Angola: Oktober 2012

Der Grenzübergang bei Oshikango ist ein ziemlich turbulenter Ort, überall stehen die Lkws kreuz und quer und zahlreiche fliegende Händler nutzen anscheinend einen „kleinen“ Grenzverkehr um ihre Waren hin und her zu transportieren. Jedenfalls laufen sie unkontrolliert hin und her, im Gegensatz zu uns.

Wir werden durch ein verschlossenes Tor auf die andere Seite geleitet und sogleich von zahlreichen Grenzhelfern, den sog. Fixern, belagert. Die Qual der Wahl ist groß und wir entscheiden uns für einen Herrn im gelben T-Shirt, welche Auswahlkriterien soll man auch sonst zu Grunde legen?
Die Passkontrolle ist der 1. Schritt und hier herrscht schon gleich ziemliches Chaos, denn die Dame hinter dem Schalter kann das Visum in Jupps Pass nicht finden und wir verstehen nicht, was sie uns andauernd fragt. Nach einigem Hin und Her ist das Visum gefunden, nun steht jedoch die nächste Frage an und meine Antworten, die da lauten „Luanda?“ oder „Namibia?“ oder „Kwanza Lodge?“ scheinen die Beamtin irgendwie nicht zu befriedigen. Jetzt muss also endgültig der Fixer in den Einsatz, gefragt ist nämlich zunächst unsere angolanische Einladung und dann der Nachweis der Gelbfieberimpfung.
Auch diese Hürde ist schnell genommen und schon sind die begehrten Stempel in unseren Pässen.

Die Einfuhr von Monster zieht sich in die Länge, denn man pilgert von Büro zu Büro, zahlreiche Formulare werden ausgefüllt, Dollar müssen in Kwanza verwandelt werden, aber nach gut 3 Stunden ist die ganze Prozedur überstanden. Zu unserem Erstaunen will kein Zöllner oder Polizist in Monsters Innerstes schauen und so fahren wir unbehelligt auf die Straßen Angolas.
Was heißt hier Straßen? Die ersten 50 Kilometer bis Ondjiva, der 1. größeren Stadt, werden mehr zum Hindernislauf, denn Pothole (kindskopfgroße Löcher) reiht sich an Pothole und die Reste von Asphalt muss man suchen.

In Ondjiva angekommen, steuern wir das erstbeste Hotel mit einem großen Parkplatz an und fragen nach einem Übernachtungsplatz. Hm, so eine Frage löst aber große Verwirrung aus und der oberste Boss muss angerufen werden. Es folgt eine endlose Diskussion, die mit einem negativen Bescheid endet. Wir sollen es doch einfach nebenan versuchen, was wir dann auch prompt machen. Im Vila Okapale sind wir herzlich willkommen und müssen selbst nichts bezahlen. Am nächsten Morgen fahren wir auf wunderbarer Teerstraße in Richtung Lubango und sind bis zur Tankstelle guter Dinge, denn bei Dieselpreisen in Höhe von 0,35 € macht auch das Tanken von 500 Litern noch Spaß. Unsere Freude verlässt uns erst bei der Weiterfahrt, denn ab Xangongo ist es vorbei mit dem Teer und unsere Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auf 15 km/h.

Das gibt uns Zeit, unsere Umgebung ein wenig intensiver in Augenschein zu nehmen. Beim oberflächlichen Betrachten fallen zunächst nur die Berge von Müll auf. Überall wo sich ein paar Hütten befinden, türmen sich Reste von Plastiktüten und es stinkt gar fürchterlich. Wie können die Menschen hier nur leben? Sie fegen vor ihren Hütten und kaum 2 Meter weiter sind die reinsten Abfallhalden. Wir sind etwas sprachlos. Beim zweiten Hinschauen, sieht man deutliche Spuren, die der 30jährige Bürgerkrieg hinterlassen hat, denn immer wieder sehen wir rostende Panzer am Wegesrand. Besonders auffallend sind jedoch die zahlreichen Autowracks, die komplett geschlachtet sind. Es stehen tatsächlich nur die nackten Karossen dort, alles andere konnten die Menschen anscheinend noch gebrauchen. Unglaublich, hier liegt der Schrott so herum und in Deutschland könnte man wahrscheinlich ein kleines Vermögen damit machen.

