Indien: Januar 2006

Jaipur ist als „Pink City“, rosafarbene Stadt bekannt Der Palast und andere offizielle Gebäude wurden schon seit dem Gründungsjahr 1727 aus dem einheimischen rötlichen Gestein errichtet. Die übrige Altstadt, geschützt durch eine hohe Mauer mit sieben Zugangstoren, bekam erst 1883 anlässlich eines Besuches von Kronprinz Edward die traditionelle Willkommensfarbe.

Wir besuchen das City Palace, ein echter Maharadschapalast, denn die herrschaftliche Familie wohnt noch heute darin. Auf dem 5 km² großen Palastgelände können wir Audienzsäle, Tore mit Pfauendekor, eine Sammlung alter Textilien, den Schmuck der Königsfamilie und eine Waffensammlung sehen. Außerdem die zwei großen, 300 kg schweren Silbergefäße, in denen der König Madho Singh II. Gangeswasser mit auf seine mehrmonatige Schiffsreise nach England nahm. Legenden zufolge blieb das Wasser die ganze Zeit über frisch.

 

Durch das Tripolia Gate kommen wir zum Freilichtobservatorium. Was aussieht wie abstrakte Skulpturen, sind exakte Messinstrumente zur Beobachtung der Gestirne. Leider sind wir auf diesem Gebiet nicht sonderlich bewandert und so geht es rasch weiter zum Hawa Mahal.

Der Palast der Winde besteht nur aus einer Steinschnittfassade, von hier konnten die in strenger Abgeschlossenheit lebenden Frauen des Hofes das Treiben auf der Straße beobachten. Dort laufen wir die Hauptstraße einmal herauf und herunter und diskutieren die Frage, warum uns die Inder zurzeit gehörig auf die Nerven gehen. Sowohl in Agra als auch in Jaipur kann man aber auch keinen Schritt machen ohne angesprochen zu werden. „Please come to my shop, just looking“ der meist gesprochen Satz hier und so fallen wir nur noch in einen Departementstore, eine Art Supermarkt mit beschränktem Angebot, ein bevor wir zu Moosi zurückkehren. Dieser ist übrigens inzwischen durchaus freundlich geworden, die herablassende Arroganz einer deutschen Touristin bewirkt manchmal Wunder.

 

Abends essen wir im gediegenen Speiseraum des Hotels, zwischen Bildern von Charles und Diana, und amüsieren uns köstlich über die Kellner, die mit wehenden Hemden und den Händen in der Hosentasche zwischen den Gästen herumirren.

 

Früh am Morgen sind wir wieder unterwegs, die Fahrt geht über Aijmer nach Pushkar. Die Straßen sind in einem wunderbaren Zustand, sodass wir uns fragen, ob wir noch in Indien sind. Insgesamt werden sowohl die Inder als auch der Dreck weniger. Gegen Mittag erreichen wir bereits unser Ziel und haben bei der Stellplatzwahl ein glückliches Händchen. Unsere ursprüngliche Wahl, das Sunset-Cafe erweist sich zwar als Niete, wir können mit Monster erst gar nicht bis dort fahren, aber der Besitzer verweist uns an seinen Bruder im Moon-Cafe. Dort stehen wir nun in einem wundervollen Garten, die Affen toben um uns herum und wir werden vom Gesang, der vom gegenüberliegenden Tempel herüberschallt, berieselt. Wunderbar, es geht uns gut!

 

Pushkar, ein Hügel, der von einem Brahma-Tempel bekrönt wird, dazu ein See, der seit je als heilig gilt. An seinen Ufern Treppen für die Betenden und rundum eine weiße Stadt, das Ganze umgeben von steinigem Wüstenboden. Wir laufen durch die engen Gassen und sehen fast nur alternativ angehauchte Touristen. Sind wir die einzig „Unnormalen“ hier, da wir weder ständig stoned noch mit „dread locks“ und Schlabberklamotten herumlaufen? Abends genießen wir den Sonnenuntergang über dem See und besprechen die weitere Route. Die Versuchung ist sehr groß einfach Indien Indien sein zu lassen und direkt nach Goa zu fahren. Warum sollen wir uns das ganze Chaos weiterhin antun? Wir kommen zu dem Schluss, dass es nun mal dazu gehört und wir uns wahrscheinlich ewig ärgern, wenn wir jetzt aufgeben.

