Togo: Dezember 2012

Ohne großes Getöse und ohne irgendwelche Fragen nach Geschenken oder Geld können wir sowohl aus Benin aus- als auch nach Togo einreisen. Wenn wir nicht ständig mit der Suche nach den entsprechenden Beamten beschäftigt gewesen wären, hätte der ganze Prozess vermutlich nur 5 Minuten gedauert, aber 30 Minuten ist eigentlich ja auch nicht sooo schlecht.

Die Republik Togo ist schmal und lang, an der Küste könnten wir es innerhalb von zwei Stunden durchfahren. In der Gesamtfläche liegt es irgendwo zwischen der Größe von Baden-Württemberg und Bayern und hat 5 Mio. Einwohner mit mehr als 40 ethnische Gruppen mit ihren sozialen und kulturellen Eigenheiten. Außer den Ländern Kamerun und Namibia ist Togo an der Westküste von Afrika die dritte ehemalige deutsche Kolonie, aber ebenso wie in Benin ist die Amtssprache französisch. 

Es ist also nicht verwunderlich, dass wir nach kurzer Zeit den bekannten Traveller- Treffpunkt „Chez Alice“ kurz vor Lomé erreichen. Alice kreuzt gerade höchstpersönlich auf ihrem Parkplatz herum und ist eine putzmuntere 80jährige Schweizerin, die bereits seit 33 Jahren in Togo lebt.
Sie ist eine Quelle der Informationen und teilt uns auch sogleich mit, dass es in Mali überhaupt nicht gut ausschaut. Der Präsident wurde zuerst gefangen genommen und ist am nächsten Tag mit seinem kompletten Regierungsstab quasi „zurückgetreten worden“. Phh, für uns eine sehr unschöne Situation, denn ob es nun überhaupt noch ein Visum gibt, ist fraglich. Es ist noch früh am Tage, also beschließen wir sogleich mit einem Taxi zur Botschaft zu fahren, denn am Telefon meldet sich niemand.

Eine Taxifahrt ist ein echtes Abenteuer. Die Polster, wenn überhaupt vorhanden, sind aufgeschlitzt und durchgesessen, die Innenverkleidung nur noch in Fragmenten vorhanden, die Türen werden mit Schnüren zugehalten und wir sehen unter dem Bodenblech die Straße. Polternde Geräusche beim Fahren, aber immerhin wir kommen irgendwo an, nur leider ist weit und breit keine Botschaft zu sehen. Passanten werden befragt, wir fahren zu einer anderen Adresse. Auch hier keine Botschaft, aber immerhin scheint sie hier einmal gewesen zu sein, denn eine Schneiderin weiß zu berichten, dass man den Botschafter oder Honorarkonsul oder wen auch immer, telefonisch erreichen könnte. Da dieser aber ein viel beschäftigter Mensch sei, ist es fraglich, ob er sich gerade in Togo befindet. Na toll, das war ja mal wieder ein Reinfall.

Wir kehren zu Alice zurück und lernen dort ihren Freund Werner kennen. Werner ist aus Kamp-Lintfort und vor Jahren wegen Alice nach Togo gekommen. Nun sitzt er hier Tag für Tag am Stammtisch und verfährt nach dem Motto: das bisschen, dass ich esse, kann ich genauso gut auch trinken. Es scheint ein ständiger Kampf zwischen Alice und ihm zu sein, denn er bekommt drei Mal täglich eine Mahlzeit vorgesetzt, die aufgegessen werden muss. Es versteht sich von selbst, dass Alice in solchen Momenten die Hunde einsperrt, denn ansonsten werden diese immer dicker und Werner noch dünner.

Den Abend verbringen wir im Internet mit der Suche nach neuen Informationen über Mali oder einer Alternativstrecke für den Fall, dass wir kein Visum bekommen. Die einzige Möglichkeit scheint eine Weiterfahrt über Elfenbeinküste und Guinea zu sein, auch keine tollen Aussichten. Wir entschließen uns also, dann doch die Hauptstadt Ghanas, Accra, aufzusuchen, denn dort gibt es ganz definitiv eine Botschaft.

Am nächsten Morgen fahren wir mit dem nächsten Taxi abermals in die Stadt, dieses Mal wollen wir den „Grand Marché“, den großen Markt besuchen. Bereits nach wenigen Metern fallen derartig viele Schlepper und Händler über uns her, dass uns der ganzen Markt bereits nach kürzester Zeit zu Wider ist.

Wir drehen uns um und erfreuen uns an einem recht guten Angebot in einem größeren Supermarkt bevor wir uns wieder in ein Taxi stürzen.

Wir ergattern das noch am Besten aussehende Taxi, das aber innen auch nicht viel besser ist. Nach wenigen Minuten hält der Fahrer und kippt seelenruhig Wasser in den Kühler nach, was sich laufend wiederholt. Alle Taxis würden bei uns gerade noch für den Schrottplatz taugen und der TÜV hätte seine helle Freude. Aber immerhin sind wir mit allen Taxis ans Ziel gekommen und lernen dabei die verschiedensten Facetten der Stadt kennen.

Bereits nach 2 Tagen verlassen wir Lomé bzw. wollen wir es verlassen, aber jetzt kommen wir erst noch in die richtigen Viertel. Mal wieder mitten über zahlreiche Märkte fahren wir in Richtung Kpalimé und benötigen alleine für die Ausfahrt aus Lomé knapp 2 Stunden.

In Kpalimé angekommen, fragen wir uns durch bis wir die vermeintlich richtige Straße zur Grenze gefunden haben, doch unterwegs kommen uns doch arge Zweifel. Die Straße oder sollte ich besser sagen der Weg, wird immer schmaler, es geht hinauf in die Berge und auch die tief hängenden Äste der Bäume tragen nicht zu unserer Freude bei. Mehr als einmal fragen wir erneut nach dem Weg, doch alles scheint gut zu sein. Als wir es schon gar nicht mehr glauben, kommen wir tatsächlich an einen Schlagbaum und an einen gewissenhaften Zöllner, der einen Blick in Monster wirft und uns dann an seinen Kollegen verweist, der etliche Kilometer weiter auf uns wartet. Dass der Weg dorthin nicht besser wird, versteht sich von selbst, aber schließlich ist es geschafft. Dieser Zöllner ist ebenfalls überaus freundlich, stempelt lustig plaudernd unsere Pässe, nur meine Frage, wo denn das Carnet abgestempelt wird, scheint ihn kurz zu verwirren. Ja ob wir denn den Posten weiter unten nicht passiert hätten? Natürlich haben wir das, lautet meine Antwort, aber dieser Döspaddel da unten hat uns doch hier hoch geschickt. Ob wir denn nun den ganzen Weg wieder zurück müssten, nur für einen Stempel? Kurzes Nachdenken, fröhliches Grinsen, nö, eigentlich hätte er ja auch einen Stempel und schon drückt er diesen ins Carnet. Das nenne ich doch mal eine unbürokratische, aber vor allem völlig unkorrupte Ausreise.