Senegal: Januar 2013

Die Ausreise aus Mali gestaltet sich genauso unkompliziert wie die Einreise, ohne großes Aufheben sind die Pässe gestempelt und wir fahren auf die andere Seite des Schlagbaumes. Dort werden wir von einem Zöllner gestoppt, der uns den Weg zur nächsten kleinen Hütte weist, wo wir aber zunächst mal warten müssen. Drinnen herrscht große Aufregung, mindestens 10 Leute tummeln sich um einen Schreibtisch, wobei ich die Offiziellen nicht von den Zivilisten unterscheiden kann. Irgendwie scheint sich die ganze Truppe um ein technisch aussehendes Gerät zu streiten und es wird immer lauter.

Als nach 10 Minuten immer noch lautes Getöse zu vernehmen ist, stecke ich mal meinen Kopf in die Hütte, damit man mich im Eifer des Gefechtes nicht hier draußen vergisst. Es scheint zu helfen, denn plötzlich stürmen fast alle 10 Leute aus der Hütte und ich ziehe verschreckt meinen Kopf ein. Habe ich etwas falsch gemacht? Anscheinend nicht, denn nun kümmert sich der oberste Boss persönlich um mich, aber auch nur um zu erklären, dass wir in den nächsten Ort fahren sollen um dort alle Zollformalitäten zu erledigen. Warum nicht gleich so?

Wir fahren also bis Saraya und finden das dortige Zollamt in einer kleinen Seitenstraße. Der Zöllner bearbeitet nicht nur die Pässe, sondern auch noch gleich das Carnet de passage und wundert sich nur kurz, dass seine Kollegen direkt an der Grenze das nicht erledigt haben.

Der Ort, den wir uns für die 1. Übernachtung im Senegal ausgeguckt haben, heißt Kedougou und dort gibt es das angeblich sehr schöne Hotel „Le Bedik“ samt Restaurant. Das Hotel finden wir auch, aber leider will man uns dort für die Nacht nicht parken lassen. Phh, kein Parken, kein Essen, wir fahren direkt zum Nachbarn, bei dem wir deutlich freundlicher begrüßt werden und am Abend ein hervorragendes Menü mit Aussicht auf den Gambia-Fluss genießen können.

Am Morgen schauen wir uns ein bisschen in dem kleinen Örtchen um und erledigen ein paar Einkäufe. Das nimmt mal wieder einige Zeit in Anspruch, denn wir brauchen alleine schon 4 Anläufe bis wir irgendwo ein Brot bzw. Baguette ergattern können. Der Markt besteht aus einer Fläche, auf der einige Frauen Tücher ausgebreitet haben, auf denen sie ihre wenigen Waren anbieten. Manchmal besteht das ganze Angebot aus 3 Tomaten, 2 Zwiebeln und einigen Chilischoten, überhaupt macht alles einen sehr armen Eindruck.

Auf der Weiterfahrt durchqueren wir den Nationalpark Niokolo Koba. Dieses Tier- und Pflanzenreservat zählt zu den größten Westafrikas und steht unter dem Schutz der UNESCO. Im Park sollen auch Büffel und Antilopen leben, aber wir sehen nur verschiedene Affenfamilien, die sich am Straßenrand herumtummeln. Bei unserem späten Frühstücksstopp werden wir von einem jungen Mann angesprochen, der einen Funkmast bewachen muss. Er fragt, ob wir ihm etwas zu essen geben können und wir treten ihm bereitwillig die Hälfte unseres Baguettes ab. Wer nun glaubt, dieser Mensch hätte sich darüber gefreut, der irrt sich gewaltig, denn anstatt eines Dankeschöns bekommen wir ein „das ist alles?“ zu hören und werden obendrein auch noch um Geld angebettelt.

Wir lassen uns im Camp Wassadou, am Rande des Nationalparks nieder und treffen dort ein südafrikanisch-norwegisches Paar. Sheelah und Oyvind sind in London gestartet und wollen entlang der Westküste bis in Sheelahs Heimat nach Südafrika fahren. Es gibt viel zu erzählen und wir verbringen einen interessanten Abend zu viert. Wir scheinen den beiden auf Anhieb sehr sympathisch zu sein, denn bereits am nächsten Tag ändern sie ihre Pläne und wollen anstatt in die Casamance nun mit uns nach Gambia fahren.

Am Nachmittag treffen Chantel und Ton im Camp ein, die höchst erstaunt sind uns hier zu sehen. Dennoch kommt unsere Anwesenheit für Ton ganz günstig aus, denn sein „King“ hat ein größeres Ölleck und er benötigt mal wieder Jupps technische Hilfe.

Morgens brechen wir auf in Richtung Gambia, legen jedoch noch einen Einkaufsstopp in Tambacounda ein. „Tamba“, wie die Stadt genannt wird, gilt als einer der heißesten Orte Senegals und lädt nicht so wirklich zum längeren Verweilen ein, aber Sheelah und Oyvind kennen hier einen tollen Supermarkt. Ich fühle mich fast wie nach Deutschland versetzt, denn dieser Laden ist sauber und ordentlich und auch das Angebot ist nicht so schlecht. Einzig das Bier fehlt, aber das können wir am Ende geradewegs von einem kleinen Lieferwagen kaufen.

Über Velingara fahren wir zum Grenzposten nach Badiara bzw. sausen wir dort erst einmal vorbei, denn es geht über eine staubige Piste auf der es von Umleitungen nur so wimmelt. Im letzten Moment sehen wir aus den Augenwinkeln noch eine senegalische Flagge wehen und stoppen. Soll hier der Zoll sein? Wir drehen, da sehen wir in der Ferne bereits einen Polizisten winken. Huch, da sind wir an der Immigration ja schon lange vorbei. Also noch einmal zurück und nachdem wir uns brav entschuldigt haben, gelingt die offizielle Ausreise völlig unproblematisch.