Kamerun: November 2012

Direkt hinter der kleinen Grenzbrücke und nach einer absolut einfachen Einreise, treffen wir einen Motorradfahrer aus England und wir plaudern ein wenig über das Woher, Wohin und die Straßenverhältnisse. Natürlich sprechen wir auch über die uns bevorstehende Horrorstrecke von Mamfé nach Ekok.
Dem Biker steht jetzt noch das Grauen ins Gesicht geschrieben, während er nach Worten ringt, um uns den Weg bzw. den nicht vorhandenen Weg zu beschreiben. Er sagt immer wieder:“ I burnt my clutch, there is no way” (Ich habe meine Kupplung verbrannt, da ist überhaupt kein Weg). Wir haben schon viel über diesen schlechten Streckenabschnitt gehört, aber so hautnah eben noch nicht und sind ziemlich geschockt. Vielleicht sollten wir doch besser über den Norden fahren? Aber dann kommen wir oben in Nigeria in das unsichere Gebiet, wo die Christen und Moslems sich gegenseitig totschießen, auch keine rosigen Aussichten.

Wir legen die Entscheidung erst einmal auf Eis und steuern die 1. größere Ortschaft, Ebolowa, in Kamerun an. Unterwegs haben wir das Vergnügen mit etlichen Polizeikontrollen und während wir in manchen Ländern fröhlich winkend einfach durchfahren, sind wir hier gezwungen anzuhalten. Die Schmutzbuckel legen doch tatsächlich Nagelbretter mitten auf die Straße und erst nachdem alle Papiere kontrolliert und für in Ordnung befunden sind, nehmen sie die Bretter weg und man kann weiterfahren. Selbstverständlich nicht ohne die obligatorische Frage nach einem Geschenk diskutiert zu haben. Sollte man so ein Brett unglücklicherweise mal übersehen, ist es um die Reifen geschehen. Tolle Methoden!

In Ebolowa herrscht das übliche Verkehrschaos, dahingehend scheint sich kein westafrikanisches Land von dem anderen zu unterscheiden, und wir finden schlussendlich ein Plätzchen bei einem Hotel. Dort scheint der Manager uns für eine goldene Kuh zu halten, die man nach Herzenslust melken kann und es bedarf unseres ganzen Verhandlungsgeschickes um den Preis auf ein normales Maß herunterzudrücken.

Am Morgen brechen wir auf nach Kribi, vermeintlich über eine, auch in der Regenzeit, gut zu befahrene Piste.

Na ja, darüber ließe sich nun streiten, aber was viel schlimmer ist, sind diese merkwürdigen Regenbarrieren. Das sind Schlagbäume, die quer über die Wege gelegt werden, wenn der zuständige Schrankenwärter der Meinung ist, der Regen sei zu stark gewesen und die Wege nicht mehr zu befahren. Kaum haben wir einige Kilometer zurückgelegt, werden wir bereits an der 1. Schranke gestoppt und man erklärt uns, wir müssten bis zum Mittag warten, dann würde der Weg wieder geöffnet. Ok, wenn das hier so ist, dann machen wir eben so lange Frühstückspause.

Wir haben noch kaum den Tisch gedeckt, da kommt ein Bierwagen herangefahren, stoppt kurz an der Barriere und fährt dann eiligst weiter. Wie jetzt? Wir können zwar verstehen, dass die Bierversorgung den Menschen hier äußerst wichtig ist, aber ist Regen nicht gleich Regen? Anscheinend wird hier mit zweierlei Maß gemessen, was natürlich sofort unseren Protest hervorruft. Nun stellt sich heraus, der Fahrer des Bierwagens hat ein kleines Sümmchen springen lassen und schlagartig muss der Weg besser geworden sein. Es ist also keineswegs der Regen der den Zustand der Piste beeinflusst, sondern das Portemonnaie des Schrankenwärters.

Nach der vielen Fahrerei der letzten Zeit, haben wir uns vorgestellt, in Kribi einige entspannte Tage am Meer zu verbringen. Leider trägt die verspätet endende Regenzeit nicht zu einem tollen Strandgefühl bei, mindestens ein Mal täglich schüttet es wie aus Eimern und unser Stellplatz verwandelt sich in einen kleinen See.

Wir unterhalten uns oftmals mit dem Manager der Auberge Tara Plage und befragen ihn zum Thema Geldwechsel. Zu unserem Erstaunen wurden bereits in Gabun, aber auch hier in Kamerun viel lieber Euro als Dollar gewechselt und das auch noch zu einem deutlich besseren Kurs. Wie uns der Manager grinsend erzählt, hat das einen ganz einfachen Grund. Die vielen Hilfsorganisationen, die sich hier überall tummeln, bringen heute Geld ins Land und bereits morgen verlässt dieses Geld das Land in großen Koffern in Richtung Schweiz oder Dubai. Da der größte Dollarschein ein 100er ist, bei den Euronen jedoch ein 500er, kann man in einem Schlag deutlich mehr Geld außer Landes bringen. Eigentlich logisch, gell?

