Kambodscha: Mai 2006

Am Freitag, dem 12.05. werden wir im kambodschanischen Grenzort „Bavet“ von 2 freundlichen Grenzbeamten empfangen. Für die Beantragung des Visums füllen wir jeweils einen kleinen Informationszettel aus und packen jeder ein Passfoto dazu. Während unsere Pässe noch bearbeitet werden, gehen wir schon mal hinüber an einen anderen Tisch, an dem man für das „Carnet de Passage“ zuständig ist. Entgegen anders lautender Informationen haben wir keinerlei Schwierigkeiten mit der vorübergehenden Einfuhr von Monster. Die ganze Prozedur dauert noch keine 10 Minuten, da haben wir unsere Visen und der Einreise mit Monster und Maschine steht nichts mehr im Wege.

 

Wir fahren über den National Highway No.1 in Richtung „Svay Rieng“, einer ruhigen Provinzhauptstadt. Die Gegend gilt wegen ihrer schlechten Bodenqualität als eine der ärmsten Kambodschas und die meisten Bewohner müssen ihren Lebensunterhalt mit Fischen und Landwirtschaft bestreiten.

 

In der Absicht uns mit ein wenig Landeswährung, dem Riel, zu versorgen, steuern wir eine Bank an. Aber entweder sind wir nicht auf dem Laufenden, was die Öffnungszeiten betrifft oder aber diese Bank ist schlichtweg nicht mehr in Betrieb. Während wir noch rätselnd dastehen, sprechen uns 2 junge Männer in perfektem Englisch an und erklären, dass wir zum Geldwechsel auf den Markt müssen. Aufgrund der Größe des Ortes ist dieser schnell gefunden und da die Geldwechsler ihr Geld in kleinen Glasvitrinen wie Pralinen anbieten, sind sie auch für uns leicht erkennbar. Für 1 US$ bekommen wir 4.000 Riel. Es ist ganz nützlich zu wissen, dass überall in Kambodscha der US$ als Zahlungsmittel akzeptiert wird. In der Regel zahlt man Beträge bis zu 1 US$ in Riel, alles weitere direkt in US$. Wir finden diese Regelung ganz praktisch, bleibt uns doch so der ständige Geldwechsel erspart.

 

Weiter fahren wir über den NH1, den wir nicht als so schlecht empfinden, wie er uns geschildert wurde. Aber vielleicht liegt es auch nur daran, dass der Mensch bekanntermaßen ein Gewohnheitstier ist. Bei „Neak Luong“ heißt es wieder mal den Mekong zu überqueren. Hier kreuzen sogar richtige Autofähren hin und her, der Transfer ist jedoch mit einiger Wartezeit behaftet. Wir vermuten schon fast ein System dahinter, damit die umherlaufenden Kinder Zeit genug haben, seltsam aussehende Insekten oder anderes Undefinierbare an kleinen Stöckchen an den Mann zu bringen.

 

Wir lehnen das Angebot dankend ab und sind doch recht froh über das Erscheinen der Fähre. Während der Überfahrt sind wir von kleinen Pick-ups umgeben, die mit allerlei Getier beladen sind. Diejenigen mit lebenden Hühnern an Bord sind die schlimmsten. Der Gestank ist unbeschreiblich und mir schießt so mancher Gedanke an die Vogelgrippe durch den Kopf. Sollte man nicht den Kontakt mit lebendem Geflügel vermeiden? Wie auch immer, hier scheint sich niemand so recht dafür zu interessieren und die armen Viecher scheinen sowieso mehr tot als lebendig.

Wir kommen recht zügig voran und erreichen „Phnom Penh“ bereits am frühen Nachmittag. Dank der Koordinaten von Karin-Marijke und Coen (Laos) finden wir den Parkplatz am Hotel „Cambodiana“ auf Anhieb und auch der Parkwächter lässt uns ohne weiteres passieren. Wir orientieren uns inner- und außerhalb des Hotels, sind aber mit der Wahl des Stellplatzes nicht so richtig glücklich. Zuvor haben wir im „Lonely Planet“ einige Auswahlplätze herausgesucht und diese schauen wir uns nun zu Fuß an.

