Malaysia: Februar 2006

Um 8.15 Uh landen wir 30 Minuten früher als erwartet auf dem Kuala Lumpur International Airport (KLIA) in Sepang. Bereits beim Gang zu den Gepäckbändern sind wir angenehm überrascht von der Sauberkeit und Ordnung, alles ist so ganz anders als in Indien.

Das Auschecken und die Zollabfertigung gehen völlig problemlos vonstatten und kurze Zeit später stehen wir draußen. Dort erwarten uns einige Abfangjäger, die uns einen teuren Stadttransfer aufschwatzen wollen. Der KLIA liegt ca. 75 km außerhalb der Stadt und so benötigt man in jedem Falle ein Transportmittel dorthin. Der schlaue Touri, so wie wir selbstverständlich, weiß, dass man entweder günstig mit dem Zug oder aber mit einem offiziellen Taxi fahren kann. Wir entscheiden uns für die Taxivariante, die mit 67 Ringgit = ca. 15 € zu Buche schlägt und bestaunen unterwegs die malaiische Infrastruktur.

 

Im Hotel Pan Pacific angekommen, gönnen wir uns den Luxus des Frühstückbüffets, es gibt so wundervolle Sachen wir Graubrot, Schinken und Käse und unser Glück ist perfekt. So eine Völlerei und die Erkenntnis, dass ältere Herrschaften wie wir nachts ins Bett gehören, treiben uns in eben dieses.

Nach 2 Stunden klimatisiertem Schlaf in völliger Dunkelheit, sind wir bereit uns umzubetten und schleppen uns zum Pool. Das Schwimmen weckt dann endlich unsere Lebensgeister wieder und wir machen uns auf hinaus auf die Straße. Heute erkunden wir nur noch die nähere Umgebung, machen uns mit den verschiedenen Transportmöglichkeiten vertraut und essen in einem der vielen Foodstalls zu Abend. In so einem Foodstall sind viele verschiedene kleine Garküchen untergebracht, die früher einfach auf der Straße gekocht haben. Heute kann man an den unterschiedlichen Ständen entlang laufen, sich für eine Variante entscheiden, dort sein Essen bestellen und mitnehmen, um es dann im Mittelraum an einem der Tische zu verspeisen.

Das Ganze ist eine sehr angenehme Art des Essens, denn man hat ein großes Angebot zu sehr günstigen Preisen.

 

Am Freitagmorgen ruft die Pflicht, wie müssen zur thailändischen Botschaft unser Visum beantragen. Die Botschaft ist eine angenehme Überraschung, nicht das übliche Tohuwabu, sondern es werden Nummern ausgegeben, deren Reihenfolge auch eingehalten wird. Bereits nach einer Stunde ist alles erledigt und wir können unsere Visa am Montagvormittag abholen. Das passt ja gut, da Monster ebenfalls am Montag ankommen soll.

Vor der Türe nehmen wir ein Taxi und wollen uns zum malaiischen Automobilclub und anschließend zu einer Versicherungsgesellschaft fahren lassen. Während der Fahrt kommen wir mit dem Taxifahrer ins Gespräch, der uns von einem guten Versicherer erzählt. Ganz spontan ändern wir unsere Pläne und lassen uns direkt dorthin bringen, vielleicht haben wir den Automobilclub dann ja gar nicht mehr nötig. Im Büro der „Kurnia“ Versicherung kümmert sich gleich ein Mitarbeiter um uns, der kürzeste Zeitraum um für Monster eine Haftpflichtversicherung abzuschließen, beträgt 1 Jahr. Solange brauchen wir diese ja eigentlich nicht, aber anbetracht der Summe von 225 Ringgit = ca. 50 € dafür, schließen wir die Versicherung dann doch gleich für 1 Jahr ab. Eine vorläufige Police wird ausgestellt und wir ziehen befriedigt von dannen.

 

Zurück im Hotel nehmen wir Kontakt zur, von Prasanna Kumar empfohlenen, malaiischen Schiffsagentur „Jets“ auf. Es dauert einige Zeit bis wir dort den richtigen Ansprechpartner gefunden haben, dann jedoch ist unser Vorgang bekannt und man verspricht, uns ein Angebot zur Abwicklung per Email zu schicken. Das scheint ja alles gut zu klappen.