 

Also geht es am nächsten Morgen wie geplant in Richtung Jodhpur. Unterwegs müssen wir einen unfreiwilligen Stopp einlegen. Die Schraube zur Einstellung des Standgases hat sich losgerappelt und wir benötigen 1,5 Stunden, umgeben von Öl, Staub und Hitze, um diese wieder an Ort und Stelle zu bringen. Ständig hat Jupp ein Handgelenk zu wenig, doch irgendwie biegt er es doch hin und wir können unsere Fahrt fortsetzen. In Jodhpur finden wir ziemlich rasch einen Platz im Hotel Goomera. Das Hotel macht zwar nicht den besten Eindruck, aber die Lage ist zentral und im Garten stehen wir sehr ruhig. Es gibt sogar Strom für uns und so sind wir recht froh mit der Situation.

 

Erst gegen Abend laufen wir quer durch die City und, oh Wunder, unterwegs spricht uns niemand an. Hier in Rajasthan scheinen die Leute wirklich anders drauf zu sein, sind nicht so distanzlos. Die zweitgrößte Stadt Rajasthans fasziniert mit Basaren, mittelalterlichen Toren und einem riesigen Fort über traumblau bemalten Häusern, darum wird sie auch „Blue City“ genannt. Wir kehren ins Restaurant Kalinga ein und hier essen doch tatsächlich Inder wie du und ich zu Abend. Wow, sehr erstaunlich, wir fühlen uns wirklich wohl.

Morgens starten wir zur Sightseeingtour.

 

Das Fort beherbergt heute das Meherangarh Museum, dessen Besuch auch solchen Museumsmuffeln wie uns zu empfehlen ist. Beim Eintritt bekommt man kostenlos einen Audioguide, sogar in deutscher Sprache, und wir verbringen geschlagene 3 Stunden in der Festung.

 

Anschließend besichtigen wir den gewaltigen Palast Umaid Bhavan, dessen Besuch man sich getrost ersparen kann. Der Maharadscha von Jodhpur bewohnt immer noch einige Räume, der überwiegende Teil ist in ein Luxushotel umgewandelt worden und in einem anderen Teil ist ein Museum untergebracht. Wir werden durch 3 Gänge mit Bildern geschleust und als ich meine, dass es jetzt endlich losgeht, ist es schon zu Ende. Irgendwie fühlen wir uns leicht verarscht, dass man für so etwas auch noch Eintritt verlangt.

 

Abends gehen wir in Restaurant „The Rocks“, das jedoch ein reiner Touriladen ist. Zwar sitzt man sehr romantisch an kleinen Tischen um ein Feuer herum, aber das ist die einzige Beleuchtung. Angesichts der kleinen und geschmacklosen Gerichte scheint es Sinn zu machen, dass man nichts erkennen kann. Wir bedauern sehr, nicht das Lokal von gestern aufgesucht zu haben.

 

Am Nikolausmorgen fahren wir 300 km durch die, mit spärlichen Büschen bewachsene Halbwüste Thar nach Jaisalmer. Auf dem Weg treffen wir 2 junge Leute aus Kanada, die mit ihrem Kamelgespann unterwegs sind. Auch eine Reisemöglichkeit, wenn gleich sie seit Puskar bereits 3 Wochen unterwegs sind.

Bevor wir die, von gelben Mauern umgebene Stadt erreichen, sehen wir das mächtige Fort der ehemaligen Karawanenstation wie eine Zauberburg auf einem Felsen über der kahlen Umgebung thronen.

