The Gambia: Januar 2013

Gambia ist das kleinste Land Afrikas mit etwas mehr als 1 Mio. Einwohnern und das Staatsgebiet reicht wie ein Finger in den Senegal hinein. Im Gegensatz zu Senegal ist die Amtssprache Englisch, da die Engländer am Gambia-Fluss von den Franzosen nicht verdrängt werden konnten.

Wie so oft schon in Afrika, besteht auch die Grenzbehörde zu Gambia aus einem Schlagbaum und einer kleinen Hütte, dieses Mal sogar aus Stein. Im Innern befindet sich eine Art Theke, hinter der sich mehrere Männer in abgerissenen Klamotten tummeln. Wahrscheinlich sind dieses die Zöllner- tatsächlich einer verlangt die Pässe zu sehen, welche ich ihm bereitwillig aushändige. Auch Sheelah und Oyvind finden sich ein und geben ebenfalls ihre Pässe ab. Wir werden alle nach unserer Nationalität befragt, woraufhin ein heftiges Getuschel unter den Zöllnern ausbricht. Haben wir etwas falsch gemacht? Als Deutsche benötigen wir doch kein Visum für Gambia, oder neuerdings etwa doch? Nein, es ist der Pass von Sheelah, der für die Aufregung sorgt, denn sie reist mit ihrem südafrikanischen Pass, für den sie aber nun anscheinend eine Art Freigabe für Gambia benötigt. Sheelah wird für einen Moment blass, verlangt aber dann ihren Pass zurück, geht zum Auto und kehrt mit ihrem britischen Ausweis wieder zurück. Gut gemacht so, denken wir, denn die Briten benötigen ebenfalls kein Visum. Leider denken die Zöllner überhaupt nicht so, denn womit nun keiner gerechnet hat, ist, dass in Gambia eine doppelte Staatsbürgerschaft generell verboten ist und somit die Einreise abermals verwehrt wird. Wir reden mit Engelszungen auf die Zöllner ein, aber alles Bitten und Betteln hilft nicht und auch ein kleines Geschenk kann nun nichts mehr ausrichten, denn es sind inzwischen zu viele Leute involviert. Sheelah und Oyvind müssen für den Moment umkehren, beschließen aber sofort, es morgen an einem anderen Grenzübergang nochmals zu versuchen. Schade, das war ein kurzes Vergnügen.

Unserer Einreise steht nun nichts mehr im Wege, die Pässe und das Carnet werden gestempelt und dann wollen wir eigentlich weiter. Wir sind schon fast unterwegs, als uns ein unscheinbares Männlein den Weg versperrt und Einlass begehrt. Wie sich herausstellt, ist er der örtliche Drogenbeauftragte und will nun mal Monsters Innenleben begutachten. Ok, dann soll er nur hereinkommen. Recht freundlich frage ich ihn was er denn zu sehen wünscht und denke mir auch nichts dabei als die Antwort lautet: „Wir fangen mal mit den Medikamenten an!“ Was soll ich sagen, 1 Stunde später ist der Kerl immer noch da und sucht. Was genau verbirgt sich meiner Auffassungsgabe, aber als er dann von hinten nach vorne in das Führerhaus klettert und dort beginnt jede Kleinigkeit zu begutachten, reißt mir doch etwas der Geduldsfaden. Jupp muss zu Hilfe eilen und komplimentiert die Wühlmaus ziemlich energisch aus dem Auto. Genug ist genug!

Kurz vor dem ersten Ort Basse Santa Su werden wir nochmals durch ein Halteschild des Zolls gestoppt und ich muss abermals in ein kleines Büro wandern. Dort sitzt ein weiterer Zöllner, der mir mit weisem Gesichtsausdruck erklärt, wir müssten ein „Passavant“, eine Art Fahrgenehmigung, für 20,00 € kaufen. Häh, hat der sie noch alle auf dem Christbaum? Ich drehe mich auf dem Absatz um, hole Jupp, das Carnet und den Reiseführer und dermaßen verstärkt, reden wir auf den Zöllner ein. Dieser sackt immer mehr in seinem Stuhl zusammen und bringt stammelnd nur noch ein leises „Go!“ heraus. Warum nicht gleich so? Hätte ihm doch einige Nerven gespart…

