Iran: September 2005

Vor dem Grenzübertritt findet die Verwandlung von Doro statt. Wohlweislich habe ich eine schwarze Hose aus Deutschland mitgebracht, dazu einen schwarzen Mantel und um den Kopf hülle ich ein Kopftuch. Fertig ist Fatima.

 

Der Grenzübertritt bereitet keinerlei Schwierigkeit, jedenfalls auf iranischer Seite. Auf der türkischen wird man von einer Art Touristenmanager abgefangen, der sich um die Grenzformalitäten kümmert. Natürlich gegen Bezahlung, was aber völlig o.k. ist im Gegensatz zum Geldwechsel. In jedem Reiseführer steht geschrieben, man sollte an der Grenze nicht bei einem wilden Geldwechsler wechseln, so auch in unserem und diese Reiseführer haben zweifelsfrei recht. Aber wie bei Kindern, jeder muss seine Erfahrungen am eigenen Leib spüren, uns kostet sie 35,00 Euro. Jupp kann einfach nicht widerstehen und lässt sich breitschlagen.

Der Ärger ist zusätzlich, dass wir diesen Touristenmanager für seine Dienste dann auch noch bezahlen. Ein wenig geläutert, kommen wir auf der iranischen Seite an und tappen prompt in das nächste Fettnäpfchen. Wir missverstehen den ersten Grenzbeamten und so fahren wir weiter bis zum nächsten Posten. Dort stehen mehrere Männer und Jupp gesellt sich dazu. Es wird fröhlich palavert, wir werden zum Tee eingeladen und nach ca. 20 Minuten fragt dann jemand nach unseren Pässen. Diese hat jedoch der erste Beamte einbehalten. Nun stellt sich heraus, dass wir nur Monster hätten parken sollen, wir dann aber zu Fuß zur Polizeikontrolle hätten gehen müssen. Dumm gelaufen, wer soll das ahnen, aber dann können wir ohne weiteres unsere Pässe abholen und der 2. Posten muss nur noch das Carnet de Passage ausfüllen. Bei der Abfahrt vom Zollhof schließen wir für Monster eine Haftpflichtversicherung ab, er ist ab Iran nicht mehr über Deutschland versichert und los kann es gehen.

 

Wir sind relativ früh und so wollen wir heute noch bis Tabriz fahren. Unterwegs werden wir zuerst mit dem iranischen Fahrstil und dann mit dem bekannten Dieselproblem konfrontiert. Der Fahrstil ist einfach unbeschreiblich, mir fehlen tatsächlich die Worte. Jeder fährt wie er denkt, dass er am besten vorwärts kommt. Ampeln und auch Fahrstreifen sind gaaaannz grobe Anhaltspunkte. Auf einer 3-spurigen Straße fahren ohne weiteres 5-6 Fahrzeuge nebeneinander, die sich auch noch rechts und links gegenseitig überholen. Wir sind fassungslos (Bruderherz, Paris ist dagegen der reinste Verkehrsübungsplatz!!).

 

Als nächstes versuchen wir zu tanken. Gott sei Dank haben wir Reserven im Tank, denn an sämtlichen Tankstellen ist der Diesel ausverkauft. Der Grund liegt auf der Hand, denn bei einem Literpreis von 0,02 Euro wird der Diesel lieber in die Nachbarländer Irans geschmuggelt und dort zu einem viel höheren Preis verkauft. Endlich finden wir eine Tanke mit Diesel, leider nicht für uns. Nach endloser Diskussion, selbst mit polizeilicher Unterstützung, stellt sich heraus, dass es hier nur für Iraner Diesel gibt! Wir haben keine Chance und fahren missmutig weiter.

 

Einige Zeit später, der Ort heißt Khashk Saray, ein weiterer Versuch und siehe da, es gibt auch für uns Diesel, nur leider keinen Strom um ihn einzufüllen. Wir sollen jedoch warten, alles kein Problem, und werden in der Zwischenzeit bestens mit Tee, Äpfeln und Melonen versorgt. Nach gut einer Stunde gibt es wieder Strom und für uns unter großem Hallo 459 l Diesel. Es geht zu wie auf dem Basar, immer mehr Leute tauchen auf um uns zu bestaunen und der eine oder andere spricht ein paar Broken englisch. Der Besitzer der Tankstelle, Ismael, lässt mir erklären, ich sei viel zu dünn und ich müsste mindestens noch 4-5 Kinder bekommen. Die Freude ist ganz auf meiner Seite.

