Namibia 1: September 2012

Endlich … wir sind wieder unterwegs. Das Einchecken in Düsseldorf verläuft völlig unproblematisch, zwar fragt die junge Dame am Air Berlin Schalter nach unseren Rückflugflugtickets, doch am Ende gibt sie sich mit unseren eingestempelten Angolavisen als Weiterreisenachweis zufrieden.

Ab Berlin haben wir dann noch ganz besonderes Glück, denn wir können beide einen 3er Mittelsitz für uns alleine ergattern und haben nun das Vergnügen liegend 5 Stunden dem Schlaf zu frönen. Recht ausgeruht erreichen wir Windhoek, wo wir bereits erwartet werden. Manfred fährt uns als erstes zu Monster und auch hier scheint alles in Ordnung zu sein. Unser Schätzchen ist zwar etwas eingestaubt, aber erfreut sich ansonsten bester Gesundheit. Schnell sind unsere Taschen eingepackt und schon brummt der Motor zur Abfahrt. Heute ist Feiertag, d.h. eigentlich war das gestern, aber da dieser auf einen Sonntag fiel, wird der Feiertag kurzerhand auf den darauf folgenden Montag verschoben. Geht ja auch gar nicht anders, sonst fiele ja der Feiertag aus…

Am Dienstagmorgen finden wir uns in der Botschaft der Republik Kongo ein. Dort ist unser größtes Problem, das wir Farbkopien der 1. beiden Passseiten benötigen. Kopien hätten wir ja, aber leider keine farbigen. Die Herrschaften der Botschaft lassen sich nicht erweichen, also traben wir in die Innenstadt und werden aber erst im 4. Fotoladen fündig. Kurz vor der Mittagspause sind wir zurück in der Botschaft und können unser Glück kaum glauben, denn die freundlichen Mitarbeiter erklären uns, dass wir unsere Pässe bereits nach 1,5 Stunden wieder abholen können.
Wow, damit hatten wir nicht gerechnet und so kommt es, dass wir heute auch noch die Botschaft der demokratischen Republik Kongo aufsuchen können. Auch hier sind alle sehr nett, aber nun besteht man auf ein sog. Empfehlungsschreiben unserer deutschen Botschaft. Dieser „letter of recommendation“ beinhaltet in der Regel unsere Namen, das Geburtsdatum und die Passnummer und kostet weltweit bei allen deutschen Botschaften 20,00 €.

Also auf zur deutschen Botschaft, welche sich mitten in der Innenstadt befindet. Wir landen in einer Art Hochsicherheitstrakt und dürfen vom Empfang aus nur telefonisch unser Anliegen vorbringen. Der Schock ist groß als mir meine Gesprächspartnerin mitteilt, dass sie solche Schreiben nicht mehr ausstellen. Sie wüssten ja schließlich gar nicht wer wir sind! Wie jetzt? Wir sind deutsche Staatsbürger, reicht das nicht? Ich rede wie ein Pastor, erzähle was wir so machen und wofür wir den Brief benötigen und die Dame lässt sich immerhin so weit erweichen, dass sie ihre Vorgesetzte befragen will. Bange 15 Minuten folgen, doch dann der positive Bescheid und weitere 20 Minuten später halte ich das begehrte Empfehlungsschreiben in Händen.

Jetzt aber nix wie zurück zur DRC Botschaft, die wir kurz vor Toresschluss erreichen. Selbstverständlich läuft hier heute nichts mehr, aber da wir eh mit einer Wartezeit gerechnet haben, ist das nicht weiter tragisch. Geplant haben wir einen Abstecher in den Kgalagadi Nationalpark auf der südafrikanischen Seite, aber zuvor müssen wir dafür noch etwas Geld wechseln. Wir wissen, dass man sich dazu ausweisen muss und nehmen daher Jupps Personalausweis mit, da ja unsere Reisepässe auf der Botschaft verbleiben mussten. Könnt Ihr Euch mein Gesicht vorstellen, als wir damit kein Geld bekommen, denn die Bänker müssen eine Kopie vom Visum machen?! Nicht der misslungene Geldwechsel erschreckt mich so sehr, sondern ganz einfach die Erkenntnis, dass wir ja ohne unsere Reisepässe das Land auch gar nicht verlassen können. Ooohhh, ich möchte lieber nicht darüber nachdenken, wie mein Göttergatte reagiert hätte, wenn wir ungefähr 500 km gefahren wären und dann ohne Pass an der Grenze gestanden hätten.