Wir schaffen es heute dennoch bis nach Lubango und bekommen einen kleinen Schock beim Erreichen der katholischen Missionsstation. Nicht nur, dass diese ganze Stadt einfach nur chaotisch ist, nein, die Missionsstation liegt auch noch mittendrin. Berge von Müll tummeln sich um uns herum und der Geruch ist natürlich auch nicht so einladend. Huh, nichts wie weg hier. Schon fast bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir die Erdbeerfarm Jamba, auf der angeblich eine Art Campingplatz existieren soll. Und tatsächlich, nach einer halben Stunde unfruchtbarer Konversation (wir verstehen mal wieder nur Bahnhof) mit den Töchtern der Eigentümer, verweist man uns schließlich mit Händen und Füßen auf den rechten Weg. Hier haben die Manager der Farm, Erika und Garry, einen sehr schönen Platz mit lauwarmen Duschen und einer großen Feuerstelle angelegt und wir fühlen so wohl, dass wir gleich noch einen Tag dranhängen. Anschließend geht es nochmals in Richtung Lubango zurück, denn wir wollen die Tunda Vala Schlucht besuchen. Hier verschlägt es einem echt den Atem, denn man schaut ungebremst 1000 m in die Tiefe.

Die Geschichte der Schlucht ist allerdings nicht so lustig, denn bis vor kurzem wurden hier Gefangene, Rebellen oder Deserteure kurzerhand hinuntergestürzt. Dabei hatte man anscheinend die Wahl, ob man mit verbundenen Augen erschossen oder gezwungen wurde von den Klippen herunter zulaufen.
Da wir uns schon einmal an die Höhe gewöhnt haben, nehmen wir heute noch den Serra da Leba Pass in Angriff.

In Namibe angekommen, nehmen wir zuerst mal den Campingplatz in Augenschein, der unser Herz aber nicht so recht erfreuen mag. Die 2. Tat ist die Besichtigung der Speisekarte eines Fischrestaurants, laut Empfehlung Garry gibt es dort sehr leckeres Essen zu zivilen Preisen. Uns versetzt es aber erst einmal in Staunen, was sind denn bitte zivile Preise, wenn wir für einen kleinen Fisch umgerechnet 80 $US hinlegen sollen? Nöö, so nicht, da fahren wir doch lieber zum Hafen und schauen mal was es dort gibt.
In dem ganzen Gewusel und Gewimmel von Leuten und Fischen finden wir 8 frische und gut aussehende „red Snapper“ (deutscher Name unbekannt) und ziehen uns mit unserer Beute irgendwo südlich an den Strand zurück.

Nach ruhiger und kalter Nacht, brechen wir in die Wüste auf. Wir fahren zur Oase Arco, wo im Laufe der Zeit 2 Felsenbögen aus dem weichen Sandstein geschliffen wurden. Nach einem kurzen Spaziergang durch die erodierte Landschaft, geführt von einigen Einheimischen, gelangen wir zu den Bögen, durch die man zwei kleine Seen betrachten kann.

Ein sehr idyllisches Plätzchen. Insgesamt verbringen wir 2 Tage bei einem puren Offroad Abenteuer, denn wir kehren nicht auf normalem Weg nach Namibe zurück, sondern fahren zunächst bis zu den Quellen von Pediva und dann in einem Bogen über Cadolopopo. Die Landschaft ist wunderschön und es macht richtig Spaß mit dem GPS mal wieder nur über den Richtungspfeil zu navigieren.

Puh, nach soviel Arbeit gönnen wir uns erst einmal 2 Tage Pause in dem kleinen Örtchen Pippas, denken wir jedenfalls. Aber zuvor müssen wir die Anfahrt mitten durch … ja, was eigentlich? in Deutschland würde ich es als Kiesgrube bezeichnen … bewältigen und dann fahren wir uns am Strand fest. Ist ja nicht so schlimm, denken wir, für diesen Fall sind wir ja schließlich zu viert und mit 2 Fahrzeugen unterwegs. Idealerweise steht Ton noch auf dem Weg hinter uns und schon hängt Monster an der Winde von „Dancing King“. Alles sieht gut aus, was wir nur nicht bedacht haben, ist dass der King auch nicht auf sooo festem Boden steht und so kommt es, dass am Ende beide Fahrzeuge festsitzen. Gut hingekriegt, oder? Also dann doch richtig arbeiten und Löcher graben, damit Jupp unter Monster kriechen kann um die Luft aus den Reifen zu lassen. Alsdann können wir gottlob auf einem anderen Weg vom Strand wegfahren und stehen nun unsererseits hinter Ton. Da wir lernfähig sind, natürlich auf deutlich festerem Untergrund. Dieses Mal gelingt die Bergungsaktion und der Erholung steht nichts mehr im Wege.

