Südafrika: Dezember 2011/ Januar 2012

Die erste größere Ortschaft nach dem Grenzübertritt heißt Ladybrand, wo es staubig und trocken ist und irgendwie nicht so richtig zum Bleiben einlädt. Zumindest gibt es einen Spar-Supermarkt, denken wir noch bevor wir den Laden betreten. Es ist nicht, dass dieser in irgendeiner Form unordentlich wäre, nein, es ist einfach so wie in allen Gegenden mit überwiegend schwarzer Bevölkerung. Das Warenangebot ist ein völlig anderes und die meisten Regale sind schlichtweg leer gekauft.

Mit viel Phantasie kaufen wir uns ein Abendessen zusammen und wollen anschließend ein Internetcafe besuchen. Auch diese Vorstellung wird zunichte gemacht, denn inzwischen ist es 13.30 Uhr und im ganzen Ort sind die Bürgersteige hochgeklappt. Keine Menschenseele treibt sich auf den Straßen herum, lediglich der zur Kneipe gehörige Bottlestore (Getränkeladen) ist mit grölenden Trunkenbolden bevölkert. Wir ziehen uns auf den örtlichen Campingplatz zurück.

Am nächsten Morgen sind wir bereits früh unterwegs und stolpern mehr zufällig über einen Ort namens Clarens. Mitten zwischen zerklüfteten Kalkfelsen und grasgrünen Hügeln wirken die weißen Häuser wie aus dem Bilderbuch und es herrscht reges Treiben rund um den Stadtplatz. Da die Geschäfte hier auch am Sonntag geöffnet sind, ist alles wie geschaffen für einen Stadtbummel und den heiß begehrten Internetzugang.

Kurz vor Einbruch der Dämmerung nehmen wir die letzten Kilometer bis zum Golden Gate Nationalpark in Angriff, denn dort soll schließlich zum Sonnenuntergang etwas Magisches passieren. Wie schreibt der Reiseführer so schön? „Die zerklüfteten Sandsteinklippen leuchten noch einmal golden im schwächer werdenden Licht auf, bevor der Himmel in einem Feuerwerk aus Purpur, Orange und Rot explodiert“. So weit, so gut, bei uns explodiert der Himmel auch, nur leider sind es Blitze, die ihn erstrahlen lassen und der Sonnenuntergang versinkt im Regen.

Immerhin gelingt es uns am nächsten Tag zwischen den Regenfällen einen der zahlreichen Wanderwege zu absolvieren.

Auch der Park mit der wohl grandiosesten Szenerie der Drakensberge, der Royal Natal N.P. ist vor uns und unseren Wanderschuhen nicht sicher.

Hier ereilt uns dann eine SMS von unseren Freunden Chantel und Ton, die derweil den Krügerpark verlassen haben und sich im Blyde River Canyon herumtreiben. Hm, Weihnachten nicht alleine, Blyde River? Wollten wir doch auch noch hin bevor unser Besuch aus D. in Johannesburg eintrifft. Die Entscheidung ist schnell gefallen, Monster gestiefelt und gespornt und schon fliegen die Kilometer unter den Reifen dahin.

Nach 2 Tagen strammen Fahrens erreichen wir Nelspruit, unsere 1. südafrikanische Großstadt. Das Einkaufen im riesigen Sparmarkt ist die reine Freude, wir können uns gar nicht satt sehen an all den kulinarischen Highlights und so findet so manches Überflüssige den Weg in unseren Einkaufswagen.

