Südafrika: Februar 2012

Mit unserer frisch gewonnen Zweisamkeit im Gepäck, steuern wir die letzten Kilometer bis zum Grenzort Ramatlabama an.
Unterwegs in Lobatse wollen wir die verbliebenen Pula überwiegend nützlich verpulvern und entern dazu einen Supermarkt nach dem anderen. In dem einen kaufen wir allerlei Gewürze, die ihren Weg nach Deutschland finden sollen, in dem anderen Gemüse und Fleisch und auch ein Hähnchen für 0,01 €. Echt kein Scherz, wir können es selbst kaum glauben, aber mit diesem Preis ist das arme Tier ausgezeichnet.

Mehr oder weniger gespannt, tragen wir unsere Beute zur Kasse und verfolgen die Beträge auf dem Display. Und tatsächlich… das Hähnchen wird mit 1 charmanten Eurocent eingebucht…oooh jaaaa, es wird uns vorzüglich munden.

Der Grenzübertritt ist mal wieder einer der absolut leichten Art, keine Probleme auf einer der beiden Seiten, und somit sind wir „rubbeldiekatz“ zurückgekehrt nach Südafrika.

Eigentlich soll es heute gar nicht weit gehen, Mafikeng mit seinem Game Reserve soll das Ziel sein, aber es ist wie so oft. Der Campingplatz direkt am Cookes See existiert schon lange nicht mehr, er wird zwar immer noch im T4A (Tracks for Africa Navigationskarte) geführt und es gibt auch noch einen Wachmann, aber genau dieser erzählt uns, dass dieser Platz schon lange nicht mehr geöffnet ist.
Wir versuchen es noch beim Manyane Game Reserve, aber dort möchte man keine Camper und verweist uns auf einen Platz mitten im Reserve, zu erreichen aber leider nur von der gegenüberliegenden Parkgrenze. Also wird es nix mit der kurzen Tagesetappe, wir kehren zurück auf die Nationalstraße 18 und düsen in Richtung Vryburg.

Es ist fast schon Abend bis wir das Boereplaas Holiday Resort erreichen, eine Farm mit angeschlossenem Campingplatz. Das ganze Gelände ist überaus gepflegt, wir werden freundlich begrüßt und sollen uns einfach irgendeinen der vielen Plätze aussuchen. Wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual…wir kreuzen von rechts nach links, von vorne nach hinten…die Entscheidung trifft schlussendlich ein Wasserkran, den wir schlichtweg übersehen und einfach umnieten. Damit ist dieser Platz schon mal gestorben, denn fortan bewässert der nicht länger vorhandene Kran die ganze Wiese. Upps, wie peinlich!

Als wir ein paar Minuten später unsere Sünden beim Eigentümer beichten, geraten wir anschließend ins Grübeln, denn der gute Mann kann einfach nur das Wasser abstellen und alles Weitere muss warten bis Montag. „Wieso bis Montag“ lautet prompt unsere Frage, die Antwort darauf stimmt nachdenklich. Der weiße Farmer wird dazu verdonnert, überwiegend schwarze Angestellte zu beschäftigen, nur dass diese leider keinerlei Ambitionen zur wirklichen Arbeit haben. Seine Leute erscheinen von Montag bis Freitag, lassen pünktlich um 17.00 Uhr den sprichwörtlichen Hammer fallen und mit viel Glück erscheinen sie am Montag wieder. Mit noch mehr Glück wissen sie dann auch noch welche Arbeiten auf sie warten. Ich möchte hier in keiner Weise diskriminierend erscheinen, aber inzwischen haben wir so viele Geschichten gehört, dass uns manchmal echte Zweifel ereilen. Kann es sein, dass eine schwarze Haushaltsgehilfin bereits 5 Jahre in ein und demselben Haushalt arbeitet, aber jedes Mal nach einem 2-wöchigen Urlaub neu angelernt werden muss?

Der nächste Tag bringt uns nach Kimberley, und somit zum „Big Hole“, zu Deutsch „das große Loch“. Mutter Natur allein war für die Entstehung nicht verantwortlich, sondern Zweibeiner - uns allen als Menschen bekannt- die auf der Suche nach Naturschätzen ach so gerne Löcher in den Boden buddeln.