 

Wir streben das Jawahar Nivas Palace an, ein altes, dekoratives Haveli mit jeder Menge Platz im Garten. Ein Haveli ist ein Stadtpalast der reichen Kaufleute, die dort lebten bis durch Schiffsverkehr und Eisenbahn die Waren auf anderen Wegen transportiert wurden. Heute drehen wir nur noch eine kleine Runde durch den Ort bevor wir uns der Zubereitung unseres Abendessens widmen.

 

Morgens wandern wir entlang enger Straßen, die von Häusern mit Steinbalkonen geschmückt sind, zum Fort, das den knapp 80 m hohen Trikuta-Berg beherrscht. Hinter ihrer 9 m hohen Mauer mit fast 100 Türmen befinden sich zahllose Häuser. Noch immer wohnt eine Viertel der Bevölkerung Jaisalmers innerhalb der umzingelten Festung. Der siebenstöckige Palast Juna Mahal mittendrin ist einer der ältesten in Rajasthan. Die Balkone aus Sandstein sind so fein verziert, dass man glaubt, sie seien aus Holz. Am Nachmittag rödeln wir Monster auf und pilgern wie so viele andere Touristen zu den Sam-Dünen, den großen Wanderdünen, um den herrlichen Sonnenuntergang über der Wüste zu erleben. Auf dem Weg dorthin kaufen wir Brennholz für das unvermeidliche Lagerfeuer.

 

Nach etwas zielloser Suche finden wir dann doch „unseren“ Platz in der Wüste und stellen Monster, in der Hoffnung, dass er nicht im Sand versinkt, ab. Kaum niedergelassen, erscheinen die ersten Verkäufer, die Getränke und Kamelritte feilbieten. Ein Flötenspieler lässt sich zu unseren Füßen nieder und flötet was das Zeug hält. Mit viel Mühe können wir ihm verständlich machen, dass er erst bei Anbruch der Dunkelheit zurückkommen und uns was flöten soll. Zum Sonnenuntergang ziehen wir uns auf Monsters Dach zurück und betrachten höchst amüsiert das Geschehen um uns herum.

 

Touristenkarawanen werden kreuz und quer herumgeführt, die fliegenden Händler werden ihrem Namen voll gerecht, jeder versucht in dieser knappen Stunde sein Scherflein abzubekommen. Es geht zu wie auf dem Jahrmarkt. Ein besonders zäher Getränkeverkäufer belabert uns geschlagene 15 Minuten, wir üben uns derweil in der indischen Meditationskunst (ganz einfaches ignorieren). Erst als der dreiste Kerl gar Rupies dafür haben will, dass er verschwindet, platzt Jupp der Kragen. Vom Dach aus mault er den Knaben mit den Worten: „Mach dich vom Acker, Schluffi!“ an. Der Wutausbruch trägt Früchte, vor sich hinschimpfend und böse Blicke werfend, trollt der Inder sich von dannen, um sich jedoch gleich auf ein neues Opfer zu stürzen.

Kurz nach Sonnenuntergang ist der ganze Spuk vorbei, es kehrt Ruhe in der Wüste ein und wie vereinbart erscheint der Flötenspieler. Wir entzünden das Feuer und verbringen eine wunderschöne Stunde bei hinreißender Flötenmusik. Teilweise spielt der Nomade auf 2 Flöten gleichzeitig oder aber auf seiner Maultrommel, es ist ein wunderbarer Abend.

 

Beim Sonnenaufgang um 6.00 Uhr sind wir wieder putzmunter. Es dauert gar nicht lange und es kommen Nomaden mit ihren Kamelen. Aus einem winzigen Stückchen Glut vom Vorabend entzünden sie in Windeseile das Feuer neu. Wir sitzen alle in einer Runde, wärmen uns die Hände am Feuer und versuchen uns irgendwie zu unterhalten. Ich bin verzaubert, so habe ich mir die Wüste vorgestellt und wir beschließen spontan einen weiteren Tag zu bleiben.

