flieger werden jährlich von der Regierung angeheuert, die Küste zu observieren und die dort verbliebene Dugongpopulation (Seekühe) zu zählen. Auch kein schlechter Job!

 

Inzwischen beginnt es bereits zu dämmern und wir packen ausnahmsweise mal wieder den Grill aus. Wir Glücklichen haben immer noch einige der wunderbaren Filetsteaks aus Goa eingefroren und heute geht es zweien an den Kragen. Dazu einige Bratkartoffeln und Salat, es geht uns wieder einmal hervorragend.

Aufgrund der Temperaturen wird es eine heiße Nacht, kein Windchen regt sich, aber da wir unsere Nachbarn mit dem Geknatter des Generators nicht aufregen wollen, muss die Klimaanlage ausbleiben und wir schwitzen. Auch diese Nacht geht vorüber und nach einem erfrischenden Bad im Meer sieht die Welt gleich ganz anders aus. Wir fahren die Küste ein bisschen weiter hinunter und lassen uns am Hat Yao Beach häuslich nieder. Flugs Tisch und Stühle heraus und erst einmal frühstücken. Hier werden wir zum 1. Mal mit den Tsunami- Evakuierungsschildern konfrontiert.

Die thailändische Küste ist gepflastert damit, nahezu alle 50 m steht ein Schild mit der im Gefahrfalle einzuschlagenden Richtung oder mit dem Hinweis, höher gelegene Gebiete aufzusuchen.

Den Tag vertrödeln wir mit Lesen am Strand und erst gegen Abend fahren wir zurück nach Pak Meng. Laut Aussage Ani’s Buchshop sind die ersten Fischlokale dort sehr gut. Nachdem wir die „Promenade“ bereits 2x auf und ab gefahren sind ohne eine Entscheidung getroffen zu haben, nimmt uns diese eine resolute Köchin ab. Sie stellt sich in unseren Weg und winkt uns auf eine Parkfläche neben ihr Restaurant. Nach Rücksprache mit dem Besitzer bekommen wir auch noch Strom für die Klimaanlage und schon sind alle Beteiligten happy. In romantischer Atmosphäre sitzen wir bei Kerzenschein am Strand und freuen uns auf den Fisch Wie sich nach dem Besuch in der Küche und dem Aussuchen des Fisches herausstellt, haben wir wirklich Glück gehabt. Die Küche ist blitzeblank und der Fisch, mit süss-sauerer Sosse, schmeckt top.

 

Angenehm gekühlt schlafen wir diese Nacht tief und fest, ausnahmsweise sogar bis 8.00 Uhr. Inzwischen haben wir herausgefunden, dass nach Ko Lanta auch Autofähren fahren. Wir wissen zwar nicht, ob auch solche Fahrzeuge wie Monster transportiert werden, aber wir machen uns trotzdem erst einmal auf den Weg. Angeblich gibt es 2 Möglichkeiten überzusetzen und so fahren wir zuerst den für uns näher liegenden Ort Ban Baw Meuang an. Dort gibt es außer einem kleinen Pier rein gar nichts, im Gegenteil, unser Versuch auf den Steg zu fahren, löst bei den Anwohnern helle Panik aus. Also das Ganze rückwärts und auf mehr Glück im nächsten Ort hoffen.

Unterwegs fahren wir an zahlreichen Garnelenzuchten vorbei, was man auch unschwer am Geruch erkennen kann. In großen Wasserbecken drehen sich eine Art Windräder zur Sauerstoff-anreicherung. Praktischerweise werden die ausgewachsenen Garnelen gleich an Ort und Stelle sortiert, in unserem Falle mitten auf der Straße. Auf einer Hälfte der Fahrbahn werden Tische aufgebaut, über die ein Sonnensegel aufgespannt wird.

 

Auf diesen Tischen sortieren mehrere, mit Gummihandschuhen bewaffnete Frauen die Shrimps nach Größe in verschiedene Körbe. Diese werden dann sogleich auf einen Lastwagen geladen und los geht die Fahrt. Frischer geht es wirklich nicht. Leider sind die Tiere stark mit Antibiotika verseucht, das die Farmer tonnenweise zur Verhinderung von Krankheiten einsetzen.