Bis auf einen eventuellen Platz im Garten des „Renakse“ Hotels ist überall nicht genügend Stellfläche für Monster. Leider ist dort die Managerin gerade nicht anwesend, sodass wir keinen Verhandlungspartner haben. Zum guten Schluss heuern wir einen Rikschafahrer an, doch auch mit dessen Hilfe werden wir nicht fündig. Wir kehren abermals zum „Renakse“ zurück und dieses Mal haben wir mehr Glück. Wir sollen zwar 10US$ für den Platz zahlen, doch angesichts der Sicherheit, des schönen Gartens und nicht zuletzt des Stroms für die Klimaanlage, sind wir einverstanden. Schnell holen wir Monster am „Cambodiana“ ab und richten uns im Garten häuslich ein.

 

Anschließend bummeln wir durch die Straßen, entlang des „Tonle Sap“ Flusses und betrachten das Angebot der dort aufgebauten Garküchen. Was wir dort alles erblicken ist in keiner Weise dazu angetan unseren Appetit anzuregen. Die Palette reicht über fingerdicke Maden und Käfer in sämtlichen Größen hin zu kleinen Vögelchen, die in heißem Fett frittiert werden. Wir können uns nur noch schütteln, doch so mancher Kambodschaner sucht sich dort seine Delikatessen gewissenhaft aus.

Einigermaßen gebeutelt landen wir zum Sonnenuntergang im FCC (Foreign Correspondent Club), ein hübsch eingerichtetes Bistro und Restaurant. Es liegt im 1. Stock und bietet am Spätnachmittag einen spektakulären Blick auf den „Tonle Sap“ und das geschäftige Treiben davor. Schnell kommen wir mit einem holländischen Paar ins Gespräch, die bereits seit einiger Zeit in „Phnom Penh“ leben und wie üblich gibt es einige Insidertipps.

 

Der Reiz des heutigen „Phnom Penh“ liegt darin, dass es seinen provinziellen Charme noch nicht verloren hat, obwohl es auf dem Weg zu eine typisch asiatischen Großstadt ist. Die Stadt ist noch weit davon entfernt, ein verpesteter Moloch wie „Bangkok“ zu sein, ist jedoch lebhafter als „Vientiane“ und „Hanoi“. Asiatisch sind die Menschenmassen, die die Straßen und Märkte beleben, chinesisch die Geschäftsleute, international die Gastronomie und alles vermischt mit einem Schuss französischem Flair. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl.

 

Am nächsten Morgen wollen wir mit unseren Besichtigungen beginnen, im Vergleich zu anderen Hauptstädten bietet „Phnom Penh“ jedoch wenig beeindruckende Sehenswürdigkeiten. Wir starten mit dem Royal Palace und der Silberpagode, doch der 1. Versuch scheitert kläglich. Völlig gedankenlos bin ich in einem ärmellosen T-Shirt losgelaufen und werde von der Dame im Kassenhäuschen zurückgewiesen. Zumindest die Schultern müssen bedeckt sein. Glücklicherweise wohnen wir ja direkt gegenüber, sodass ich mich schnell umziehen kann. Beim 2. Versuch können wir zwar hereinkommen, doch leider ist die Besichtigung des Königspalastes heute nicht möglich. In der Regel dürfen Besucher zwar einen Teil des Geländes betreten, aber die Besichtigung der Gebäude ist strengstens verboten. Wir sind also nicht sonderlich traurig und begnügen uns mit der Silberpagode.

 

1892 wurde der Bereich als eine Art überdimensionale Familiengruft von König Norodom angelegt. Das Gelände, auf dem vier Stupas, die die Asche von verstorbenen Königen und der jüngsten Tochter von Sihanouk beinhalten, sowie einige Denkmäler stehen, ist von einer hohen Mauer umgeben. Treppen aus italienischem Marmor führen zum Eingang und der gesamte Boden im Inneren der Pagode ist mit 5.281 Silberplatten ausgelegt, von der jede knapp über 1 Kilogramm wiegt. In den Vitrinen an den Seiten sind wertvolle Geschenke verschiedener Staatsoberhäupter ausgestellt. Doch was uns am meisten beeindruckt, ist der wahrscheinlich kostbarste Altar der Welt. In dessen Mitte thront ein lebensgroßer Buddha, der aus 90 Kilogramm purem Gold gegossen ist. Er ist zusätzlich mit 9.584 Diamanten bestückt, von denen der wertvollste ein 25-Karatstein ist .

