Senegal: Februar 2013

Auf guter Teerstraße kommen wir zügig voran in Richtung Kaolack bevor wir in Fatick auf eine kleine Nebenstraße abbiegen. Wir wollen ins Sine-Saloum-Delta, einer recht kargen Gegend, die mit zahlreichen Salzpfannen ein bisschen utopisch bzw. unwirklich wirkt. Wir sehen die Einheimischen in zügigem Tempo über diese Salzseen düsen, aber angesichts unserer Gewichtsklasse bevorzugen wir die schmale Landzunge zu befahren.

Schon so mancher hat die Tragkraft dieser Salzkrusten überschätzt und Tage beim Ausgraben seines Fahrzeuges verbracht.

Die Besichtigung des Nationalparks ist überwiegend nur mit einem Boot bzw. einer Pirogge möglich, aber leider verfügt das von uns gewählte Campement „Djidjack“ nicht über solche Möglichkeiten und so fällt unsere Tour schlichtweg ins Wasser.

Bereits am nächsten Tag brechen wir daher zur „Petite Côte“ auf um dort einige Tage dem Strandleben zu frönen. Einer der Hauptorte ist Mbour mit dem nahen Saly Portudal, einem bevorzugten Ziel für Pauschaltouristen. Der Supermarkt mit seinem tollen Angebot gefällt uns zwar außerordentlich gut, aber mit den restlichen Gegebenheiten können wir uns nicht so recht anfreunden. So kommt es, dass wir heute noch bis zum Lac Rose, ca. 40 km oberhalb von Dakar brausen. Der rosarot schimmernde Salzsee war besonders als Ziel der Rallye Paris- Dakar bekannt und im Campement „Chez Salim“ enden auch heute noch zahlreiche kleinere Rallyes. Wir können uns auf dem Parkplatz des Campements niederlassen und fühlen uns dort recht gut aufgehoben.

Nach 2 Tagen fahren wir am See entlang weiter Richtung Norden nach St. Louis, der ehemaligen Hauptstadt von Französisch-Westafrika.
Im historischen Stadtzentrum strahlen die einstigen Betriebe und Handelshäuser trotz, oder gerade wegen dem bröckelnden Putz und verblassten Farbe, mit ihrer Patina einen morbiden Charme aus. Die einstige Perle Westafrikas, auch als Venedig von Afrika bekannt, bietet eine geradezu beschauliche Ruhe, kilometerlange einsame Sandstrände, intakte Natur und das in Stadtnähe. So heißt es im Reiseführer, im sog. „Village des Pécheurs“ jedoch ergreift uns fast das Grauen. Auf der schmalen Landzunge „Langue de Barbarie, die den Senegal-Fluss auf seinen letzten Kilometern vom Meer trennt, erwartet uns ein Verkehrschaos sonder gleichen und eine empfindliche Nase sollte man hier auch nicht haben. 

Nach nur einer Nacht, zusammen mit 1 Million Fliegen, verlassen wir diese Idylle und fahren in Richtung Nationalpark Langue de Barbarie. Dort hatte uns ein anderer Reisender den Camping „7 Palava“ empfohlen, den wir nun ansteuern. Was soll ich sagen? Dieser Platz ist einfach toll und die beiden Deutschen, Christine und Sven tun wirklich alles, damit wir uns sauwohl fühlen. Aus dem geplanten 1 Tag werden 3, in denen wir hervorragend bekocht werden und so manche interessante Unterhaltung führen.

Ursprünglich lag ihr Gelände an einer Lagune, doch widrige Umstände haben einen Damm brechen lassen und nun plätschern Meereswellen an ihren kleinen Strand. Wir drücken den beiden alle Daumen, dass sich das Meer nicht noch mehr Landfläche zurück erobert und zahlreiche Gäste den Weg zu ihnen finden. (www.7palava.com)

Natürlich müssen wir auch der 20 km südlich von St. Louis liegenden, bei Globetrotter bekannten Zebra-Bar einen Besuch abstatten. Das schöne, sehr weiträumige Camp liegt auf einer Insel im Naturschutzgebiet, umgeben von einer Lagune und ist über eine Brücke zu erreichen. Dort treffen wir auf Christine und Ernst aus Österreich und Monique und Sjors aus Holland. Die vier sind auf dem Weg nach Südafrika und so gibt es viele Informationen auszutauschen, doch nach 2 Tagen machen wir uns endgültig auf den Weg zur Grenze nach Mauretanien.

Der mauretanisch-senegalesiche Grenzübergang bei Rosso ist seit Jahren einer der unangenehmsten in ganz Westafrika, wohl auch deshalb, weil er kaum zu umgehen ist für alle, die mit einem Fahrzeug über Marokko, Mauretanien und Senegal nach Westafrika reisen. Einzige Alternative: Grenzposten am Senegalstaudamm bei Diama etwa 95 km westlich von Rosso, keine Frage, dass wir diesen für uns auswählen. Auf dem Weg dorthin geht die Fahrt durch recht einsame Gegend. An einer großen Biegung des Senegalflusses, unweit seiner Mündung in den Atlantik und wenige Kilometer nördlich von St. Louis, befindet sich der Parc National des Oiseaux du Djoudj, ein ca. 16 000 ha große Schutzgebiet. Es ist durchzogen von vielen Kanälen, Seen und Sumpfland, der erste Platz südlich der Sahara, der ständig Wasser führt. Hier liegen die Brutstätten für Pelikane und Kormorane und zahlreiche rein afrikanische Wasservogelarten. Im November ist das Reservat das Ziel von Zugvögeln aus Europa, die erst im Frühjahr wieder nach Norden ziehen. Nachdem wir einige dieser Exemplare genügend bestaunt haben, erreichen wir die „Barriere de Diama“ und den dortigen senegalesischen Grenzposten. Zunächst geht es zur Polizei, wo ein Beamter lustlos in unseren Pässen herumblättert und dann tatsächlich nach 10,00 € fragt. Ich starre ihn entgeistert an und sage dann recht bestimmt, ich wollte ausreisen und wofür er denn nun diese 10,00 € haben wolle. Anscheinend ist der Gute es nicht gewohnt, dass Frauen ihm widersprechen und so entlässt mich mit einer wedelnden Handbewegung. Das Gebäude des Zolls befindet sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite und auch dort geht alles ruckzuck. Monster wird aus Jupps Pass ausgetragen, das Carnet gestempelt und bereits 2 Minuten später sind wir unterwegs über den Damm in Richtung Mauretanien.