Laos: April 2006

Sabaai-dii, Laos!!

Auf dieser Seite sieht es im Vergleich zur thailändischen wieder völlig gewohnt aus, wir können auf Anhieb einen Schlagbaum finden. Zwar müssen wir uns dann ebenfalls durchfragen, aber anschließend ist alles easy. Kurz vor dem Zollgebäude werden wir von 2 weiß vermummten Gestalten herausgewunken.

Unser Monster muss desinfiziert werden. Das hört sich ziemlich wichtig an, ist aber im Grunde eine Farce. Alle 4 Reifen werden kurz mit einer Flüssigkeit besprüht und das war es auch schon. Warum diese Prozedur nur bei Lkw’s durchgeführt wird, ist uns auch schleierhaft.

Weiter geht es zum Immigrationoffice. Dort werden wir überaus freundlich begrüßt und der Beamte ist derart begeistert, dass er gleich alle Abschnitte unseres Carnets abstempeln will. Wir können ihn gerade noch stoppen, was aber seiner Fröhlichkeit keinen Abbruch tut. Gleich nebenan können wir einige Travellerschecks in kip (10.000 kip = 1,00 €) umsetzen und schon könnten wir weiterrollen. Tja, nur ist uns leider nicht klar auf welcher Straßenseite. Rechts oder links, das ist hier die Frage…

Wow, die uns entgegenkommenden Fahrzeuge haben das Lenkrad auf der linken Seite und fahren rechts! Nach 6 Monaten Linksverkehr können wir uns mal wieder wie zuhause fühlen und stellen fest, Jupp hat es nicht verlernt. Zwar zwingt uns mancher Kreisverkehr zum Nachdenken, doch wir erreichen die erste größere Stadt, „Pakse“ (N15°06.947`E105°47.773`), völlig reibungslos.

 

Relativ schnell machen wir einen Übernachtungsplatz direkt am Ufer des „Se Don“ Flusses aus, doch zuvor wollen wir uns im Touristenbüro rückversichern. Das Office befindet sich in einem abbruchreifen Haus mit eingestürztem Dach, doch während ich staunend durch die Ruine wandere und die abgedeckten Schreibtische betrachte, taucht von irgendwoher ein Mitarbeiter auf. Er versorgt mich mit einigen Infobroschüren und erklärt, das Parken und Übernachten am Flussufer wäre kein Problem. Das hört sich gut an und so fahren wir zu der bereits angepeilten Stelle unter einem Baum.

Nach der größten Mittagshitze erkunden wir die Stadt, doch es gibt leider nicht viel zu sehen. Wir surfen kurz im Internet und suchen uns dann ein Lokal für das Abendessen. Sozusagen direkt vor unserer Haustüre liegen einige Restaurantschiffe, doch das von uns auserkorene entpuppt sich als Diskothek und wir versuchen es mit dem nächsten. Dort sitzen bereits zahlreiche Gäste, doch als Nichtasiaten fallen wir mal wieder auf. Ob es daran liegt, dass das bestellte gebratenen Hähnchen weder eine Brust noch Keulen hat, bleibt ungeklärt. Nun denn, wir werden trotzdem satt und liegen recht zufrieden um 21.00 Uhr im Bett.

 

Gerade eingeschlafen, klopft es an die Türe. Jupp stürzt sich in seine Hose und dann hinaus und dort stehen etliche Leute, unter anderem ein Polizist in Zivil. Die übliche Diskussion, wir könnten dort nicht stehen, doch zur Abwechslung mal mit Begründung. „Für Ausländer ist es untersagt, abends nach 21.00 Uhr vor oder neben einer Bank zu stehen.“ Wir sind relativ fassungslos, glauben diese Leute denn tatsächlich, wir parken den ganzen Nachmittag dort um dann nachts die Bank zu überfallen? Es ist nicht zu glauben, doch bevor die Situation eskaliert, kommt ein deutschsprachiger Laote hinzu und erklärt, das unten liegende Schiff sei seines und der dorthin führende Weg ebenfalls. Wir sollen uns ruhig dort hinstellen, das sei Privatgelände. Wir sind zwar immer noch ziemlich erbost, das uns niemand bei Tageslicht über die Situation aufgeklärt hat, müssen aber kapitulieren und Monster umsetzen.