 

In Ban Hua Hin sind wir erfolgreicher als beim 1. Versuch, hier gibt es einen richtigen Fähranleger. Beim Ticketkauf tun sich die üblichen Sprachprobleme auf, die Thais sprechen in der Regel nur sehr wenig und schlecht englisch und unser thailändisch ist leider auch sehr beschränkt. Irgendwie kommen wir doch zusammen und während ich mich noch über 6 Fahrkarten wundere, quatscht Jupp mehrere Leute an. Es stellt sich heraus, dass die Fähre nicht direkt Ko Lanta Yai anfährt, sondern zuerst Ko Lanta Noi. Dort geht es einmal quer über die Insel und anschließend mit einer anderen Fähre weiter nach Lanta Yai. Der Fahrpreis beträgt 430,00 Baht = 9,50 € für die Hinfahrt. Bisher hat ja alles gut geklappt und so sind wir bereits um 12.30 Uhr auf der Insel. Zeit genug einen Stellplatz zu finden, denken wir zumindest.

 

Wir fahren auf der Hauptstraße, vorbei an den verschiedenen Strandabschnitten, in Richtung Süden und halten Ausschau nach einem Plätzchen. Ein Hotel bzw. Resort liegt neben dem anderen und bis jetzt haben wir noch keine Lücke für Monster gefunden. Am Hat Phra Ae Strand biegen wir in eine Seitenstraße ein und werden sogleich von einigen ortsansässigen Deutschen angesprochen. Wir sollen an einer Bar fragen, dort haben bis vor wenigen Tagen einige Franzosen mit ihrem Camper gestanden. Dieser Ort liegt jedoch direkt am Weg und erscheint uns einfach zu laut, die Lage neben einer Bar wird wohl noch ein Übriges dazu beitragen. Zusätzlich hätten wir natürlich gerne etwas Strom für die Klima und so verwerfen wir diese Möglichkeit. Die Suche geht weiter, irgendwann drehen wir resigniert um und fahren zum Hauptort Ban Sala Dan zurück.

 

Die nun beginnende Suche nach einer Tauchbasis stellt sich ungleich einfacher dar, mittlerweile gibt es 19 Stück und wir schauen uns einige davon an. Schlussendlich kommen 2 in die nähere Auswahl, Kontiki Diving oder die Ko Lanta Diver. Bei den Lanta Diver erhalten wir gleichzeitig einen Tipp für die Stellplatzsuche und so geht es wieder von vorne los. Ein weiteres Mal die Hauptstraße auf und ab, bei einer kleineren Bungalowanlage könnten wir zwar in einer Ecke stehen, aber irgendwie macht uns das alles nicht so richtig glücklich. Also ein drittes Mal zurück und siehe da, es tut sich doch noch eine Lücke auf, wir finden ein freies Stückchen Wiese direkt am Strand. Rechts daneben ein kleines Restaurant und links kommt lange nichts. Wir sind dermaßen froh über unseren Fund, dass wir so recht auf nichts mehr achten.

 

Plötzlich tut es einen lauten Knall und es geht ein Ruck durch Monster. Was ist passiert? Wir haben mal wieder eine Stromleitung erwischt, dieses Mal ist sie an unserer Wäschetonne hängen geblieben. Bei uns ist weiter nichts passiert, die Leitung ist auch noch o.k., einzig hängt sie jetzt leider nur noch in 1.50 m Höhe. Schau’n wir mal ob sich jemand erbarmt und die Leitung wieder hochhängt. Wir fragen beim Restaurantbesitzer nach, ob wir neben seinem Haus stehen dürfen und ob er uns eventuell sogar mit Strom versorgen könnte. Es ist ein überaus freundlicher Mensch und alle unsere Wünsche werden prompt erfüllt. Besser geht es doch nicht, oder?

Wir laden flugs Maschine ab und fahren nochmals ins Dorf, um die Tauchfrage endgültig zu klären. Das Angebot der Ko Lanta Diver sagt uns mehr zu, preislich tut sich bei allen nichts, und so checken wir dort ein. Gleich für den nächsten Tag buchen wir eine Tagesausfahrt mit 2 Tauchgängen, Frühstück und Lunch. Wieder vor der Türe treffen wir eine Gruppe deutscher Taucher, die gerade von der heutigen Ausfahrt zuückgekommen sind und beim so genannten „Dekobier“ sitzen. Wir kommen ins Gespräch und latschen gleich ins nächste Fettnäpfchen. Unsere Aussage, dass die Jungs und Mädel schwäbeln, löst helle Empörung aus. Die vermeintlichen Schwaben outen sich als Pfälzer, nichtsdestotrotz eine nette Truppe. Wir trinken dann auch noch gleich ein Bier, auch ohne Deko, bevor wir zu Monster zurück brausen. Das Abendessen nehmen wir heute in „unserem“ Restaurant ein, so können wir uns ein wenig für den Strom revanchieren.