 

Während wir in den Räumen umherlaufen, sehen wir 3 weitere Europäer, von denen mir 2 Leute ziemlich bekannt vorkommen. Ich wühle in meinen grauen Zellen und bin mir ziemlich sicher, sie in der iranischen Botschaft in Istanbul gesehen zu haben. Kurz entschlossen spreche ich sie an und sie sind es tatsächlich. Im Laufe des Gesprächs stellt sich heraus, dass wir in etwa die gleiche Route gefahren sind und dass wir den dritten im Bunde, Martin (der gerade nicht anwesend ist), bereits in Goa am „Agonda Beach“ getroffen haben. Die anderen beiden, Maz und Alex (www.overland-underwater.com) waren zu diesem Zeitpunkt zum Tauchen in der Andaman See und Martin hatte ihnen bei ihrer Rückkehr bereits von Monster vorgeschwärmt. Als die Pagode zur Mittagspause schließt, reden wir immer noch über unsere Erlebnisse und verlegen die gemütliche Runde der Einfachheit halber in Monster. Die 3 aus England sind mit ihren beiden Toyota Landcruisern ebenfalls unterwegs nach Australien. Mal sehen, wo sich unsere Wege wieder einmal kreuzen.

 

Am späten Nachmittag fahren wir mit einer Motorrikscha zum „Psah Tuol Tom Pong“ oder auch Russenmarkt genannt. Während der Zeit des vietnamesischen Einflusses kauften dort für gewöhnlich die Russen ein, da sie hier geschmuggelte Westwaren fanden, die sie zu Hause nicht bekamen. Neben den üblichen Artikeln eines kambodschanischen Marktes gibt es eine reichhaltige Auswahl für den Handwerker und Bastler. Von meterlangen Schrauben für den Schiffsbau, über moderne elektrische Bohrmaschinen bis hin zum umfassenden Angebot an Fahrrad- und Motorradersatzteilen ist die Auswahl unerschöpflich.

Den Sonnenuntergang verbringen wir abermals im FCC und stellen mit Freunden fest, dass dort das „Formel 1“ Qualifikationstraining übertragen wird. Das ist ja toll, wie wissen jetzt schon, wo wir den Sonntagabend verbringen werden.

 

Am Sonntagvormittag besuchen wir das „Tuol Sleng“ Museum. Im Jahre 1975 wurde die „Tuol Svay Prey“ Schule von Pol Pots Sicherheitskräften beschlagnahmt und in das Sicherheitsgefängnis 21 (S-21) umgewandelt. Bald schon wurde es das größte Folterzentrum des ganzen Landes. Zwischen 1975 und 1978 wurden mehr als 17.000 Menschen, Männer Frauen und Kinder, hier gefangen gehalten und sofern sie nicht schon an den Folgen der Folterungen starben, zu ihrer Exekution nach „Choeung EK (Killing Fields) gebracht. Etliche Ausländer aus Australien, Frankreich und den USA, die als Spione verdächtigt wurden, wurden ebenfalls im S-21 gefangen gehalten bevor man sie umgebracht hat.

Als die vietnamesische Armee Phnom Penh im Jahre 1979 befreite, wurden lediglich 7 Überlebende im S-21 gefunden. Ebenso gründlich wie die Nazis, wurde von den Roten Khmer jeder Gefangene fotografiert, manchmal vor und nach der Folter. Die, ganze Bildwände füllenden Fotos der Menschen, die Folterräume und Zellen mit alten Blutflecken und die Bilder der Massaker machen das Horrorkabinett komplett. In einem Gebäude hängen Bilder von Pol Pot und Leng Sery, denen Besucher die Augen ausgestochen und mit Graffiti gegen Pol Pot beschmiert haben. Die authentischen Bildes des Malers Vann Nath, der als einer der wenigen S-21 überlebt hat, zeigen die unvorstellbare Grausamkeit in diesem Gefängnis. Eine äußerst bedrückende Atmosphäre liegt über diesem Stück der Geschichte Kambodschas , die der Deutschen auf erschütternde Weise ähnelt. Wir stehen dermaßen unter dem Eindruck des Gesehenen, dass wir am Nachmittag gar nichts mehr unternehmen wollen und ihn lesend verbringen.

 

Abends haben wir uns ein wenig erholt und kommen zu dem Vergnügen mal wieder ein Formel 1 Rennen anschauen zu können. Wer hätte das in Kambodscha vermutet?