Die wirklichen Ausmaße, des „größten je von Menschenhand gegrabenen“ Loches sehen wir bei einer geführten Tour, faszinierend ist nicht nur der Anblick der kraterartigen Landschaft, sondern auch die Ausmaße bei einem Durchmesser von 460 Metern. Aus sportlicher Sicht gesehen ließe sich dies folgendermaßen erklären: "The Big Hole" ist ca. so groß wie 24 Fußballfelder und ursprünglich 240 m tief. Hier wurden bis 1914 Diamanten gefördert und dazu wurden 22,5 Millionen Tonnen Erde ausgehoben.
Daher wundert es kaum, dass es mittlerweile zu den spektakulärsten Ausflugszielen Südafrikas gehört. Jedes Jahr zieht es Tausende Menschen hierher, die einen Blick in den tiefen Abgrund riskieren wollen. Nichtsdestotrotz finden wir die ganze Gegend nicht so einladend, dass wir noch eine Nacht hier verbringen möchten und machen uns unmittelbar nach der Tour wieder auf den Weg.

Was uns erwartet ist eine der eintönigsten Strecken, die wir seit langem gefahren sind. Die Karoo, eine grenzenlose, raue und stinklangweilige Gegend von riesigen Schaf- und Gästefarmen, beschert uns schnurgerade Straßen und backofenartige Temperaturen und wir sind heilfroh heute noch den kleinen Ort Graaff-Reinet zu erreichen. Drei Tage harren wir in der Hitze aus, was nicht nur daran liegt, dass wir einfach froh sind nicht fahren zu müssen, sondern auch an einer geführten Wohnmobiltour aus D. Die ganze Truppe fällt mit ca. 20 Mobilen auf dem Campingplatz ein und trägt eindeutig zu unserer Erheiterung bei. Studien zur Gattung Homo Sapiens…köstlich!

Über Port Elizabeth, das eher einen erschreckenden Eindruck hinterlässt, fahren wir entlang der Küste nach Jeffreys Bay. Der Regen ändert nichts am ersten Eindruck, ein nettes Örtchen, das nicht zuletzt wegen seinem hervorragenden Fischrestaurant besticht. Es scheint eine sichere Gegend zu sein und wir fühlen uns wohl. Ob es an den nicht vergitterten Fenstern der Häuser liegt? Diesen Eindruck bestätigt auch die Campingplatzbesitzerin am nächsten Morgen. Auf unsere Nachfrage hin, bekräftigt sie vehement, Jeffreys Bay wäre eine absolut sichere Ortschaft. Vorgestern sei zwar einer ihrer Wachmänner am helllichten Tage einfach so erschossen worden, aber das wäre schließlich eine rein private Angelegenheit gewesen. Hallo???

Plettenberg Bay, Mossel Bay, Groot Jongensfontein, alles Namen entlang der berühmten „Garden Route“, die im Regen ihren Charme leider irgendwie einbüßt, aber bei Sonnenschein vor lauter „Touristen“ wahrscheinlich genauso unattraktiv ist.

Wieder einmal sind wir schneller unterwegs als geplant und als uns eine SMS von Chantel und Ton erreicht, ob wir uns in Kapstadt treffen, gibt es so recht kein Halten mehr. Wir düsen los und dann steht da plötzlich an der Straße ein Schild: "southernmost point of africa", übersetzt "südlichster Punkt Afrikas". Und der heißt "Cape Agulhas". Jetzt ist man einmal in seinem Leben in Südafrika und was nun? Eigentlich gibt es da nicht viel zu sehen… Eigentlich liegt es viel zu weit vom Weg ab… Eigentlich gibt es viel mehr andere Dinge zu gucken… Eigentlich nützen alle guten Argumente nichts: man muss einfach hin. Man muss, man muss! Wo man doch fast da ist... Fast da..... Gegenwehr ist zwecklos.

Der Weg nach Agulhas zieht sich hin. Anscheinend endlose Kilometer von der N 2 Schnellstraße durch Weizenfelder und leicht hügeliges Land, asphaltiert ist nur die R 316. Alle Wege zum Kap führen über den Ort Bredasdorp, eine mittlere Kleinstadt, mit einem wunderbaren Sparmarkt, der die „wunder- und bezahlbarsten“ Lammkoteletts des ganzen Landes führt.