 

Am Freitagmorgen werden wir um 7.30 Uhr per Pickup von der Tauchbasis abgeholt, das Schiff läuft bereits um 8.00 Uhr aus. Es wird ein gemütlicher Tag, die Sonne scheint und die beiden Jungs, Frank und Justin, die mit uns gemeinsam in einer Gruppe tauchen, sind ebenfalls sehr sympathisch. Kurzum ein gelungener Tauchtag, sodass wir für morgen gleich wieder eine Ausfahrt planen. Die Anfahrt nach Hin Daeng und Hin Muang beträgt ca. 4 Stunden, aus diesem Grunde ist bereits um 7.00 Uhr Abfahrt, aber an Bord haben wir ja noch Zeit genug für ein Nickerchen. Auch dieser Tag geht schnell vorüber und bei der Rückkehr treffen wir an der Basis mal wieder die Schwaben, die Pfälzer sind, Moni und Matze, Angelika und Erika, Andreas und Volker.

 

Für den nächsten Tag verabreden wir eine gemeinsame Ausfahrt, aber 1. kommt es anders und 2. als man denkt. Jetzt, nach knapp 8 Monaten seit dem Start, schlägt Jupps Rücken zum 1. Mal zu. Beim Sprung vom Boot ins Wasser hat er sich einen Brustwirbel verrenkt und das Atmen fällt schwer. Guter Rat ist teuer, aber immerhin kann uns jemand einen guten Masseur empfehlen. Leider kann Jupp dort heute nicht mehr ankommen und so müssen wir das Tauchen am Sonntagmorgen absagen und stattdessen einen Masseurtermin wahrnehmen. Es handelt sich um eine Thaimassage, aber der Masseur weiß was er tut und kann Juppi einigermaßen hinbiegen. Zum Tauchen reicht es jedenfalls und so gehen auch Montag und Dienstag mit anschließender Massage schnell vorüber.

 

Das sollen dann auch unsere Taucheinlagen für dieses Mal gewesen sein. Am Samstag wollen wir unsere Zelte auf Ko Lanta abbrechen und von der Insel haben wir immer noch so gut wie nichts gesehen. Wir verabreden uns am Mittwoch mit Moni und Matze zur Inselrundfahrt. Wir fahren vorbei am Hat Khlong Khong Strand und von dort quer über die Insel zur alten Hauptstadt Ban Si Raya, auch Ko Lanta Old town genannt. Der Ort an der Ostküste war früher ein Umschlagplatz für chinesische und arabische Schiffe. Heute erinnern nur noch einige wenige, teils zweistöckige, hölzerne Geschäftshäuser an diese Zeit. Direkt am Wasser sind einige sehr gute Fischrestaurants.

 

Abends treffen wir uns mit dem Rest der Truppe auch ohne Tauchen zum Dekobier und anschließend dann beim Abendessen in einer der zahlreichen Garküchen. Da am nächsten Tag alle tauchfrei haben, wollen wir die berühmte „Lanta Trophy“ fahren. Dazu treffen wir uns um 11.00 Uhr alle mit unseren „Maschinen“ sprich Rollern und los geht die Fahrt kreuz und quer über die Insel, an einen einsamen Strand und zu einem späten Mittagessen in die „Moonbar“. In diesem originellen Lokal ist dann einfach abhängen angesagt.

Die Frage ob und welchen Sieger der Trophy es gibt, konnte nicht eindeutig geklärt werden, die Verfasserin rätselt heute noch manchmal.

 

Die Zeit scheint mal wieder zu rasen, sodass wir uns am Freitag für unseren Aufbruch rüsten. Es heißt Abschiednehmen von den Schwaben, die Pfälzer sind, jedoch nicht ohne vorher ein weiteres Treffen in einigen Tagen in Phuket zu verabreden.