Inzwischen ist es Nachmittag geworden und wir zollen der Hitze Tribut. Nicht nur die Sonne, sondern auch die hohe Luftfeuchtigkeit macht uns zu schaffen, also erst einmal zum Pool und ab ins kühle Nass. Einigermaßen erfrischt fahren wir mit der „Light Rail Transit“, kurz LRT genannt, nach Chinatown.

Kuala Lumpurs öffentliches Transportsystem hat sich im Laufe der Zeit von einem langsamen, chaotischen und überfüllten zu einem schnellen, komfortablen und unkomplizierten gewandelt. Es wurde massiv in eine neue Infrastruktur, was den Neubau verschiedener Autobahnen und öffentlichen Verkehrsmittel beinhaltet, investiert. K.L. Sentral Bahnhof ist das Zentrum, in dem sich die verschiedenen Bahnen, bestehend aus KTM Komuter, KLIA Ekspres, KLIA Transit, Putra LRT und der Monoraillinie, treffen. Der einzige Nachteil, es gibt keine kombinierten Tickets zwischen den verschiedenen Schienensystemen. Wir besichtigen den 1936 im Art-deco-Stil erbauten Central Market, der heute Souvenirshops und Kneipen beherbergt und wandern durch die Straßen. Angesichts des bedrohlich dunkel gewordenen Himmels kehren wir in ein Lokal mit dem deutschen Namen „Bierkeller“ ein.

Angeblich kann man hier gemütlich beim Bier deutsche Zeitungen lesen oder mit Landsleuten plaudern. Beim näheren Hinsehen finden wir jedoch weder das Eine noch das Andere. Das Lokal ist zwar voll, jedoch mit Asiaten, die sich über Sauerkraut und Bratwurst hermachen. Es scheint zu schmecken und so lassen auch wir uns dazu hinreißen. Leider müssen wir enttäuscht feststellen, dass der Schein trügt. Schade, relativ unbefriedigt treten wir nach der allabendlichen Schauer den Heimweg an.

 

Gegenüber von unserem Hotel befindet sich das große Einkaufszentrum „The Mall“, in dem wir uns am Samstagmorgen in einem „Delifrance“ Restaurant zum Frühstück einfinden. Während wir gemütlich beim Baguette sitzen, fällt uns auf, dass im nebenan liegenden „Starbucks“ Cafe ungewöhnlich viele Menschen mit ihren Laptops sitzen. Auf unsere Nachfrage hin erfahren wir, dass man dort kostenlos im Internet surfen kann, wenn man etwas verzehrt. Schnell holen auch wir unseren Läppi um dann etwas ratlos dazustehen. Es stellt sich heraus, dass man ein Wireless Lan Adapter benötigt, das uns dann freundlicherweise vom Geschäftsführer geliehen wird. Welch eine Gelegenheit, wir surfen nach Herzenslust.

 

Der restliche Samstag und auch der Sonntag vergehen mit Besichtigungstouren. Die Metropole K.L. (1.5 Mio Einwohner, 243 km²) wurde 1896 von den Briten zur Hauptstadt der ersten Förderation Malaiischer Staaten auserkoren und 1957 zur Hauptstadt des unabhängigen Malaysias ernannt. Seither wird in K.L. ununterbrochen gebaut, und das trotz Wirtschaftskrise auch weiterhin. Keine andere Metropole im Land hat eine solche Mischung aus malaiischer, chinesischer, indischer und westlicher Kultur. Es gibt mehrere Stadtzentren: am kanalisierten Zusammenfluss von Gombak und Kelang, um die malerische Jame Moschee, wo Zinnsucher 1857 die ersten Bretterbuden an der „schlammigen Flussmündung“ (kuala lumpur) aufgestellt hatten, und auf der Geraden zwischen St. Mary’s Kirche und Hauptbahnhof, an der um die Jahrhundertwende die historischen Repräsentationsbaute entstanden. Chinatown, das älteste Stadtviertel, ist chinesisch geblieben und die neue City ist im „Golden Triangle“, wo die Hotels und Einkaufszentren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

Wir besichtigen unter anderem die „Petronas Twin Towers“, die mit 452 Metern höchsten Zwillingstürme der Welt und den 421 m hohen Menara Kuala Lumpur (KL Towers), dem 4-höchsten Telekommunikationsturm der Welt. Nach einer Sicherheitsüberprüfung kann man dort auf eine Aussichtsplattform hinauffahren und von einer Audiotour, ebenfalls in deutscher Sprache, begleitet, das Panorama der Stadt genießen.