Wir beschließen mal wieder eine unserer berühmt-berüchtigten Abkürzungen zu fahren und nehmen die Straße, die an der Küste entlang nach Benguela führt und laut T4A (tracks for Africa) asphaltiert ist. War das T4A bisher immer sehr zuverlässig, so scheint zumindest auf diesem Teilstück mehr der Wunsch der Vater des Gedanken gewesen zu sein, denn bis auf die letzten 10 Kilometer vor Dombe Grande ist weit und breit keine Spur von Teer. Baustellen wechseln sich mit Buschpisten ab, es wird eng, es wird steinig und ich darf den Gedanken, hier liegen zu bleiben gar nicht erst zulassen. So kommt es, dass wir für ca. 400 km satte 2 Tage nötig haben.

In Lobito statten wir dem einzigen Supermarkt am Platze (Shoprite) einen Besuch ab, doch angesichts der dort angesagten Preise schlackern uns die Ohren. Wir haben zwar gehört, dass Angola sehr teuer sein soll, aber damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet. Alle Waren sind mindestens doppelt so teuer wie in D. Ein 6er Pack Eier scheint die günstigste Ware zu sein, kostet aber immer noch sage und schreibe 2,10 €. Sind die denn hier von der wilden Maus gebissen? Wer soll denn solche Summen zahlen? Wir jedenfalls nicht und so kommt es, dass wir den Laden nur mit 6 Flaschen Wasser verlassen.

Wir lassen uns an einem Strandabschnitt auf Lobitos Halbinsel nieder, müssen aber zuerst einmal Hand anlegen, wollen wir nicht inmitten von einem Haufen Kondomen sitzen. Ja, ihr habt richtig gelesen…Kondome… tausende an der Zahl, wohlgemerkt gebraucht. Das kann ja amüsant werden! Ganz so schlimm wie befürchtet ist es dann doch nicht und dank des kostenlosen Wifi- Empfangs im nahe gelegenen Zulu-Restaurant fliegt die Zeit mal wieder um.

Entgegen ursprünglicher Pläne, beschließen wir nicht nach Luanda zu gehen, sondern das fehlende Gabun Visum doch erst in Brazzaville/Rep. Kongo zu beantragen. Zum einen verspüren wir wenig Lust auf das Verkehrschaos in Luanda und zum anderen ist immer noch ungewiss, ob man uns mit dem in Windhoek ausgestellten Visum in die DRC (demokratische Rep. Kongo) einreisen lässt. Gerade haben wir eine Email von einer Frau aus Berlin bekommen, deren Mann Manfred nun in Brazzaville festsitzt. Manfred hat sein Auto mit der Fähre nach Kinshasa verschifft, wo man ihn aber nicht hat einreisen lassen, weil sein DRC Visum in Togo ausgestellt wurde und nicht in seinem Heimatland. Nun befindet sich sein Auto in Kinshasa und er selbst auf der anderen Flussseite in Brazzaville. Eine sehr unangenehme Situation, die nicht zu unserer Beruhigung beiträgt.

Wir verbringen nochmals 3 Tage in Sangano am Strand und hier passiert es nun, wir handeln uns einen blinden Passagier ein. Dieses kleine Nagetier tummelt sich in Monsters Motorraum und Führerhaus, nagt mit Vorliebe an Bananen und hinterlässt kleine, schwarze Köttel. Wir sind keineswegs „amused“ und versuchen es mit allen Mitteln zu vertreiben. Den Höhepunkt bildet eine nächtliche Aktion, bei der 4 erwachsene Menschen, mit Taschenlampen bewaffnet, Monster, der mit laufendem Motor dasteht, beleuchten und überwachen. Die Riesenmaus (O-ton Jupp) bekommen wir zwar nicht zu Gesicht, aber diese ganze Unruhe scheint ihr nicht zugefallen, denn so heimlich, still und leise wie sie gekommen ist, ist sie wieder weg. Vermutlich in Richtung Müllberge.

Bevor wir endgültig in Richtung Norden aufbrechen, wollen wir doch noch einmal einen Supermarkt besuchen und fahren daher zur Belas Shopping Mall am Rande von Luanda. Hier taucht man in eine völlig andere Welt ein und wir wundern uns, wie viele Angolaner hier ihre Einkäufe erledigen.

Wir wollen die Gelegenheit nutzen, unsere übrig gebliebenen Kwanzas in Dollar zurück zu wechseln und besuchen eine Bank. Eine freundliche Dame am Schalter versichert uns, das Wechseln sei möglich und unproblematisch, woraufhin sie jedoch losläuft, um ihren Chef zu befragen. „Ok, sie benötige lediglich unser Flugticket“ sagt sie. Das haben wir bekanntlich nicht, also dackelt sie los um ihren Chef zu befragen. „Ok, dann müssten wir ein Formular ausfüllen und unser Bankkonto angeben“ sagt sie. „Welches Bankkonto? Unser deutsches?“ „Nein, ob wir etwa kein Konto bei ihrer Bank hätten?“ sagt sie, was wir selbstverständlich verneinen. Wieder muss der Chef befragt werden. Dieses Mal kehrt sie zurück und erklärt: bedauerlicher Weise könnten sie dann kein Geld wechseln und wir sollen zu einer Wechselstube.

