Südafrika: Dezember 2011

Die Einreise nach Südafrika verläuft überaus diszipliniert, ganz im Gegensatz zur Ausreise aus Swaziland. Auf dieser Seite der Grenze herrscht ein ziemliches Durcheinander an parkenden Lkws und einreisenden südafrikanischen Pkws, das wohl eigentlich von einer Polizistin sortiert werden soll. Die junge Dame scheint aber völlig überfordert und so wird das Chaos immer größer und der eigentliche Schlagbaum ist kaum noch zu finden.

Nachdem wir etliche Male vor und zurückgesetzt haben, scheint sie uns endlich wohl gesonnen und wir dürfen die einzig befahrbare Spur, gleichzeitig Ein- und Ausreise, benutzen. Auf südafrikanischer Seite hingegen zweispurige Fahrwege, selbstverständlich alle asphaltiert und gut ausgeschildert, allerdings auch durch hohe Stacheldrahtzäune gesichert.
Das Zollgebäude klimatisiert und die einreisenden Menschen ordentlich in Schlangen hintereinander wartend. Ohne großes Aufhebens bekommen wir völlig kostenlos eine 3-monatige Aufenthaltsgenehmigung und schon sind wir drin.

1. Ziel, die Sodvana Bay, die als Tauchparadies gilt. Auf dem Weg dorthin kommen wir durch einen kleinen Ort namens Hluhluwe (ungefähr schlu-schlu-ui ausgesprochen) und dort wollen wir unsere Vorräte aufstocken. Was uns dabei jedoch erwartet, ist unglaublich. Zunächst einmal scheint das ganze Dorf und seine nähere Umgebung sich auf den Beinen direkt vor dem Spar-Supermarkt zu befinden und die, die nicht in dem Pulk davor stehen, tummeln sich im Supermarkt. Dieser ist wohl einem Wirbelsturm o.ä. anheim gefallen, die Regale sind leergefegt, die Gemüsetheke gleicht einem Schlachtfeld und in der Fleischtheke fristet eine einsame Bratwurst ihr Dasein. Was ist hier denn los? Ich schnappe mir 2 Dosen Orangensaft und sehe zu, dass ich Land gewinne. Juppi draußen konnte derweil nur mit Mühe verhindern, das Monster völlig zugeparkt und als Kleiderständer missbraucht wurde und wir sind heilfroh, diesen Ort des Grauens verlassen zu können. Später erfahren wir dann, dass an einem Freitag für gewöhnlich Zahltag ist und daher die gesamte schwarze Bevölkerung am Samstag in Richtung Supermarkt strebt.

Am Sodvana Bay Nationalpark angekommen, kommt direkt eine junge Schwarze auf uns zu und bietet ihre Dienste an. Leicht irritiert fragen wir nach, was sie denn wohl für uns tun will und sind bar erstaunt, dass sie quasi als Hausmädchen anfangen will sprich sie will kochen, waschen, putzen, einkaufen etc. Wie sich herausstellt, scheint es für die weißen Südafrikaner völlig normal zu sein, dass sie für die Zeit ihres Urlaubs jemanden einstellen, der alle Arbeiten für sie erledigt. Wie war das noch mal mit der Apartheid?

Wir quartieren uns auf dem riesigen Campingplatz ein und wollen anschließend einen Strandspaziergang unternehmen, nur wo ist der Strand? Jeder Südafrikaner, den wir getroffen haben, hat uns die Sodvana Bay besonders ans Herz gelegt, nur keiner hat uns gesagt, dass man hier mit dem Auto zum Strand fahren muss. Wie doof ist das denn? Nun gut, dann gehen wir eben zur Tauchbasis. Die Coral Divers befinden sich ebenfalls auf dem Gelände des Nationalparks und entpuppen sich als eine Art Tauchfabrik. Wie am Fließband werden die Boote und die Taucher zu Wasser gelassen, 10 Leute rein, 10 Leute raus, das ganze mit 5 Tauchbooten, wir sind nahezu geschockt. Das soll jetzt die viel gelobte Sodvana Bay sein? Wir sind zutiefst enttäuscht.

Bereits am nächsten Morgen verlassen wir den Nationalpark wieder und fahren über Nebenstrecken Richtung Durban. Südafrika wird von vielen Nationalstraßen durchkreuzt, auf denen man teilweise Mautgebühren zahlen muss. Da diese Straßen aber gut gekennzeichnet sind und es immer eine Alternativstrecke gibt, können wir der Maut entgehen und sehen nebenbei auch noch mehr von Land und Leuten.

