Namibia: September 2012

Trotz schlechter Wetterumstände, der hier übliche Nebel will nicht so recht wegziehen, harren wir 2 Tage an der Küste aus, auf dem Campingplatz bei Mile 108 haben wir bereits im März einige Zeit verbracht und dieses Mal wollen wir unser Gefrierfach mit frischem Fisch füllen. Jupp angelt was das Zeug hält, aber irgendwie scheinen die Fische frei zu haben oder aber der sehr hohe Wellengang lässt sie nicht nah genug ans Ufer heran, jedenfalls will noch nicht einmal ein einzelner Fisch am Köder nagen. Ziemlich frustrierend das Ganze und so brechen wir die ganze Aktion am Sonntag unverrichteter Dinge ab. 

Stattdessen wollen wir den Skeleton Coast Nationalpark durchqueren und erreichen bereits am frühen Morgen das berühmte Tor, das mit 2 riesigen Totenköpfen geschmückt ist.

Hier benötigen wir eine Genehmigung, dass wir den Park im Transit durchqueren dürfen, denn ansonsten muss man eine Buchung für das Rastlager in Terrace Bay haben.

Nach einem netten Plausch mit dem Ranger, will dieser doch tatsächlich eine Eintrittsgebühr in Höhe von 170 ND kassieren. Hallo? Bei einer Transiteinreise ist der Eintritt frei!! „Oh, woher wir das denn wissen“? sagt dieser Schw…hund grinsend und überreicht uns die Genehmigung mit einem fetten Stempel zur kostenlosen Einreise versehen. Ich glaub’ s einfach nicht, man muss ständig aufpassen wie ein Luchs!

Wir fahren vorüber an einer alten Ölbohrplattform und an einer Stelle, an der früher Diamanten geschürft wurden und das war’ s auch schon. Jetzt können wir uns auch vorstellen, wofür die Totenköpfe am Eingangstor hängen. Aufgrund der widrigen Wind- und Strömungsverhältnisse ist in früheren Tagen so manches Schiff an dieser Küste gestrandet und wer dieses Unglück noch überlebt hat, war dennoch rettungslos verloren. Nirgends gab es Wasser und die Chance das lebensfreundlichere Landesinnere zu Fuß zu erreichen, war gleich null.

Von Palmwag geht es auf der Pad C 43 nach Norden durch die nördlichen Ausläufer des Damaralandes in das Kaokoveld wobei etliche Furten durchquert werden müssen, nur leider völlig unspektakulär da nirgends auch nur ein Tröpfchen Wasser fließt. Deutlich später als geplant erreichen wir die Khowarib Schlucht und die dortige Campsite, die von Einheimischen geführt wird. Der ganze Platz ist liebevoll geführt, tip-top sauber und die Dusche und das WC mit Aussicht macht besonders Spaß.

Hinter Sesfontein geht es ins Gelände, welches in Teilen nur mit Geländewagen zu bewältigen ist. Wir fahren zunächst den Ganamub Rivier bis zum Hoanib hinunter, immer auf der Suche nach den berühmten Wüstenelefanten und tatsächlich, es dauert gar nicht lange, da sehen wir ein erstes Exemplar.

Am dritten Tag durchfahren wir das Flussbett des Chumib als es plötzlich nicht mehr weitergeht. Die hier lebenden Himba haben ca. 1m tiefe Löcher ins trockene Flussbett gegraben und versorgen damit ihr Vieh und sich selbst mit Wasser. Unser Auftauchen sorgt natürlich für Aufsehen und die von uns begehrten Fotos gibt es nur im Tausch gegen Aspirin oder Zigaretten.

Insgesamt verbringen wir 5 Tage in der Einsamkeit, in denen wir immer wieder auf Krals der Himba treffen.

Ein Kral besitzt etwa 10 Hütten, teilweise Ställe für die Ziegen, Pferche für Jungtiere und ist eingezäunt von Holzpfählen und Dornengestrüpp. Mittendrin der Mopane Baum der für jegliche Art von Medizin und spirituelle Handlungen gut ist. Die Himba leben seit vielen Generationen in diesem Gebiet und sind aus Namibia nicht mehr wegzudenken. In den wasserarmen Gebirgen führen sie ein nomadisches Dasein um genug Futter für ihre Herden zu finden.

Mit einem rötlichen Gemisch aus Butter, Kräutern und Mineralien reiben sie sich die Haut ein, um sich zum einen vor der Sonne zu schützen und zum anderen soll der Körper glatt und glänzend sein wie das Fell eines Kalbes.

Das auffälligste Merkmal der Himba, neben dem für uns etwas strengen Geruch, ist ihre Kleidung und der reiche Schmuck, welcher den gesellschaftlichen Status bezeichnet. Die Kleider bei Mann und Frau bestehen nur aus einem Lendenschurz mit Leder und Fell.