 

Am Montagmorgen telefonieren sie mal wieder mit der Agentur „Jets“, um zu erfahren, dass Monster heute definitiv nicht ankommt und wir uns mit dem zuständigen Agenten „Andy“ treffen sollen. Ein weiteres Telefonat mit Andy führt zu einer Verabredung um 13.00 Uhr in unserem Hotel, denn zuvor müssen wir ja noch unsere Pässe bei der Thai-Botschaft abholen.

 

Andy erläutert uns später seine Rechnung und erzählt uns so ganz nebenbei, dass Monster wohl nicht auf dem angegebenen Schiff sei und er aber auch nicht wisse, wo er denn sei und wann er jemals ankomme. Das löst natürlich helle Aufregung bei uns aus und so rufen wir spontan Prasanna Kumar in Madras an. Dieser schwört Stein und Bein, dass Monster sehr wohl auf dem richtigen Schiff sei, dieses aber 3 Tage Verspätung habe. Tja, was sollen wir denn nun glauben? Es bleibt uns wohl nichts anderes als abzuwarten.

 

Die nächsten beiden Tage vertreiben wir uns relativ halbherzig in der Stadt, denn ständig kreisen unsere Gedanken um Monster. Wo mag er wohl sein?? Auf einem unserer Streifzüge landen wir mal wieder in einem deutschen Lokal, „Haus Frankfurt“ in Bangsar und natürlich erzählen wir dem Wirt „Peter“ unsere Geschichte. Es dauert gar nicht lange, da gibt uns Peter die Karte eines jungen Deutschen, Eric Reuter, der für die Spedition „abx logistics“ als Sales- und Marketingdirector arbeitet. Vielleicht kann Eric uns ja weiterhelfen. Das lassen wir uns natürlich nicht 2mal sagen, rufen Eric sogleich an und verabreden uns für den nächsten Morgen zum Frühstück. Voller Hoffnung sitzen wir bereits um 9.00 Uhr im vereinbarten „Delifrance“.

 

Mit Eric verstehen wir uns auf Anhieb prima, er möchte uns sowohl bei unserem aktuellen Problem helfen als auch bei der demnächst anstehenden Verschiffung nach Australien und dem zuvor benötigten Unterstellplatz. Eric verspricht uns ein Angebot für die Australiengeschichte zu unterbreiten, in der momentanen Angelegenheit wollen wir noch abwarten wie sich die Dinge bei Jets entwickeln. Nach einem Anruf bei Andy ist die Sache klar, dieser liegt angeblich mit Fieber im Bett (Herzlich Willkommen in Malaysia!), und so geben wir auch die hiesige Zollabwicklung in die Hände von „abx logistics“. Wir plaudern noch einige Zeit mit Eric, der sich auf seinen anstehenden Deutschlandbesuch am Samstag freut, und verabreden ein weiteres Treffen am Donnerstagabend im „Haus Frankfurt“.

 

Am Donnerstagmorgen ruft uns doch tatsächlich Andy von „Jets“ an und erklärt, dass Monster in Port Klang angekommen sei. Jetzt war er plötzlich doch auf dem von Prasanna angegebenen Schiff! Die Firma „Jets“ hat sich hier definitiv nicht mit Ruhm bekleckert. Wir sagen Eric Bescheid, der sich kümmern will. Abends dann im „Haus Frankfurt“ werden wir schon mit großem Hallo empfangen. Mittlerweile kennen fast alle deutschen Gäste unsere Geschichte und freuen sich mit uns, dass Monster endlich wieder aufgetaucht ist. Wir werden zwar noch bis Montag warten müssen, da der Freitag bei den Muslimen nur ein halber Arbeitstag und ausgerechnet dieser Samstag ein Feiertag ist, aber es wird trotzdem ein feuchtfröhlicher Abend.