Das Kap liegt weit ab der Touristenströme und knapp 250 km südöstlich von Kapstadt und kann außer einem schönen Leuchtturm, dem flachen Strand und einem Naturpark mit einzigartiger Flora nicht viel Sehenswertes bieten. Aber der aufmerksame Leser weiß, dass wir zwei beide einsame Strandspaziergänge lieben und so ist es nicht verwunderlich, dass wir den 14 km langen, herrlichen Sandstrand von Struuisbai ausgiebig nutzen.

Über die Küstenstraße, die immer wieder wunderschöne Ausblicke bietet, erreichen wir schlussendlich Kapstadt und sind zunächst mal ziemlich geschockt. Keine Spur weit und breit vom Wahrzeichen der Stadt, dem Tafelberg, aber dafür eine kilometerlange Township. Khayelitsha – Straßenlaternen in luftiger Höhe, die Tag und Nacht brennen, angezapfte Stromleitungen, Hütten aus Blech, Holz, Pappe und ausgemusterte Container als kleiner Laden zeichnen das Bild des drittgrößten Armutviertels Südafrikas. Vermutlich leben hier mehr als 1.5 Millionen Menschen, wovon etwa 90% Schwarze und 10% Coloureds, also Mischlinge (Farbige) sind. Ein etwas mulmiges Gefühl macht sich breit…welches aber nicht lange währt, denn bereits am nächsten Tag bietet sich uns ein völlig anderes Bild. Mit Chantel, Ton und Monster stürzen wir uns in Getümmel der Victoria + Alfred Waterfront und denken, wir haben eine Zeitreise hinter uns. Zwischen den Docks und alten Lagerhallen reihen sich Restaurants, Biergärten, Shopping Malls und Hotels aneinander, der pure Kommerz erwartet uns. Das soll noch Afrika sein?

In einem der roten „hop on- hop off“ Busse unternehmen wir eine Stadtrundfahrt und kommen nun auch endlich zum berühmten Tafelberg, der sich ausnahmsweise mal nicht in Wolken hüllt. Sollten wir Glück haben und hinauf fahren können? Leider macht uns der Kapdoktor einen Strich durch diese Rechnung. Nicht etwa, dass wir nicht schwindelfrei wären und einem Gesundheitscheck nicht standgehalten hätten, nein, es ist schlichtweg zu windig. Der starke südöstliche Wind, namens Kapdoktor, hat den positiven Effekt, die Stadt vom Smog zu befreien, aber wenn er das tut, weht er zu heftig für die Seilbahn, die auf den Tafelberg führt. Schade, nix mit Aussicht. Stattdessen gibt es am Abend ein saftiges Steak, denn wir folgen einem Tipp aus unserem Gästebuch, kehren ein ins „Nelsons Eye“ und sind begeistert. Danke an Teresa und Tim.

Wir geben nicht auf und starten am nächsten Morgen einen zweiten Tafelberg-Versuch, denn noch immer ist dieser völlig wolkenlos.

Leider wird es auch heute nichts, bereits unten erwarten uns die Stop-Schilder und dabei wären wir so gerne mit Monsterchen hochgefahren. Unser Schätzchen darf nämlich auch heute wieder mit in die Stadt und da er sich gestern zwischen den großen Bussen direkt an der Waterfront sehr gut benommen hat, kehren wir dorthin zurück.


Rund zehn Kilometer von Kapstadt entfernt liegt die ehemalige Gefängnisinsel

„Robben Island“, deren prominentester Häftling Nelson Mandela, der spätere Friedensnobelpreisträger und Präsident Südafrikas, war. Er verbrachte auf dieser Insel viele Jahre in Gefangenschaft. Seit der Auflösung 1996 hat sich der Ort zu einem Symbol des befreiten Südafrika entwickelt und gehört mittlerweile zu den Hauptsehenswürdigkeiten von Kapstadt. Ein beeindruckendes und bedrückendes Zeugnis der Vergangenheit erwartet uns, denn die Besucher werden von ehemaligen Häftlingen zu dem kleinen Museum und über die Insel geführt. Der Besuch stimmt nachdenklich.

