Marokko: Januar 2014

Nach der langsamen Fahrt durch das Niemandsland ist das Erreichen des marokkanischen Grenzpostens ein bisschen wie nach Hause kommen. Kein langes Herumgefrage nach woher und wohin, Monster ab durch den Scanner und der Rest ist auch ratzfatz erledigt.

Kaum sind wir wieder unterwegs, fällt uns ein Mercedes mit französischem Kennzeichen auf, der in etwas merkwürdiger Weise seitlich der Fahrbahn in der Botanik steht. Wir halten an und erfahren, der Fahrer sei von einem entgegenkommenden Fahrzeug abgedrängt worden. Nun sitzt er fest und hat obendrein noch 2 platte Reifen. Es wird nicht lange gefackelt und Monster zieht den Mercedes aus dem Schlamassel. Gerade wollen wir wieder losfahren, da fällt den Jungs aus Mali ein, dass sie ja noch etwas Luft für ihre Reifen brauchen. Auch diese haben wir, also alles kein Problem. Doch da es sich um schlauchlose Reifen handelt, müssen die Felgen zuvor vom Schotter, der sich zwischen Reifen und Felgen geklemmt hat, befreit werden. Tja, und dann sind wir zurück in Afrika, denn 1 Mann arbeitet und die anderen 4 schauen zu und lamentieren. Logisch, dass der Arbeiter Jupp ist, oder? Als die ganze Arbeit getan ist, diskutieren die Unglücksfahrer immer noch, keine Hilfe beim Aufräumen, von einem Dankeschön ist überhaupt keine Rede. Frei nach dem Motto: wenn man nicht alles selber macht! marschiert Jupp zu den Jungs hin, reicht allen brav die Hand und bedankt sich ganz herzlich für den schönen Nachmittag J

Wir fahren zum altbekannten Fischerort Lamhiriz und fragen uns, wo die ganzen Franzosen denn dieses Jahr bleiben.

Kein einziges weißes Wohnmobil steht am Strand! Sehr außergewöhnlich. Doch nach 2 Tagen vermuten wir warum, denn es weht eine derart steife, kalte Brise, dass es auch uns weitertreibt. Die Landzunge von Dakhla ruft und hier stehen sie wieder alle, am berühmt-berüchtigten Kilometer 25 parkt die Weißware in Reih und Glied, dicht an dicht. Nichts für uns, wir lieben unsere Freiheit und platzieren Monster am Klippenrand der Lagune zwischen 2 anderen deutschen Lkw’s. Sogleich begrüßen uns die Bewohner des einen Trucks ganz herzlich und ehe wir uns versehen, werden wir mit Bier und Gin verköstigt.

Eigentlich ist mittags um 16.00 Uhr ja nicht so unsere Alkoholzeit, aber Widerspruch ist zwecklos und unser Hinweis, lieber ein Bierchen am Abend zu trinken, prallt an den beiden ab. Sie trinken nur von morgens 10.00 Uhr bis nachmittags um 17.00 Uhr, abends gibt es nur noch Tee oder Kaffee. Na ja, jeder wie er mag, wir freuen uns jedenfalls, denn die zwei haben derart viel Alkohol gebunkert, dass sie diesen vor ihrer Weiterfahrt nach Mauretanien irgendwo vergraben wollen und bevor es soweit kommt, schenken sie uns 1 Flasche Wein. Nochmals vielen Dank an dieser Stelle.

Bevor es nach 2 Tagen weitergeht, fallen wir auf dem Markt ein und füllen unsere Vorräte auf. Nach Mauretanien ist der Bestand an Obst und Gemüse arg geschrumpft und uns gehen fast die Augen über angesichts der großen Auswahl.

Wir fahren die eintönige Strecke durch die West-Sahara recht zügig und halten uns nur zur Übernachtung irgendwo auf. Aber auch dabei kann man sich aufregen, denn auf dem Parkplatz in Laayoune am Strand rasseln wir mit einem Franzosen aneinander. Alle Wohnmobile sind brav in einer Reihe aufgebaut und so parken auch wir in dieser Weise.

Kaum haben wir Tisch und Stühle ausgepackt und uns gemütlich zum Abendessen gesetzt, kommt ein weiterer Franzose angefahren und parkt derart dicht an uns heran, dass er seine Aufbautüre nicht öffnen kann ohne unseren Tisch leer zu fegen. Dieser Typ kann nur aus dem Fenster schauen und besitzt dann auch noch die Frechheit zu fragen, ob es uns stören würde, dass er so dicht parkt. Das kann der doch nicht ernst meinen? Anscheinend schon, denn er macht keine Anstalten irgendetwas an dieser Situation zu ändern. Wir sind so fassungslos, dass wir ohne ein weiteres Wort Monster starten, den Typen kräftig einnebeln und uns einen anderen Platz suchen. Diese Episode ist jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack auf weitere Erlebnisse in den kommenden Wochen. Für den Moment aber müssen wir erst mal weg von der weißen Front und so verlassen wir die Küste und den Asphalt. 4 Tage folgen wir dem Flussbett des Draa in Richtung Assa, durchqueren dabei eine völlig einsame Landschaft und treffen nur hin und wieder ein paar Nomaden mit ihren Viehherden.

Auf sehr schmalen Straßen durchfahren wir die wunderschöne Ait- Mansour- Schlucht und erreichen den kleinen Ort Tafraoute, der inmitten einer großartigen Granitlandschaft auf ca. 1000 m Höhe im westlichen Antiatlas liegt. Unser heutiges Ziel sind die „Blauen Steine" des belgischen Künstlers Jean Vérame, der riesige, von der Erosion rund geschliffene Granitblöcke mit leuchtend bunten Farben angemalt hat.