In Stanger bekommt Monster endlich einen neuen Auspuff (ihr erinnert Euch, der alte ist in Tansania geblieben), und in einem Supermarkt können wir endlich auch einkaufen.

Langsam tingeln wir die Küste herunter, verbringen die Nächte auf kleinen Campingplätzen und verlassen diese erst wieder als die Hochsaison beginnt, denn zu diesem Zeitpunkt explodieren die Preise. Haben wir für einen Stellplatz bisher 160 Rand = 16,00 € bezahlt, so sollen wir von nun an 440 Rand = 44,00 € bezahlen. Ja sind die denn von einer wilden Maus gebissen? Wir fahren ein wenig ins Landesinnere, und entdecken die Nature Reserves für uns, genauer gesagt die Oribi Gorge in gleichnamigen Nationalreserve. Hier lässt es sich, bei zivilen Preisen, gut aushalten und wandern.

Nach einer längeren Wanderung zu einem Wasserfall, bin ich total geschafft und kann mich über meine Kondition nur wundern, aber da am nächsten Tag alles wieder gut ist, denke ich nicht weiter darüber nach. 2 Tage später jedoch werde ich schmerzhaft daran erinnert, denn ein vermeintlicher Mückenstich in meiner Leistengegend hat sich schwer entzündet. Hmm, das schaut irgendwie nicht gut aus und ich packe ein dickes Pflaster mit schwarzer Salbe darauf.

Über Port Edward und Port St. John, wo wir uns überall nicht sonderlich wohl fühlen, kommen wir nach Mthatha.
Diese Gegend erlangte Berühmtheit, weil Nelson Mandela hier seine frühe Kindheit verbracht hat, auf uns wirkt die chaotische Stadt aber eher wie ein Schock. Vergeblich versuchen wir sowohl bei Spar als auch in einem Shoprite Supermarkt einzukaufen, aber die Regale sind mal wieder leer gefegt. Alles wirkt etwas heruntergekommen und als ich dann auch noch im Reiseführer lese, dass die Stadt einen furcht erregenden Ruf als Verbrechernest genießt, verriegeln wir die Knöpfe an Monsters Türen und verlassen diesen heißen Ort auf dem schnellsten Wege.

Wir kommen nach Kokstad und lassen uns in dem kleinen Mount Currie Nature Resort nieder. Eine wohltuende Abwechslung, denn es ist so ruhig, dass grasende Zebras bis auf wenige Meter an uns heran kommen.

Am nächsten Morgen kehren wir in die Zivilisation zurück. Juppi braucht mal wieder einen ordentlichen Haarschnitt, meine Künste auf diesem Gebiet reichen immer nur für einen gewissen Zeitraum, und endlich finden wir auch ein Internetcafe, in dem wir unseren Läppi gebrauchen können, um mit unseren Lieben daheim zu skypen.

Frischen Mutes fahren wir weiter nach Underberg, einem kleinen Bergdorf in den Ausläufern der südlichen Drakensberge. Auch hier gibt es eines dieser wunderbaren Nature Reserves und bei strahlendem Sonnenschein planen wir die Fahrt über den Sani-Pass nach Lesotho.

Leider bleibt es vorerst bei der Planung, denn schon in der Nacht beginnt es zu regnen und am Morgen hüllt der Nebel die umliegenden Berggipfel völlig ein. Passend dazu bekomme ich Fieber und die Lymphknoten in den Leisten sind stark angeschwollen. Nun ist guter Rat teuer, ein Mückenstich verursacht vermutlich nicht solche Symptome, vielleicht sollte ich doch mal über einen Arztbesuch nachdenken.

Ich wandere zum Parkbüro und schildere der Rangerin meinen Zustand und diese ist sich sicher, dass es sich um einen Zeckenbiss handeln muss. Diese Biester scheinen mit Vorliebe die Beine hinauf zu wandern und in der Leistengegend zu zubeißen. Komisch nur, dass ich davon nichts bemerkt habe. Aber wie auch immer, was machen wir nun? Zunächst mal keine Panik, gell? Nach Lektüre unseres medizinischen Handbuchs werfe ich Antibiotika ein und beschließe mal einige Tage abzuwarten, denn vermutlich würde ein Arzt auch nicht anderes machen. Bereits 2 Tage später zeigt die Behandlung Wirkung, das Fieber sinkt, die Lymphknoten beginnen abzuschwellen, es besteht die Gefahr, dass ich durchkomme. Jetzt brauchen wir nur noch besseres Wetter.