Am Montagmorgen verlassen wir „Phnom Penh“ in nördlicher Richtung über die 700 m lange japanische Freundschaftsbrücke, die den „Tonle Sap“ überspannt und deren richtiger Name „Chruoy Changvar“ lautet. Die Brücke wurde während der Kämpfe im Jahre 1975 gesprengt und war lange Zeit Synonym für die Zerstörung in Kambodscha. Erst 1993 wurde sie für 23,2 Millionen US$ aus einem japanischen Fond wieder aufgebaut. Wir fahren über die Route 6a, die laut Karte direkt am Mekong entlang führt, doch in Wirklichkeit sehen wir den Fluss erst wieder ab „Preak Anhchan“. Fahrgelegenheiten scheinen in Kambodscha ebenso rar zu sein wie in Laos, denn überall sind die Kleinbusse proppenvoll und die Dachgepäckträger hoffnungslos überladen, als krönender Abschluss sitzen immer noch einige junge Männer obendrauf.

Wir fahren über „Kompong Thom“ direkt nach „Siem Reap“, dem Ausgangsort zum Besuch der Tempel und der Sehenswürdigkeiten von Angkor. Zwar zählt der Ort mittlerweile etwa 60.000 Einwohner, doch mit dem träge, unter großen, weit ausladenden Bäumen dahin fließenden Siem-Reap-Fluss strahlt er Ruhe und Beschaulichkeit aus. An der Ausfallstraße zum Flughafen quartieren wir uns beim „Apsara Angkor“ Gasthaus auf dem Hof ein, insgesamt ist es nach Monsters Einfahrt zwar ein bisschen beengt, doch immerhin bekommen wir dort Strom und sind glücklich und zufrieden. Wir laden Maschine ab und drehen vor dem Abendessen eine Runde durch den Ort.

 

Ein innerhalb der Stadt aufgestauter Bach teilt „Siem Reap“ in eine Ost- und eine Westhälfte. Die Westhälfte ist durchzogen von breiten Alleen und dort befinden sich die meisten öffentlichen Gebäude, das berühmte Grand Hotel und der „Psah Chah“ Markt, um den sich Souvenir-Shops und Restaurants scharen. Die Osthälfte hingegen ist etwas ins Hintertreffen geraten. Wir tummeln uns dann auch überwiegend in der Westhälfte, nehmen in einer Bar die „Happy-Hour“ wahr und trauen uns nach langer Abstinenz mal wieder in ein indisches Restaurant. In Erinnerungen schwelgend, profitieren wir bei der Auswahl der Gerichte von unseren Erfahrungen und trotzdem bleibt uns eine gewisse Schärfe beim Essen nicht erspart.

 

Morgens geht es auf Maschine zeitig nach Angkor los, das insgesamt eine Fläche von 232 m² umfasst und alle Tempel, die zur Angkorperiode (7. bis 13. Jahrhundert) gehören, einbezieht. Seit ihrer Entdeckung durch den Franzosen Henri Mouhot haben die alten Ruinen tiefen Eindruck bei allen Besuchern hinterlassen. Die einzigartige Architektur der Tempel und die romantische Lage mitten im Urwald bringen selbst solch hartnäckige Kulturbanausen wie uns zum Schwärmen. Zunächst müssen wir jedoch an einem Checkpoint, der unübersehbar an der Straße nach „Angkor Wat“ liegt, unsere Tickets kaufen. Der 3 Tagepass, für den man ein Passbild benötigt, kostet 40US$ und mit diesem einlaminierten Ausweis versehen brausen wir weiter. Rein theoretisch kann man das Gelände auch ohne Ticket betreten, doch vor den einzelnen Tempeln stehen freundliche Kontrolleure.

 

„Angkor Wat“ zählt zu den sieben Weltwundern, es ist das größte sakrale Bauwerk der Erde. Kein anderes Monument wurde bisher so aufwendig restauriert wie dieser gewaltige Tempel. Wir gehen über eine Brücke aus Sandstein, die den 150 m breiten Wassergraben, der „Angkor Wat“ umgibt (Seitenlängen 1000 x 800 Meter), überspannt. Die Brücke führt zum Eingangsgebäude, das von einem massiven Turm überragt wird. Hier wird nun auch der Blick auf die majestätischen Türme frei.

Wir müssen einen 350 m langen Damm, flankiert von einer Balustrade, hinter uns bringen bevor wir das Zentrum des Heiligtums betreten können. Nach dem Hauptportal beginnt eine Galerie mit Flachreliefs, die eine Wandfläche von 800 Metern bedecken und die längsten zusammenhängenden der Welt sind. Der zentrale Turm erhebt sich 31 m vom 3. Level aus. Das Erklimmen der extrem steilen, schmalen Steinstufen stellt eine ziemliche Herausforderung an die Überwindung meiner Höhenangst dar, wird beim Erreichen des Heiligtums auf 55 m Höhe aber mit einer tollen Aussicht und einer willkommenen Brise belohnt. Wir verbringen etliche Zeit innerhalb der Anlage und lassen die einzigartige Atmosphäre auf uns wirken.