An der Fähre stehen wir morgens erst einmal im Stau, anscheinend fahren alle Insulaner am Samstagvormittag auf das Festland und so dauert die gesamte Überfahrt 3 Stunden. Wir wollen heute nur bis Ao Nang und haben somit Zeit genug. Im Ort hat sich, seit unserem letzten Besuch vor 5 Jahren, aufgrund des Tsunami und der Zeit viel geändert, wir erkennen nur noch wenige Dinge wieder. Es gibt inzwischen eine Strandpromenade bis zum Nationalpark „Hat Noppharat Thara“ mit jeder Menge Stellmöglichkeiten.

 

Bekanntermaßen sind wir beide ja inzwischen ein wenig verwöhnt und so möchten wir auch hier gerne Strom bekommen. Wir tun eine Bungalowanlage im Park auf, finden aber weder eine Rezeption noch jemanden der irgendwie zuständig wäre. Wir fahren zum Hauptquartier des Nationalparks, aber dort spricht niemand englisch oder könnte uns anders weiterhelfen. Nach kurzer Überlegung und dem Motto, wo kein Kläger, da kein Richter, suchen wir uns einfach einen Platz in der Bungalowanlage neben einem Sanitärhäuschen, dort gibt es nämlich auch Steckdosen samt Strom. Es beginnt bereits zu dämmern und wir laufen die 5 Kilometer bis Ao Nang. Wir schauen uns das Örtchen an, das inzwischen ziemlich touristisch geworden ist, trinken ein Weizenbier (!) und kutschieren mit einem TukTuk wieder zu Monster zurück.

Gleich neben dem Hauptquartier des Parks sind einige Fischlokale und hier ist das Essen wesentlich günstiger als im Ort. Der Fisch ist frisch und auch die Schalentiere (Muscheln und Garnelen) schmecken hervorragend. Diese Nacht verbringen wir mal wieder angenehm gekühlt und niemand nimmt an unserer Anwesenheit Anstoß.

 

Sonntagmorgen erkunden wir die nähere Umgebung, hinter einem Kanal und dem Fähranleger befinden sich mehrere Luxushotels und alles macht einen sehr ruhigen Eindruck. Wie lange das noch so bleibt, ist zweifelhaft, denn eine Riesenbettenburg ist im Bau. Eigentlich sehr schade!! Wir nehmen einen kleinen Umweg an der Bäckerei „Gifts“ vorbei, erstehen ein Körnerbrot und fahren zurück in den Ort. Bei der Anreise haben wir bereits am „Krabi Resort“ gefragt, ob wir dort für 1 Nacht stehen können und diese Gelegenheit nehmen wir heute wahr. Völlig unbehelligt parken wir auf dem Hotelparkplatz, schön gelegen an einem Teich und da das alles so schön geklappt hat, legen wir uns anschließend auch gleich auf die hoteleigenen Strandliegen. Auf diese Art und Weise verbringen wir einen angenehmen Nachmittag.

 

Abends machen wir uns via Internet über Tauchsafaris nach Myanmar (Burma) schlau, die von Phuket oder Ranong starten. Vielleicht haben wir ja Glück und können dann an Ort und Stelle noch etwas „last minute“ ergattern. Nach einem typischen thailändischen Abendessen, pad thai und fried rice, trollen wir zu Monster zurück. Oh, welche Freude, wir entdecken eine Steckdose! Zwar war niemals die Rede von Strombezug, doch no risk no fun, stecken wir unser Kabel dreist ein und freuen uns über die kühle Luft während der Nacht. Morgens dann werden wir etwas unsanft geweckt, draußen steht ein Giftzwerg und hat einen Tobsuchtsanfall. 1. dürften wir nicht einfach auf seinem Gelände parken und 2. hätten wir seinen Strom geklaut. Die 2. Schandtat gestehen wir ja reumütig ein, aber den 1. Vorwurf können wir nicht auf uns sitzen lassen. Es entstehen so geistreiche Dialoge wie: „Sie dürfen hier nicht parken“; „Wir haben aber an der Rezeption gefragt“; „Das dürfen die aber gar nicht gestatten“; „Woher sollen wir das denn wissen, wir können nicht mehr als fragen“; „Sie haben meinen Strom gestohlen“; „O.K. damit haben Sie Recht, wieviel sollen wir dafür bezahlen?“ Die ganze Diskussion geht wieder von vorne los, dreht sich im Kreis und zieht sich endlos in die Länge. Für mich eine günstige Gelegenheit, alle Sachen zu verstauen und Monster schon mal startklar zu machen. Wer weiß was noch kommt? Giftzwerg und Jupp führen ihre Unterhaltung immer noch fort, immerhin, jetzt sollen wir 300,00 Baht = 7,00 € für die Nacht und den Strom zahlen. Da hätten wir ja gleich ein Zimmer nehmen können, das ist ja Wucher!!! Jupp steigt zunächst mal ein, startet den Motor und rollt langsam Richtung Tor. Oh weh, jetzt gerät Giftzwerg vollends in Rage (und das als Asiate, seine Angestellten schauen schon sehr irritiert), schnell lässt er die Tore verschließen, damit wir nur nicht entweichen. Das war keineswegs unsere Absicht. Betont langsam rollen wir vor die Tore, Jupp steigt aus, würdigt Giftzwerg keines Blickes und marschiert geradewegs zur Rezeption. Dort zahlt er die 300,00 Baht, selbstverständlich gegen Quittung, steigt wieder ein und wir fahren davon, natürlich nicht ohne uns freundlich bei den Torwächtern zu bedanken. Giftzwerg, der Gute, hat ja zweifelsohne Recht, aber muss man sich gleich so aufführen? Sicherlich hat er mit seinem Auftritt vor seinen Angestellten sein Gesicht verloren. Ob es das wert war?