Beim Erreichen von Opuwo bekomme ich den Mund vor Staunen gar nicht mehr zu, diese Siedlung ist eine eigenartige Mischung aus allem möglichen. Verwahrloste Weißensiedlung, Safari- und Shoppingcenter und Marktort von Herero und Himba, ein etwas merkwürdiges Gefühl macht sich breit, wenn man im Supermarkt vor dem Regal neben einer halbnackten Himba steht. Jedenfalls sind wir von der Atmosphäre derart in den Bann gezogen, dass wir das im Dorf befindliche Oreness Camp der weitaus mondäneren Country Lodge vorziehen, die in 2 km Entfernung auf einem Hügel liegt. Auf diese Art haben wir die Möglichkeit noch ein wenig durch die Straßen zu stromern, bezahlen dafür aber mit einer unruhigen Samstagnacht, da bis nach 2.00 Uhr die Musik durch die Straßen hallt. Ok, man kann nicht immer alles haben, gell?

Montagmorgen wollen wir eigentlich zeitig aufbrechen, aber wir haben mal wieder vergessen, dass in Afrika die Uhren anderes gehen. Der Einkauf von einigen Getränken und Brot und der Geldwechsel dauern tatsächlich geschlagene 2 Stunden und dass die Menschen in langen Reihen vor den Bankschaltern stehen, ist in Deutschland unvorstellbar, spätestens nach 10 Minuten würde vermutlich eine Meuterei ausbrechen.

Kamanjab, ein verschlafenes Nest mit Bäckerei, Bottle Store, Tankstelle und Metzgerei, ist unser nächstes Ziel. Eben jene Metzgerei, Impala Meat Market, hat sich durch ihr gutes Angebot an Wildfleisch einen Namen gemacht und bevor wir nach Angola aufbrechen, wollen wir unsere Vorräte noch gehörig aufstocken. Zahlreiche Kudu- und Oryxfilets werden Vakuum gezogen und finden ihren Weg in unseren Kühlschrank.

Nach einer, für Overlander kostenlosen Nacht im Oppie Koppie Camp geht es bereits weiter zu dem touristischen Highlight Namibias, dem Etosha Nationalpark. Den überwiegend größten Teil des Parks macht die 5000 km² große Salzpfanne aus, die einen Teil des Jahres unter Wasser steht. Zu dieser Jahreszeit herrscht jedoch Trockenheit und die Wildtiere versammeln sich an einigen wenigen Wasserlöchern. Das macht natürlich das Beobachten besonders leicht und bei unserem 3-tägigen Aufenthalt im Park begeistern uns nicht nur die große Anzahl an Spießböcken, Giraffen, Elefanten, Nashörnern und Löwen, nein, selbst einen ausgewachsenen Leoparden können wir im Gebüsch ausmachen.

Gut, zugegeben, beim folgenden Bild braucht man schon noch ein bisschen Phantasie, aber gesehen ist gesehen…

Auf der weiteren Fahrt gen Norden fühlen wir uns unversehens wieder ins schwarze Afrika zurück versetzt, im Ovamboland erleben wir ein Verkehrsaufkommen wie in keinem anderen Teil Namibias, Straßenverkaufsstände und die bunten Cucashops, die einfach alles verkaufen, große Felder mit Hirse, Kinder, die in jeder noch so kleinen Pfütze toben und Frauen bei der Feldarbeit. Die Städte, ein kunterbunter Mix aus modernen Wohnblocks und ärmlichen Wellblechhütten, ziehen sich als langgestreckte Siedlungen mehrere Kilometer entlang der Straße und der moderne Pick’ n Pay Supermarkt liegt direkt neben einem quirligen Markt. Historisches gibt es hier nix zu sehen, höchstens das Nakambale Museum, eine ehemalige finnische Missionstation, reizt zu einem Besuch. Nicht etwa, weil das Museum so interessant wäre, sondern weil sich auf diesem traditionellen Gehöft gleichzeitig eine originelle Übernachtungsmöglichkeit bietet.

Wir werden überaus freundlich begrüßt und jede der 3 Schwestern, die den Campingplatz leiten stellt sich persönlich vor. „Hallo, mein Name ist Maggie“ tönt es von der ältesten Schwester. „ Hallo, mein Name ist Maggie“ stellt sich sodann die mittlere Schwester vor und löst damit leichte Verwunderung aus, die aber unmittelbar in totale Verwirrung umschlägt als sich die jüngste der Geschwister verstellt. „Hallo, mein Name ist M…genau, die jüngste der Geschwister heißt selbstverständlich auch Maggie.

Am nächsten Morgen heißt es Abschiednehmen von Namibia. Ein bisschen macht sich Wehmut breit, denn dieses Land war eines der schönsten unserer bisherigen Afrikareise. Ab nun wartet in vielerlei Weise Ungewissheit auf uns, die Heimfahrt entlang der Westküste Afrikas wird nicht einfach werden, aber ist es nicht genau das, was das Abenteuer Reisen ausmacht?