 

Den Freitag verbringe ich zwischen Businesscenter und Apotheke hin und her pendelnd. Für die Zollabwicklung müssen etliche Papiere zu abx gefaxt werden und Jupps leichte Halsentzündung ist zu einer ordentlichen Grippe angewachsen. Unsere Medikamente sind natürliche alle in Monster, wer rechnet auch mit so etwas?, aber die malaiischen Apotheken sind glücklicherweise ebenfalls gut sortiert. Der ganzen Situation entsprechend ruhig verläuft denn auch das Wochenende, Jupp hütet das Bett und ich komme meinen Pflichten nach.

Etliche Emails müssen noch beantwortet werden und das Ende vom Indienbericht fehlt ebenfalls. Erst Sonntagabend raffen wir uns auf und fahren zum „Haus Frankfurt“ um uns von Peter zu verabschieden. Wir haben beschlossen, am Montagmorgen aufs Geradewohl nach Port Klang zu fahren, um zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Bereits um 10.00 Uhr sitzen wir mit Sack und Pack im Zug und avisieren unsere Ankunft bei abx auch erst von unterwegs. Das löst bei der zuständigen Sachbearbeiterin, Nancy, einige Verwirrung aus und wir sollen doch lieber in K.L. warten. Ich lasse mich auf keinerlei Diskussionen mehr ein und erkläre kurz und bündig, dass die Zeit des Wartens jetzt endgültig vorbei sei.

Für den Moment scheint meine Kompromisslosigkeit Wirkung zu zeigen und Nancy erklärt sich bereit uns am Bahnhof abzuholen. Es dauert aber gar nicht lange bis sich Nancys Chef meldet meint, dass es mit dem Zoll heute bestimmt nichts werde. Jetzt ist es mit Jupps Geduld auch langsam vorbei, es braucht zwar noch einige Telefonate, aber immerhin will man nun das Unmögliche möglich machen, sodass wir wenigstens an unsere dringend benötigten Medikamente herankommen.

 

Wie geplant holt Nancy uns am Bahnhof ab und wir fahren zum Zollamt. Ein weiterer Mitarbeiter von abx. saust mit unserem Carnet durch die Flure und schlussendlich landen wir alle im Büro eines Zollofficers. Dieser scheint keinerlei Ahnung von Ackerbau und Viehzucht, sprich der Ausfüllung unseres Carnets zu haben, besteht aber darauf, dass wir zuvor unbedingt eine malaiische Fahrerlaubnis (International Circulation Permit) benötigen. Ratlosigkeit auf allen Gesichtern und anschließende hektische Telefonate sind die Folge. Nancy findet heraus wo wir dieses verflixte Permit bekommen und schwupps, sitzen wir alle vier wieder im Auto. Es geht nach Shah Alam zu einer Behörde, die aber leider gerade Mittagspause macht. Es heißt mal wieder warten, nach 1,5 Stunden können wir endlich in das Büro des Verantwortlichen vordringen, jedoch nur um uns anzuhören, dass diese Stelle für die Ausstellung des Permit nicht zuständig ist. Immerhin kann er erklären, wo wir die passende Stelle finden und schon geht es weitere 45 Minuten nach Putrajaya. Dort hat man in einem 8 Milliarden US$ teuren Komplex sämtliche Verwaltungs- und Regierungsämter Kuala Lumpurs zentral zusammengefasst.

 

Wir irren durch verschiedene Parkhäuser und Etagen, kommen zum Schluss aber bei dem richtigen Amt aus. Hier heißt es noch mal kurz Daumendrücken, dass unsere internationalen Führerscheine nicht benötigt werden, denn diese befinden sich, wie könnte es auch anders sein, natürlich in Monster. Aber alles geht gut (wir benötigen nur den Fahrzeugschein und die Versicherungspolice) und das Permit wird völlig kostenlos (!) für einen Monat ausgestellt. Mittlerweile ist es 15.45 Uhr und unsere Hoffnungen, Monster heute noch abladen zu können, schwinden so langsam. Zunächst aber geht es zurück nach Port Klang und, siehe da, zum Hafen. Endlich bekommen wir unser Baby wenigstens zu sehen, rein äußerlich scheint alles in Ordnung zu sein.