 

Wir fahren erst einmal ein Stückchen um uns zu beruhigen und legen dann an einer Tankstelle eine Frühstückspause ein. Frischen Mutes geht es weiter nach Phuket. In unserem Lieblings-Supermarkt frischen wir unsere Vorräte auf, obwohl es nach wie vor günstiger ist ins Restaurant zu gehen als selbst zu kochen.

Sodann fahren wir zielstrebig nach Patong, dort gibt es angeblich ein Restaurant mit Campside, aber entweder ist die gelesene Angabe falsch oder wir sind mit Blindheit geschlagen, wir können den Platz nicht finden. Also dann eben weiter, Patong ist eh nicht so erstrebenswert und wir haben noch eine Anlaufstelle im Süden der Insel. Auf dem Weg dorthin kommen wir zufällig bei Moby Dick Diving vorbei, einer der Agenturen, die Tauchsafaris verchartern. Gleich in die Bremsen und nichts wie hin. Vor der Türe treffen wir auf eine junge Frau, die unser Monster gesehen hat und von der Neugier heraus getrieben wurde.

Christina arbeitet just in der Agentur, zu der wir wollen, wie praktisch. Sie gibt sich unendlich viel Mühe, telefoniert wie wild herum, aber es ist wie verhext, in dieser und der nächsten Woche sind alle Schiffe für Myanmar ausgebucht. Wir hatten uns so vorgestellt, irgendwie als Retter in der Not aufzutreten und alle wären froh „last minute“ noch 2 Plätze verkaufen zu können. Ja denkste, so kann man sich irren. Das einzige Angebot überhaupt noch ist ein 9 Tagetrip mit der Anggun, einem 5 Sterne Schiff und dementsprechend nicht gerade billig. Weiterer Nachteil an dieser Offerte: die Tour startet erst in 15 Tagen und es sind 10 Russen an Bord. Vorteil: ein traumhaftes Schiff, jede Kabine mit separater Dusche, WC und Klimaanlage und entgegen dem normalen Tourverlauf bleibt es dieses Mal 6 Tage in Burma! Das reizt uns natürlich sehr. Christina telefoniert mit ihrer Freundin Heike, die praktischerweise bei Anggun Charter arbeitet (Phuket scheint auch ein Dorf zu sein) und reserviert vorerst bis zum nächsten Tag die letzten beiden Plätze. Wir brauchen einfach etwas Zeit zum Nachdenken. Nach einem weiteren Plausch müssen wir los einen Übernachtungsplatz suchen.

 

Relativ naiv zu glauben, dass wir aufs Geradewohl eine Bungalowanlage zwischen Rawai und Nai Han Beach mit dem eindrucksvollen Namen „Bei Jürgen“ finden. Dort gibt es ca. 100 Bungalowanlagen, aber die gesuchte finden wir natürlich nicht. Inzwischen beginnt es bereits zu dämmern, es wird langsam Zeit, dass wir fündig werden, also fahren wir zurück zur Chalong Bucht. Auf dem Parkplatz direkt am Pier neben einer Rettungswache haben wir Glück und nachdem die üblichen Sprachschwierigkeiten überwunden sind, bekommen wir sogar Strom. Die über dünne Drähte abenteuerlich verbundene Steckdose sieht zwar nicht sehr vertrauenserweckend aus, aber immerhin, es kommt Strom heraus und die Klimaanlage läuft ohne großes Getöse. Über Nacht machen wir uns einige Gedanken zur Tauchsafari mit der Anggun und am Morgen steht unser Entschluss fest. Wir wollen über den Reisepreis verhandeln, nochmals nachdenken und wenn es einigermaßen erschwinglich ist, mitfahren. Voraussichtlich werden wir in den nächsten Jahren nicht mehr hierher kommen, also wenn nicht jetzt, wann dann?

