Indien: Dezember 2005

Nachdem wir um 8.30 Uhr endlich Fahrt aufnehmen können, geht es über relativ gute Straßen zügig in Richtung Varanasi. Jedenfalls bis zum nächsten, größeren Ort, Gorakpur. Da wir der indischen Schriftzeichen immer noch nicht mächtig sind, verpassen wir einmal mehr die Umgehungsstraße, landen mitten in der Stadt und somit im Chaos.

 

Um uns herum hunderte von hupenden Rikschas und Mopeds, sobald man eine Lücke zum Vordermann lässt, schiebt sich jemand dazwischen, egal in welche Fahrtrichtung. So auch dieses Mal, ein mit zwei Männern besetztes Moped drängelt sich in eine kleine Lücke rechts vor Monster, darauf vertrauend, dass der Fahrer ja rechts sitzt und sie somit sieht.

 

Bekanntermaßen ist Monster aber ein Linkslenker und so sieht Jupp nur knapp die Köpfe der Jungens. Irgendwann löst sich der Stau auf, die Köpfe verschwinden und so rollen auch wir langsam vor. Unsere Fahrt wird von einem knirschenden Geräusch jäh unterbrochen, hups… die Köpfe tauchen mit bösem Blick wieder auf. Anscheinend waren die beiden mitsamt Moped nur unserem Blickfeld, aber leider nicht vor Monster entschwunden. Dumm gelaufen, das Moped hat jetzt wohl einen Blinker weniger, Menschen und Monster jedoch keinen Schaden genommen. Unter wüsten Beschimpfungen, die ich als vermeintlicher Fahrer abbekomme, schwimmen wir im Stau weiter und endlich heraus aus diesem Chaos. Erst einmal rechts ran, tief durchatmen und dann frischen Mutes weiter nach Varanasi.

 

An dieser Stelle muss ich mich ein Mal mehr zum Verkehr in Indien äußern. Fahren in Indien ist fast wie Selbstmord. Eine Milliarde verrückter menschlicher Verkehrsteilnehmer und genauso viele Kühe oder Schafe auf den Straßen. Hier herrschen einfach andere Regeln, indische Gehirnströme scheinen anders zu fließen. Ausnahmslos jeder hat seine Rückspiegel eingeklappt oder besitzt erst gar keine. Nach hinten schaut man erst recht nicht, sondern fährt selbstbewusst auf die Straße, der Hintermann wird schon bremsen. Falls nicht, gibt es ja auch noch die Reinkarnation und wer weiß, vielleicht wird man ja im nächsten Leben in einer besseren Kaste geboren.

 

Das ganze Szenario wird begleitet von lautem Hupen, beim Überholvorgang wird es sogar erwartet. Es soll nicht heißen „geh weg du Idiot“, sondern „ich bin da, ich komme jetzt“ Auf den Stoßstangen der LKWs stehen bunt verzierte Sprüche wie „Blow horn at day. Dip light at night“. (Zu deutsch: Tagsüber hupen, nachts Lichthupe benutzen). Unser Problem ist oftmals, dass die Inder unsere Geschwindigkeit unterschätzen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Tata-Lkw beträgt 30-50 km/h wodurch wir oft gezwungen sind zu überholen. Nun denkt ein Inder, dass wir auch nicht schneller fahren können und so kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen. Selbst auf 2-spurigen Straßen, eine Art Autobahn, muss man ständig mit Gegenverkehr rechnen, sowohl von links als auch von rechts.

 

In jedem größeren Ort beginnt das Rätselraten auf’s Neue, für welche Straße sollen wir uns entscheiden? Wir verbringen endlose Zeit mit fruchtloser Fragerei, die allerdings oftmals zu unserer Erheiterung beiträgt. Die indische Kunst des Köpferollens. Die Inder scheinen zwischen den Schulterblättern einen Muskel mehr zu besitzen als Europäer. Auf eine Frage von uns rollen sie ihre Köpfe von links nach rechts zwischen ihren Schultern hin und her und stehen derart schwankend dann vor uns. Wir benötigen lange bis wir dieses Rollen als Ja identifizieren. Dazu kommt die weit verbreitete rechts-links-Schwäche, die Folge: der Befragte zeigt mit einer weiten Bewegung nach rechts, sagt aber links.