 

Anschließend möchten wir uns ungern auf die Besichtigung des nächsten Tempels stürzen und so fahren wir zunächst einmal den 17 Kilometer langen „Petit Circuit“ um uns einen groben Überblick zu verschaffen. Wollten wir alle Tempel am seinem Wegesrand besuchen, würden wir einen ganzen Tag benötigen, wir aber ziehen eine Pause bei Monster vor. Der Zeitpunkt ist günstig gewählt, denn kaum ist Maschine geparkt, öffnet der Himmel seine Schleusen und es schüttet wie aus Eimern.

 

Am späten Nachmittag fahren wir abermals los, dieses Mal möchten wir den Sonnenuntergang am „Angkor Wat“ genießen. Wie sich herausstellt, möchten das etliche der organisierten Gruppen ebenfalls und so ist es relativ voll. Einmal mehr freuen wir uns, keine Pauschaltouristen zu sein, genießen die sich bietenden Eindrücke und kehren zurück zur Happy-Hour vom Vorabend.

 

Für den 2. Tag haben wir uns den „Banteay Srei“ Tempel, die Zitadelle der Frauen, vorgenommen. Wir fahren über den großen Rundgang (Grand Circuit), der den äußeren Kreis um die Tempelstadt bildet und 26 Kilometer lang ist. An einem der Checkpoints winken uns die Kontrolleure vermeintlich fröhlich zu und wir winken genauso zurück, doch kaum sind wir um die nächste Kurve gebogen, da wissen wir auch was das Winken zu bedeuten hat.

Unsere Maschine hat einen Plattfuss! Also per Pedes zurück zum Checkpoint, an dem die Kontrolleure schon feixend auf uns warten. Wir haben Glück im Unglück, gleich 100 Meter weiter ist eine der Aufladestationen für die Elektro-Fahrräder, die man zur Erkundung des Geländes mieten kann und dort sitzt auch ein Mensch, der Reifen flicken kann. In Null Komma Nichts ist das Loch im Schlauch geortet und geflickt. Die ganze Aktion kostet uns 15 Minuten und 1 US$ und schon kann die Fahrt weiter gehen.

 

Die neu asphaltierte Straße geht durch mehrere kleine Dörfer weit hinaus aufs Land. Auch hier haben die in ärmlichen Verhältnissen lebenden Menschen schnell gemerkt, dass an den Touristen Geld zu verdienen ist und verkaufen allerlei Souvenirs und kalte Getränke vor ihren Hütten.

 

Am „Banteay Srei“ ist es um diese frühe Stunde glücklicherweise noch relativ ruhig, denn der Tempel ist sehr klein. Mit seinen perfekt erhaltenen Steinmetzarbeiten zählt dieses Miniatur Heiligtum aus rotem Sandstein zu den kunsthistorischen Höhepunkten von Angkor. Wir genießen die Ruhe und lauschen den Klängen einer Musikgruppe, die sich unter einem Baum niedergelassen hat.

Nach einem Mittagsstopp steht der „Ta Prohm“ auf dem Programm. Da es so viele Baumwerke in Angkor gab, entschlossen sich die Archäologen der L’Ecole Francaise d’Extreme Orient einen Tempel so zu belassen, wie sie die gesamte Tempelstadt bei ihrer Entdeckung vorgefunden haben. Das wilde Durcheinander von eingestürzten Türmen und Galerien macht die gesamte Anlage zu einem unheimlichen Labyrinth.

Vor allem der Kapokbaum und die Würgefeige, deren riesige Wurzeln die Türme und Fassaden des Bauwerkes wie riesige Tentakeln umarmen, sind für die Zerstörung verantwortlich.

 

Passend zum morgens besuchten Tempel, kehren wir zum Abendessen ins „Banteay Srei“ Restaurant ein. Die Holzstühle dort sind zwar nicht sonderlich bequem, doch das äußerst leckere Khmer Gericht „Amok Fisch“, in Kokosmilch gekochter Fisch mit Curry und Kräutern des Landes, macht das wieder wett.

