Malaysia: Juni 2006

Nachdem wir endlich das für uns passende Zollhäuschen gefunden haben, haben wir den schwierigsten Teil der malaiischen Einreise bereits erledigt. Im Gegensatz zur Einreise in Port Klang möchte heute keiner irgendwelche Papiere sehen, das Carnet wird völlig unspektakulär abgestempelt und wir sind drin. Nach dem Motto, nicht fragen, nur wundern steuern wir zielstrebig die nächste Tankstelle an, denn der Diesel ist in Malaysia deutlich günstiger und Monsters Tank dementsprechend leer. Von dort fahren wir bis zum nächst besten Rastplatz, gönnen uns ein Bami Goreng und verschwinden in der Koje.

 

Für Montagmorgen haben wir in einer Mercedes Werkstatt in „Batu Caves“ einen Termin für eine große Inspektion verabredet und daher brauchen wir uns erst gar nicht in das Verkehrschaos von Kuala Lumpur stürzen. Relativ gemütlich suchen wir unseren weg und sind an Nachmittag ohne weitere Vorkommnisse am gewünschten Ort. Das Wachpersonal der Firma „Cycle and Carriage Bintang Berhad“ ist zwar unheimlich freundlich, hat aber keine Ahnung von unserem Erscheinen. Als wir dann auch noch erklären, dass wir auf ihrem Gelände parken und gar noch übernachten wollen, macht sich Ratlosigkeit breit. Nach einigem hin und her wird schließlich der Geschäftsführer angerufen. Ich hatte unser Anliegen zwar im Voraus bereits telefonisch abgeklärt, doch jetzt benötige ich nochmals meine ganze Überzeugungskraft. Immerhin erreiche ich, dass wir auf dem abgeschlossenen Angestelltenparkplatz nächtigen dürfen. So haben wir uns das vorgestellt.

 

Gegen Abend sind wir reif für ein wenig deutsche Kost, Haus Frankfurt ruft und wir kommen. Wirt Peter freut sich über unser Erscheinen und bringt uns auf den neuesten Stand der Dinge. Als typischer Wirt zeigt sich Peter immer bestens informiert.

 

Gut bewacht verbringen wir eine ruhige Nacht, werden aber um 6.30 Uhr etwas unsanft geweckt. Die ersten Mercedesangestellten erscheinen und wir müssen den Parkplatz räumen. Wir fahren Monster über eine Grube und eigentlich könnte es jetzt gleich losgehen, denken wir. Nicht so jedoch die Mercedesmitarbeiter. So nach und nach finden sich zwar alle an Ort und Stelle ein, aber zunächst müssen die Erlebnisse vom Wochenende ausgetauscht werden. Jeder deutsche Chef wäre inzwischen an die Decke gegangen, nicht so hier. Gegen 9.30 Uhr sind die Herrschaften endlich soweit und widmen sich unserem Auto.

Der Ölwechsel und die nötige Einstellung der Kupplung geht relativ zügig von statten, doch dann nehmen die Dinge ihren Lauf. Bereits seit Kroatien haben wir immer mal wieder den Verlust von Bremsflüssigkeit bemerkt und hier nun wollen wir der Sache auf den Grund gehen. Mangels passendem Werkzeug stellt bereits das Abnehmen der Freilaufnaben die Monteure vor ein Problem. Aber mit viel Enthusiasmus und einigem Gemurkse klappt es schließlich. Die Reifen ab und dann ist der Übeltäter auch schnell gefunden. Der rechte Radbremszylinder ist minimal undicht, hat sich aber aufgrund der Straßenverhältnisse immer wieder mit Staub und Dreck zugesetzt. Somit war der Defekt von außen nicht zu erkennen. Laut Aussage des Lageristen ist ein neuer Radbremszylinder in 1-2 Stunden da, also alles kein Problem. Für uns heißt es zunächst mal warten.