Bereits seit Gabun ist klar, dass die beiden Reisepässe von Jupp definitiv nicht für alle Visa ausreichen werden. Noch in Deutschland habe ich zwar die Visa und die dazu nötigen, freien Passseiten gezählt, habe aber nicht mit diesen Dumpfbacken von Zöllner gerechnet, die trotz heftigster Einwände unsererseits eine ganze Seite im Pass für nur einen Stempel benutzt haben. Damit fällt so eine Seite natürlich für ein Visum komplett aus und so kommt es, dass der eine Reisepass komplett voll ist, der andere nur noch über eine freie Seite verfügt und wir uns Gedanken über einen neuen Pass machen müssen.

Wir telefonieren mit der deutschen Botschaft in Cotonou/Benin und geraten dort an einen völlig unmotivierten deutschen Botschafter. Nicht nur, dass er uns an die Botschaften in Yaounde/ Kamerun oder Lagos/Nigeria verweist, er weigert sich außerdem strikt einen vorläufigen Reisepass, der normalerweise bei jeder deutschen Botschaft beantragt werden kann, auszustellen. Das ist ja mal wieder eine tolle Hilfe, sollten diese Botschaftsmitarbeiter nicht für deutsche Staatsangehörige im Ausland tätig sein?

Herr König in Cotonou scheint da deutlich anderer Ansicht zu sein. Etwas frustriert telefonieren wir mit der Botschaft in Yaounde und lernen die gänzlich andere Seite der Medaille kennen. Wir werden freundlich begrüßt, kompetent behandelt und dürfen völlig unbürokratisch außerhalb der normalen Konsularzeiten am nächsten Tag in der Botschaft erscheinen. Unter der Voraussetzung, dass unsere Heimatgemeinde ihr Einverständnis erklärt, will man uns sogleich einen vorläufigen Pass ausstellen.

Hm, Beziehungen schaden mal wieder nur dem, der sie nicht hat und unter diesem Gesichtspunkt telefonieren wir mit Bernd Pool vom Servicecenter in Kevelaer um den ganzen Prozess ein wenig zu beschleunigen. Am nächsten Morgen fahren wir in aller Frühe nach Yaounde und schaffen es tatsächlich noch am Vormittag bei Frau Schindler von der Konsularabteilung der deutschen Botschaft am Schalter zu sitzen.
Herr Pool in Kevelaer hat prompt reagiert und Frau Schindler ist einfach nur total nett. Wir plaudern ein Weilchen und am Ende liefert Frau Schindler vor ihrer Mittagspause den Pass persönlich bei Monster ab und wir trinken gemeinschaftlich noch einen Kaffee. Es geht also auch anders als bei diesem Herrn in Cotonou! Nochmals herzlichen Dank an dieser Stelle an Frau Schindler und Herrn Pool.

Nach einer angenehm kühlen Nacht auf dem Gelände eines Benediktiner Klosters oberhalb der Stadt, fahren wir über Douala nach Limbe, einem angeblich ebenfalls schönen Strandort.

Bereits etliche Kilometer vor Doula beginnt das übliche Verkehrschaos, nicht nur, dass man meint, mitten über den Marktplatz mit seinen zahlreichen Verkaufsständen zu fahren, ganz furchtbar dabei sind diese Sammeltaxis. Ohne nach rechts, links, vorne oder hinten zu schauen, halten die Fahrer der Taxen an, um Leute ein- und aussteigen zu lassen und sich dann anschließend wieder unkontrolliert in den Verkehr einzureihen. Alles sehr gewöhnungsbedürftig und man darf nicht eine Sekunde unaufmerksam sein.