Nach 3 Tagen verabschieden wir uns von unseren Freunden und steuern einen der „must do“ Punkte Südafrikas an. Das Kap der Guten Hoffnung oder Cape of Good Hope ist sicherlich ein Highlight für jeden Südafrika Urlauber, denn das imposante Kap am südlichen Ende der Welt ist auf dem ganzen Globus bekannt. Der Reiseführer schreibt: „Dieser Ort zieht seine Besucher in den Bann und  lädt sprichwörtlich dazu ein, in die maritime Vergangenheit romantischer Seemannsabenteuer einzutauchen“.  Romantik? Beim Anblick der beiden aufeinander treffenden Ozeane denke ich eher an die frühen Entdecker, die von der starken Strömung auf lebensgefährliche Felsvorsprünge getrieben wurden. So erklärt sich wahrscheinlich auch der Name, da mit jeder Umsegelung zu Recht die Hoffnung bestand, das Kap gut zu passieren.

Wir verlassen die Halbinsel und von nun an soll es für uns eigentlich nur noch Richtung Norden gehen. Ein weiteres Mal kutschiert Monster samt Herrchen uns problemlos durch Kapstadt und nach einem eintägigen Stopp im Norden der Stadt, sind wir mal wieder reif für ein wenig Zweisamkeit am Meer.

Das Columbine National Reserve bei Paternoster ist genau das richtige, wenige Menschen, blaues Wasser, Traumstrände, Fische…ääh, Fische hat zumindest der mir angetraute Angler keine gefunden…mir hat’s trotzdem gefallen. Allein der Wind macht uns den Aufenthalt ein wenig madig, wir trotzen ihm 3 Tage, aber dann muss es weitergehen. Lamberts Bay, ein Ort für eine Nacht? Mitnichten für uns, eigentlich nur als One-night-stopp geplant, artet der Aufenthalt etwas aus. Zuerst lernen wir Kofi kennen, ein Nissan Patrol, der mit röhrendem Auspuff auf sich aufmerksam macht und dann dessen Fahrer und Bewohner Elke und Bernd aus Berlin.

Irgendwie passt auf Anhieb die Chemie, wir quatschen uns für Stunden und die halbe Nacht fest, die Abfahrt am nächsten Morgen wird verschoben. Ob es dann eine innere Eingebung oder einfach nur Zufall ist, können wir heute nicht mehr sagen, aber Jupps Einfall Monsters Radlager mal wieder einer Kontrolle zu unterziehen, kommt einem Lottogewinn schon fast nahe. Es ist erschreckend, aber auf der rechten Seite können wir das komplette Rad auf der Nabe hin und her schaukeln, upps…und nun? Lamberts Bay ist nicht gerade der Nabel der Welt, aber - yes, yes! - es gibt einen Mechaniker. Bis dieser eintrudelt haben wir das ganze Elend freigelegt und versucht, die Radlager mittels Hammer und Schraubenzieher anzuziehen, wie man sich denken kann mit mäßigem Erfolg. Wir brauchen ein Spezialwerkzeug. Das sieht der eingetroffene Mechaniker genauso, wirft einen kurzen Blick auf das Radlager und entschwindet.

Wie jetzt? Das war der ganze Einsatz? Mitnichten, kurze Zeit später taucht er, immer noch sehr wortkarg, aber mit einem selbst gebastelten Werkzeug im Gepäck, wieder auf. Wie soll ich’s nun erklären? Der Kerl spricht zwar kaum mit uns, aber er schenkt uns das Werkzeug, strahlt über alle Backen, dass er uns helfen kann und alles wohlgemerkt ohne Gedanken an einen Cent. Auch so können Südafrikaner sein!!!