 

Im Laufe des Vormittags wird es unwahrscheinlich heiß und wir ziehen mit unseren Stühlen auf der Suche nach Schatten ständig um Monster herum. Das geht so lange, bis ein wichtig aussehender Herr in Uniform erscheint und unserem Wüstenerlebnis ein jähes Ende bereitet. Die Wüste ist Naturschutzgebiet und in diesem darf nicht gecampt werden. Voller Enttäuschung brechen wir unsere Zelte ab und wollen losfahren. Aber oh weh, Monster gräbt sich im Sand ein. Es hilft kein Vor- oder Zurückfahren, die Schüppe und Holzbretter müssen herausgeholt werden und ran an die Arbeit. So weit als möglich graben wir Monster aus, legen alles mit Brettern aus und dann heißt es Daumen drücken. Wir haben mehr Glück als Verstand, wir entkommen dem Wüstensand. Später fragen wir uns wie viele Kamele zu Monsters Befreiung wohl nötig gewesen wären.

 

Wir kehren nach Jaisalmer und ins Jawahar Nivas Palace zurück, wo sich inzwischen auch die Exodus-Truppe eingefunden hat. Die scheint aber aufgrund der Hitze schlaff irgendwo herum zu hängen, wir sehen jedenfalls lange niemanden. Irgendwann taucht ein Traktor mit einem Wassertankwagenanhänger und der 2. Exodusfahrer, Andy, auf und wir erleben ein typisch indisches Schauspiel. Der Auslass des Tankwagens liegt tiefer als der Einfüllstutzen des Trucks und es kommt, was kommen musste. Den Gesetzen der Schwerkraft folgend, kann Wasser nun mal nicht bergauf fließen, so auch in Indien nicht. Einige Zeit vergeht bis es auch den Indern dämmert, doch dann werden Steine geholt und der Tankwagen darauf gefahren. Doch wie seltsam, dass man bei 10 cm hohen Steinen keine 30 cm höher kommt?

 

2. Versuch, der Truck muss verfahren werden und der Traktor fährt auf eine kleine Anhöhe. Wen wundert es, dass auch dieses nicht reicht? Als es beim 3. Versuch trotz Anhöhe und Steinen immer noch nicht reicht, ist guter Rat teuer und es wird erst einmal eine halbe Stunde beratschlagt. Das Ergebnis: Der Tankwagen fährt unverrichteter Dinge von dannen und wir wissen leider nicht, ob der Exodus-Truck heute noch Wasser bekommen hat.

 

Am Freitag, 09.12., Juppis Geburtstag, beobachten wir den Sonnenaufgang über dem Fort und machen uns auf den Weg.

Wir fahren auf guter Straße im pakistanischen Grenzgebiet nach Süden und wollen heute so weit als möglich kommen. Tatsächlich schaffen wir rekordverdächtige 700 km, kurz hinter Ahmedabad beginnt eine Autobahn und dort schlagen wir an einer A1A Raststätte unser Nachtquartier auf. Zur Feier des Tages gibt es Spaghetti und eine, seit Nepal gehortete, Flasche Rotwein.

 

Morgens gehen die Straßen leider nicht wie erwartet gut weiter, sondern werden deutlich schlechter und so kommen wir erst nach Einbruch der Dunkelheit in Ellora an. Die Zufahrt zum Ort ist gesperrt, doch nach einiger Diskussion gibt man uns den Weg schlussendlich frei. Durch große Menschenmassen kämpfen wir uns zum Hotel Kailash und rätseln welches Fest denn wohl gefeiert wird. Am Hotel angekommen trauen wir unseren Augen kaum, im Garten stehen Chantel und Ton. Mit den beiden haben wir ja nun gar nicht gerechnet, sie sollten schon längst in Goa sein, aber dennoch ist die Freude groß. Wie immer gibt es viel zu erzählen und so wird die Nacht etwas kürzer.

