Burkina Faso: Januar 2013

Die Asphaltstraße zwischen Tamale und Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, ist in einem dermaßen tollen Zustand, dass wir deutlich schneller als geplant unterwegs sind. Folglich müssen wir vor der Grenze nochmals irgendwo anhalten um unsere Klamotten zu wechseln, denn bei einem Grenzübertritt legen wir immer Wert auf saubere und ordentliche Kleidung. Das geht soweit, dass wir inzwischen jedes Mal darüber witzeln, wenn ich mich in mein sog. „Grenzkostüm“ werfe, das aus einer langen Hose und einer netten Bluse besteht. Schließlich hat mir meine Mama schon beigebracht: „Wie du kommst gegangen, so wirst du empfangen“, und da wir ein fremdes Land betreten möchten, gehört es schon aus Höflichkeit dazu, dass wir nicht wie die Penner vor den Zöllnern erscheinen. Der Grenzwechsel geht auf beiden Seiten zügig und korrekt vonstatten, keine Spur von Korruption oder Fragen nach irgendwelchen zweifelhaften Gebühren.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Ouaga, wie es im Volksmund heißt und dürfen kostenlos auf dem Gelände des Hotels OK Inn unsere Zelte aufschlagen. Das Hotel hat zweifelsohne schon bessere Zeiten gesehen, aber für uns ist mit Pool und Wifi unsere kleine Welt wieder völlig in Ordnung.

Bereits vor einigen Wochen hat die deutschstämmige Constanze per Email zu uns Kontakt aufgenommen und uns hierher in ihre Wahlheimat eingeladen. Kaum haben wir also vermeldet, dass wir endlich angekommen sind, findet sie sich prompt bei uns ein. Connie und ihr Mann Georges haben ebenfalls einige Jahre die Welt bereist und Connie wird nun arg vom Fernweh gebeutelt. Die beiden laden uns zum Essen ein und wir verbringen einen tollen Nachmittag mit interessanten Gesprächen. Nochmals ganz lieben Dank an Euch Beiden, wir haben die Zeit sehr genossen.

Die Hauptstadt als solches erscheint uns relativ gesichtslos und diese etwa zu Fuß erkunden zu wollen, ist ein recht abenteuerliches Unterfangen. Schon der kurze Weg bis zum Supermarkt Marina ist nicht ungefährlich, denn die meisten Gehwege sind von Straßenhändlern und parkenden Autos in Beschlag genommen und wir müssen im Slalom über die Fahrbahn. Unterwegs wundern wir uns über eine sehr lange Autoschlange, die sich langsam auf ein Gelände mit großer, offener Halle zu bewegt. Wir glauben’s ja nicht! Diese Autos hier müssen tatsächlich alle zum TÜV. Ob dieser die teils schrottreifen Kisten wirklich aussortiert?

Wir reisen weiter nach Bobo-Dioulasso, der zweitgrößten Stadt Burkinas und kurz Bobo genannt. Unterwegs passieren wir den Ort Sabou, der wegen seiner „Heiligen Krokodile“ bekannt ist. Hier kann man ein lebendes Huhn erstehen, das kopfüber an einem Strick baumelnd den Krokodilen zum Fraß hingeworfen wird. Für ein besonders „tolles“ Urlaubsfoto kann man sich selbst auf eines der Tiere setzen, denn die Reptilien sind so voll gefressen, dass sie weder Interesse an den Hühnern noch an den Menschen haben. Das uns solche Eskapaden nicht interessieren, versteht sich eigentlich von selbst.

Etwas außerhalb von Bobo finden wir ein Plätzchen im kleinen Innenhof des Campements Casa Africa. Der Ort an sich gefällt uns deutlich besser als die Hauptstadt und das Klima ist sehr angenehm.

Tagelang sind wir zu Fuß unterwegs und besichtigen u.a. die alte Moschee. Diese ist im sudanischen Stil komplett aus Lehm gebaut und wird durch Holzpflöcke, die seitlich herausragen, zusammengehalten. Überhaupt ist die ganze Atmosphäre deutlich arabischer, schwer bepackte Kamele begegnen uns in den Straßen und morgens werden wir von den Rufen des Muezzin geweckt.

Wir fühlen uns wohl hier und könnten noch länger verweilen, wenn uns nicht die Nachrichten aus Mali immer weiter aufschrecken würden. Am 09. und 10. 01. kommt es zu Demonstrationen und Plünderungen mit Toten und Verletzten in der Hauptstadt Bamako, es wird Zeit, dass wir uns auf den Weg machen. So kommt es, dass wir, anstatt wie geplant den Lac Tengréla und die Gesteinsformationen von Sindou zu besuchen, auf direktem Weg zur Grenze fahren. Schade, denn Burkina Faso ist sehr einfach zu bereisen. Die Burkinabé sind durchweg freundlich und hilfsbereit und scheinen auch Fremden ohne irgendwelche Vorurteile zu begegnen.