DR Kongo: Oktober 2012

Die Einreise in die demokratische Republik Kongo ist mal eine der anderen Art.

Direkt vor dem Schlagbaum sitzen 3 Machotypen in Uniformen und verlangen unsere Pässe zu sehen. Ich steige also aus und bringe den Herrn unsere Pässe, die eingehend studiert werden. Jedoch nicht nur die Pässe, auch ich werde einer eingehenden Begutachtung unterzogen und komme mir langsam vor, als stünde ich nackt vor diesen Typen. So etwas kann ich ja besonders gut leiden und so starre ich dem Unangenehmsten der drei solange ins Gesicht bis dieser schließlich wegschaut. Ob ich nun zu frech geschaut habe, weiß ich nicht, aber kurze Zeit später werden wir zum nächsten Posten verwiesen, natürlich ohne unsere Pässe herauszugeben. Hmm, ob das alles gut geht?

Es geht, nur wenig später bringt Obermacho persönlich die Pässe und grüßt noch freundlich zum Abschied. Warum nicht gleich so? Der Rest der Einreise verläuft absolut korrekt und wir können losfahren, leider nicht sehr lange, da stoppt uns bereits der nächste Posten.
Das Carnet soll abgestempelt werden und das obwohl die DRC dieses eigentlich gar nicht akzeptiert. Uns soll es recht sein, wenn der Gute unbedingt stempeln will. Auch hier fragt niemand nach irgendwelchen Geschenken und weiter geht die Fahrt.

Abermals nur ein kurzes Stückchen, da stoppt uns die Polizei und bittet uns in die Amtsstube, eine ziemlich windschiefe Holzhütte. Ich trabe also hinein, grüße recht freundlich im besten Schulfranzösisch und werde befragt woher und wohin des Weges. Während wir uns noch nett unterhalten, taucht ein Kerl in Unterhemd und Sporthose auf und beginnt „meinen“ Polizisten zu beschimpfen. Ich habe keine Ahnung worum es geht, aber die zwei kriegen sich gar fürchterlich in die Haare und schreien sich an derweil ich etwas ratlos dabei sitze. Plötzlich schaut der Polizist mich an und während ich noch denke, jetzt bist du dran, sagt er „au revoir“. Da heißt es nicht lange zögern und ich mache, dass ich so schnell wie möglich verschwinde.

Ohne weitere Zwischenfälle fahren wir über die schlechte Erdpiste die wenigen Kilometer bis nach Songololo wo wir uns bei der katholischen Mission einquartieren.

Bereits am nächsten Morgen wollen wir weiter, möglichst bis zur Fähre über den Kongo und den Ort Luozi. Die Piste ist in einem guten Zustand, wie es hier allerdings bei Regen ausschaut, wollen wir uns lieber nicht vorstellen.
Unterwegs durchfahren wir kleine Dörfer und sobald uns jemand, egal ob jung oder alt, erblickt, werden wir angebettelt. Die Menschen streichen über ihre Bäuche weil sie etwas zu essen haben möchten oder machen die typische Handbewegung des Rauchens, wenn sie Zigaretten haben wollen. Besonders aggressiv werden wir von einem Straßenbautrupp angegangen und wir gewinnen den Eindruck, dass es sich hierbei um Gefangene handelt. Sie rennen laut schreiend hinter uns her und klauen unsere Mülltüte, die wir auf den Reservereifen deponiert hatten. Wir sind heil froh, dass Monster keine Zicken macht und ausgerechnet hier stehen bleibt.

Am Nachmittag erreichen wir eine Ansammlung von Häusern und eine lange Schlange Autos. Hier muss die Fähre sein! Genauso ist es und somit heißt es warten, in der größten Hitze stehen wir 2,5 Stunden herum und erwehren uns der ständigen Bettelei der Polizisten. Obwohl die schon kräftig einen gebechert haben, wollen sie auch von uns noch Bier und selbstverständlich auch Zigaretten.Ziemlich genervt, schaffen wir es am Ende gerade noch auf die letzte Fähre zu kommen.

Im Vorhinein haben wir uns über die Preise der Überfahrt informiert und so wissen wir, dass die Fahrt für Pkw 12.000 CDF (kongolesische Francs) und für Lkw 20.000 CDF kostet. Als der Kassierer mir schließlich eine Quittung in die Hand drückt und ich 24.000 CDF lese, beginne ich laut zu lachen, was natürlich bei den umstehenden Mitfahrern reges Interesse erregt. Immer noch lachend, sage ich, dass er sich wohl um 4000 CDF vertan hat woraufhin die halbe Fährbesatzung in Lachen ausbricht und der Kassierer sich davon schleicht. Als ob ich es geahnt hätte.