Morgens gehen wir zur Besichtigung der Höhlen. Die großartigen, aus der Felsmasse heraus getriebenen Höhlentempel und –klöster von Ellora stellen neben denen von Ajanta den zweiten Höhepunkt der Sehenswürdigkeiten Maharashtras dar und gehören damit zu den wichtigsten Kulturdenkmälern Indiens.

 

Der berühmte Kailash-Tempel ist das architektonische und künstlerische Meisterwerk. Mit seinen Ausmaßen von 30 m² und 60 m in der Höhe gilt dieser riesige, den Götterberg Kailash im Himalaya darstellende Monolith als der größte Felsentempel Indiens. Insgesamt mussten zwischen 150 000 t und 200 000 t Basaltgestein abgetragen werden.

Nachmittags stürzen wir uns ins Getümmel. Es ist einfach unglaublich, ca. 200 000 Menschen sind zu einem hinduistischen Gurutreffen angereist. Die Besucher leben in großen Zelten, teilweise schlafen sie im Freien und das Ganze ohne irgendwelche sanitären Einrichtungen. Wohin wir auch schauen, wir gucken gegen nackte Hintern und Menschen, sie sich erleichtern. Dementsprechend wandern wir durch Fäkalienfelder, begleitet von atemberaubendem Gestank. Teilweise können wir nur noch mit zugehaltener Nase weitergehen und mich beschleichen Gedanken, auf welche Impfungen wir verzichtet haben, da wir ja eigentlich den Kontakt zu großen Menschenansammlungen vermeiden wollten. Mich schüttelt es gewaltig, doch gleichzeitig sind die Eindrücke ebenso gewaltig. So etwas werden wir wohl nicht mehr zu sehen bekommen.

 

Montagmorgen in aller Frühe machen wir uns zu viert auf den Weg, jetzt können wir die restliche Strecke bis Goa auch gemeinsam fahren. Mal wieder sind die Straßen in einem schlechten Zustand, erst am späten Nachmittag treffen wir auf eine Autobahn mit dem viel versprechenden Namen „Dream Project“. Die Bahn macht ihrem Namen alle Ehre und begeistert brettern wir noch 1.5 Stunden weiter bevor wir an einem A1A Plaza unser Nachtquartier aufschlagen. Die Jungens im Restaurant bekochen uns mit Hingabe vegetarisch, es ist zwar höllisch scharf, schmeckt aber vorzüglich.

 

Nach sehr ruhiger Nacht lassen wir es morgens gemütlich angehen, laut Karte haben wir nur noch 150 km bis zum geplanten Etappenziel Malvan. Leider erweist sich die km-Angabe unserer Karte als falsch und auch die Straßen lassen zu wünschen übrig. Wir kommen erst gegen 16.00 Uhr an. Das Torkali Guesthouse erweist sich als Reinfall, wir haben keine Möglichkeit mit den Autos bis zum Strand zu kommen und auf dem staubigen Parkplatz wollen wir nicht bleiben. Enttäuscht machen wir uns auf die Suche nach einem anderen Platz. Nach einer Stunde geben wir unseren Traum von einem Strandplatz auf und bleiben an einem Zeltresort stehen. Hier können wir das Meer zumindest hören und nach ca. 100 m auch sehen. Wir stürzen uns in die Fluten des indischen Ozeans, endlich!!

Den Abend verbringen wir in Gesellschaft eines deutschen Yogalehrers, Frank, der mit seiner Freundin gerade in Indien angekommen ist und hier in einer „Cocohut“ (Kokoshütte) wohnt. Der Junge arbeitet in Deutschland doch tatsächlich für Kost und Logis und 300 € in bar. Jetzt mit knapp 30 Jahren scheint ihm langsam zu dämmern, dass das wohl nicht das Gelbe vom Ei ist. Zu fortgeschrittener Stunde erscheinen einige Fischer und wir kaufen fangfrische Sardinen und Krebse. Wie sich zu spät herausstellt, weiß keiner von uns wie man diese Biester zubereitet. Zum guten Schluss übergibt Frank die Krebse an den Campingplatzbesitzer, der sie am nächsten Morgen zubereiten will. Wir sind sehr erheitert, als am nächsten Morgen extra eine Frau aus dem Dorf erscheint, die das Leben der Viecher beenden soll. Wider Erwarten ist das Mittagessen köstlich und auch die Sardinen am Abend, für deren Zubereitung wir persönlich die Verantwortung übernehmen, munden vorzüglich.