Endlich ist unser Tank gefüllt, der Kühlschrank voller Äpfel und wir wollen bezahlen. Selten habe ich Jupp so sprachlos (mit offenem Mund) gesehen, wie im dem Moment als Ismael sagt, dass er ihm den Diesel schenkt. 459 Liter!! Wir sind wirklich total platt, erst werden wir überall abgewiesen und jetzt das?! Unbegreiflich!! Was wir noch nicht wissen, es soll später so weiter gehen.

Irgendwie gelingt es uns unbeschadet nach Tabriz vorzudringen, aber dann geht es nicht mehr weiter. Ein kleiner Stau, rechts steht ein Auto mit eingeschaltetem Pannenblinker und heraus springt ein Mann, der auf uns zu läuft. In gebrochenem Deutsch fragt er wohin wir wollen und  wir antworten zum „El Goli“ Park. Absolut kein Thema, wir sollen ihm folgen, die Stadt hätte ein kleines Verkehrsproblem. Wir folgen ihm ca. 1,5 Stunden auf abenteuerliche Art und Weise durch Tabriz und landen tatsächlich im El Goli Park. Genau das, was wir gesucht haben. Der freundliche Straßenführer Nader erzählt uns, er sei als LKW-Fahrer 20 Jahre nach Deutschland gefahren, daher seine Deutschkenntnisse. Nachdem die Frage, was wir denn in Tabriz machen wollen, geklärt ist, sagt er wie selbstverständlich, er käme uns morgens um 9.00 Uhr abholen und zeige uns die Stadt. Alle Einwände bringen uns nur soweit, dass sein Freund auch noch mitkommen will. Wie sind wirklich erschlagen von der Freundlichkeit der Menschen hier.

 

Der El Goli Park ist ein Vergnügungspark am südöstlichen Stadtrand. Um ein künstliches Wasserbecken herum befinden sich zahlreiche Freizeitanlagen, Sitzgelegenheiten, Teestuben und Imbisse. Am Seerand kann man Tretboote mieten und über einen Steg gelangt man zum Restaurant in der Seemitte. Dort essen auch wir ein Chello Kebab (Lammspieß) mit einem Berg Reis, einem Stück Butter und einer gegrillten Tomate. 

Wir verbringen eine ruhige Nacht und morgens erscheinen pünktlich unsere beiden Reiseführer. Sie fahren mit uns zum Basar, der als der größte und stimmungsvollste in ganz Iran gilt. Sehenswert ist besonders der Teppichbazar mit seinen zahlreichen Innenhöfen, überkuppelten Gängen und kleinen Geschäften im Souterrain. Nach 2 Stunden verlassen uns Nader und sein Freund und wir beide tingeln noch ein wenig durch Tabriz. Wir schauen das berühmteste Baudenkmal, die blaue Moschee, an, die wegen ihrer vollendeten Fliesenverkleidung in Kobaltblau weltberühmt war.

 

Dort sprechen uns zum 1. Mal 3 junge Iraner  mit der Frage an, was wir von ihrem Land halten. Das wird uns noch öfter passieren, jeder möchte uns vermitteln, dass Iran in Europa in einem falschen Licht dargestellt wird. Die Leute seien nicht alle Terroristen. Als wir dann gar eine Ausstellung über den Iran- Irakkrieg im Jahre 1980 besuchen, werden wir vom Organisator gebeten für ein Foto zur Verfügung zu stehen. Sachen gibt`s!

 

Zufällig treffen wir anschließend auf ein Internetcafe´, checken unsere Emails und suchen Infos über die indische Botschaft in Teheran. Voller Enttäuschung müssen wir feststellen, dass diese Sonntag bis Donnerstag geöffnet ist, nur ausgerechnet an diesem Sonntag nicht. Dumm gelaufen, wir fahren zunächst einmal mit dem Taxi zu Monster zurück und beschließen spontan an diesem Tag noch weiter zu fahren. Da wir nun bis Teheran einen Tag mehr zur Verfügung haben, wollen wir einen Abstecher ans kaspische Meer einschieben. Vor dem Dunkelwerden schaffen wir es gerade noch nach Miyaneh, die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz ist aber nicht besonders erfolgreich.

Zum guten Schluss landen wir an einem LKW-Waschplatz, Monster nimmt ein Vollbad und der Einfachheit halber bleiben wir für die Nacht gleich dort stehen.