 

Um dieser ganzen Verwirrung ein wenig zu entgehen, verfallen wir auf eine neue Taktik. Ich schneide kleine Zettel zurecht, auf die ich mit großen Buchstaben den Namen des nächsten Ortes male. Diesen halten wir den Befragten nun unter die Nase und siehe da, jetzt verstehen wir uns und finden wesentlich schneller den gesuchten Weg. Zur Sicherheit befragen wir stets 3 verschiedene Menschen und nach 3 gleichen Antworten entscheiden wir uns für diese Richtung. Zusätzlich geben wir unser Ziel auch ins GPS ein, so haben wir zwar keine Straßenangaben aber immerhin eine grobe Richtung.

 

Derart gut gerüstet erreichen wir gegen 15.30 Uhr bereits Varanasi. Varanasi ist eine der ältesten bewohnten Städte der Welt. Bereits vor 3000 Jahren soll es hier menschliche Siedlungen gegeben haben. Obwohl sie als die spirituellste Stadt Indiens bezeichnet wird, ist der erste Eindruck eher enttäuschend. Vollkommen chaotische Straßenverhältnisse (wir bemerken zuerst gar nicht, dass wir schon mittendrin sind), recht aggressive Händler und äußerst schmutzige Straßen. Entgegen aller Erwartungen finden wir ohne weitere Probleme das Hotel Surya. Leider können wir dort heute keinen Stellplatz bekommen, da eine Hochzeit gefeiert wird und alle vorhandenen Parkplätze gebraucht werden. Wir sollen es 3 Ecken weiter im Hotel de Paris versuchen. Das Hotel gehört zu den besseren Adressen, macht seinem Namen aber keine Ehre, sondern eher einen etwas heruntergekommenen Eindruck.

 

Heute findet zwar auch hier eine Hochzeit statt, aber angesichts des großen Gartens finden wir ein Plätzchen für Monster. Praktischerweise ist das Büro der Touristeninformation gleich nebenan und so statten wir diesem auch gleich noch einen Besuch ab. Der freundliche Angestellte erklärt uns, dass zu dieser Jahreszeit keine von ihnen organisierte Tour stattfindet, aber es gäbe sehr kompetente private Führer. Welch ein Zufall, einer von diesen spielt gerade draußen Federball und rein zufällig hat er für den nächsten Tag auch noch 2 Plätze frei. Kaum zu glauben welches Glück wir haben, oder? Es gibt dann gleich noch eine Empfehlung für’s Abendessen und schon sind wir wieder draußen.

 

Am Abend folgen wir dem Rat und laufen zum Hotel India zwecks Nahrungsaufnahme. Laufen, welch irrwitziges Unterfangen. In Indien läuft kein Mensch, der etwas auf sich hält und so stellt sich unser vermeintlicher Spaziergang als Flucht vor den Rikschafahrern dar. Dem guten Essen tut das keinen Abbruch und für den Rückweg gönnen wir uns eine Fahrradrikscha zum Preis von 25 Rupien = 0,50 €. Wieder im Hotel angekommen, inspizieren wir die Vorbereitungen für die Hochzeitsfeierlichkeiten. Alles spielt sich im Freien ab, in riesigen Töpfen brodeln undefinierbare Gerichte und in großen, offenen Zelten sind die Getränke aufgebaut. Von irgendwelchen Gästen noch keine Spur, weiß der Geier, wann die Party startet und so beschließen wir ins Bett zu gehen. Da wir für die Stadtrundfahrt bereits um 5.15 Uhr abgeholt werden, halten wir das für eine gute Idee.