Hatten wir ursprünglich geplant, mehr oder weniger an der Küste hochzufahren, verlässt uns bei der Weiterfahrt der Mut. Die Schotterpisten sind in keinem guten Zustand, Monster wird ziemlich gebeutelt und wir haben noch kein rechtes Vertrauen zu unserer Reparatur. Wie sich später herausstellt zu Recht, wir brechen die Offroadfahrt ab, fahren auf der Hauptstraße gen Namibia und landen am Samstagnachmittag auf einem Campingplatz in Springbok. Wo das ist? Tja, wir wussten es auch nicht wirklich, aber es liegt inmitten des Namaqualands, ca. 100 km vor der namibischen Grenze.

 Bei glühender Hitze bocken wir unseren widerspenstigen Gefährten auf, demontieren das Rad und vermuten bereits das ganze Elend…das Lager scheint hin zu sein.

Das Faktotum vom Camping ist sehr nett, telefoniert eine Weile und verspricht Hilfe. Tatsächlich, nach 30 Minuten taucht Johann, seine Frau im Schlepp, auf. Die beiden sind nicht nur unglaublich nett, sie haben auch noch richtig Ahnung. Schnell ist das Lager, das sich in der Bremstrommel befindet, entfernt und schon sehen wir den ganzen Schlamassel, denn anscheinend hat sich das Lager schon seit geraumer Zeit in der Trommel mitgedreht und die Trommel um einiges abgeschliffen. Keine Chance so noch jemals ein Lager dort zu befestigen. Grand Malheur de …vor Montag läuft rein gar nichts mehr.

Montagmorgen finden wir uns in aller Frühe in Johanns Firma „Autorama“ ein, leider gibt es keine guten Nachrichten. Die fehlenden Ersatzteile sind teilweise in Kapstadt, aber die dringend nötige Bremstrommel muss aus Durban kommen und das dauert mindestens 4 Tage.

Wir schlagen mehr oder weniger die Zeit tot bis uns irgendwann mal der Einfall kommt, dass wir das Rad auf der anderen Seite auch mal kontrollieren könnten. Ihr ahnt es bereits, oder? Wie doof kann man eigentlich sein? Was soll ich hier lange herum erzählen, die Wartezeit verlängert sich. Inzwischen sind wir bekannt wie bunte Hunde und vertreiben uns die Zeit mit Fallstudien.

Da ist zunächst unser direkter Nachbar, der in einem kleinen Iglu-Zelt wohnt, keinen Stuhl oder Tisch besitzt, ständig die gleichen Klamotten trägt, den ganzen Tag auf der Matratze in seinem Zelt liegt und am Wochenende kommen Frau und kleiner Sohn zu Besuch, die dann ebenfalls im Zelt liegen. An manchen Abenden verschwindet er, was wir daran erkennen, dass seine Schuhe nicht vor der Türe stehen. Wir sehen ihn niemals essen oder trinken und obwohl wir ihn mehrmals ansprechen, scheint ihm die Konservation mit uns nicht zu liegen.

Dazu im Gegensatz steht ein anderer Mensch. Dieser outet sich als öffentlicher Geldeintreiber, sprich sein Chef, Inkasso Büro, jagt ihn durchs halbe Land. Er wohnt zwar nicht im Zelt, aber dafür labert er uns einen Knopf ans Ohr und wir sehen ihn reichlich hellbraune Flüssigkeiten mit Eis in sich hinein schütten.

Und dann gibt es da noch unseren Favoriten, seines Zeichens Rechtsanwalt. Ihn verschlägt es hierher weil er einen Mörder vor Gericht vertreten muss und er deutlich lieber in seinem Zelt als in einem Hotel wohnt. Der gute ist eine wahre Wonne, morgens schmeißt er sich in seine Anwaltskluft bestehend aus schneeweißem Oberhemd, schwarzer Hose, schwarzer Krawatte, der unvermeidlichen Kutte … am Nachmittag backt er Brot im Feuer. Er kocht für uns im Potje, tauscht Rezepte aus, trinkt ein Weinchen und bekommt- man lese und staune- Besuch von seinem Mörder. Nicht etwa weil dieser plötzlich zutiefst bereuen oder geistigen Beistand benötigen würde, nöö, der liefert das Brennholz fürs Kochen, natürlich für lau. Es gibt doch immer noch Dinge, die mich etwas verwirren.