Wir verbringen die Tage auf der Gästefarm Elisenheim und treffen dort etliche andere Reisende, wodurch die Zeit bis Freitag regelrecht umfliegt und schon stehen wir wieder bei der Botschaft auf der Matte. Eigentlich sollten wir ja erst am späten Nachmittag auftauchen, aber die Vermutung, dass alles bereits am Vormittag parat liegt, bestätigt sich. Beim Blick auf die Visa kommt dann doch noch etwas Groll auf, die Visa sind bereits seit Mittwoch eingestempelt…this is Africa!!

Der Kgalagadi Transfrontier oder auch Kalahari Gemsbok Park genannt, liegt am spitz zulaufenden Dreieck, das die Grenzen von Namibia, Botswana und Südafrika bilden. Die Grenzkontrolle auf namibischer Seite verläuft wie immer, also das volle Programm, lediglich unsere Bescheinigung für die bezahlte Roadtax führt zu leichter Verwirrung der Beamtin.

Eigentlich sind diese Dinger nur für 3 Monate gültig und prompt stellt sie erstaunt fest, das wäre aber mal ein altes Ding. Der Hinweis, dass wir ja nun ausreisen und nach einigen Tagen wieder zurückkommen, scheint sie irgendwie zu befriedigen. Fast sind wir schon weg, da fällt ihrem Kollegen unser Feuerholz ins Auge. Oh, oh, das dürften wir aber nicht mitnehmen, wir könnten irgendwelche Seuchen damit ein bzw. in diesem Falle wohl eher ausschleppen!!!
Also laden wir unser komplettes Feuerholz ab, deponieren es in einer Ecke, jedoch nicht ohne das Versprechen, dass wir es auf dem Rückweg wieder abholen werden. Ob es wohl noch dort liegt?

Die Camps sind relativ ausgebucht, aber wie eigentlich immer in den Nationalparks ist noch reichlich Platz vorhanden und so können wir kreuz und quer durch die Kalahari fahren. Im Gegensatz zu den Dünen der Namib sind die Sandberge hier verfestigt und in den Tälern wachsen Akazien und Buschwerk. In aller Herrgottsfrühe sind wir zur Tierbeobachtung unterwegs, dieses Mal mit deutlich mehr Glück als im Krüger N.P. Mehrere Male kreuzen Geparden unseren Weg und wir können die schönen, stolzen Tiere aus nächster Nähe beobachten.

Die Nächte sind eiskalt, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind die Regel, aber dafür ist der Sternenhimmel einfach eine Wucht. Kurzum wir sind begeistert von diesem Park und brechen erst nach 4 Tagen zum Lake Oanob bei Rehoboth auf, natürlich nicht ohne unser Feuerholz, welches „oh Wunder“ noch an Ort und Stelle liegt.

Unterwegs sehen wir immer wieder kleine Zeltlager, die am Straßenrand errichtet sind und wundern uns nicht schlecht, dass dort die Straßenbau-Arbeitstrupps untergebracht sind. Eigentlich ja eine ganz praktische Angelegenheit, denn die Arbeiter sind jederzeit an Ort und Stelle. Jetzt stelle man sich aber mal vor, in unserer Heimat müssten die Angestellten z.B. der Fa. Horlemann Straßenbau direkt auf der Baustelle in Zelten übernachten. Ich möchte wohl gerne dabei sein, wenn man das dem Betriebsrat verkündet.

Der See bzw. Damm ist eine einzige Idylle, ganz liebevoll wurden hier Campingstellen errichtet und alles ist tipp-top sauber. Viel Zeit zum Genießen bleibt uns aber nicht, denn Monsters Anlasser macht seit ein paar Tagen Zicken. Wir mutmaßen, dass es der Magnetschalter ist, also muss das Teil ausgebaut und angeschaut werden. Leider lassen sich die Schrauben nicht lösen und so bleibt uns nichts anderes übrig als den kompletten Anlasser auszubauen. Das ist vielleicht ein Hammerteil! Ich kann es kaum heben, aber mehr als abenteuerlich bringen wir es irgendwie doch heraus. Leider können wir dem Magnetschalter nichts ansehen, also baut Jupp diesen nur auseinander, fettet alle gängigen Teil gut ein und baut ihn wieder zusammen. Den kompletten Wiedereinbau sparen wir uns für den nächsten Morgen auf und siehe da, alles klappt wie am Schnürchen, schneller als gedacht, ist der Anlasser wieder an Ort und Stelle. Wow, jetzt muss er nur noch laufen ... was er ohne großes Tamtam auch tut. Ein gutes Gefühl!!