Wir fahren also 100 (!) m weiter und hoffen auf nächtliche Ruhe. Doch weit gefehlt, jetzt tritt die merkwürdige Spezies der Reifenklopfer in Aktion. Unsere Ersatzreifen üben eine magische Anziehungskraft auf männliche Wesen aus und um 1.30 Uhr hat ein erstes Exemplar seinen Auftritt. Die Reifen werden von allen Seiten betascht und beklopft, und da sich unser Bett direkt dahinter befindet, sitzen wir in selbigem. Bis heute bleibt uns verborgen, was die Leute zu diesem Geklopfe bewegt. Jedenfalls sind die Reifenklopfer in dieser Nacht sehr umtriebig und so ist unser Schlaf etwas unregelmäßig.

 

Morgens um 5.00 Uhr ist er endgültig vorbei, ganz „Pakse“ scheint schon unterwegs zu sein, also auch wir. Eine Stunde später fahren wir schon nach Süden, in Richtung kambodschanische Grenze. Wir wollen die „Mekong“ Fälle in der Nähe von „Ban Thakho“ besuchen. Die Strecke ist zwar schlecht beschildert, aber ansonsten ganz gut zu befahren. Unterwegs gabeln wir einen Franzosen auf, der auf dem Weg nach Kambodscha ist und für die 7 km lange Fahrt bis zur Grenze 20 US$ zahlen sollte. Entgegen unseren Prinzipien nehmen wir den armen Kerl bis zu unserem Abzweig zu den „Khon Phapheng Falls“ mit, den Rest wird er wohl schaffen.

 

Für die Wasserfälle müssen wir einmal mehr den Touristeneintrittspreis bezahlen über den wir uns wie immer aufregen. Doch es hilft ja nichts uns so werden wir bei der Parkplatzsuche nochmals zur Kasse gebeten. Die Wasserfälle kann man eher als eine Art Stromschnellen bezeichnen und wir kommen zu dem Ergebnis: muss man nicht unbedingt gesehen haben!

Aber vielleicht liegt das Missfallen auch einfach nur an unserer Müdigkeit. Wir sind so erschlagen, sowohl von der Hitze als auch der nächtlichen Erlebnissen, dass wir tatsächlich an Ort und Stelle ein Mittagsschläfchen machen. Generator und Klimaanlage machen es möglich. Einigermaßen erfrischt fahren wir einen Teil der Hinstrecke wieder zurück bevor den „Mekong“ überqueren wollen. Zwischen den Orten „Ban Muang“ und „Champasak“ verkehren zwei Fähren, wobei es sich um 3 miteinander verbundene Stahlboote handelt, auf die Holzplanken gelegt wurden.

Eine recht abenteuerlich anmutende Konstruktion, die dann auch beträchtlich stöhnt und ächzt als Monster mit seinen 8.5 Tonnen hinauffährt. Es scheint alles zu halten und die Überfahrt verläuft ohne große Komplikationen. Einzig die Tarifverhandlungen sind wie immer sehr schwierig, es müssen zahlreiche Unterhändler eingeschaltet werden, bevor wir auch nur annähernd an den üblichen Preis herankommen. Auf der anderen Flussseite klappt dagegen alles recht gut, wir finden ein Guesthouse (N14°54.512`E105°53.115`), dessen Besitzer sogleich erkennt, was wir von ihm wollen. Nämlich einen Stellplatz mit Strom für die Klimaanlage.

 

Derart gut ausgestattet sitzen wir vor unserer Hautüre und lernen die anderen 2 Gäste kennen. Ein holländisches Paar, die mit Rücksäcken durch Laos gereist sind und morgen weiter in den Süden wollen. Es gibt natürlich viel zu erzählen und wir beschließen gemeinsam zum Abendessen zu gehen.

Im Dorf gibt es ein „Open-air- Restaurant“ und dorthin führt unser Weg. Wir möchten mehrere verschiedene Gerichte ausprobieren und somit bestellen wir alle zusammen. Unter anderem gibt es die berühmte thailändische Nudelsuppe „Tom Yam Kai“ und einen ganzen gegrillten Fisch mit süß-saurer Soße. Bei einem Bierchen freuen wir uns auf das Essen, doch was dann kommt, darüber können wir selbst heute noch lachen. In der „Tom Yam Kai“, in die normalerweise ganze Hühnchenstücke gehören, schwimmen einige fein säuberlich abgenagte Knochen und der Fisch ist ein ganz seltenes Exemplar. Dieses arme Tier verfügt über einen Kopf und 3 (in Worten: drei) Schwänze, jedoch hat es überhaupt keine Mitte sprich keinen Bauch!! Scheint hier ein lustiges Restaurant zu sein, wir machen jedenfalls den restlichen Abend nur noch unsere Witzchen und das bisschen, das wir essen, das können wir auch trinken. Das Bier hat übrigens ca. 35 Grad und wir trinken es zwangsläufig wie die Laoten mit Eisklümpchen.