Am Anfang der nächsten Woche lichten sich die Reihen, als erstes verlässt uns sang- und klanglos der Geldeintreiber, er ist einfach plötzlich weg. Dann folgt unser schweigsamer Nachbar, der doch tatsächlich mit einem Pick-up erscheint, seine Siebensachen zusammen packt und zum Abschied freundlich winkt. Sollte er ebenfalls die ganze Zeit auf eine Reparatur gewartet haben? Als letztes verlässt uns am Freitagvormittag der Rechtsanwalt, der Mörder ist aufgrund seiner Diabetes nicht Prozessfähig und das Gericht vertagt sich.

Nur wir, wir sind immer noch hier, zunehmend fallen wir Johann und seinem Bruder Mario auf die Nerven und gammeln ganze Tage in seinem Laden herum. Dabei erfahren wir Dinge, die einfach unvorstellbar sind.
Es beginnt damit, dass wir uns über die große Anzahl seiner Angestellten wundern. Die Erklärung mutet einfach an, denn die schwarze Regierung hat strikte Regeln: „Willst du öffentliche Aufträge haben, dann solltest du zu 3 weißen, 4 farbige und 7-8 schwarze Angestellte beschäftigen“. Natürlich ist das nicht zwingend, aber wie bereits gesagt, möchte man für irgendwelche Ämter arbeiten, dann hat man wohl keine Wahl.

Wahrscheinlich in Johanns Fall auch keine so unattraktive Lösung, denn im Laufe der Woche sammeln sich 6 Ambulanz-Fahrzeuge bei Autorama. In unserer Heimat denkt man, die sind alle zur Inspektion hier, aber nicht so in Afrika. Die 6 neuwertigen Fahrzeuge (Mercedes Sprinter) sind alle mehr oder minder kaputt, 2 haben gar einen kapitalen Motorschaden. Wie so etwas zustand kommt erzählt Johann. Die Ambulanz fährt von A nach B und unterwegs leuchtet eine rote Lampe im Armaturenbrett auf; der weiße Fahrer stoppt, kontrolliert den Öl- und Wasserstand und fährt nicht weiter weil er sonst evt. den Motor zerlegt; der schwarze Fahrer stoppt, guckt unter die Motorhaube und fährt weiter weil er ja sonst nicht nach Hause kommt. Den Erzählungen zu glauben macht Mühe, aber wo kommen diese ganzen defekten Ambulanzen her?

Und noch eine Denkanregung folgt. Unser Visum läuft aus und wir wissen bereits, dass wir unter keinen Umständen pünktlich ausreisen können- die logische Schlussfolgerung, wir müssen zum „Office of Homeaffairs“ und unser Visum verlängern. Und juchhe, hier in Springbok gibt es eins, also nix wie hin. Wir stellen uns brav in der Schlange an, werden aber von einer freundlichen Dame vorgezogen und nach vorne gebeten (wahrscheinlich hat sie nicht geahnt was auf sie zukommt), erklären unser Problem und treffen auf, ja auf was eigentlich? Überforderung, Ignoranz, Faulheit, Paragrafenreiter? Das Ergebnis: hier ist es unmöglich das Visum zu verlängern, wir müssen nach Upington, ca. 400 km entfernt. Unser Einwand, wenn wir nach Upington fahren könnten, dann könnten wir sicherlich auch die ca. 100 km bis nach Namibia fahren, leuchtet ihr durchaus ein, doch der Vorgesetzte muss befragt werden. Im Endeffekt ändert es nichts, für uns schon mal gar nicht, wir bleiben ohnehin. Der kleine Scherz am Rande ist obendrein noch, dass die Verlängerung eines Visums ca. 7- 10 Arbeitstage in Anspruch nehmen würde, so what?

Nach 11 Tagen des Ausharrens scheint Mittwoch endlich der große Tag zu sein. Bereits um 8.00 Uhr laufen Mario und ein Mechaniker auf dem Camping auf und alles wird gut, Monster kann nach 11 Tagen wieder auf eigenen Beinen stehen. Was kann uns jetzt noch aufhalten? Alle Beteiligten sind froh, wir fahren endlich wieder los, der Motor und ich singen, die beiden Herren brummen gemächlich vor sich hin, lächerliche 100 km bis zur Grenze machen wir doch mit links.