Wir verbringen eine ruhige, sternenklare Nacht in einem stillgelegten Steinbruch und nehmen morgens die Fahrt in Richtung Georgetown in Angriff. Weit kommen wir allerdings nicht, da geraten wir in die nächste Kontrolle. Dieses Mal ist es die Polizei, die nach einem kurzen Blick auf unsere Papiere aber nur ein wenig quatschen will. Der Gute verkündet lauthals, er wäre unser Freund und möchte nun unbedingt unsere Telefonnummer haben. Selbstverständlich kann er diese bekommen, wir hoffen nur, dass diese Nummer nicht wirklich existiert. Was soll ich sagen, auf dem ganzen Weg in Richtung Georgetown geht das so weiter. Bei jeder größeren Ansammlung von Häusern, auch wenn der gesamte Ort nur aus 1 Straße besteht, treiben sich Polizisten, Zöllner, Drogensucher oder Undercoveragenten herum. Sie fragen zunächst nach unseren Namen und Telefonnummern bevor unweigerlich die Frage nach einem Geschenk kommt. Auf der Beliebtheitsskala ganz oben stehen dabei Kulis, dicht gefolgt von Medikamenten. Ein ganz Schlauer fragt nach „Handican“, woraufhin er absolutes Unverständnis unsererseits erntet. Was bitte ist Handican? Seine Antwort: „ Jeder Deutsche hat Handican!“ Wir: „???“ Das Spielchen geht noch eine Weile bis wir es endlich schnallen, dieser Hüter des Gesetzes möchte „Heineken!“

Irgendwann sind wir es leid, ständiges Anhalten, ständig die gleichen Frage, wir spielen das Spiel fortan andersherum und fragen direkt nach dem Stoppen:“ You want to be my friend? Give me a present!“ Meistens folgt großes Gelächter und wir können weiterfahren.
Kurz vor Janjanbureh (Georgetown) entbricht mal wieder eine Grundsatzdiskussion zwischen uns beiden, denn ich möchte mir gerne die Steinkreise von Wassu anschauen, während mein kleiner Kulturbanause das natürlich nicht möchte. Diese größte und berühmteste Steinkreisanlage von Gambia gehört inzwischen zum Weltkulturerbe und befindet sich auf der anderen Flussseite. Somit finden wir leicht zu einem Kompromiss. Gibt es eine Brücke hinüber, dann fahren wir, gibt es jedoch nur eine Fähre, ok…ich habe verloren, wir fahren weiter bis nach Tendaba und dem dortigen Camp.

Direkt am Gambiaufer gelegen, soll das Camp tolle Ausblicke auf den Fluss und den Mangrovengürtel bieten, aber soweit kommen wir erst gar nicht, denn wir sollen für eine Übernachtung auf dem Busparkplatz (ohne jegliche Aussicht) 10,00 € p.P. zahlen. Geht’s noch? Wir drehen um und fahren Richtung Fluss zurück, wo wir prompt von einem jungen Mann angesprochen werden. Er erklärt uns, wir könnten auf dem kleinen Parkplatz vor der Moschee, direkt am Wasser parken und so ganz nebenbei betreibt er natürlich ein Restaurant, wo wir dann am Abend essen könnten. Seine Hütte als Restaurant zu bezeichnen ist zwar ziemlich übertrieben, aber das Essen ist sehr schmackhaft, wenngleich wir nicht wissen, was wir da eigentlich essen. Wahrscheinlich auch besser, denn so wirklich wollen wir das wahrscheinlich auch gar nicht wissen…

Wir erreichen das Sukuta-Camp, wo sich etliche Stammbesucher aus Deutschland bei Joe und Claudia die Klinke in die Hand geben. Viele nutzen das angebotene Langzeit-Parken, etwas abseits der Meeresluft und fliegen mit Condor im Urlaub nach Banjul, wo ihr Auto bereits auf sie wartet.

