Pakistan: Oktober 2005

Am 14.10. um 13.00 Uhr fahren wir n der pakistanischen Grenzstadt Taftan los und halten kurz dahinter an, um erstmal zu frühstücken.

Dort treffen wir ein Paar aus Österreich, das ebenfalls mit ihrem Wohnmobil unterwegs ist. Die beiden sind seit ca. 14 Monaten unterwegs, haben 8 Monate in Indien verbracht und sind auf dem Heimweg (www.danjako.com).

Wir bekommen wertvolle Tipps über mögliche Stellplätze in Indien und Nepal und könnten uns noch stundenlang weiter unterhalten. Doch die Zeit drängt, wir wollen vor Einbruch der Dunkelheit noch bis Dalbandin. Das schaffen wir dann trotz der widrigen Straßenverhältnisse tatsächlich und finden einen Platz am Goverment Guesthouse. Wir sind noch dabei uns häuslich einzurichten, als ein 2.Wohnmobil dazu kommt. Brunhild und Dieter aus Goslar, die wie jedes Jahr auf dem Weg zum Überwintern in Goa sind. Auch von den beiden gibt ein einige wertvolle Empfehlungen und so machen wir uns guter Dinge auf ins Dorf um ein Restaurant aufzusuchen. Auf dem Weg beschleichen uns erste Zweifel ob des Restaurantbesuches und tatsächlich kaufen wir letzten Endes einfach nur ein Brot und bereiten unser Abendessen selbst zu.

Die nächste Etappe soll Quetta sein, zunächst ereilt uns jedoch der Schock der pakistanischen Fahrweise. Die Straßen(?) sind in der Regel einspurig, kommen sich nun 2 LKW’s entgegen, fahren diese gerade aufeinander zu, um dann im letzten Moment auszuweichen.

 

Jupp scheint dieses Spiel Spaß zu machen, Sohn Dennis hätte wahrscheinlich seine helle Freude daran, aber an meinen Nerven zerrt es ganz schön. Zum guten Schluss mache ich die Augen gar nicht mehr auf. Nichtsdestotrotz erreichen wir Quetta am Nachmittag und suchen ein Hotel zum Unterstellen von Monster. Das Chaos ist unbeschreiblich, die Straßen haben kaum Namen und kaum jemand spricht englisch. Wir sprechen eine Gruppe Polizisten, die mit Schlagstöcken und Schutzschildern bewaffnet sind, an, die uns jedoch nur dümmlich angrinsen und feixen. Hier scheint die gesamte Bevölkerung bekifft zu sein. An einer Polizeistation landen wir schließlich bei dem obersten Chef. Dieser spricht englisch, erklärt uns aber in ganz Quetta sei es unmöglich ein Hotel zum Unterstellen zu finden und überhaupt wären wir besser gar nicht gekommen. Das sind ja tolle Aussichten.

 

Im Canttonment finden wir dann zwar mehrere Hotels, aber keines will Monster und uns haben. Wir sollen ein Zimmer nehmen, dann können wir bleiben. Das hat uns gerade noch gefehlt, wir sollen in einem heruntergekommenen Zimmer schlafen und unser schönes Bett steht draußen auf dem Parkplatz. Nein danke! Als man in einem anderen Hotel noch nicht einmal Geld für uns wechselt, nur für Gäste, beschließen wir diesen gastlichen Ort schnellstens zu verlassen.

 

Wir fahren einige Kilometer aus Quetta heraus und fragen an einer Kaserne, ob wir dort auf dem Parkplatz die Nacht verbringen können. Jupp wird telefonisch mit dem Kommandanten verbunden, der unser Anliegen jedoch ablehnt. Er könne das nicht gestatten. Welches Land ist das nur? Jeder spricht über Sicherheit, alles ist zu gefährlich, aber einen sicheren Platz für die Nacht gibt uns keiner. Wir fahren also noch etwas weiter und können schließlich an einer Tankstelle parken. Nachdem alle dort anwesenden Leute noch an Monster und Maschine herumgefingert haben, verbringen wir wider Erwarten eine ruhige Nacht.

Morgens geht die Horrorfahrt weiter, die Strecke zwischen Quetta und Dera Ghazi Khan ist schlichtweg eine Katastrophe, off road ist nichts dagegen.

 

Wir brauchen für eine Distanz von 100 km 5 Stunden, umgeben von Staub und Geröll. Man kann es nicht beschreiben, wenn ihr glaubt es zu wissen, stellt es Euch noch 10mal schlimmer vor. Wir fahren heute 12 Stunden und schaffen die 350 km bis Dera Ghazi Khan trotzdem nicht. Übernachtet wird wieder an einer Tankstelle, da uns mal wieder weder Polizei noch Militär weiterhelfen. Ziemlich erschöpft fahren wir am Montagmorgen weiter um kurze Zeit später an einer Passstraße im Stau zu stehen.