Am Wochenende findet in der Nähe von Windhoek ein Lkw-Wohnmobil-Treffen statt, zu dem man uns per Email auch eingeladen hat, denn Monster hatte vor dem Supermarkt mal wieder Aufsehen erregt. Da wir uns eh noch in der Gegend herumtreiben, beschließen wir dort vorbei zu fahren und verbringen ein tolles Wochenende. Es sind zwar außer uns nur 7 andere Lkws dort, aber deren Besatzungen sind allesamt sehr nette Menschen und viel persönlicher.

Abends beim Lagerfeuer gibt es viel zu erzählen, so manches Bierchen wird weggezischt und so manche Aussage der Namibier regt zum Nachdenken an. Z. B. werden wir gefragt, was denn der Unterschied zwischen einem Touristen und einem Rassisten ist. Antwort: 1 Woche!

Leider ereilt einen Teilnehmer am nächsten Morgen eine schlechte Nachricht, denn in sein Haus wurde in der Nacht eingebrochen. Mich erschreckt dabei nicht so sehr der Einbruch an sich, sondern die Beute, denn gestohlen wurde u.a. auch der Dackel. Wer klaut denn einen Hund? Wie mir die anderen erzählen anscheinend eine recht gängige Methode hier, denn nach einiger Zeit wird einem der eigene Hund zum Kauf angeboten. Sachen gibt’s!

Ob es nur die schlechte Nachricht war oder einfach eine doofe Bewegung, weiß ich gar nicht recht zu sagen, aber jedenfalls schießt mir plötzlich die Hexe ins Kreuz, dass mir hören und sehen vergeht. Schlagartig kann ich mich kaum noch bewegen und verbringe die restlichen Tage stehend, immer mit der Hoffnung, dass es bald wieder besser wird. Doch weit gefehlt, am Montagmorgen ist der Schmerz so heftig, dass ich weder aus dem Bett komme noch alleine die Toilette besuchen kann. Ein Chiropraktiker muss her und dank einer Treffenteilnehmerin bekomme ich eine gute Adresse.

Dr. Daryl Oehley, ein Amerikaner, muss mir die Schmerzen förmlich angesehen haben, denn trotz vollem Terminkalender wird kurz entschlossen einer anderen Patientin abgesagt und stattdessen an mir herum gebogen. Mein Becken hatte sich völlig verschoben und wollte gerichtet werden. Dazu muss ich mich selbstverständlich ausziehen und kann mir trotz der Schmerzen ein Grinsen nicht verkneifen. Ich kann mich nicht einfach nackt auf die Liege legen, sondern muss mich in eine Art Operationshemd hüllen, dass hinten offen ist. Welches Gesicht Jupp bei dieser Zeremonie macht, ist auch klar, oder? Wie auch immer, nach dem Besuch bei Daryl bin ich fast wie neu, obwohl die Schmerzen natürlich noch nicht weg sind und auch die Angst wohl noch ein bisschen länger bleibt. Um auf der sicheren Seite zu sein, vereinbaren wir einen weiteren Termin am Mittwoch und fahren anschließend zu einer Wäscherei.

Unterwegs kommen uns, man lese und staune, doch tatsächlich Chantel und Ton mit ihrem „Dancing King“ entgegen. Die beiden sind heute Morgen in Windhoek gelandet und nun auf dem Weg zur Visabeantragung für die beiden Kongos. Klar, dass wir uns für den Abend verabreden. Auch die nächsten Tage verbringen wir noch gemeinsam, denn erst am Donnerstag bin ich soweit wieder hergestellt, dass ich mir eine längere Autofahrt zutraue.

Die beiden Spitzkoppen, die große und die kleine, sind unser Ziel. Wir befahren dazu nicht die Haupt- sondern eine sehr schöne Nebenstraße, sehen unzähliges Wild unterwegs und halten an einem Farmstall (in D. so etwas wie ein Bauernladen) an. Dort fragen wir den Besitzer, ob er auch Eier verkaufe. Seine Antwort: „ Nö, die essen wir alle selber.“ „Ok, verkaufst du denn Tomaten?“ „Nö, die essen wir auch alle selber.“

Weiter westlich sehen wir die beiden Spitzkoppen bereits liegen. Die beiden Gipfel ragen bis zu 800 m aus der Umgebung, was zumindest der Großen den Beinamen „Matterhorn Namibias“ eingebracht hat.

Die ganze Gegend dort ist noch ziemlich unberührt, mal ist der Boden mit kugelrunden Riesenbällen bedeckt und mal balancieren mächtige Granitblöcke über tiefen Kluften. Die Einheimischen haben hier wunderschöne Campsites eingerichtet und wir verbringen eine ruhige Nacht bevor es weitergeht in Richtung Küste.