 

Nach einer kühlen Nacht, der Klimaanlage sei Dank, fahren wir morgens um 7.00 Uhr die restlichen 7 km bis zum Wat Phu. Dieser Khmertempel ist über mehrere Ebenen gebaut werden. Im Anschluss an einen viereckigen Teich (Baray) ist ein Team von Arbeitern unter Anleitung von italienischen Archäologen gerade dabei, die ehemalige Promenade zwischen den beiden inzwischen ausgetrockneten Barays auszubuddeln. Die beiden Sanstein- Pavillons der mittleren Ebene sind unrestauriert und können nicht betreten werden, wobei der rechte einen etwas besseren Eindruck macht.

Eine leicht ansteigende Galerie führt dann zur alten Khmer Statue. Man glaubt, dass im 6.-8. Jahrhundert mit dem Bau des „Wat Phu“ begonnen wurde, und zwar im Hindu-Stil. Beendet wurde er gegen das Ende der Angkor-Periode, welche vom 9.-13. Jahrhundert dauerte, und im Laufe der Zeit in einen buddhistischen Tempel umgewandelt. Das Hauptheiligtum, dessen Shiva Phallus (lingam) einst über ein Leitungssystem mit Wasser der nahen heiligen Quelle umflutet war, liegt etwa 75 m höher. Über steile Stufen erklimmt man es unter willkommenen Schatten spendenden Frangipani-Bäumen, deren Wurzeln zum Teil die Steinblöcke überwachsen.

Für den steilen Aufstieg wird man mit einer herrlichen Aussicht belohnt, der Blick reicht über die ganze zu Füßen liegende Anlage bis weit über die Ebene und den „Mekong“ hinaus.

Die Ruinen sind in einem sehr schlechten Zustand und die Arbeit der Archäologen scheint auch nicht so recht voranzukommen. Nach 1.5 Stunden haben wir den ganzen Komplex bereits abgearbeitet und fahren zurück zur Fähre. Unterwegs stoppen wir an einer Apotheke, da dort in den meisten Fällen jemand etwas englisch spricht. Doch das ist in diesem Falle völlig überflüssig. Meine Frage nach einem Ort, an dem wir Brot einkaufen können, beantwortet der Apotheker mit der Gegenfrage, ob es sich dabei um ein Medikament handelt. Angesichts solcher Antworten geben wir die Brotsuche auf und begeben uns zur Fähre. Dort sitzen bereits die beiden Holländer vom Vorabend und wir lachen während der Überfahrt nochmals herzlich über das gelungene Abendessen. Die Fährpreisverhandlungen sind heute wesentlich einfacher und vor allen Dingen ist die Rückfahrt 30.000 kip = 3,00 € günstiger als die Anreise. Drastischer Preisverfall!

 

Über die Route 13S fahren wir zurück bis „Pakse“, finden dort am Wegesrand auch endlich Baguettes und nehmen für den weiteren Weg die Straße Nummer 16. Auf der Suche nach den „Taat Fan“ Wasserfällen und gleichnamigem Resort, biegen wir in die falsche Richtung ab und landen zufällig an einem anderen Wasserfall. Dieser ist zwar noch namenlos, aber es dauert gar nicht lange bis 2 junge Männer auftauchen. Die beiden sind damit beschäftigt den Wasserfall zugängig zu machen und erklären uns während einer persönlichen Führung, wie und wo sie einige Bungalows bauen möchten.

Für zukünftig Ruhesuchende sicherlich ein Geheimtipp (N15°12.138`E 106°07.963`). Wieder auf der Hauptstraße zurück, finden wir doch noch den Weg zum „Tatfane“ Wasserfall. Dieser fällt über 120 m in 2 parallelen Bahnen und ist am besten aus einiger Entfernung anzuschauen.

 

Angesichts des einsetzendes Gewitters verzichten wir auf den Abstieg zu einem schmalen Canyon in den das Wasser stürzt und fahren weiter in Richtung „Paksong“. Bei km 40 geht es rechts abermals zu einem Wasserfall, „Tadyeuang“, in dessen Pool man angeblich schwimmen kann. Dem ist denn auch so, aber inzwischen sind die Temperaturen dermaßen gefallen, dass wir keinen Drang ins Wasser verspüren. Stattdessen diskutieren wir mit dem Dorfältesten die Frage eines Nachtplatzes. Der Gute hat grundsätzlich keinerlei Einwände, verlangt aber 5 US$ für die Nacht. Ja sind die denn hier alle von einer wilden Maus gebissen? Sehen wir aus wie Goldesel? Nach zähen Verhandlungen einigen wir uns auf 2 US$, was immer noch Wahnsinn ist.