Ein riesiger Felsbrocken ist auf die Fahrbahn gedonnert, nichts geht mehr. Nach einigen Stunden löst sich das Ganze dann doch auf und die abenteuerliche Fahrt geht weiter. Bis kurz vor Dera Ghazi Khan, dort bekommen wir an einem Polizeiposten unsere erste Eskorte. Von anderen Reisenden hatten wir bereits davon gehört, dass man 30-40 km von der Polizei eskortiert wird. Nur in unserem Falle scheint alles anders, wir wissen nicht wie uns geschieht als wir von Eskorte zu Eskorte gereicht werden. In halsbrecherischem Tempo werden wir durch die Städte und Bazare geschleust, es ist die absolute Hölle. Niemand gönnt uns eine Pause, immer weiter geht die Horrorfahrt. Inzwischen ist es dunkel geworden und noch immer kein Ende in Sicht. Erst ein pfeifendes Geräusch unseres linken Hinterreifens kann die wilde Fahrt unterbrechen. Monster’s erster Plattfuß.

Die Polizeieskorte holt ratzfatz einen Monteur und der arme Kerl hebt sich fast einen Bruch an dem Reifen. Nach Demontage ist der Übeltäter, ein eingefahrener Nagel, schnell entlarvt. Der Reifen wird zur Werkstatt gerollt und geflickt, nach gut 2 Stunden ist der Schaden behoben. Wir wollen die Gunst der Stunde nutzen und die Nacht gleich hier verbringen, haben jedoch nicht mit der Hartnäckigkeit unserer Eskorte gerechnet. Es ist mal wieder viel zu „dangerous“ dort zu übernachten und wir müssten weiterfahren. Alle Proteste führen nur soweit, dass die Polizisten wenigstens zu geben, dass es nicht gefährlich ist, aber sie uns bei der nächsten Eskorte abliefern müssen. Es hilft alles nicht, die Fahrt geht weiter und unsere Befürchtungen bis zur Grenze zu müssen, bewahrheiten sich.

 

Als wir schließlich denken, wir seien auf einem Hinterhof gelandet, entpuppt sich das Ganze als Grenzübergang. Auch dort werden wir noch ein wenig gegängelt bis die Beamten Monster endlich dort haben, wohin er soll, nämlich auf ein eingezäuntes Gelände direkt vor dem pakistanischen Zollgebäude. Um 22.00 Uhr fallen wir todmüde und ohne Nahrungsaufnahme (da soll einem der Appetit auch nicht vergehen) ins Bett.

Wir schlafen wie die Steine, sind morgens jedoch um 6.00 Uhr wieder auf den Beinen, voller Erwartung welche Überraschungen der neue Tag für uns bereithält. Locker flockig klettern wir aus Monster, um festzustellen, dass wir die ersten und einzigen sind. Weit und breit kein Zollbeamter, sollten die etwa noch schlafen? Scheint so, gegen 8.00 Uhr tauchen vereinzelte Gestalten auf, die sich als Zollbeamten zu erkennen geben. Woran man das erkennt? Die Herren fragen ungeniert nach Haarshampoo und Duschgel und uns trifft die Erkenntnis am korruptesten Grenzübergang unserer bisherigen Reise angekommen zu sein. Ein besonders dreister Beamter erklärt uns, ohne „Geschenke“ würde die Abfertigung sehr lange dauern. Wir bleiben ganz ruhig, geben zu verstehen, dass wir Zeit genug haben und frühstücken erstmal gemütlich. Schlussendlich kommt ein anderer Beamter, wir sollen endlich mit unseren Pässen ins Zollgebäude. Natürlich möchte auch dieser seinen Einsatz belohnt haben, dieses Mal soll es ein Kuli sein, erst als dann gar nach Geld gefragt wird, reicht es Jupp.

Er erzählt einem Beamten im Vertrauen, er sei Polizeipräsident von Köln und falls der Beamte jemals nach Deutschland käme, solle er ihn anrufen. Die Telefonnummern werden ausgetauscht, nicht ohne den Hinweis, dass man Jupp selbstverständlich nicht persönlich, sondern nur seine Sekretärin erreichen könne. Schlagartig ändert sich die ganze Situation, niemand spricht mehr über die „Geschenke“, ein Beamter verlässt gar panikartig den Raum. Stattdessen werden Jupp 2 Gefangene vorgeführt, die am Morgen beim Rauschgiftschmuggel verhaftet wurden. Die beiden sind aneinander gefesselt und machen einen recht trostlosen Eindruck. Jupp gratuliert seinem „Kollegen“ zu seiner erfolgreichen Arbeit, ich schieße noch ein Foto für die deutsche Presse und siehe da, unsere Pässe kehren gestempelt zu uns zurück.

 

Unserer Ausreise steht nichts mehr im Wege.