 

Heike ist ebenfalls eine sehr sympathische, junge Frau aus Deutschland, mit der wir uns auf Anhieb gut verstehen. Wir überlegen hin und her und einigen uns zum Schluss auf eine Sparvariante. Wir werden die Tour nicht ganz, also ab und bis Phuket mitfahren, sondern erst in Ranong dazu stoßen und dort das Schiff auch wieder verlassen. Das birgt für uns 2 Vorteile, 1. müssen wir nicht soviel bezahlen, da wir ja auch nur 6 Tage an Bord sind und 2. müssen wir nicht wieder bis Phuket herunterfahren. Bis zum Tourstart sind immerhin noch 14 Tage und die wollen wir nicht auf Phuket herumhängen, sondern in der Zwischenzeit hoch in den Norden nach Chiang Mai. Dort haben wir uns eine 5-tägige Rundreise ausgedacht, mit Hin- und Rückfahrt passt das ganz gut. Wir fackeln also nicht mehr lange und sagen zu. Nach soviel geistiger Anstrengung gönnen wir uns ein Frühstück in der deutschen Bäckerei „Manni“ (so ein Touristenort birgt auch Vorteile).

 

Als wir endlich zu Monster zurückkehren, ist die gesamte Rettungswache in heller Aufregung. Accident, accident!! Der abenteuerlichen Steckdose ist es zu warm geworden und sie ist angefangen zu schmoren, unser Stecker hat es selbstverständlich auch nicht überlebt. Alle Diskussionen sind zwecklos, am Ende ist natürlich unser Stecker schuld und wir sind unseren schönen Platz mit Strom los. Wir könnten zwar noch dort stehen bleiben, aber was hilft das ohne Strom?

 

Inzwischen sind auch die schwäbischen Pfälzer auf Phuket eingetroffen. Die sechs wohnen irgendwo in Karon, wir rufen mal an, wer weiß?, vielleicht gibt es ja an ihrem Hotel einen Platz. Leider müssen auch sie passen, aber nichtsdestotrotz verabreden wir uns zum Abendessen. Wir brechen also unsere Zelte in Chalong ab und kreuzen durch Kata und Karon. So richtig passt uns alles nicht und schlussendlich schließen wir einen Kompromiss. Wir kaufen uns bei Tesco einen Ventilator und parken direkt hinter dem Restaurant, in dem wir uns später treffen wollen. Anschließend machen wir eine Strandwanderung, checken unsere Emails und dann wird es bereits Zeit fürs Abendessen. Die Wiedersehensfreude ist groß, wir haben uns ja auch 4 Tage nicht gesehen, und es wird ein lustiger Abend, der natürlich erst spät endet.

 

Am Mittwoch wachen wir zwar mit leichtem Schädelbrummen auf, aber Schuld war nicht die Hitze, sondern wohl eher das „Chang“ Beer. Wider Erwarten war es mit dem Ventilator in Monster ganz gut auszuhalten. Wir packen unsere Siebensachen, fahren zum „Tschüß“ sagen bei Christina und anschließend bei Heike vorbei und sind dann wieder unterwegs. Wir wollen heute nur bis Khao Lak, eine gemütliche 2-Stunden Fahrt. Am Ziel angekommen, besuchen wir den Wochenmarkt und schauen, was wir uns so kochen können. Es wird mal wieder Zeit für heimatliche Küche.

Wir schauen uns mehrere Strände an und bleiben schlussendlich am Bang Niang Strand. Dort finden wir direkt am Wasser in einem Palmenhain einen ruhigen Platz. Der Tsunami hat in Khao Lak extrem große Schäden angerichtet, es wurde zwar sehr vieles aufgeräumt, aber es ist doch ein beklemmendes Gefühl geblieben.