Hier treffen wir Tina und Andreas wieder, die wir im vorigen in Zagora kennengelernt haben und mit denen wir einige schöne Offroadpisten gefahren sind. Leider haben nicht nur diese beiden hier ihr Quartier aufgeschlagen, sondern noch etliche alternative, französische Techno-Fans, die gegen Abend ihrer Leidenschaft frönen. Ein lautes Wummern erfüllt das Tal und wir ergreifen die Flucht, denn diese Töne rufen Erinnerungen an Südamerika wach, wo wir so manche Nacht kein Auge zugetan haben.

Irgendwie soll es dieses Mal mit dem Aufenthalt hier nicht so recht klappen. Zwar finden wir ein ruhiges Eckchen auf dem kostenlosen Stellplatz im Ort und genießen auch einen Abend in Gesellschaft von Tina und Andreas am Lagerfeuer, aber die Temperaturen lassen doch sehr zu wünschen übrig. Als am 3. Morgen die Bergspitzen um uns herum wie gezuckert aussehen und immer noch ein eiskaltes Windchen weht, brechen wir unsere Zelte ab und düsen gen Agadir. Düsen ist vielleicht übertrieben, denn auf der Passhöhe vor Ait Baha holt uns der Winter endgültig ein und es schneit dicke Flocken.

Da gefällt es uns auf der sog. „Platte“ vor Taghazout schon besser, zwar wimmelt es hier von Franzosen, aber diese lassen uns zunächst mal in Ruhe. Die Temperaturen sind angenehm, wenngleich die Abende immer noch nicht dazu einladen draußen zu verweilen. Nach 2 Tagen wollen wir Bekannten aus Kevelaer, die jedes Jahr einige Zeit auf einem nahe gelegenen Campingplatz verbringen, einen Besuch abstatten und müssen dazu Monster natürlich starten.

Wer sich ein bisschen mit einem Lkw auskennt, weiß, dass dieser Luft für die Bremsen benötigt und solange muss das Fahrzeug im Stand vor sich hinpöttern. So auch Monster! Während wir also darauf warten, dass wir abfahren können, kommt ein Franzose daher und hält sich mit spitzen Fingern die Nase zu. Klar hat er Recht, es stinkt nach Abgasen, aber was sollen wir denn machen? Wir können nun mal nicht weg ohne Luft und das sagen wir ihm auch, doch dieser Typ zeigt sich wenig einsichtig. Es kommt, wie es kommen muss, eine Diskussion entbrennt (oder sollte ich lieber Streit schreiben?) und da sagt doch dieser Pimpf, wir sollen verschwinden, hier sei schließlich sein Land! Wie bitte? Ich ulke noch herum, da hätten wir uns aber gewaltig verfahren, doch der Franzose scheint keinen Sinn für Humor zu haben. Nur durch unsere Abfahrt lässt sich eine gewaltige Schlägerei vermeiden, jedoch zeigt Monster zum Abschied noch mal was er kann und lässt eine kräftige Dampfwolke ab.

Für die letzten Tage in Agadir suchen wir uns einen schönen Platz mit Meerblick und sind nicht traurig über die einsamere Lage. Aber das süße Nichtstun muss irgendwann mal ein Ende haben, die Wüste ruft. Auf kleinen Landstraßen und durch ländliche Gegend fahren wir über Taliouine und Igherm nach Tata und von dort weiter bis Foum Zguid. Hier haben wir uns mit Sabine und Burkhard und ihrer Pistenkuh locker verabredet und so freuen wir uns, dass wir uns auch tatsächlich treffen. Gemeinsam brechen wir in die einsame Gegend um den Erg Chegaga auf und lassen uns für die Bewältigung der Strecke ordentlich Zeit. Immer wieder spielen wir mit den Autos in dem großen Sandkasten der Sahara und abends gibt es natürlich unendlich viel zu erzählen. Da wir alle bereits seit 2004/05 unterwegs sind, fallen uns abwechselnd irgendwelche Geschichten ein, die wir erlebt haben.

Zum Abschluss fahren wir noch zur Judendüne in der Nähe von M’hamid und da packt Juppi am nächsten Morgen der Übermut. Zuerst geht es munter die Dünen hinauf und hinunter, doch dann fährt Jupp, in der Annahme diese wäre tragfähig, eine Düne schräg an und schon passiert es. Monster fehlt die Traktion, der Motor stirbt ab und unser Schätzchen hängt in bedenklicher Schräglage in der Düne. Während ich noch filme, fällt mir bereits sämtliche Farbe aus dem Gesicht. Jeden Moment könnte Monster samt Jupp auf die Seite kippen, oh nein!!!

Jetzt muss Burkhard mit seinem Steyr in den Einsatz und fährt zunächst mit dem Reserverad an Monsters Seite, damit dieser nicht ganz so schrecklich um-, sondern nur gegen die Pistenkuh fallen kann und anschließend wird beratschlagt. Im Nachhinein betrachtet, hätten wir Monster wahrscheinlich einfach nur rückwärts hinaus ziehen können, aber wer hat schon große Erfahrung mit solchen Dingen und daher graben wir erst einmal was das Zeug hält. Zum Schluss legen wir noch Sandbleche unter und dann kann die Bergeaktion starten. Auf den Bildern sieht alles recht harmlos aus, aber ich kann euch sagen, uns war ganz anders zumute und wir sind mehr als happy als Monster sich wieder in waagerechter Position befindet.
Nach 6 Tagen erreichen wir M´hamid und hier trennen sich unsere Wege vorläufig, Familie Pistenkuh möchte noch eine Bekannte besuchen und uns zieht es weiter nach Zagora.