Marokko 2: November 2013

Nach wunderschöner Fahrt, verlassen wir das Ait-Bougoumes-Tal, das auch Vallée des hereuses (Tal der Glücklichen) genannt wird. Als glücklich werden die hier lebenden Menschen bezeichnet, weil der Fluss Lakhdar selbst in trockenen Jahren genug Wasser führt, um Landwirtschaft zu betreiben und davon leben zu können.

Monster muss nach kurzer Verschnaufpause bereits wieder bergan klettern, die Gegend wird karger und kurze Zeit später erreichen wir den sogenannten Mosesberg. Mitten auf diesem Berg thront eine dieser typisch marokkanischen Speicherburgen. Das sind mächtige quadratische Gebäude aus Stein oder Lehm, die nur einen Eingang haben. In der Mitte gibt es einen kleinen Innenhof, um den herum Vorratsräume, Ställe und die Küche liegen. In den oberen Etagen liegen Wohn- und weitere Vorratsräume und den Abschluss bildet eine Dachterrasse, die sowohl zum Schlafen als auch zum Trocknen von Obst und Gemüse dient.

Immer weiter schlängeln wir uns durch die Bergwelt und angesichts der bereits um diese Jahreszeit schneebedeckten Gipfel des hohen Atlas sind wir froh diese Tour nun gefahren zu sein.

In Azilal hat uns die Zivilisation wieder und doch versuchen wir verzweifelt irgendwo Gemüse und Obst zu kaufen. Wir können den Markt einfach nicht finden und so spreche ich kurzerhand eine junge Dame an. Diese ist so froh, dass sie endlich einmal das in der Schule erlernte Englisch an den Mann bzw. Frau bringen kann, dass sie mich den gesamten Einkauf hindurch begleitet. Zeitweise überfällt mich der Verdacht, dass sie mich nur deshalb in jeden hintersten Winkel schleppt, um noch einige Zeit englisch sprechen zu können. Na jedenfalls scheint es ihr mit mir gefallen zu haben, denn nachdem ich ihre Einladung in ihr Haus zu einem Tee dankend abgelehnt habe, fällt sie mir um den Hals und küsst mich mehrmals enthusiastisch. Huch…

Wegen der angeblich höchsten und schönsten Wasserfälle Marokkos, fahren wir nach Ouzoud und kehren im dortigen Camping Zebra ( www.campingzebra.nl ) ein. Die holländischen, ehemaligen Afrikareisenden Renate und Paul haben eine derartig liebevoll gestaltete Anlage geschaffen, dass die Anreise alleine deswegen schon lohnt. Man kann wunderbare Wanderungen unternehmen, die Wasserfälle sind tatsächlich wunderschön und so werden aus dem geplanten, eintägigen Aufenthalt gleich 4 Tage. Und das obwohl wir anscheinend in eine belgische Kolonie geraten sind, denn Monster wird gleich von 3 belgischen Geländewagen umringt.

 

Obwohl wir Marrakesch bereits im Frühjahr einen mehrtägigen Besuch abgestattet haben, wollen wir wenigstens für 2 Tage die Atmosphäre der Stadt genießen. Wir quartieren uns auf den bekannten Parkplatz hinter der Koutoubia- Moschee ein, von wo aus man wunderbar zu Fuß zum Platz Djemaa el-Fna und der Altstadt gehen kann. Dieser Platz erhielt seinen Namen angeblich, weil dort früher die Köpfe der Gehenkten öffentlich aufgespießt wurden. Heute sieht man davon nichts mehr, aber dafür jede Menge Trubel, besonders am Abend ein Geschehen wie auf einem Jahrmarkt.

Der nächste Tag gehört dem Sightseeing. Wir traben gerade in Richtung Saadier-Gräber, da kommen uns doch tatsächlich 2 Menschen entgegen, die wir bereits in Chefchaouen beim Stadtrundgang getroffen haben. Mutter und Sohn betreiben in Spanien ein Restaurant und unternehmen in den Wintermonaten Reisen in aller Herren Länder. Irgendwie ist gleich klar, dass wir unsere Besichtigungstour fortan gemeinsam fortsetzen und einen gemütlichen Tag verbringen.

Bereits am nächsten Morgen brechen wir unsere Zelte in Marrakesch ab und fahren über Landstraßen nach Essaouira. Unterwegs wundern wir uns über die zahlreichen Radarkontrollen. Vor jedem Dorf, das etwas auf sich hält, stehen die Herren in blau mit ihren Radarkameras und wir mutmaßen, dass eine ganze Containerladung von diesem Zeugs hier angekommen sein muss. Uns erwischen sie nicht, denn Monster benimmt sich selbstverständlich vorbildlich und ist nur in erlaubtem Rahmen unterwegs…oder könnte es einfach daran liegen, dass wir nicht so schnell können…?