 

Glücklicherweise, denn die Stunde, die wir bis Partybeginn schlafen, wird in dieser Nacht die einzige sein. Die Hindus heiraten nur an bestimmten Tagen im Jahr, die unter einem besonders guten Stern stehen sollen und so werden um uns herum etliche Hochzeiten gefeiert. Natürlich mit lauter Musik und Feuerwerk, das Ganze bis in die frühen Morgenstunden. Als wir um 4.45 Uhr aufstehen, gehen auch die meisten Gäste nach Hause. Zu allem Übel haben wir auch noch vergessen unsere Uhren auf indische Zeit zurück zu drehen und so sind wir 15 Minuten zu früh am vereinbarten Treffpunkt. Entzückend! Wenigstens ist unser Führer pünktlich, wir holen noch 2 Schweizer ab und fahren in einem alten, echt britisch aussehenden Ambassador an den Ganges. Wenn man sich bis zum Ganges-Ufer vorgekämpft hat, erlebt man eine völlig andere Stadt. Ruhe, endlose Pilgerscharen und eine atemberaubende Bootsfahrt auf dem heiligen Fluss entschädigen für manches. Von morgens bis abends strömen Tausende hinduistischer Pilger hierher, um im Ganges zu baden oder heilige Rituale durchzuführen, wodurch sie sich Erlösung erhoffen. Wir beginnen unsere Bootsfahrt am Dasawamedha Ghat und schauen uns die verschiedenen Ghats (Badetreppen) an.

Der von Ruß geschwärzte Manikarnika Ghat, wo die Toten verbrannt werden, darf nicht fotografiert werden. Leider verfallen die Bade-Ghats mit ihren zahlreichen Tempeln zunehmend, ohne dass entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Immerhin konnte die Verschmutzung des Flusses durch einen Ganga Action Plan erfolgreich vermindert werden. Der anschließende Gang durch die engen Gassen der Stadt ist absolut hart, ein Frontalangriff auf Nase und Augen. Angesichts des Schmutzes, der Kuhscheiße, die überall herumliegt und dem Geruch nach Urin vergeht uns der Appetit auf’s Frühstück. Speziell an den Stadträndern halten sich viele Kühe und Wasserbüffel auf und deren Kot wird mit der Hand zu Fladen geknetet. Anschließend klebt man diese an Hauswände oder legt sie zum Trocknen in die Sonne. Getrocknet eignen sie sich wunderbar als Brennmaterial. Wir benötigen einige Zeit um uns wieder zu erholen.

 

Anschließend heißt es Tempel, Tempel, Tempel. Wir sehen den goldenen Tempel von Vishvanath, der zwar nur für Hindus zugänglich ist, aber der Gang durch die engen Gassen, die zum Tempel führen, ist von unzähligen Geschäften, die Opfergaben verkaufen, gesäumt und es lohnt sich hier herumzugehen und das Treiben zu beobachten. Am Mittag fahren wir nach Sarnath, hier hat Buddha, nachdem er in Bodhgaya erleuchtet wurde, seine erste Predigt gehalten. Im 3. Jh. v. Chr. ließ Kaiser Ashoka Schrein, Stupa und seine Herrschaftssäule mit den vier Löwen errichten, die jedoch im nahe liegenden Museum einen Platz gefunden haben. Diesem statten wir auch gleich einen Besuch ab.

 

Um 15.30 Uhr kehren wir völlig erschlagen zu Monster zurück und hängen noch ermattet in den Polstern als, wie könnte es anders sein, Chantel und Ton um die Ecke biegen. Großes Hallo, die Zollerlebnisse werden ausgetauscht und natürlich geht es abends gemeinsam zum Essen. Die Schweizer von morgens haben uns ein Restaurant und das Gericht „Bati Choka“ empfohlen und so essen wir zum 1. Mal in Indien schlecht. Fazit: Trau niemals einem Schweizer, es könnte ein Vegetarier sein!

Nach einer weiteren unruhigen Nacht, Indien schläft nie, sind wir bereits um 5.30 Uhr unterwegs nach Khajuraho. Wir hegen die Hoffnung ohne Verkehrschaos aus Varanasi heraus zu finden, doch weit gefehlt. Bereits zu dieser frühen Stunde tobt das pralle Leben und wir verbringen erst einmal 2 Stunden im Stau. Unerwartet treffen wir dann auf eine 2-spurige, perfekte Straße und zügig geht es weiter in Richtung Allahabad. Leider müssen wir diese kurze Zeit später schon wieder verlassen, da wir uns für die Route über Mirzapur entschieden haben.