Kaum sind wir auf der anderen Kongoseite angelandet, haben wir ein weiteres Mal das Vergnügen mit der Polizei. Doch dieses Mal geht alles ganz gesittet zu, es wird sogar ein Mann abkommandiert, der mit uns in den Ort zur Immigration fährt. Diese hat aber bereits geschlossen und so bringt er uns kurzerhand zur katholischen Mission, wo wir die Nacht verbringen.

Am nächsten Morgen erscheint ein Mensch im Tarnanzug und erklärt, sein Name sei Frederik, er sei der Chef der Immigration und er würde uns in seinem Büro erwarten. Gut, wir kommen.

Bevor wir aber aufbrechen, unterhalten wir uns mit einem Mechaniker aus Kinshasa. Dessen Chef hat hier im Ort einen defekten Toyota Landcruiser gekauft, woraufhin er seinen Mechaniker samt Ersatzteilen nun hierher gebracht hat. Der Mechaniker ist inzwischen fleißig bei der Arbeit und hofft, in drei Tagen mit dem reparierten Fahrzeug nach Kinshasa zurückzufahren. Leider hat er nicht die richtigen Ersatzteile dabei, so dass die Einspritzpumpe nicht richtig funktioniert und auch die Bremse nicht. „Wie jetzt? Die Bremse funktioniert nicht? Wie willst du denn dann nach Kinshasa kommen?“ lauten zwangsläufig unsere Fragen. „Ja, wo denn das Problem ist? Er kann doch bremsen indem er in einen kleineren Gang herunterschaltet!“ lautet die Antwort. Huch, so einem wollen wir lieber nicht entgegenkommen.
Also auf zu Frederik alias Freddy, der in einem gar schrecklichen „Büro“ haust.

Bei unserem Eintreten können wir den tausenden Mausekötteln gerade noch ausweichen, dem ekelhaften Geruch aber leider nicht entfliehen. Hinter einer blauen Plastikfolie residiert Freddy an einer Art Schreibtisch und will unsere Pässe und das Carnet sehen. Natürlich braucht er auch Kopien von den Pässen und Kopien vom Visum, die wir aber leider nicht besitzen. Woher auch, wir sind doch gerade erst eingereist und haben bisher keinen Copyshop zu Gesicht bekommen.

Ok, Freddy gibt sich mit den Passkopien zufrieden und weist uns dann aber daraufhin, dass das Carnet hier ja gar nicht akzeptiert wird. Wissen wir doch, aber sein Kollege wollte ja unbedingt … bla, bla, bla usw. Freddy stempelt und fragt wie selbstverständlich nach Geld. „Wie jetzt Geld? Wir haben kein Geld! Das letzte haben wir für die Fähre ausgegeben“. „ Was wir denn für die Fähre bezahlt haben“ lautet die prompte Frage. „ 24.000?“ „ Oh“, kurzes Schweigen und dann:“ Habt ihr etwa auch keine Dollar?“ Selbstverständlich haben wir keine Dollar, wir haben bereits den Pfarrer der katholischen Mission angepumpt. Freddy guckt etwas zweifelnd, belässt es aber dabei und ruft stattdessen seinen Mitarbeiter direkt an der Grenze an, damit dieser uns erwartet. Zum Abschluss versorgt er uns noch mit seiner Telefonnummer und falls wir irgendwelche Probleme haben, sollen wir ihn unbedingt anrufen. Klar, machen wir und jetzt nichts wie weg hier.

Die Piste bis zur Grenze nach Manianga ist, wie in unserem Falle, bei Trockenheit gut zu befahren, es gibt zwar die eine oder andere Querrille zu bezwingen und mehr als einmal setzt Monster hinten mit unserer Holzkiste auf, aber ansonsten haben wir keine Probleme.

Wie die ganze Geschichte allerdings bei Regen ausschaut, möchten wir uns lieber nicht vorstellen und so sind wir froh unbeschadet durch zu kommen. In dem kleinen Grenzörtchen wartet wie versprochen der angerufene Zöllner auf uns, stempelt unsere Pässe und geleitet uns persönlich bis zum Schlagbaum. Das nennen wir mal Service!