 

Ein Zollbeamter überprüft die Fahrgestell- und Motornummer und wie dürfen wenigstens Juppis Tabletten herausholen. Dabei können wir auch den Innenraum inspizieren und außer einem bisschen Staub scheint Monster keinen Schaden davon getragen zu haben. Anschließend fahren wir wieder zum Zollamt und zurück zum Beamten vom Morgen. Der ist inzwischen nicht schlauer geworden, aber immerhin gelingt es auf unsere Anweisung hin, das Carnet zu stempeln und zu unterschreiben. Uff, das wäre geschafft! Natürlich wird es heute nix mehr mit Abladen und Nancy quartiert uns im einzigen Hotel am Platze ein. Wir sind zwar etwas brummig, aber was hilft’s?...morgen soll es jetzt tatsächlich passieren.

 

Pünktlich um 9.30 Uhr steht Nancy parat und es soll zum Hafen gehen, entgegen der gestrigen Meinung soll Monster gleich an Ort und Stelle abgeladen werden. Im Hafen angekommen, geschieht zunächst einmal nichts. Dann folgen eine heftige malaiische Diskussion mit 2 Hafenarbeitern und wildes Telefonieren, mit dem Ergebnis, dass Monster samt Flat Rack nun doch auf einen Tieflader verladen werden soll, um ihn zu einem sogenannten „Warehouse“ zum Abladen zu fahren. Welch ein Theater, wir können nur noch den Kopf schütteln. O-ton Jupp: „ Herr, gib mir einige Holzkeile und ich lade Monster innerhalb einer halben Stunde ganz alleine ab.“ Seine Worte finden leider kein Gehör und so warten wir eine weitere Stunde auf den Tieflader.

Währenddessen haben wir reichlich Zeit Monster genauer zu betrachten und stellen mit Schrecken fest, dass die linke hintere Felge 2 Risse hat.

 

Durch das Seewasser sind diese etwas angerostet und sehr deutlich zu erkennen. Wir vermuten, der Schaden rührt von einem unserer Luftsprünge und der daraus resultierenden unsanften Landung in Nepal oder Indien. Da wir unsere Reifen sowieso untereinander wechseln wollen, können wir die defekte Felge dann auch gleich mitwechseln. Der einzig positive Aspekt an der Geschichte.

 

Inzwischen ist der Tieflader angekommen, doch jetzt brauchen wir ja auch noch einen Kran, der die ganze Choose auflädt. Wieder heißt es warten, denn dass wir den Kran benötigen konnte man ja vorher nicht wissen, Autos samt Container fliegen für gewöhnlich von selbst auf Tieflader, oder etwa nicht? Nun denn, bevor ich endgültig in Stimmung gerate, wird Monster verladen. Zum krönenden Abschluss stellt man dann fest, dass das ganze Gespann mit 5.15 m zu hoch ist um unter einer 5.10 m hohen Brücke durchzufahren. Wir werden halb wahnsinnig, so etwas weiß man doch vorher!! Lange Rede, kurzer Sinn, wir messen persönlich noch einmal nach und, wie kann das jetzt nur sein?, es sind tatsächlich nur 5.05 m und so kann die Fahrt nach 3 Stunden endlich losgehen.

Wir fahren zum Warehouse, 2 Kräne laden Monster samt Flat Rack ab, es wird eine Rampe gebaut und was lange währt, wird endlich gut. Monster hat festen Boden unter den Reifen, die Erde hat ihn wieder. Warum das nicht gleich so und gar im Hafen ging, kann so recht niemand erklären. Irgendwie ist es uns jetzt auch ziemlich egal, Hauptsache wir haben unser Baby zurück.

 

Unsere erste Fahrt führt uns zu einem Reifendienst. Eine neue Felge zu bekommen scheint schwierig zu sein und so entschließen wir uns die defekte schweißen zu lassen und fortan als Reservereifen zu nutzen. Des weiteren sollen alle Reifen untereinander getauscht werden. Auch dieser Vorgang zieht sich ungeahnt in die Länge, insgesamt verbringen wir 4 Stunden in der Werkstatt.