 

Für unseren letzten Tag haben wir uns „Angkor Thom“ (die große Hauptstadt) aufgespart. Wir fahren durch das südliche Stadttor, das ca. 8 Kilometer von „Siem Reap“ entfernt liegt und überqueren dabei einen 50 Meter breiten Wassergraben, in dem früher gefährliche Krokodile gelebt haben sollen, der die 12 Kilometer lange Stadtmauer umgibt.

Im Zentrum von „Angkor Thom“ liegt der „Bayon“. Aus der Ferne wirkt dieser Tempel wie ein massiver Felsklotz im Dschungel, doch beim näheren Betrachten bemerkt man ein architektonisches Meisterwerk. Verschachtelte Galerien, filigrane Flachreliefs und ein Chaos an verwinkelten Räumen ziehen uns in ihren Bann, doch am meisten beeindrucken uns die etwa 200 gewaltigen Gesichter mit ihrem zu Stein erstarrten Lächeln.

Nach der Besichtigung der Elefantenterrasse ist unser Bedarf an Tempeln endgültig gedeckt. Wir erkunden abschließend ein wenig die Umgebung von „Siem Reap“, nehmen unser Abendessen bei einer der Garküchen am Markt ein und sind rechtzeitig vor dem Einsetzen des großen Regens wieder zu Hause.

 

Freitagmorgen nehmen wir die als sehr schlecht bekannte Strecke nach „Poipet“, dem Grenzort zu Thailand in Angriff. Tatsächlich beginnt bereits kurz nach „Siem Reap“ eine Schotterstraße in desolatem Zustand und die zu überfahrenden Brücken sind auch nicht Vertrauen erweckend. Schilder über die Tragfähigkeit fehlen zum größten Teil, manche Löcher im Brückenbelag sind nur mit Metallplatten abgedeckt und selbst wenn wir nur im Schritttempo darüber fahren, ächzen und knarren die Brückenpfeiler ganz gewaltig. An so mancher kommen uns so große Bedenken, dass wir lieber vom Weg ab und durch die Furt auf die andere Seite fahren, so groß ist unser Heldenmut nun doch nicht. Bei „Sisophon“ ist das Gerumpel gottlob vorbei, wir treffen auf Asphalt und können in gewohntem Tempo bis „Poipet“ rollen.

 

Am Grenzübergang das gewohnte Chaos, eine lange Schlange vor einem Schalter bis sich endlich ein Beamter erbarmt, einen zweiten zu öffnen. Als ich an der Reihe bin, erwartet mich eine Überraschung, denn die Ausweise können elektronisch gelesen werden und wie in den USA werden wir photographisch erfasst. Fortschritt, Fortschritt, doch beim Carnet holt uns die Gegenwart wieder ein, wir können schon das in Frage kommende Zollgebäude nicht finden.

Schließlich lande ich in einem Haus, das angeblich das Richtige ist, doch alle Büros sind entweder verschlossen oder leer. Ziemlich verwirrt laufe ich durch die Gänge bis ich auf ein menschliches Wesen treffe. Zumindest das Gebäude scheint o.k. zu sein und nachdem ich die leeren Büros erwähne, werde ich in den hinteren Trakt verwiesen. Als dort auch nach mehrmaligem Klopfen niemand aufmacht, drehe ich probeweise mal am Türknauf und siehe da, der Sesam öffnet sich.

 

Nachdem sich meine Augen an die Dunkelheit in dem Raum gewöhnt haben, muss ich mit Schrecken feststellen, dass ich mitten in einem Schlafzimmer stehe, dessen Besitzer mich schlaftrunken mustert. Der Gute scheint genauso erstaunt wie ich, aber da keine wüsten Beschimpfungen folgen, wedele ich vorsichtshalber mal mit dem Carnet herum. Irgendwie scheint das zu helfen, denn der Mann bedeutet mir, draußen zu warten. Nach 5 Minuten erscheint er in seiner Uniform und ich bin relativ froh doch beim Richtigen gelandet zu sein.

Mit meiner Hilfe gelingt auch das Ausfüllen des „Carnet de Passage“ relativ zügig, na ja jedenfalls bis der Beamte seine Autorität unter Beweis stellen will. Ich denke bereits, jetzt ist es vollendet, da kommt ihm die Idee, dass er sich Monster doch mal anschauen könnte. Also trabe ich den ganzen Weg wieder zurück und hole Jupp samt Monster auf den Zollhof. Dieser Anblick scheint den Zöllner sehr zu beeindrucken, denn ohne weitere Kontrollen händigt er uns das Carnet aus und unserer Überfahrt nach Thailand steht nichts mehr im Wege.