 

Auf landschaftlich schöner Strecke brettern wir in gemütlicher Fahrt durch die Berge, jedenfalls bis wir an die Grenze zwischen den Unionsstaaten Uttar Pradesh und Madhya Pradesh kommen. Von dort an bekommen wir pakistanische Straßenverhältnisse und rumpeln von Schlagloch zu Schlagloch. Monster beginnt derart zu knarren und knirschen, dass wir spontan an einer Tata-Werkstatt anhalten, um das Führerhaus abschmieren zu lassen. Binnen kurzer Zeit sind wir von 20 Monteuren umzingelt, von denen aber nur einer arbeitet. Dieses jedoch zu unserer Zufriedenheit und nach der üblichen Teerunde setzen wir die Reise quietschfrei fort.

 

Angesichts der schlechten Wegstrecke ist uns schnell klar, dass wir es heute nicht mehr bis Khajuraho schaffen werden. An einer abseits gelegenen Tankstelle bitten wir um Asyl und der übliche Zirkus beginnt. Tee trinken, Reifen klopfen, Monster und Maschine befingern, das volle Programm. Endlich ist sämtliche Neugierde befriedigt, die Tankstelle wird geschlossen, sämtliche Rolltore werden verrammelt und wir machen uns an die Zubereitung unseres Abendessens. Kaum wollen wir dieses verspeisen, klopft es abermals an die Türe. Dieses Mal ist es der Besitzer der Tanke, der zur Begrüßung aus dem Dorf herbeigeeilt ist. Auch diesem beantworten wir pflichtbewusst alle Fragen, entschuldigen uns dann aber mit dem Hinweis, wir müssten nun schlafen. Wir legen uns ins Bett und schlafen tatsächlich sogleich ein.

Um 22.00 Uhr klopft es ein weiteres Mal. Als Jupp wutentbrannt öffnet, steht draußen der Freund des Besitzers. Dieser will sich „nur“ vorstellen, zeigt uns seine Waffe und wir bräuchten uns keine Sorgen machen, es sei alles sehr sicher. Ziemlich wütend fertigen wir auch ihn ab und steigen wieder ins Bett. Kaum entschlummert, hupt draußen ein Auto. Daraufhin werden mit lautem Getöse die Rolltore geöffnet, der Generator gestartet, sämtliche Lichter eingeschaltet und das hupende Auto betankt. Unterdessen sitzen wir zwei hellwach im Bett und können uns nur wundern. Nach 10 Minuten ist der ganze Anfall vorbei, die Rolltore wieder geschlossen und es kehrt Ruhe ein. Leider nur bis beim nächsten Hupen die ganze Prozedur von vorne beginnt. Die Nacht gestaltet sich zunehmend als Etappenschlafen und so sind wir, leicht gerädert, am Morgen froh, dass wir nur noch 4 Stunden bis Khajuraho zu fahren haben.

 

Wir quartieren uns im Garten des Hotel Payal ein und machen heute rein gar nichts mehr. Nach erquickendem Schlaf in absoluter Ruhe gehen wir zur Besichtigung der erotischen Tempel, umgangssprachlich auch schon mal „Pornotempel“ genannt.

Charakteristisch für die Tempel ist die verschwenderische Fülle von Figuren, sowohl an den Fassaden als auch im Innenbereich. Die Skulpturen bilden eine eigene Welt, bevölkert von göttlichen Nymphen, Dämonen, Göttern und sich vereinigenden Paaren. Zu den bekannteren Reliefs gehört die Szene, die einen Mann zeigt, der sich mit seinem Pferd vergnügt.

 

Amüsant ist auch die Darstellung des einen Elefanten, der lacht und zur Seite sieht, um ein Paar besser beim Liebesspiel beobachten zu können. Wir sind sehr beeindruckt und hoffen uns einige der gesehenen Stellungen merken zu können.

 

Nach soviel Erotik brauchen wir erst einmal eine Erfrischung und machen einen Stopp in Raja’s Cafe. Dort treffen wir auf ein Lehrerpaar aus Deutschland und quatschen uns natürlich prompt fest. In Windeseile vergeht der Nachmittag und aufgrund der guten Gespräche treffen wir uns abends nochmals mit Ursula und Siggi beim Italiener. Es kommt was kommen musste, wir verhageln beim Bier und schaffen somit weder die erotischen Stellungen noch die geplante Abfahrt am nächsten Morgen.