Dort steht eine lange Schlange Chinesen, alle mit einem Stapel Geld in der Hand, und auch eine nette englische Dame, die freundlicher Weise für uns übersetzt als wir endlich an der Reihe sind. Leider sei es nicht möglich hier Geld zu wechseln, weil wir ja keinen Wohnsitz in Angola haben. Ja, was wir denn nun machen sollen? Die Bank wechselt nicht, die Geldwechsler wechseln nicht und die Landeswährung darf man nicht außer Landes bringen. Hm, ob wir keine Freunde hier hätten, die wir fragen können? Haben wir selbstverständlich nicht, woher auch? Nicht auf den Mund gefallen, fragt Jupp kurzerhand die nette englische Dame, ob sie seine Freundin sein möchte. Sie möchte und endlich können wir die restlichen Kwanzas in Dollar zurückverwandeln, uff.

Bei Barro do Donde wollen wir nochmals am Strand übernachten, doch leider macht uns zunächst das Militär einen Strich durch die Rechnung. Zwar werde ich freundlich zum obersten Chef geleitet, aber dieses erklärt mein Ansinnen kurz und bündig für unmöglich und verweist uns auf einen Strandabschnitt weiter nördlich. Den Abschnitt finden wir auch, aber hier ist es derartig vermüllt, dass es noch nicht einmal gelingt Monster zu wenden ohne durch etliche Glasscherben zu fahren. Das kann es auch nicht sein, also fahren wir weiter. Kurze Zeit später hört die Asphaltstraße abrupt auf und wir befinden uns ein weiteres Mal mitten in einer Baustelle der Chinesen. Es ist unglaublich, wie viele dieses Zeitgenossen sich hier tummeln, langsam glaube ich, sämtliche Straßen Afrikas werden von Chinesen gebaut.
Wie auch immer, die Straße bis nach Nzeto haben sie jedenfalls noch nicht geschafft. Die Strecke hat mal wieder von allem etwas zu bieten, überwiegend jedoch Staub, Wellblech und tiefe Rillen und somit benötigen wir für die 160 km geschlagene 7,5 Stunden. Da können wir nur froh sein, dass es noch nicht regnet, sonst würden wir wohl im Schlamm versinken.

 Unterwegs machen wir Bekanntschaft mit den UTOs, das sind unbekannte Tierobjekte, die überwiegend im getrockneten Zustand zum Verzehr angeboten werden.

Es ist wirklich nicht auszumachen, um welche Tiere es sich handelt, wahrscheinlich ist es sog. Bushmeat, also alles was aus dem Busch kommt.
Für die letzten Kilometer über Mbanza Kongo zum kleinen Grenzort Luvo haben wir die schlimmsten Erwartungen. Zwar soll es noch 60 Kilometer Teer geben, aber dann nur noch Piste, die wir an einem Tag vermutlich nicht bewältigen können. Ihr könnt Euch unsere Gesichter nicht vorstellen, als wir am Abzweig der Matadi-Strecke ankommen und auf unserer Route der Asphalt kein Ende nimmt, jedenfalls so weit das Auge reicht. Wir können es kaum fassen und sind bereits um 11.30 Uhr in Mbanza Kongo. Hier wollen wir unbedingt Monsters Dank noch mal ganz auffüllen, aber leider gibt es an der Tankstelle kein Diesel.

Dafür aber bei den zahlreichen Schwarzhändlern. Zahlreiche Kanister werden angeschleppt, die Jungs veranstalten beim Einfüllen eine ziemliche Sauerei und wir haben noch Tage Spaß mit dem Dieselgestank. Auch die restlichen Kilometer bis Luvo sind wunderbarer neuer Asphalt und somit erreichen wir den kleinen Grenzposten bereits um 14.00 Uhr. Leider gibt es dort gerade keinen Strom oder der Chef ist nicht da oder sie haben gerade Mittagspause oder alles zugleich, so richtig kommen wir nicht dahinter. Jedenfalls müssen wir uns etwas gedulden, aber als schließlich alles da ist, geht es ruckzuck und wir rollen über die kleine Grenzbrücke in Richtung demokratische Republik Kongo.