In Essaouira, übrigens ein ganz reizendes Fischerstädtchen am Atlantik, können wir für die Nacht ein Plätzchen auf einem Parkplatz direkt am Hafen ergattern. Allerdings unter erschwerten Bedingungen, denn einem Franzosen mit seinem „Joghurtbecher“ scheint Monsters Nachbarschaft irgendwie unangenehm. Während wir noch versuchen, in die uns zugewiesene, kleine Parklücke zu rangieren, zwängt sich dieser „Herr“ zwischen seinem Auto und Monster hindurch, bleibt mit einem Arm an Monster hängen, verletzt sich dabei prompt und startet daraufhin eine wüste Schimpftirade. Nach zahlreichen unanständigen Worten, hält er sich zu allem Überfluss auch noch die Nase zu, um daraufhin zu deuten, dass Monsters Abgase stinken. Das war zuviel! Nun rastet mein mir angetrauter Ehegatte aus und wer ihn kennt, der weiß wie das abgeht. Noch hinter dem Lenkrad sitzend, hängt er bis zu den Hüften aus dem Fenster, schwingt die Fäuste und blökt in seinem besten Schul-Französisch (oder war das etwa deutsch?) herum. „Was er wohl glaubt, wie wir in die Parklücke kommen sollen? Etwa fliegen?“ Der „Herr“ schaut nun einigermaßen betreten drein und schrumpft um einige Zentimeter zusammen bevor er gänzlich aus unserem Blickfeld entschwindet. Die Dumpfbacken dieser Welt scheinen einfach nicht auszusterben. Im Gegenzug möchte ich aber nicht unerwähnt lassen, dass uns ganz besonders die Franzosen in den letzten Jahren als deutlich weltoffener aufgefallen sind und sie sich sogar bemühen, auch mal etwas anderes als französisch zu sprechen.

Entlang der Küste geht’s nach Agadir und dort auf einen freien Stellplatz direkt am Meer. Während hier im März noch hunderte Wohnmobilisten überwinterten, stehen nun nur wenige Fahrzeuge hier. Recht auffällig ist jedoch ein riesiger, umgebauter Bücherbus mit deutschem Kennzeichen, in dem Manfred mit seiner marokkanischen Frau wohnt. Natürlich kommen wir ins Gespräch und jetzt endlich erfahren wir den Grund, warum wir im Lidl in Algeciras keinen Wein mehr kaufen konnten. Kurz vor uns ist Manfred dort eingefallen und hat sage und schreibe ca. 1000 Liter Wein gebunkert. Nicht etwa um diesen selber zu trinken, sondern um ihn nun hier an die Marokkaner zu verscherbeln. Diese sind zwar in der Regel Moslems, aber hinter dem Alkohol her wie der Teufel hinter der armen Seele. Selbst nachts klopfen sie an Manfreds Türe, was diesem nun wiederum gar nicht gefällt. Aber was tut man nicht alles fürs liebe Geld, gell?

Über Sidi Ifni und Fort Bou Jerif peilen wir recht zügig die endlosen 1500 km Strecke durch die Westsahara an. Unterbrochen werden unsere Fahrten durch tageweise Stopps zu diversen Angelunternehmungen, die uns so manches leckere Abendessen bescheren. Einziges Highlight in diesen Tagen, ist ein unvermutetes Treffen mit Angelika und Thomas, den wir im Januar in The Gambia kennen gelernt haben. Auch diesen Mal sind die beiden wieder unterwegs dorthin und so beschränkt sich unser Gequatsche auf einen gemeinsamen Abend.

Bevor wir Marokko in Richtung Mauretanien verlassen, stocken wir in Dakhla unsere Vorräte nochmals kräftig auf. Hier auf dem Markt gibt es, vermutlich zum letzten Mal für längere Zeit, ein großes Angebot an Fleisch, Fisch und Gemüse und so wandert so manches köstliche Gut in unsere Gefriertruhe.

Von Thomas haben wir erfahren, dass der Grenzübertritt am späten Nachmittag schneller vonstatten geht als am frühen Morgen und so gondeln wir von Lamhiriz aus ganz gemütlich Richtung Grenze. Nichtsdestotrotz müssen wir uns am Ende einer Schlange einreihen und es dauert noch fast 1 Stunde bis wir auf den eigentlichen Zollhof fahren können. Doch von da an, geht alles wie am Schnürchen. Der Zöllner, der die Pässe stempelt, freut sich, seine Deutschkenntnisse anwenden zu können und auch der Mensch, der den obligatorischen Scan für Monster durchführt, behandelt uns bevorzugt. Keine 20 Minuten später rollen wir bereits auf den verheerenden Streifen Niemandsland zwischen Marokko und Mauretanien zu.