 

Am Freitagmorgen biegen wir kurz hinter Zanjan in die Berge ab, wir wollen zum Sefid-Rud-Stausee. Der Sefid-Rud ist der größte Fluß im Norden Irans und er mündet im kaspischen Meer. Um möglichst viel Wasser zu nutzen, wurde 1962 der 470 m lange Staudamm gebaut, der damit zu den größten Wasserbauwerken Irans zählt. Leider ist der Stausee ziemlich leer und es weht ein starker Wind. Nicht gerade einladend und so fahren wir nach einem Zwischenstopp in Rudbar, bei dem wir Olivenöl (das angeblich beste im Iran) erwerben, weiter nach Rasht. Etwas außerhalb von Rasht gibt es ein Restaurant „Sefid-Rud“, das einer Kooperative angehört, die Fisch-, Rinder- und Geflügelzucht betreibt.

 

Bei der Anfahrt sind wir mal wieder von dem Verkehrschaos wie er- und dadurch mit Blindheit geschlagen, wir sausen daran vorbei. Innerorts wird der Verkehr noch schlimmer, wir halten an einem Taxistand an, um nach dem Weg zu fragen. Jupp steigt aus, aber es spricht mal wieder niemand englisch. Als er unverrichteter Dinge zu Monster zurückkehrt, hat sich hinter und neben uns eine Menschentraube gebildet, denn es sind 2 Autos zusammengestoßen. Ein Polizist, ein kleiner Giftzahn, ist ebenfalls anwesend und der schuldige Fahrer behauptet nun, wir hätten den Unfall verursacht, da wir unmöglich geparkt hätten. Großes Tohuwabu, aber da wir uns mal wieder dumm anstellen, in Monster sitzen und rein gar nichts verstehen, ruft Giftzahn nur noch: „Go, go, go“ und winkt uns weg. Wir ab durch die Mitte.

Bei der Flucht finden wir doch tatsächlich noch das Restaurant, aber leider ist es geschlossen. Was nun? Jupp befürchtet, wenn wir in die Stadt zurückfahren, wird Giftzahn uns ergreifen. Das Problem ist nur, wir haben keine andere Möglichkeit. Ausgerechnet an der Kreuzung, an der Giftzahn steht, müssen wir rechts abbiegen um hier weg zu kommen. Also Augen zu und durch, doch es kommt wie befürchtet. Wir schaffen gerade noch die Kurve mit Schwung zu nehmen, als Giftzahn uns erspäht. Er fängt wie wild an zu trillern und ruft seinem Kollegen, der dicht neben uns steht, etwas zu, woraufhin der nun ebenfalls anfängt zu pfeifen. Wir stellen uns taub und brausen mit Vollgas davon, die Angst im Nacken jetzt von jeder Polizeistreife angehalten zu werden. Doch es geschieht nichts, puh, Glück gehabt.

 

Irgendwann normalisiert sich der Pulsschlag und wir wühlen uns durch bis zur Küste, gezwungenermaßen, denn es geht ein Ort in den anderen über. Mittlerweile ist es dunkel geworden, was die Fahrerei noch abenteuerlicher macht und auch die Suche nach einem Schlafplatz für die Nacht wird natürlich deutlich erschwert. Gegen 20.00 Uhr sind wir ziemlich am Ende und so biegen wir ganz einfach in eine Neubausiedlung ab, wo wir Monster mitten in einer Baustelle parken.

Gegen alle Erwartungen verbringen wir eine ruhige Nacht und fahren morgens mit frischem Mut weiter. In Ramsar ist Markt, den wir uns natürlich anschauen müssen. Es ist ein Gewimmel und Gewusel und es gibt einfach alles zu kaufen, Hähnchenfüße und –köpfe sind da keine Ausnahme.

 

Wir bleiben aber bei der traditionellen Ernährung und kaufen einen Fisch, dieser heißt „Weißfisch“ und kommt nur im kaspischen Meer vor. Wir bummeln noch ein wenig durch die Straßen und ich denk’ mich trifft der Schlag, als Juppi plötzlich freudestrahlend auf 2 Polizisten zu trabt und sich als Kollegen aus Deutschland vorstellt. Sollte da etwas an mir vorüber gegangen sein? Die beiden „Kollegen“ sind jedenfalls sehr erfreut, schenken Jupp eine Blume und salutieren zum Abschied. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

 

Bei der Weiterfahrt kommen wir an einer Wasserstelle vorüber, an der mehrere Leute mit Kanistern stehen. Das Wasser muss gut sein und so stoppen auch wir. Wie immer ein Palaver in sämtlichen Sprachen, wie immer hat keiner die Mullahs gewählt, alle hassen sie, und wie immer zieht sich die Wasseraufnahme endlos in die Länge. Aber dafür sollen wir ganz ausgezeichnetes Wasser aus den Bergen bekommen haben. Nach 2 Stunden können wir unsere Fahrt fortsetzen und fahren nach Kalardasht, das in den Wolken versinkt. Das malerisch gelegene Dorf ist leider mittlerweile von Sommerhäusern und Villen von reichen Teheranis zugebaut. Die Reservierung der Baugrundstücke trägt auch nicht zur Verschönerung der Landschaft bei und so halten wir uns nicht lange auf.