Ich überbrücke die Zeit schon mal mit Kofferpacken, denn sobald ein Ende der Reparaturarbeiten in Sicht ist, wollen wir unsere Flüge in die Heimat buchen. Vor 4 Wochen haben wir bei LTU nach One-way Flügen gefragt und ein Angebot ab „Bangkok“ für 290,00 € pro Person bekommen. Das ist supergünstig und wir rufen nun dort an, um die technische Abwicklung zu besprechen. Die Dame am Telefon ist typisch LTU-mäßig sauunfreundlich und erklärt kurz und bündig, dieses Angebot wäre nicht bindend gewesen und jetzt kosten die Flüge 590,00 € p.P. Da kann man ja nur lachen, wir bedanken uns für die „freundliche“ Hilfe und das war es dann. Jetzt heißt es also umdisponieren. Da Jupp Monster nicht alleine lassen kann, werde ich in die Stadt sowohl zu Malaysian Airlines als auch zu einem Internetcafe fahren, um weiter Flüge und Preise ausfindig zu machen. Ich will gerade losfahren, da kommt Jupp mit der Hiobsbotschaft, es seien momentan keine Ersatzteile zu bekommen und die Bestellung dauert 14 Tage. Wie stellen die Leute sich das vor? Sollen wir nun 14 Tage in ihrer Werkstatt wohnen? Von irgendwoher taucht ein Mitarbeiter von Mercedes Deutschland auf und wir klagen unser Leid. Ob es nun an ihm liegt oder an Allah, jedenfalls nach einer Stunde Aufregung ist das heißbegehrte Teil dann plötzlich doch da. Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Es kann also weitergehen und ich mache mich nun wirklich auf den Weg.

 

Lange Rede, kurzer Sinn, bei Malaysian Airlines werde ich fündig. Es gibt für Mittwochnacht noch einen Flug nach Amsterdam, um aber einen einigermaßen günstigen Preis zu bekommen, müssen wir das Rückflugdatum ebenfalls festlegen. Das kann ich natürlich nicht ganz alleine entscheiden und so komme ich unverrichteter Dinge wieder bei Jupp und Monster an. Wenigstens dort ist ein Ende abzusehen. Die ganze Aktion wird sich zwar noch bis in den Abend hinziehen, doch der Werkstattleiter hat versprochen, dass seine Leute arbeiten, bis alles fertig ist. Das sind ja Aussagen und wirklich um 20.00 Uhr ist tatsächlich alles zu unserer Zufriedenheit erledigt. Was lange währt…!

 

Die Nacht verbringen wir auch noch gleich auf dem Gelände und morgens geht es zur großen Reinigungsaktion. Bevor Monster seinen Weg nach Australien antreten kann, muss er sozusagen porentief rein sein. An einer Tankstelle fahren wir auf eine Rampe und 2 Männer mit Dampfstrahlern machen sich über Monsters Unterboden her. Geschlagene drei Stunden wird geschrubbt und gewaschen und endlich findet die Aktion auch vor Juppis Augen Gnade. Jetzt müssen wir nur noch heil bis ins Warehouse zum Unterstellen kommen.

 

Wir haben uns mit Eric im ABX-Office verabredet und trauen uns also ins Chaos von Kuala Lumpur. Wider Erwarten finden wir dieses ohne größere Probleme, wir müssen zwar mehrmals nach dem Weg fragen, schlagen uns aber gut durch.

Im ABX Büro lösen sich einiger unserer Sorgen auf wunderbare Art und Weise auf. Eric führt zwei Telefonate und schon haben wir 1. unseren Heimflug mit Malaysian Airlines morgen Abend und 2. ein günstiges Zimmer im Hilton direkt am Bahnhof.

Das klappt ja alles super, jetzt muss nur noch Monster versorgt werden und dann steht unserem Heimaturlaub nichts mehr im Wege. Erics Fahrer geleitet uns zu einer Lagerhalle, in der Monster die nächsten 3 Monate fristen soll. Einmal dort eingeparkt, bleibt nur noch die elektrische Anlage stillzulegen, Monster einbruchsicher zu verpacken und Abschied zu nehmen. Mir wird ganz komisch bei dem Gedanken, denn schließlich war Monster jetzt 1 Jahr lang unser Zuhause und wir hoffen ihn genauso unversehrt wieder zu sehen.

 

30.000 Kilometern hat er uns bei einem Durchschnittsverbrauch von 21 Litern niemals im Stich gelassen, so manche Schraube hat sich gelockert, aber im Großen und Ganzen scheinen wir bei seinem Ausbau alles richtig gemacht zu haben. Überhaupt ist dieses Jahr für uns vergangen wie im Fluge, an unserer Aufgabe sind wir gewachsen und so manches anfängliche Problem entlockt uns heute nur noch ein müdes Lächeln. Als Fazit können wir nur sagen, die größte Schwierigkeit ist, den Entschluss auf Reisen zu gehen zu fassen und dann auch in die Tat umzusetzen. Wir jedenfalls haben unseren Schritt bis heute nicht bereut und freuen uns bereits auf die neuen Abenteuer in Australien.