 

Gegen 12.00 Uhr mittags sind wir dann endlich soweit, dass es losgeht. Wir stoppen am Ortsausgang an einem Internetcafe, wer weiß wann sich das nächste Mal eines anbietet, und wer kommt uns entgegen? Ihr wisst es bereits, oder? Mal wieder Chantel und Ton. Nachdem sich der Erlebnisaustausch beim Tee über 1 Stunde hinzieht, geben wir unseren Plan vollends auf und kehren mit den beiden zum Hotel Payal zurück. Nach einem gemütlichen Abendessen am Lagerfeuer, schaffen wir die Abfahrt am nächsten Morgen dann tatsächlich. Wir fahren in 4 Stunden bis Orchaa, ehemals die Hauptstadt der Bundelas, ist es heute nur ein Dorf, bestehend aus einem Komplex aus Tempeln und Palästen.

Wir quartieren uns im Garten eines ehemaligen Maharadscha Palastes, direkt am Fluss ein. Nach der obligatorischen Besichtigungsrunde genießen wir den Sonnenuntergang am Fluss bevor wir zum Abendessen in den Palast einkehren. In einem wunderschönen, mit alten Fliesen und Kacheln verzierten Speisesaal, sind wir die einzigen Gäste und die 6 Bediensteten wuseln nur so um uns herum. Wir verbringen eine ruhige Nacht und starten morgens topfit Richtung Agra.

 

Bis auf eine kleine Episode verläuft die Fahrt relativ ereignislos. Ein uns entgegenkommender Toyota quetscht sich nach einem Überholvorgang gerade noch vor uns wieder auf seine Spur. Leider nicht zeitig genug und wir hören nur das satte Plopp, mit dem sich ein Toyotakotflügel nach innen beult. Der Fahrer ergreift mal wieder die Flucht und da Monster keinen Schaden genommen hat, setzen auch wir unsere Fahrt fort.

 

Am frühen Nachmittag erreichen wir Agra, finden ohne Mühe das Hotel Lauries und schon steht Monster wieder auf der grünen Wiese. Der hoteleigene Rikschafahrer Ali belegt uns gleich mit Beschlag und kutschiert uns zum roten Fort. In dieser Palaststadt aus rotem Sandstein befand sich 3 Kaiser-Generationen lang der Regierungssitz, bis um 1640 in Delhi gleichfalls ein rotes Fort gebaut und die Hauptstadt wieder dorthin verlegt wurde. Zum Sonnenuntergang bringt uns Ali an den Fluss auf der Rückseite des Taj Mahal und zum Abendessen in einen Touristenschuppen.

 

Das Essen ist mäßig und die musikalische Unterhaltung erinnert mich doch stark an die Zeit, als mein Bruder seine Geige und mich mit Übungen quälte. Dementsprechend wird es ein schnelles Mahl und wir sind froh, als wir unsere müden Häupter auf die Kissen betten können. Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker, da wir zum Sonnenaufgang am Taj Mahal sein wollen. Wir sind zwar pünktlich, aber mit dem Sonnenaufgang klappt es nicht so recht. Es ist einfach zu diesig an diesem Morgen. Nichtsdestotrotz, auch wenn man schone viele Abbildungen gesehen hat: Märchenhaft, wie aus einem Traum erscheint das Taj Mahal, wenn man sich Indiens berühmtesten Bauwerk nähert.

Wir lassen uns noch einige Zeit inspirieren, erst als sich unsere Mägen melden, reißen wir uns los.

Soviel Einsatz am frühen Morgen muss belohnt werden und wir wollen uns den Luxus eines Frühstückbüffets im 7 Sterne Hotel Amarvilas-Oberoi gönnen.

 

Wir verlassen Indien und betreten einen anderen Stern, stärker kann der Kontrast nicht sein. Vor der Türe werden wir von Wächtern empfangen, die in ihren Prachtgewändern wie Haremswächter auf uns wirken, im Eingangsbereich, umgeben von Wasserspielen sitzen 2 Flötenspieler aus Tausendundeiner Nacht, absolute Ruhe und Sauberkeit. Das Büffet zum Preis von 9(!) Euro ist ein Traum aus exotischen und kandierten Früchten, feinstem Schinken, diversen Käsen, Kaffee, Tee, verschiedene Säfte, ich kann es gar nicht beschreiben.