An Juppis Geburtstag ist es immer noch trostlos, es ist neblig, es regnet und zu allem Überfluss ist es auch noch kalt. Charmante 8° C, aber wofür haben wir schließlich eine Heizung. Schnell ist die Gaszufuhr geöffnet, das Thermostat eingeschaltet und …nichts tut sich.
Das Wasser wird zwar warm, aber der Lüfter macht keinen Mucks. Oh nein, es muss die Schaltplatine sein und daran können wir nichts reparieren. Doch so leicht lässt sich mein Göttergatte nicht unterkriegen, er sinniert und rätselt und verfällt am Ende auf den Gedanken, einen separaten Schalter einzubauen um damit den Lüfter einzuschalten. Nette Lösung, nur dazu müssen wir den gesamten Stauraum auspacken und das bei strömendem Regen. Es wird eine Schlammschlacht, Monster und auch wir sehen am Ende aus wie die Schweine, aber das dann im gemütlich Warmen, hurra!!

Die Freude währt nicht lange, denn da bereits seit Tagen keine Sonne mehr scheint und der Motor nicht läuft, arbeitet unsere Solaranlage nicht mehr und somit geht uns langsam aber sicher der Strom aus. Macht ja nix, für solche Fälle schleppen wir schließlich einen Generator mit uns herum. Also aufs Dach, wieder bei strömendem Regen, und den Generator starten. Der springt auch willig an, aber leider nur ganz kurz, dann schaltet er sich zwangsweise ab, da der Öldruck zu gering ist. Erneuter Versuch, gleiches Ergebnis, Jupp verzweifelt langsam, denn auch dieses muss ein elektronisches Problem sein, da zweifelsohne genügend Öl eingefüllt ist.

Nach zahllosen Versuchen, inzwischen pitschenass, gelingt es endlich das unwillige Gerät zu starten. Uff, das wäre geschafft. Als am nächsten Morgen doch tatsächlich die Sonne scheint, beschließen wir ganz spontan, zunächst in Underberg einzukaufen und dann schon mal langsam in Richtung Sani-Pass zu fahren.

Froh gelaunt starten wir Monster, fahren aus unserer waagerechten Position und trauen unseren Augen nicht. Ein wahrer Sturzbach findet seinen Weg durch eine Dachluke in unser Bett. Was ist das denn nun schon wieder? Also Motor wieder aus, Dachluke ausgebaut und festgestellt, dass sich die Dichtmasse, die die Luke fixiert, an einer Stelle gelöst hat und damit undicht geworden ist. Mit offenem Dach fahren wir nach Underberg und mit viel Glück, denn heute ist Samstag und dann werden in ganz Südafrika um 12.00 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt, ergattern wir in einem Laden für Autozubehör eine Kartusche Dichtmasse.
Auf dem Parkplatz eines Supermarktes machen wir uns an den Wiedereinbau, gottlob, denn es dauert keine Stunde und es beginnt abermals zu regnen. Boh, jetzt haben wir aber langsam die Nase voll.

Wir beschließen nicht in das Cobham Nature Reserve zurückzukehren, sondern stattdessen in die Sani Lodge, die sich näher am Sani Pass befindet. Dort finden wir auf einer Wiese ein nettes Plätzchen und erspähen diverse Wasserkräne. Oh, eine gute Gelegenheit unsere Wassertanks noch einmal aufzufüllen bevor wir nach Lesotho fahren. Wir nehmen diverse Wasserproben, prüfen Farbe und Geschmack (man weiß es ja nie) und füllen anschließend ca. 100 L in unsere Tanks. Alles scheint gut bis ich etwas Wasser gebrauchen will. Eine braune, stinkende Suppe schaut mich an, ich könnte los schreien….Was nun? Ohne Wasser können wir nicht losfahren und hier gibt es eindeutig nur diese braune Brühe. Stinksauer verlassen wir die Lodge und kehren zum Cobham Reserve zurück, wobei wir unterwegs unsere kompletten 350 L Wasser ablassen. Was soll ich noch sagen, natürlich beginnt es wieder zu regnen und natürlich müssen wir Monster zweimal umparken, weil wir vor lauter Wind nicht kochen können. Das ist mal wieder einer dieser Momente, in denen wir uns fragen, was wir hier eigentlich machen. Warum sitzen wir nicht zu Hause gemütlich am Kamin?