Benin: Dezember 2012

Die Grenzformalitäten sind tatsächlich in wenigen Minuten abgehandelt und schon fahren wir über eine leicht ramponierte Teerstraße in Richtung Nikki, wo wir das Carnet de passage noch abstempeln lassen müssen. Auch das ist in Windeseile erledigt und wir lassen uns auf dem Campingplatz des Ortes nieder. Der Name Campingplatz ist ein wenig geschmeichelt, es befinden sich einige Rundhütten auf einem staubigen Platz und wir parken nun mittendrin mit Aussicht auf das Toilettengebäude.

Naja, jedenfalls verbringen wir ein ruhige Nacht und lassen uns am nächsten Morgen etwas Zeit, denn wie immer bei Ankunft in einem neuen Land, beschäftigt uns die Geldfrage. Hier gibt es zwar auch den CFA, aber nicht mehr den zentralafrikanischen, sondern den westafrikanischen Franc und die restlichen Naira wollen auch noch umgetauscht werden.

Eine Bank gibt es in diesem kleinen Kaff leider nicht, aber ein Geldwechsler ist recht schnell gefunden und somit verfügen wir wenigstens über eine kleine Summe. Die Menschen hier erscheinen uns sehr freundlich und niemand versucht uns über’s Ohr zu hauen.

Unser heutiges Ziel ist Parakou, das nicht viel zu bieten hat außer einer Bank, bei der man sogar Geld aus der Wand ziehen kann und nun sind wir für die nächsten Tage gerüstet.

Die Fahrt geht nach Abomey und unterwegs staunen wir nicht schlecht. Nicht darüber, dass die Straßen doch unerwartet gut sind, nein, es sind die Fahrzeuge, die sich darauf bewegen. Wir sehen alle möglichen Vehikel mit derart schief stehenden Achsen, dass wir beim Hinterherfahren die Aufschriften auf den Seiten lesen können. Beim Bus mag das ganz praktisch sein, denn somit können viel mehr Leute quasi in der 1. Reihe sitzen, aber ob das nun sehr verkehrssicher ist, darüber ließe sich wohl streiten.

Nach ganz, ganz zähen Preisverhandlungen, bei denen Juppis volles Händlertalent gefordert ist, quartieren wir uns bei Chez Monique, eines der besten Hotels der Stadt, im wunderschönen Garten ein und ordern sogleich noch einen Führer für den nächsten Tag. Mit diesem machen wir uns auf, in die Welt des Voodoo-Zaubers einzutauchen.

Die Voodoo-Zeremonien sind ursprünglich Riten des aus Dahomey stammenden Schlangenkults. Er ist eine spezifische Form der Ahnenverehrung. Die Sklaven von Dahomey haben ihre Götter mitgenommen und als Widerstands-Kultur in den fremden Ländern eingesetzt. Die Götter und Geister können sich jede Person erwählen und in sie hineinschlüpfen. Dies geschieht bei den zeremoniellen Tanzritualen, bei denen sich die Geister der Menschen bemächtigen. Verwendet werden dabei Fetische, Kraftgegenstände aus Materialien die für heilig gehalten werden oder eine besondere Kraft beinhalten. Die Fetische werden als Lockmittel benutzt um die Götter und Geister zu rufen. Wichtiger Bestandteil einer Voodoo-Zeremonie ist auch das Opfer, z.B. ein geschlachtetes Huhn. Die soziale Funktion und das Ziel einer solchen Zeremonie bestehen in der Erhöhung der psychischen und geistigen Kräfte der Gläubigen. Soviel zur Erläuterung, aber ich denke, mit unserer westlichen Kultur begreifen wir dies nur sehr schwer. Man muss sich wahrscheinlich sehr intensiv mit dieser Materie beschäftigen um diese animistische Religion zu begreifen.

Unsere 1. Station ist ein Voodoo-Dorf, wo wir am Eingang von dem sogenannten „Chef de voodoo“ mit merkwürdigem Gesang begrüßt werden. Wie der Guide uns später erklärt, dient diese Zeremonie dazu, die Geister wegen unseres Besuches gnädig zu stimmen. Nachdem wir unsere Schuhe ausgezogen haben, dürfen wir anschließend durch einen niedrigen Eingang das „Allerheiligste“ betreten und auf einer kleinen Bank Platz nehmen. 

Der ganze Raum, leicht Hühnerstallartig, ist geschmückt mit allen möglichen Bildern und Statuen, die irgendwelche Geister darstellen und verströmt einen gewöhnungsbedürftigen Geruch. Zwischen all diesen Statuen stehen Kalebassen mit Opfergaben, die größtenteils aus getrockneten Tierköpfen bestehen.