Zwei Stunden schwelgen wir in diesem Schlaraffenland und solchermaßen gestärkt kehren wir nach Indien zurück, wirklich zwei Schritte vor der Türe ist man wieder mittendrin. Mit der Rikscha fahren wir zum Hotel zurück, packen unser Hab und Gut zusammen und Ali lotst uns aus Agra in Richtung Jaipur hinaus.

 

Unterwegs wollen wir Fatehpur Sikri einen Besuch abstatten. Kaiser Akbar hat die „Siegesstadt“ 1569 als neue Residenz bauen lassen, nachdem die Weissagung des Heiligen Salim Chishti, Akbar würde einen Sohn haben, sich erfüllte. Bald nach seinem Tod wurde die Stadt vermutlich wegen des Wassermangels verlassen und ist heute ein großartiges Architekturdenkmal. Bereits an der Abzweigung zum Dorf werden wir von Abfangjägern gestoppt, die erklären, sie seien von der Polizei und man könnte mit dem Auto nicht weiterfahren. Inzwischen Indien erfahren lassen wir uns von solchen Kleinigkeiten gar nicht aufhalten und brettern einfach weiter.

Im Dorf dann selbst nimmt die Anmache ungeahnte Ausmaße an. Hunderte Menschen, die irgendetwas verkaufen wollen und sei es nur ihre Führungsqualitäten. Wir stoppen mittendrin, schauen uns an und …kapitulieren. So schön kann Fatehpur Sikri gar nicht sein, alte Steine haben wir auch schon etliche gesehen und so ergreifen wir kurzerhand die Flucht.

 

Die Straßen nach Jaipur werden immer besser, fast zu schön um wahr zu sein und wir erreichen die Stadt bereits am Nachmittag. Dort das übliche Gewimmel, Fahrverbot für Lkw, aber nicht für Monster, wie üblich wühlen wir uns mitten durch die Innenstadt. Wir wollen zum Hotel Jaipur Inn, dort soll es eine Stellmöglichkeit für uns geben. Leichter gesagt als getan, wir scheinen das Hotel zu umkreisen, irgendwie landen wir ständig am gleichen Kreisverkehr. Nach dem 4. Anlauf heuern wir einen Rikschafahrer an, der uns dann genau 100 m weiter am Hotel absetzt. Mal wieder eine navigatorische Glanzleistung. Nun denn, wir sind da.

 

Leider steht vor der Einfahrt der Truck von Exodus, die wir bereits in Pokhara getroffen haben. Die Fahrerin, Kim, ist mitsamt Schlüsseln in der Stadt unterwegs und so heißt es warten. Währenddessen betrachten wir die Einfahrt etwas genauer und da die Tore nach innen geöffnet werden, befallen uns erste Zweifel. Auf diese Fläche soll Monster passen und die Tore müssen auch noch wieder zu? Da von Kim weit und breit noch keine Spur ist, chartere ich einen Rikschafahrer und mache mich auf die Suche nach einem Ausweichhotel.

Beim dritten Hotel, Bessau Palace, werde ich fündig. Der Rezeptionist, Typ Rudolph Mooshammer ohne Daisy, ist zwar etwas unfreundlich, aber nichtsdestotrotz werden wir uns einig. Wieder zu Jupp zurückgekehrt, sind die Dinge dort unverändert und somit fahren wir zum Bessau Palace. Unterwegs verursachen wir bzw. ein nicht vorausschauender Busfahrer mal wieder einen Stau. Augenmaß scheint nicht die Stärke der Inder zu sein und es dauert einige Zeit bis dem Busfahrer einleuchtet, dass nur ein Zurücksetzen seinerseits hilft. Dank der Hilfe einiger Passanten wird das verstrickte Knäuel endlich aufgelöst. Wir verbringen eine ruhige Nacht und morgens holt uns der Rikschafahrer vom Vortag, Sahar, zur Stadtbesichtigung ab.