Sambia: Oktober 2011

Sambia, das wirkliche Afrika, wie es so schön für sich selber wirbt, ist ursprünglich zu diesem Zeitpunkt und an dieser Stelle für uns gar nicht vorgesehen. Aber warum nicht alle Pläne über Bord werfen und spontan zu anderen Ufern aufbrechen, wenn wir doch eh schon mal in der Gegend sind und voraussichtlich nicht mehr hierher zurückkehren.

Der South Luangwa Nationalpark soll zu den großartigsten Parks Afrikas zählen und somit kommt er auf die Liste unserer Ziele. Die Reise dorthin treten wir aber nicht sofort an, denn nach den desolaten und teueren Supermärkten in Malawi, erhoffen wir uns hier ein wenig Entlastung für unsere Reisekasse. Doch zuvor müssen uns, wie so häufig in letzter Zeit, einige Dollar verlassen und in Landeswährung getauscht werden. Dabei machen wir die Erfahrung, dass die Sambier anscheinend nicht so ein friedfertiges Völkchen sind wie ihre Nachbarn.

Nachdem wir uns mit einem Rasta-Typen auf den recht guten Wechselkurs von 5.000 ZMK für 1 $US geeinigt haben und auch schon einige Scheinchen in unseren Besitz übergegangen sind, kommen dem Schwarzhändler anscheinend Zweifel, denn plötzlich verweigert er die Herausgabe der restlichen 100 ZMK und verlegt sich aufs Bitten, Betteln und Gejammer. Was ist das denn für ein Geschäftsgebaren? So etwas macht man doch nicht mit einem alten Autohändler! Juppi gibt das komplette Geld zurück und was er dabei so von sich gibt, kann sich jeder, der ihn kennt, lebhaft vorstellen. Der Rasta-Typ seinerseits ist nun auch nicht mehr erfreut und schon ist ein wüstes Geschimpfe im Gange. Wir räumen das Feld…

Die Straße von Chipata nach Mfuwe, dem Hauptzugang zum Park, bietet für jeden Geschmack etwas. Von wunderbarem Asphalt über zahlreiche Umleitungen bis hin zum übelsten Wellblech, alles wird geboten und so ist es nicht verwunderlich, dass wir für eine Strecke von 127 Kilometern fast 5 Stunden benötigen. Allerdings verwunderlich fand ich dann nach Ankunft im Croc Valley River Camp, die Aussage des Besitzers Shawn, die Straße sei in einem super Zustand. 

Ja nun, wie auch immer, das tolle Camp und seine Lage am Fluss ist es allemal wert. Auf den Sandbänken sonnen sich Krokodile, im Wasser aalen sich die Hippos und auf den Wiesen grasen in aller Ruhe die Pukus und Impalas.

Bei Einbruch der Dämmerung hören wir lautes Getröte und dann sehen wir sie auch schon, eine kleine Elefantenfamilie mit ihrem Nachwuchs unterwegs zu uns. So jedenfalls meine Meinung, die ganz im Gegensatz zu Juppis steht. „ Die Elefanten kommen zu uns herüber!“ „Ach, quatsch doch nicht!“ …“ Jetzt sind sie schon auf unserer Seite, sollten wir unsere Stühle besser wegpacken?“ „ Ach, quatsch doch nicht!“ … „ Also ich packe meinen Stuhl jetzt weg“ „Ach, quatsch… Die letzten Worte gehen im Getümmel unter, denn als der 1. Elefant die Böschung besteigt, purzeln wir beiden Helden schon mit unseren Stühlen durcheinander und können gar nicht schnell genug in die Sicherheit von Monster gelangen.

Dort sitzen wir im Führerhaus, die Kameras im Anschlag und erleben eine Karawane, die durchs Camp rollt. Mal einen Rüssel voll hier probierend, mal einen Rüssel voll dort probierend. Obst und Gemüse scheint ihren Gaumen besonders zu erfreuen und einer versucht sogar in die Campküche zu gelangen. Kochen will er dort vermutlich nicht, aber er gibt uns die Gelegenheit aus unserem unfreiwilligen Gefängnis zu entweichen und einige Fotos zu schießen.

Um die Tiere nicht noch zu blenden und zu provozieren, natürlich ohne Blitz und so entsteht dann dieses Elefanten Suchbild.

Ich bin hin und weg, die Fahrt hierher hat sich jetzt schon gelohnt, dabei steht die Krönung unseres Besuches noch aus, was allerdings zu diesem Zeitpunkt noch niemand weiß.

Lange diskutieren wir die Frage, ob einer dieser Game Drives, die man mit Führer in einem Jeep unternimmt, wirklich lohnenswert ist. Schließlich fallen hierfür nicht nur die Gebühren für Fahrer und Auto in Höhe von 40 $US pro Person, sondern auch noch die Parkgebühren in Höhe von 25 $US, doch am Ende siegt die Neugier. In der Frühe um 6.00 Uhr, zu noch recht angenehmen Temperaturen ziehen wir los. Die Tierwelt hier im Luangwatal ist überaus artenreich und auch Löwen und Leoparden sollen zu den Bewohnern gehören. Auge in Auge finden wir uns mit verschiedenen Kaffernbüffeln wieder, kommen bis auf wenige Meter an eine Giraffenherde heran und erleben dann unser persönliches Highlight. Der Löwe ist los!!! Unser Guide, Jack, findet einen Löwen und zwei Löwinnen, die sich an einem ziemlich toten Büffel gütlich tun und sich auch durch unsere Anwesenheit nicht erschüttern lassen. Ein erhebendes Gefühl, abermals bin ich völlig hingerissen.

Nach solchen Eindrücken fällt es schwer in die Zivilisation zurück zukehren und am Abend sitzen wir lange mit Fernglas und Tauchlampen bewaffnet am Lagerfeuer. Jedes Gebrüll erzeugt eine kleine Gänsehaut und die reflektierenden Augen der zahlreichen Krokodile tun ein Übriges. Wen wundert es da, dass wir beim geringsten Laut aufgeschreckt in unseren Betten sitzen? Dieses Mal ist es aber nur das gefräßige Schmatzen der Nilpferde, die zum Grasen unter Monsters Markise gekommen sind.

Bei der Rückfahrt nach Chipata ist die Wellblechpiste auf einmal nur noch halb so schlecht und wir freuen uns auf einen Einkauf im ortsansässigen Shoprite Supermarkt. Schnell ist Monster geparkt und die allgegenwärtigen Schwarzhändler abgewimmelt, wir ziehen jetzt den Besuch in einer ordentlichen Wechselstube vor.

Auf dem Weg dorthin kommt uns ein Lkw entgegen, an und für sich ja keine Besonderheit, wenn es nicht der Truck von Chantel und Ton wäre. Die Freude ist so groß, dass wir uns für 3 Tage auf der Campsite bei Mama Rula einquartieren und erst einmal ausgiebig quatschen, ähm…. grillen, ähm…trinken, ähm…es tut einfach gut, bekannte Gesichter zu sehen.

Am Freitag ist es genug des „Feestens“, wie der gemeine Holländer zu sagen pflegt, und wir ziehen wieder getrennter Wege. Für uns wartet, nach nur 10 Tagen in Sambia, der nächste Grenzübergang. Zum Einen warten die Victoriafälle vermutlich auch im Januar noch auf uns und zum Anderen wollen wir vor dem Anbruch der Regenzeit und der Ferienzeit der Südafrikaner unbedingt zu den angeblich ultimativen Tauchgebieten an der Südküste von Mosambik.