 

Währenddessen beobachtet Jupp alle Arbeiten mit Argusaugen und ich versuche Monsters Innenleben wieder häuslich einzurichten. Um 17.30 Uhr sind wir endlich soweit, dass wir in Richtung „Tesco“ Supermarkt aufbrechen. Hach, welch ein Luxus, wir schwelgen in Lebensmitteln und können uns gar nicht satt sehen. Wie zu erwarten fällt der Einkauf üppiger als geplant aus, aber das Angebot war einfach zu schön.

 

Es ist bereits 19.00 Uhr bis alles verstaut ist und wir losfahren. Geplant ist ein Stündchen zu fahren, dann einen Rastplatz aufzusuchen und endlich mal wieder selbst zu kochen. Aber wie es so ist, wir fahren und fahren, kein Rastplatz weit und breit und bis wir schlussendlich fündig werden ist es schon 21.00 Uhr. Wir lassen uns den Appetit und erst recht die Stimmung nicht verderben und hauen unsere Lammkotelett und die heiß geliebten Bratkartoffeln in die Pfanne. Es schmeckt einfach köstlich. Die Sache hat nur einen Haken, durch die Kocherei hat sich der ohnehin warme Innenraum noch mehr aufgeheizt und mit unseren vollen Bäuchen verbringen wir die bisher heißeste Nacht. Morgens sind sowohl die Kissen als auch wir völlig aufgeweicht. Wow, what a night!!

 

Unser Entschluss in die kühleren, da höher gelegenen Cameron Highlands zu fahren, erfreut uns ständig mehr. Bereits während der Fahrt über Tapah nach Ringlet und Tanah Rata können wir den einen oder anderen kühleren Luftstrom verspüren. Unser Weg führt gemütlich vorbei an zahlreichen Wasserfällen und die, wie grüne Teppiche aussehende Teeplantagen.

Die Cameron Highlands bekamen ihren Namen nach William Cameron, der diese im Jahr 1885 entdeckte. In den 1930er Jahren wurden die Cameron Highlands zur Hillstation ausgebaut, denn hier steigt das Thermometer nie über 24 Grad.

 

In Tanah Rata angekommen, beginnt die übliche Stellplatzsuche. Laut Aussage der Touristeninformation gibt es einen Campingplatz außerhalb beim Forstministerium gelegen. Happy über diese Aussage schlagen wir die angegebene Route ein, finden auch dieses Ministerium, aber weit und breit keinen Campground. Frei nach dem Motto: Ein Satz mit x, das war wohl nix, treten wir den Rückweg an und landen auf einem Parkplatz am Ortseingang. Der Platz erscheint uns gar nicht so schlecht, jedenfalls ist er sehr zentral gelegen.

Jetzt ist mein größtes und für heute letztes Anliegen eine Wäscherei zu finden, die über eine Waschmaschine verfügt. Irgendwie haben sich in den vergangenen Tagen in Indien und Malaysia Berge (insgesamt 9 kg) von Schmutzwäsche angesammelt und die T-shirts werden knapp.

Gar nicht weit entfernt wird mein Wunsch erfüllt, die Wäsche bin ich los und wir können den Ort erkunden. Tanah Rata ist der größte Ort der Highlands. Wenn man ankommt, erblickt man zuerst einen neuen Appartementblock und dann eine Bauruine bevor man auf die Hauptstraße einbiegt. An dieser liegen links und rechts zahlreiche Restaurants und Souvenirläden. Der Ort hat eine überwiegend indische Bevölkerung, da die ersten Teepflücker, die hierher gebracht wurden alle aus Indien stammen. Ansonsten hat Tanah Rata nicht viel zu bieten, wir aber sind einfach nur zufrieden, wir haben unser Zuhause zurück und die Temperaturen pendeln sich bei 19 Grad ein.

 

Während der abendlichen Schauer bzw. dem Regenguss fühlen wir uns fast nach Deutschland zurückversetzt. Nach einer Stunde ist der ganze Spuk vorüber und wir gehen zum Abendessen. Heute wollen wir „Steamboat“ versuchen, eine Art chinesisches Fondue, bei dem alles erdenkliche Gemüse, Fleisch- und Fischsorten und Schalentiere in einer Brühe gegart werden. Es ist überaus wohlschmeckend und nebenbei auch noch sehr gemütlich.