An den Wänden einiger Ruinen kann man sehr gut erkennen, wie die Welle vorne herein geschlagen ist und hinten wieder heraus. Auf einem Platz ca. 1.5 km vom Wasser entfernt steht ein Polizeiboot, das von der Welle dorthin geschleudert wurde.

Bei dessen Anblick kann man sich vorstellen, welche Kräfte dort aufgetreten sind. Bei unserem Besuch vor 5 Jahren war die Küste ganz zugebaut und jetzt gibt es viele Freiflächen. Inzwischen wird rege gebaut, es bleibt nur zu hoffen, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lernt und nicht den gesamten Strand wieder zupflastert.

 

Wir verbringen einen sehr angenehmen Abend und eine ruhige Nacht. Da es uns hier so gut gefällt, beschließen wir morgens noch einen Tag dranzuhängen und hier zu bleiben. Doch wie es so ist, anstatt gemütlich ein Buch zu lesen, stürzen wir uns in die Arbeit. Wir frickeln an Monster, insbesondere an seiner Klimaanlage herum, damit es ihr nicht immer so warm ist, verändern wir die Außenbelüftung. Es kommt, wie es kommen musste! Beim Sprung von einer Mülltonne tut es einen Knacks und Juppi hat sich mal wieder den Rücken verrenkt. Was macht dieser Mann auch auf einer Mülltonne?! Nichts geht mehr! Zunächst versuchen wir es mit einer Massage, die bringt zwar kurzfristig etwas Erleichterung, ist aber ansonsten fruchtlos. Nun bleibt nur noch Voltaren, sowohl in Tabletten als auch in Salbenform.

Am nächsten Morgen hat sich noch keinerlei Wirkung und damit Besserung gezeigt, wir beschließen noch einen Tag abzuwarten, da die lange Autofahrt dem Rücken ganz bestimmt nicht zuträglich ist. Aber leider ist am Samstagmorgen die Lage unverändert, in diesem Zustand ist an die Weiterfahrt nach Norden gar nicht zu denken. Was hilft es also, wir müssen wohl oder übel nach Phuket zurück, dort gibt es einen Chiropraktiker, der den Rücken hoffentlich wieder hinbiegt. Vor der Rückfahrt telefonieren wir mit Heike, die uns freundlicherweise schon mal einen Termin besorgen will.

 

Keine 2 Stunden später sind wir wieder in Chalong am Anggun Office. Der Chef „vont jantze“, Fritz, bietet uns einen Parkplatz samt Strom direkt vor der Türe an, den wir dankbar annehmen. Diese Sorge sind wir schon mal los und jetzt geht es ab zum Chiropraktiker Richard, der bezeichnenderweise mit Nachnamen Cracknell heißt. Der gute Mann kann Jupp sichtlich helfen, ist aber der Meinung, dass es mit einer Behandlung nicht getan ist. Was nun, morgen ist Sonntag und wenn wir noch in den Norden wollen, läuft uns langsam die Zeit davon. Wir werden abwarten, wie es am Sonntagmorgen ausschaut. Mit diesem ganzen Theater ist der Tag schnell vorüber gegangen, abends laden uns Heike und Christina zu einem Bummel über den Nachtmarkt in Phuket Stadt ein. Dort wird zu günstigen Preisen alles verkauft, das man sich vorstellen kann. Anschließend kehren wir zum Abendessen in ein Restaurant ein bevor wir ziemlich erschlagen ins Bett wandern.

 

Morgens verspürt Jupp zwar eine leichte Besserung, aber so richtig gut ist es immer noch nicht. Wir berechnen nochmals unsere Fahrtzeit hoch in den Norden und wieder zurück. Wenn wir am Montag früh einen Termin bei Richard bekommen können und anschließend gleich losfahren, müsste es zeitlich noch passen, wir müssen halt viel fahren. Einen Hintergedanken haben wir bei der Geschichte natürlich, denn heute ist der Start der Formel 1 Saison in Kuala Lumpur. Zusammen mit Fritz, dem Eigner der Anggun, könnten wir das Rennen in einem bayrischen Lokal in Rawai auf Großleinwand anschauen. Ein reizvoller Gedanke und nachdem wir bei Richard telefonisch einen frühen Termin bekommen, steht die Sache fest. Wir bleiben heute noch auf Phuket und morgen geht die Reise dann endlich weiter.

 

Fortsetzung folgt ...