Der Campingplatz ist schön angelegt, nicht zu weit weg vom Strand, alles sauber und das deutsche Besitzerpaar sehr nett und hilfsbereit. Bei unserem Eintreffen befinden sich mehrere Autoschieber auf dem Camping und Jupp ist völlig in seinem Element. Nachdem Verkäufe im Senegal oder Mali wegen den verschärften Einfuhr-Vorschriften nicht mehr lukrativ sind, wird Gambia von den Autoverkäufern verstärkt angefahren. Viele Autoschieber, welche regelmäßig vor allem ältere Mercedes über Marokko und Senegal nach Gambia bringen, machen zwar nicht mehr den großen Reibach, können mit dem Gewinn aber ihren Urlaub mit Rückflug finanzieren. Die meisten Jungens hatten sich für die Fahrt hierher reichlich mit deutschen Lebensmitteln ausgestattet und diese unterwegs nicht alle verbraucht. Wir kommen uns vor, als wäre Weihnachten, denn an einem Tag beschenkt uns Dieter (www.mofa-jungs.de) mit den übrig gebliebenen Konserven und am nächsten Tag können wir von einem anderen Trupp selbst ganze Salamiwürste bekommen.

Nicht nur Autoschieber und Camper fühlen sich in Gambia wohl, es gilt auch als Geheimtipp für einsame, erfahrene Frauen im reifen Alter, denn sie finden hier leicht Ihren Lover. Die sog. Bumster- ein gambisches Problem- Kennzeichen: meist junger Mann aus gutem Haus, der in lässigem Outfit an den Badestränden flaniert und Touristen anspricht. Für diese „Berufsgruppe“ ist es ein Geschäft, den naiven Urlaubern ein paar Gefallen zu tun, dabei eine gute Zeit zu haben und somit an dem sagenhaften Wohlstand beteiligt zu werden. Wir scheinen für diese Bumster recht uninteressant zu sein, denn selbst als wir einige Tage am schönen Paradies Beach verbringen, lässt man uns völlig in Ruhe.

Das Strandleben gefällt uns prima, nicht nur, dass wir stundenlange Spaziergänge am menschenleeren Strand unternehmen können, nein, wir können auch reichlich Fisch zu unschlagbaren Preisen kaufen.
Direkt vom Boot erstehen wir die größten King Prawns, die wir je zu Gesicht bekommen haben.

Nach gut 2 Wochen, die wir in Gambia verbracht haben, reißen wir uns vom Strand los und nehmen die notwendige Fähre über den hier breiten Gambia- Fluss in Angriff, die oft große Wartezeiten mit sich bringt. Aus diesem Grunde starten wir am Sonntagmorgen bereits um 6.00 Uhr und fahren die wenigen Kilometer bis zum Hafen von Banjul. Dort ist es etwas chaotisch, denn in noch völliger Dunkelheit können wir nicht so recht erkennen, was dort so auf uns zukommt. Ein Mensch in dickem Anorak mault uns an, wir sollen am Straßenrand parken und ein Ticket kaufen. Hm, wer ist er denn und was will dieser Knilch von uns? Da kann ja jeder kommen! Vorsichtig steige ich mal aus und befrage einen anderen Passanten, der zu meinem Erstaunen erklärt, dieser Typ sei der Hafenmeister. Upps, da sollten wir wohl Folge leisten. An einem winzigen Fensterchen kaufe ich ein Ticket und dann geht alles Schlag auf Schlag. Ein Tor wird geöffnet, wir werden durch gewunken und fahren in einem Rutsch auf die Fähre, die keine 2 Minuten später bereits ablegt. Wie jetzt? Das war’s? Wir können es kaum glauben, denn oft stehen Autos mehr als 24 Stunden und die Lkws warten teilweise bis zu einer Woche auf die Überfahrt.

Nach einer knappen Stunde Fahrt, legen wir auf der anderen Seite an und genauso einfach wie wir auf die Fähre gefahren sind, fahren wir wieder hinunter. Hier auf der Barra-Seite des Flusses sieht es mit dem Verkehr allerdings deutlich anders aus, denn es haben sich bereits lange Autoschlangen gebildet. Diese Menschen werden vermutlich wirklich einige Stunden auf ihre Überfahrt warten müssen während wir gemütlich Richtung Grenze fahren.

Nachdem wir unsere letzten Dalasi in Diesel umgesetzt haben, erreichen wir den Schlagbaum. Irgendwie scheint heute unser Glückstag zu sein, denn sowohl die Ausreise aus Gambia als auch die Einreise nach Senegal läuft wie am Schnürchen. Bereits morgens um 9.00 Uhr sind alle Formalitäten erledigt und wir rollen auf senegalesischem Boden in Richtung Norden.