In Limbe angekommen, quartieren wir uns beim Hotel Park Miramar ein. Das Dach der Einfahrt erscheint uns zwar ein wenig niedrig, aber die Angestellten des Hotels sind allesamt der Meinung, dass Monsters darunter her passt. Die sollten es wissen, aber vorsichtshalber klettere ich mal halbwegs auf unser Dach, um die ganze Geschichte von oben zu betrachten. Wir fahren ganz rechts unter der höchsten Stelle hindurch und alles geht gut, bis wir am Ende mit unserer Schüppe, die ganz hinten auf dem Monsterdach liegt, doch noch an einem Balken hängen bleiben. An sich ja kein Problem, dann klettere ich eben aufs Dach und nehme die Schüppe weg, aber den Angestellten ist das anscheinend alles viel zu kompliziert. Sie bedeuten Jupp, er soll einfach weiterfahren, was dieser auch prompt tut. Ich denke, mich trifft der Schlag als Monster bzw. die Schüppe daraufhin, das komplette Dach der Einfahrt anhebt und dieses bedrohlich zu schwanken beginnt. Die Götter sind uns hold, das Dach bleibt oben und wir sind drin. Hätten wir da schon gewusst, welch heiße Nacht uns bevorsteht, wir wären gar nicht erst hinein gefahren. Es regt sich kein Lüftchen und es ist schwül-warm. Morgens sind wir wie gerädert und wollen Monster wenigstens ein bisschen drehen, damit der wenige Wind in unsere Fenster ziehen kann und wir ein bisschen Schatten bekommen, aber laut Hotelleitung dürfen wir nur an dieser Stelle und in dieser Position stehen bleiben. Gut, dann fahren wir eben wieder hinaus, vor der Türe gibt es wenigstens ein paar Bäume. Dieses Mal bleibt das Dach bewegungslos und wir beziehen einen freien Platz direkt am Wasser. Kaum dort angekommen, findet sich der Sicherheitschef eines zurückliegenden Hauses ein und wundert sich, dass wir diesen Platz nun auch beim Hotel bezahlen sollen. Schließlich sei dieses öffentliche Gelände, das Hotel habe damit nun rein gar nichts zu tun. Gut, denken wir, dann bezahlen wir eben nichts. Jetzt haben wir aber die Rechnung ohne die Managerin des Hotels gemacht, haben wir die fette Lady bis jetzt überhaupt nicht zu Gesicht bekommen, watschelt sie nun höchstpersönlich heran. In einem unverschämten Ton blafft sie uns an, wir müssten diesen Platz bei ihr bezahlen und schon ist die schönste Diskussion im Gange.

Nach geraumer Zeit, denken wir, ok, um des lieben Friedens willen, bezahlen wir eben und gut ist. Aber weit gefehlt, haben wir für die 1. Nacht innerhalb des Geländes umgerechnet 5$ bezahlt, sollen wir nun pro Person 5$ zahlen. Spinnt die Gute? Ich stehe draußen, benutze keine Toilette, keine Dusche, keinen Pool und soll mehr zahlen als vorher? Geht ja gar nicht, was ich ihr auch ganz deutlich zu verstehen gebe bevor ich sie einfach stehen lasse und gar nichts mehr bezahle. Etwas verdutzt watschelt die dicke Ente davon, natürlich nicht ohne den Wachmann Ruben wüst beschimpft zu haben. Zu unserem größten Vergnügen, können wir uns in das Netzwerk des Hotels einloggen und fleißig kostenlos das Internet benutzen. Wenn das die Managerin wüsste…

Wir bleiben noch 3 Tage stehen, immer darauf hoffend, dass das trockene Wetter anhält und es auch weiter im Norden nicht mehr regnet. Im Internet haben wir uns das Video eines holländischen Overlanders angeschaut, das er auf der Strecke von Mamfé (Kamerun) nach Ekok (Nigeria) gedreht hat und uns stehen schlichtweg die Haare zu Berge. Aber was hilft es? Wir können ja schließlich nicht ewig hier bleiben, also nehmen wir die Strecke über Bamenda in Angriff.

Wie sich herausstellt, ist ab Mamfé zwar nur noch Piste, aber diese ist relativ einfach zu bewältigen. Das lustige Stück fängt erst ca. 20 Kilometer vor der Grenze an, aber das hat es tatsächlich in sich. Der größte Teil der Piste ist inzwischen abgetrocknet, aber die Fahrspuren sind derart tief ausgefahren, dass wir an einigen Stellen mit dem hinteren Differential aufsetzen und über den Lehmboden schleifen. Rechts und links sind die Lehmwände so hoch, dass wir aus dem Fenster schauend nur gegen diese Wände gucken.

 

Zeitweise sind die Löcher so groß und so tief, dass man ganze Autos darin versenken könnte. Wie es hier bei Regen für uns ausgegangen wäre, wollen wir uns lieber nicht vorstellen. Uns war es schon so Abenteuer genug und wir sind froh, am Ende des Tages die Grenze halbwegs unversehrt zu erreichen. Fazit: Das Differential ist undicht, eine Markisenhalterung ist abgerissen, der Tank ist leicht nach hinten verschoben, die Tankwanne hat etliche Dellen, aber ansonsten sind wir guter Dinge.

Eine kleine Geschichte zum Abschied aus Kamerun:
Jupp geht zum Bäcker und die Verkäuferin fragt natürlich direkt, wo er denn herkommt. Als die Antwort “Deutschland“ lautet, sagt sie, dass sie mitkommen möchte nach D. Antwort Jupp:“ Damit ist meine Frau aber nicht einverstanden.“ Antwort Verkäuferin:“ Warum denn nicht, kann deine Frau keine Schwarzen leiden?“ Antwort Jupp:“ Nö, aber keine 2. Frau“ Antwort Verkäuferin:“ Wo ist denn da das Problem?“…