 

Entspannt rollen wir morgens unserem Ziel Goa entgegen. Bei einem Tankstopp verlieren wir die „Dancing Queen“ (diesen Namen erhielt Ton’s Wohnmobil aufgrund des Geschockels in Pakistan). Entgegen unserer landläufigen Meinung, ist Monster anscheinend gar nicht so groß und grün, er scheint hinter eine Zapfsäule verschwinden zu können. Jedenfalls sind wir einander „kwijt“, aber auf das indische Mobilfunknetz ist wie immer Verlass. Du kannst dich darauf verlassen, dass es nicht funktioniert. Nun denn, als wir schlussendlich auch in „Little Vagator“ ankommen, ist die holländische Truppe bereits da. Leider ist es auch hier nicht wie erträumt, die Stellplätze sind oberhalb der Klippen und am Strand ist ziemlich Rämmi Dämmi. Betrunkene Inder, die in ihren Unterhosen über den Strand torkeln und dazu ohrenbetäubende Technomusik, das haben wir nicht erwartet. Endlich sind wir im alles verheißenden Paradies angekommen und jetzt das?

 

Spontan beschließen wir alle vier am nächsten Morgen das Weite zu suchen und ohne weiteren Stopp nach Agonda Beach zu fahren. Wen wundert es, dass wir die „Dancing Queen“ bereits nach 15 Minuten Fahrzeit wieder verlieren? So wirklich niemanden, oder?

Bei einem Einkaufstopp in Margao treffen wir uns dann doch noch wieder, sodass wir es gemeinsam bis Agonda schaffen.

Die fein geschwungene, von Palmen gesäumte Bucht bei dem Fischerdorf Agonda ist die Erfüllung unseres Traums. Es gibt ein kleines Strandrestaurant mit Brunnen, an dem wir uns mit Wasser versorgen können und noch einige andere Camper aus allen Teilen Europas. Hier wollen wir länger verweilen und richten uns häuslich ein. Sonntags treffen wir uns mit anderen Deutschen zum Adventskaffee, mal eine völlig andere Variante, in der Badehose am Strand.

 

Die Zeit vergeht wie im Fluge, Monster muss gewartet, etliche Dinge auf- und umgeräumt werden, einiges ist zu reparieren, es wird uns nicht langweilig. Jede Menge Zeit verbringen wir im Internet auf der Suche nach einem Verschiffer für Monster. Dass sich diese Aktion so schwierig gestaltet, damit hatten wir nicht gerechnet. Wir schreiben zahlreiche Agenturen an, doch anscheinend sind diese alle im Weihnachtsurlaub oder haben schlichtweg keine Lust uns zu antworten. Wir geben nicht auf!

 

Endlich kommt der große Tag, am 12.01.06 morgens um 5.30 Uhr landen Sohn Dennis und Freundin Nicole in Dabolim. Wir freuen uns wie verrückt, um 4.00 Uhr schellt der Wecker und los soll es gehen. Doch was passiert? Monster ist zickig, springt kurz an, um anschließend keinen Mucks mehr von sich zu geben. Oh nein, doch nicht ausgerechnet jetzt!! Im Dunkeln werkelt Jupp im Motorraum herum, er vermutet Luft im Dieselsystem und wirklich, nachdem dieses entlüftet ist, springt der Motor an. Gott sei Dank, jetzt aber flott, in indischem Fahrstil brausen wir zum Flughafen. Hurra, wir schaffen es und können die beiden freudestrahlend endlich in die Arme schließen.

 

Fortsetzung folgt…