Im Reiseführer „Iran“ von Hartmut Niemann und Ludwig Paul (erschienen im Reise-Know-How Verlag www.reise-know-how.de) haben wir von einem Bergsee von „Valasht“ gelesen. Das soll unser heutiges Ziel sein. Ca. 4 km hinter Marzanabad in Richtung Chalus biegt man links in die Berge ab. Über eine Serpentinenstraße schleppt man sich ca. 1000 m hoch und wenn man schon glaubt, es geht nicht mehr weiter, liegt plötzlich der See da. Es gibt eine Art wilden Campingplatz, man kann Tretböötchen fahren, wir jedoch gehen unserem Fisch an den Kragen. Paniert und gebraten schmeckt dieser einfach klasse, hat aber leider sehr viele Gräten. Es wird ein gemütlicher Abend und begleitet von dem Gesang der mitcampenden Iranis schlummern wir ein.

 

Am Sonntagmorgen kämpfen wir uns durch die Berge, zahlreiche Tunnel (Sorry Mama, es gab keinerlei telefonische Verbindung) und etliche Polizeikontrollen nach Karaj. Als wir mal wieder gestoppt werden, probiert Jupp seine neue Masche. Er stoppt Monster abrupt, stellt den Motor ab, springt heraus und läuft mit ausgestreckter Hand, fröhlich grinsend und „Salam“ rufend auf den Polizisten zu, um diesem die Hand zu schütteln. Der Polizist ist völlig verwirrt, reicht Jupp sehr zögerlich die Hand und schaut fragend seinen Vorgesetzen an. Dieser macht eine wegscheuchende Geste und alle beide sind überaus froh und dankbar als Jupp wieder in Monster einsteigt. Ich sitze unterdessen im Führerhaus und lach’ mich kaputt über das dargebotene Schauspiel. Nach diesem durchschlagenden Erfolg beschließen wir die weiteren Kontrollen immer so zu absolvieren und für die hartnäckigen Fälle noch um ein Foto zu bitten.

 

Überaus vergnügt setzen wir unsere Fahrt nach Karaj fort, das wir als Quartier auserkoren haben, um nicht in Teheran hineinfahren zu müssen. Karaj nun seinerseits entpuppt sich ebenfalls als Millionenstadt, wir hätten also nichts gewonnen und so sagen wir uns, was andere können, können wir schon lange und auf geht es Teheran zu erobern.

 

Der Meydan-e-Azadi ist einer der verkehrsreichsten Plätze Teherans und wie sollte es auch anders sein, dort kommen wir aus. Bekanntermaßen wächst man ja an seiner Aufgabe und so meistert Monster auch diese. Die grobe Richtung stimmt, wir haben den Park-e-Pardisan als Stellplatz ausgeguckt, für die Feinheiten müssen wir fragen. Die Passanten sind wieder überaus hilfsbereit, einer fährt gleich ein Stückchen mit, und wir scheinen uns dem Park zu nähern. Zum guten Schluss fragen wir einen Motorradfahrer, der auch sehr freundlich vor uns her fährt. Nur leider landen wir nicht am Park, sondern ausgerechnet bei einer Polizeistreife. Oh weh, ganz Teheran ist für LKW gesperrt, aber wir sind mittendrin. Wie sich herausstellt, ist das für die Polizisten nicht wirklich wichtig, stattdessen bekommen wir eine gute Wegbeschreibung, so dass wir daraufhin den Park finden.

Ein Parkwächter nimmt uns gleich in Empfang und weist Monster genauestens seinen Platz. Dieser ist so ausgelegt, dass er uns von seinem Office aus genau beobachten kann. Nicht etwa aus Neugierde, sondern damit Monster nur ja nichts geschieht.