Wir bringen Monster in eine waagerechte Stellung und dann beginnt die Parade der Besucher. So nach und nach kommt das gesamte Dorf zur Besichtigung, manche stehen mit offenem Mund staunend da, während andere ganz dreist ins Innere schauen. Gegen 17.00 Uhr beginnt es, Gott sei Dank, zu regnen und der Besucherstrom reißt ab. Wir verbringen einen völlig ungestörten, ruhigen Abend.

 

Morgens um 5.30 Uhr steht das Dorf und infolgedessen auch wir auf. Wir brechen unsere Zelte ab und fahren weiter auf der Route 16 bevor wir bei „Paksong“ die Richtung wechseln. Weiter geht es nach Norden über die zunächst noch gute Straße 16, die sich jedoch zunehmend zur Piste entwickelt. Wir fahren ein Stück auf dem „Ho Chi Minh Trail“, ursprünglich ein komplexes Netzwerk von schmutzigen Wegen und Schotterstraßen. Obwohl der Pfad am meisten mit dem Indochina-Krieg in den Jahren 1963 bis 1974 assoziiert wird, wurde das Straßennetzwerk ursprünglich von den „Viet Minh“ als Infiltrierungsroute in den Süden genutzt.

Wir fahren ein kurzes Stück auf der 20 wieder nach Süden zurück um zu den „Tadlo“ Wasserfällen abzubiegen. Bekanntlich hat es in der letzten Nacht geregnet und die Wasserfälle stellen sich als braune Brühe dar. Wir bleiben nicht lange dort und beschließen heute noch bis „Thakaek“ durchzufahren. Auch nach dem Abzweig bei „Salavan“ auf die Route 15 in Richtung Westen ändert sich an der Piste nichts bis wir wieder auf die 13S stoßen.

Wir lassen „Savanahket“ links liegen und fahren auf der tadellosen Straße bis zu unserem Ziel „Thakaek“. Die Stadt ist nicht besonders groß und wir finden einen Stellplatz direkt am „Mekong“ gegenüber einem großen Neubau. Hauptsache keine Bank oder ein anderes öffentliches Gebäude.

 

Es dauert gar nicht lange, da kommt die Besitzerin des Neubaus und wir fragen uns schon, was geschieht jetzt wieder. Aber weit gefehlt, sie fragt in perfektem Englisch ob sie uns irgendwie helfen könne. Sie bietet uns spontan Wasser und sogar eine Dusche an, aber unseren größten Wunsch, dem nach Strom, kann sie uns nicht erfüllen. Da müsse sie zuerst ihren Ehemann fragen, der aber leider erst in 2 Stunden nach Hause käme. Wir bedanken uns herzlich, erklären, dass wir nichts benötigen und sie zieht von dannen.

Keine 5 Minuten später ist sie wieder zurück. Sie hat mit ihrem Mann telefoniert, kann uns aber trotzdem keinen Strom geben, aber dafür sollen wir uns jetzt bei den Obrigkeiten melden, damit diese wissen, dass wir dort schlafen. Wir halten das zwar für völlig überflüssig, doch des Menschen Wille ist sein Himmelreich und so gehe ich mit ihr zum Polizeibüro. Dort sitzen 3 Herren in Zivil gemütlich vor der Türe und gefallen sich in ihrer Rolle als Machthaber. Unsere vermeintliche Wohltäterin verhält sich denn auch sehr duckmäuserisch und ich koche innerlich vor Wut. Jetzt möchten die 3 unsere Pässe sehen, also wieder zurück zum Auto. Da man mich in meinem aufgebrachten Zustand wohl besser nicht mehr auf die Herren loslässt, kehrt Jupp mit den Pässen zurück. Wie er später berichtet, können die Dumpfbacken noch nicht einmal die Pässe lesen, behaupten aber allen Ernstes unsere Visen wären nicht korrekt und wir somit nicht ordnungsgemäß eingereist. Glücklicherweise war ich dabei nicht anwesend und Juppi schafft es ganz ruhig die Situation zu entschärfen. Nach einem abschließenden Besuch samt Besichtigung bekommen wir den obersten Segen und können die Nacht an Ort und Stelle verbringen. Ziemlich anstrengend die Laoten.

 

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