Der große Zeremonienmeister beginnt nun abermals zu singen, nimmt einen großen Schluck Wasser und bespukt damit die aufgestellten Statuen. Auch dieses soll die Geister günstig stimmen, damit er mit seinen Vorfahren in Kontakt treten kann. Den ekligen Höhepunkt bildet eine Schale mit einer orangefarbenen Pampe, bei der es sich um Essen handeln soll, dass von seinem Urgroßvater hergestellt wurde und auf wundersame Weise nicht verderben kann. Mich schüttelt es durch und durch, als der Chef de voodoo seinen Finger in die Pampe taucht, zunächst einen großen Klumpen in seinem Mund verschwinden lässt und anschließend seinen Bauchnabel damit bepflastert. Irgendwie bin ich recht froh, dass zumindest dieses Spektakel vorüber ist und wir nach draußen in einen kleinen Innenhof gehen dürfen. Im Grunde sieht es hier genauso aus wie drinnen, eine Ansammlung von Figuren und Töpfen, die abermals besungen und mit Wasser bespukt werden. Leider bleibt mir irgendwie verborgen, ob der Chef bereits in Kontakt mit den Geistern steht. Am Ende geht es in einen größeren Raum, der einfach unbeschreiblich ist.

Hier hängt und liegt ein wildes Durcheinander von Dingen, die der große Zauberer irgendwo gefunden und für würdig befunden hat. Zur Abwechslung werden diese Fetische mal nicht mit Wasser, sondern mit Palmwein bespukt, wobei natürlich zunächst ein Schlückchen gekostet werden muss. Auch wir sollen an dem edlen Tröpfchen teilhaben, was wir aus verständlichen Gründen aber dankend ablehnen. Zum Abschied können wir unseren ganz persönlichen Talisman, natürlich käuflich, erwerben. Hierzu schüttet der Voodoochef eine verrostete Blechdose aus und zum Vorschein kommt neben dem Talisman ein getrockneter Gänsekopf. Mir reicht’s!

Nächste Station ist der Fetischmarkt, ein unglaubliches Erlebnis. Die Voodoozauberer benötigen gewisse Dinge, die sog. Fetische nicht nur, um mit ihren Vorfahren oder anderen Geistern in Kontakt zu treten sondern auch um Krankheiten zu heilen. Diese Dinge werden auf so einem Fetischmarkt gekauft, fast so wie man in unserer Heimat in eine Apotheke geht.

Man glaubt es einfach nicht, was hier alles herumliegt und zum Kauf angeboten wird. Hunde-, Geflügel- und Affenköpfe, Schlangen, ganze Vögel, alles getrocknet wohlgemerkt, aber es stinkt trotzdem ganz erbärmlich. Auch hier sind wir sehr froh, den Ort des Geschehens verlassen zu können und nun stehen nur noch, im Verhältnis, langweilige Sachen wie das historische Museum und ein Königspalast an.

Ob es nun daran liegt, dass wir dem Voodoo nicht genügend gehuldigt haben oder weil wir den Palmwein des Chef des Voodoo verweigert haben, jedenfalls haben wir in den nächsten Tagen ein wenig mit einer flotten Verdauung zu kämpfen, was uns aber nicht daran hindert bis zur Hauptstadt Cotonou zu fahren.

Am Mittwochmorgen finden wir uns bei der Botschaft von Ghana ein um ein weiteres Mal unser Glück zu versuchen. Auch hier bekommen wir zunächst die Auskunft, dass es in Deutschland eine ghanaische Botschaft gibt und wir somit unser Visum in Deutschland beantragen müssen. Puh, schon wieder Theater. Wir reden uns den Mund fusselig, (ziemlich schwierig auf französisch) erklären unsere Situation, die zwar auf Verständnis trifft, aber nach jeder Aussage wird das Telefon bemüht, der Botschafter angerufen und es tun sich neue Fragen auf. Das Ganze geht 15 Minuten hin und her bis es dem Botschafter anscheinend zu dumm wird und er persönlich erscheint. Nun in direktem Kontakt geht alles viel einfacher, was nicht zuletzt daran liegt, dass wir uns nun auf Englisch verständigen können.