 

Bei seiner ersten Inspektionsrunde lernt Jupp 3 deutsch sprechende Menschen kennen, die uns nach einem kurzen Gespräch für Dienstagabend zu sich nach Hause einladen. Jetzt möchten sie einen Spaziergang machen, aber um 18.00 Uhr wollen sie uns abholen, um uns den Weg zu einer Pizzeria zu zeigen. Kurz nach sechs lerne dann auch ich Ehepaar Sanai und Lebensgefährtin kennen. Herr Khosrow Sinai ist Filmemacher, seine ungarische Frau, Gizella Varga Sinai und die iranische Freundin, Farah Ossouli, sind Malerinnen. Wie der Zufall so will, haben die beiden zusammen mit ihrer Gruppe „Iranian Women Artists“ eine Ausstellung in Koblenz. Während wir zur Pizzeria unterwegs sind, beschließen die drei uns direkt zu sich nach Hause einzuladen. Wir verbringen dort einen äußerst interessanten Abend bei Familie Sanai und werden dazu auch noch bestens bewirtet.

 

Am nächsten Morgen um 7.30 Uhr holt uns ein von Familie Sanai und dem Parkwächter, Javahd, organisiertes Taxi ab und bringt uns zur indischen Botschaft. Diese öffnet zwar erst um 9.00 Uhr, aber bei unserem Eintreffen um 8.15 Uhr hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Wir tragen uns auf einer Liste als Nummer 34 ein. Während wir warten, erzählen uns 2 Schweizerinnen, dass wir ein Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft benötigen. Jupp nimmt also ein Taxi und fährt zur deutschen Botschaft. Wie das so ist auf Reisen, man verliert das Verhältnis zu Zeit und Datum und so haben wir leider auch den 3. Oktober vergessen. Tag der deutschen Einheit, die Botschaft ist geschlossen. Jupp kehrt unverrichteter Dinge zurück, während ich immer noch in der Schlange stehe.

 

Um 9.00 Uhr hat doch sage und schreibe 1 Schalter für Visaanträge geöffnet und die Leute halten auch brav die Reihenfolge laut Liste ein. Allerdings nur bis 10.30 Uhr, die Botschaft schließt um 11.00 Uhr, dann geht der Run auf den Schalter los. Ungeachtet der Liste versucht jeder sich an den Schalter zu drängeln, das Chaos pur, aber was hilft’s, auch wir machen mit. Irgendwie schaffen wir es tatsächlich, leider nur um uns anzuhören, dass wir dieses verflixte Empfehlungsschreiben tatsächlich brauchen. Ganz toll, nirgendwo steht das geschrieben, selbst in der Botschaft nicht. Enttäuscht ziehen wir von dannen.

 

Draußen kommen wir mit einem Reisebürobesitzer, Amir, ins Gespräch. Für agencys öffnet die Botschaft von 11.00 bis 12.00 Uhr und er bietet uns an, es noch mal zu versuchen. Amir hat mehr Glück als wir, er bringt unsere Anträge wenigstens schon mal auf den Weg und die Botschaft schickt ein Fax mit einer Anfrage nach Deutschland, wohin auch immer. Wir sollen am nächsten Tag nur noch das Empfehlungsschreiben und unsere Pässe bringen.

 

Wieder etwas froher gestimmt, besichtigen wir heute noch Teheran. Wir gehen u.a. ins nationale Juwelenmuseum, dort sehen wir den größten jemals geschliffenen Diamanten mit einem Gewicht von 182 Karat, die Krone der beiden Pahlavi- Schahs, das Diadem von Farah Diba und vieles mehr. Es ist eine Fülle und Pracht, man wird fast erschlagen davon.

 

Anschließend bringen wir unsere Fotokamera zur Reparatur, da diese seit der Türkei merkwürdige Geräusche von sich gibt. (Nore Jahan Store/Nazari, 565 Naser Khosro)

 

Wieder zu Monster heimgekehrt, wollen wir noch in ein nahe gelegenes Shoppingcenter, um dort zu Abend zu essen. Parkwächter Javahd lässt es sich nicht nehmen uns zu begleiten, er ist echt rührend, es könnte uns ja ein Haar gekrümmt werden. Auf dem Rückweg ergreift er dann plötzlich Juppis Hand und so laufen die beiden Händchenhaltend (bei iranischen Männern nicht unüblich) vor mir her. Das ist genau das Richtige für Jupp, aber ich kann mich kaum halten vor lachen. Einfach köstlich, dieses Bild. Als Jupp dann zum Abschied auch noch herzlich geküsst wird, ist meine Freude perfekt, lange zehre ich noch von diesem Erlebnis. Am nächsten Morgen ziert Monster dann das folgende Bild, man denke was man wolle.