 

Donnerstag und Freitag genießen wir die kühlen Temperaturen, wandern ein wenig durch die Gegend und machen eine Sightseeingtour. Wir besichtigen eine Rosenfarm, eine Erdbeerplantage, eine Bienenzucht und eine Schmetterlingsfarm, als ob wir so etwas im Leben noch nie gesehen hätten (manchmal haben wir scheint’s seltsame Anwandlungen). Das einzige Interessante ist eine Teeplantage, während einer 15minütigen Führung bekommt man einen kurzen Einblick in den Herstellungsprozess. Nach dem Genuss eines „Teacchino“ kehren wir aber doch lieber zur Kaffeevariante zurück.

 

Samstagvormittag fahren wir langsam durch die Berge zurück in die Hitze der Küste und zur Insel Penang. Die Insel, auch bekannt als Perle des Orients, ist eine der bekanntesten und meistbesuchten Ecken Malaysias. Die Hauptstadt Georgetown ist vor allem Chinatown. In den Gassen herrscht lebhaftes Gedränge, es riecht nach Räucherstäbchen und chinesischen Suppen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (1,31 Mill. Einwohner) sind Chinesen, die hier ausnahmsweise auch politisch das Sagen haben. Über die 1985 fertig gestellte Penang Brücke, der mit 13.5 km längsten in Asien, erreicht man die Insel recht einfach. Auf dem Hinweg zahlt man 7 RM Straßengebühr, der Rückweg ist kostenlos. Leider ist der gesamte Küstenstreifen zugebaut und es erweist sich als relativ schwierig ein schönes Plätzchen am Wasser zu finden. Im Nordwesten der Insel, kurz vor dem kleinen Ort „Teluk Bahang“ bietet sich die einzige Möglichkeit an den ziemlich vermüllten Strand zu fahren. Zwischen einigen Palmen richten wir Monster aus und räumen unter den interessierten Blicken von einigen Einheimischen den Müll weg bevor wir uns ins Wasser stürzen. Wer nun erwartet, dieses wäre kühl, hat sich schwer vertan, das Wasser hat Badewannentemperatur.

Am späten Nachmittag lassen sich 6 junge Männer neben uns nieder und beginnen einige Zelte aufzuschlagen. Es folgen etliche Grills und die Jungs starten mit der Essenszubereitung. Sie kochen, grillen und brutzeln, Säckeweise werden Muscheln verarbeitet, Sate´spiesschen gewürzt und Fische ausgenommen. Wir sind sprachlos, wer soll das Alles essen? Einige Zeit später sind wir schlauer, denn es trudeln immer mehr Leute ein. Irgendwann ist Monster von Autos und Rollern umstellt und wir wissen jetzt, wer die Esser sind. Als wir gegen 22.00 Uhr ins Bett stiefeln, ist die Party in vollem Gange, angenehmerweise völlig ohne Alkohol, sodass sich der Lärmpegel in Grenzen hält. Den Rest übertönen wir mit unserem Generator, den wir zum Betreiben der Klimaanlage benötigen. Die Party dauert die ganze Nacht, immer wenn wir aus dem Fenster schauen (selbst morgens um 6.00 Uhr), ist die Lage unverändert, es wird weiterhin gekocht und gegrillt. Als wir jedoch um 7.00 Uhr aus den Federn kriechen, ist niemand mehr da und wir können uns nur wundern. Seltsame Partygebräuche!

 

Der Sonntag vergeht geruhsam am Strand, erst gegen Abend schleppen wir uns in ein nahe gelegenes Fischlokal. Das Essen ist nach wie vor derart günstig, dass es sich nicht lohnt selbst zu kochen.

Am Montag, 20.02.2006 sind wir zeitig unterwegs. Wir fallen noch einmal bei Tesco in Georgetown ein um unsere Vorräte aufzustocken und dann geht es recht zügig Richtung Grenze. Kurz vorher füllen wir den Dieseltank, da der Diesel in Malaysia mit 1.28 RM = 0,29 € knapp um die Hälfte billiger ist als in Thailand. Die Ausreise aus Malaysia ist überhaupt kein Problem, wir irren zwar ein wenig herum bis wir das für das Carnet zuständige Office gefunden haben, aber dann geht alles sehr fix. Das macht uns Hoffnung für unsere voraussichtliche Wiedereinreise im Juni und frohgelaunt bewegen wir uns auf die thailändische Seite.