Nach langem Hin und Her ist der Botschafter überzeugt und sagt uns die Ausstellung des Visums zu, juchhe!!! Kaum zu Ende gefreut, der nächste Wermutstropfen, es muss eine Genehmigung in Accra eingeholt werden, weswegen die ganze Aktion normalerweise 4 Tage dauert, nur dass jetzt ausgerechnet am Freitag ein Feiertag ist. Mit ganz viel Glück klappt es ja bis morgen, jedenfalls können wir unsere Pässe samt 4 (!)Passfotos (was die nur damit machen?) schon mal abgeben.

Anschließend heißt es Shopping…nur angesichts der ausgerufenen Preise in einer Filiale der französischen Kette Hyper „U“ finden nur wenige Waren ihren Weg in unseren Korb. Einzig das „Filet de boeuf“ (Rinderfilet) ist einigermaßen erschwinglich, da werden wir zur Abwechslung mal wieder eine Fleischorgie feiern können.

Am nächsten Morgen fahren wir abermals über die „Route des peches“, einer für Lkw gesperrten Strecke am Flughafen entlang bzw. wollen wir das, werden jedoch kurz zuvor von einer Polizeikontrolle gestoppt. Diese verlangt alle möglichen Papiere zu sehen, u. a. auch unser Visum, das sich aber leider in unseren Pässen befindet, die bekanntlich auf der Botschaft von Ghana herumliegen. Ich weiß nicht, wie oft wir erklären, warum wir uns nicht ausweisen können, aber die Herren in blau können oder wollen uns nicht verstehen und uns stattdessen in ihr Office bugsieren. Wir auf ein Polizeibüro? Geht ja gar nicht, also mal wieder das volle Programm… wir arbeiten für die deutsche Regierung, bla, bla usw…doch diese Junges hier sind voll hartnäckig. Erst nachdem ich wutentbrannt, mit Satellitentelefon am Ohr, damit drohe, die deutsche Botschaft anzurufen, kehrt eine gewisse Einsicht ein und wir können fahren.

Auf der Botschaft angekommen, erhalten wir eine negative Auskunft, denn das OK aus Accra ist leider noch nicht da. So ein Mist, jetzt müssen wir mindestens noch 4 Tage hier ausharren und beschließen daher etwas weiter in Richtung Quidah zu fahren.

Neben Abomey ist Ouidah ein weiterer geschichtsträchtiger Ort und das religiöse Zentrum des Landes. Quidah ist bekannt für Benins Geschichte der Sklaverei, denn bis in Cotonou ein Hafen gebaut wurde, war hier der einzige in ganz Benin. Auf der vier km langen „Route des Esclaves“ wurden die Sklaven in Ketten entlang geführt, bevor sie auf Schiffen vor allem nach Amerika deportiert wurden. Den Weg zu einem Mahnmal, dem „Point of No Return“ (Punkt ohne Wiederkehr), an der Küste säumen Fetische, Symbole und Skulpturen der afrikanischen Mythologie. Nur ganz wenige der Sklaven kehrten zurück und haben den Voodoo-Kult aufleben lassen.

Gleich nebenan gibt es einen Stellplatz beim Hotel „Le jardin Breseliene“, das über einen tollen Meerwasser-Pool verfügt, denn leider kann man entlang der Küste aufgrund der tückischen Strömungen nicht schwimmen. Wieder einmal zähe Preisverhandlungen, doch dieses Mal geht es mehr darum, dass wir gerne im Schatten stehen möchten, wo die Solarpaneele nicht genügend Strom für den zusätzlichen Kühlschrank liefern, und daher etwas Strom beziehen wollen. Laut Auskunft der Rezeption kein Problem, wir sollen unser Kabel einfach beim Pool einstecken. Gesagt, getan und schon ist der Aufruhr im Gange. Mit drei Männern, wovon der Elektriker der Experte und Wortführer ist, reden sie auf uns ein, Strom sei zu teuer und wir müssten extra zahlen. Wir diskutieren und diskutieren bis Jupp es einfach leid ist und seine neue Visitenkarte hervorholt, die ihn als Professor Doktor Mertens identifiziert. Den Elektriker haut es fast aus den Socken und hochachtungsvoll erklärt er seinen Mitstreitern, Jupp sei Ingenieur und der müsse es wohl wissen, dass ein Kühlschrank nicht viel Strom verbraucht. Manchmal kann man es nicht fassen, oder? Jedenfalls haben wir fortan Ruhe und warten auf Dienstag bis das Visum von Ghana endlich fertig ist.

Vor dem Grenzübergang nach Togo legen wir eine Übernachtung ein. Grand Popo kurz vor der Grenze ist bekannt für seine traumhaften Strände und direkt am Meer liegt das Bungalow-Hotel Awale Plage mit Camping-Möglichkeit.