Schwer bepackt wählen wir einen Campingplatz etwas außerhalb, nicht zuletzt da dieser über kostenloses Wifi verfügt. Kaum haben wir uns etabliert, verdunkelt sich der Himmel und es donnert, blitzt und regnet wie aus Kübeln. Da bleibt es nicht aus, das plötzlich die komplette Stromversorgung ausfällt und unsere schöne Wifi-Verbindung hinüber ist. Wir wollten doch so gerne noch mit unseren Lieben daheim telefonieren und somit macht Jupp sich auf den Weg zur Rezeption. Ihr könnt Euch sein Gesicht vorstellen als er dort alles verriegelt und verrammelt vorfindet. Die Besitzer können doch nicht einfach ihren ganzen Platz alleine lassen? Können sie doch, lediglich am Eingangstor befindet sich ein einsamer, schwarzer Wachmann. Wie mir aus zuverlässiger Quelle berichtet wurde, spielt sich nun folgende Konversation ab:

“Hallo, gibt es hier keinen Strom mehr“? „ Doch Sir“! (Obwohl der ganze Campingplatz im Dunkeln liegt) „ Aber hier brennt doch kein Licht mehr“. „Doch Sir, der Strom ist da“. Zur Untermauerung seiner Aussage haut er kräftig auf einen Lichtschalter, Licht gibt es dadurch aber nicht. Also auf zum nächsten Schalter, ein kräftiger Schlag darauf, kein Licht…der Wachmann schlägt wie verrückt auf den Schalter ein, nichts tut sich…großes Staunen. „ Sir, ich glaube, es gibt keinen Strom mehr“. Manchmal kann man seine Erlebnisse einfach nicht glauben.

Am Heiligabend treffen wir Chantel und Ton in Graskop in der Summit Lodge, ein wahrer Glücksgriff, den die beiden dort gemacht haben, denn zahlreiche Campingplätze der Umgebung sind völlig ausgebucht und wir vier stehen hier ganz alleine auf einer schönen Wiese direkt am Pool. Nebenbei entpuppt sich der Besitzer als total netter Mensch, der früher für Mercedes gearbeitet hat und ungefragt für uns in Windhoek anruft, um sich für eine Reparatur unseres Verteilergetriebes zu erkundigen. Die Weihnachtstage verfliegen im Nu und wie immer, wenn wir vier zusammen sind, wird der Braai (Grill) nicht kalt.

Nachdem die ganze Umgebung schließlich erkundet ist und bevor uns am Ende noch langweilig wird, fahren wir noch ein Stückchen näher an J’ burg heran, zum Loskopdamm. Dort gibt es eines dieser luxuriösen Forever Resorts und zu Sylvester steht uns so etwas doch gut zu Gesicht, denken wir uns.

Selbstverständlich ist auch dieser Platz zum Zerbersten voll mit südafrikanischen Urlaubern und vor unseren Autos sitzend, können wir hier Fallstudien live betreiben. Der gemeine Südafrikaner scheint sehr fettleibig zu sein und bewegt sich aus diesem Grunde auch nicht übermäßig. Der überwiegende Teil der Jungs und Mädel hier fährt doch tatsächlich mit dem Auto zum Klo und so bleibt ein emsiges Treiben, Fahren und Hupen um uns herum nicht aus, das Ganze begleitet vom Dröhnen der Bässe aus übersteuerten Boxen. Leider nimmt dieses Gebaren auch im Laufe der Nacht nicht ab, wenn wundert es da, dass wir am Sylvestermorgen schleunigst die Flucht ergreifen.

Wir versuchen unser Glück im nahe gelegenen La Villa Resort trotz der ausgehängten „Komplett“ Schilder. Ob es nun an unserer netten Erscheinung oder an unseren ausländischen Fahrzeugen liegt, wissen wir nicht, jedenfalls bekommen wir dort einen Platz auf einer Wiese mit nur wenigen Campern und in absoluter Ruhe. So haben wir uns das vorgestellt, dann kann es ja weiter gehen mit dem Braaien. Selbstverständlich bleibt es bei so einem Gebaren nicht aus, dass die zuvor mühsam abgehungerten Pfunde an die alten Stellen zurückkehren.

Nach der langen Zeit des Wartens landen am Mittwoch endlich unsere Besucher und wir machen uns auf den Weg zurück zum Blyde River Canyon. Dieser spektakuläre fast 30 km lange Canyon ist ein ziemlich beeindruckendes Naturschauspiel und während der Fahrt am Rand des Canyons entlang gibt es immer wieder wunderschöne Aussichtspunkte.

Leider bleibt uns keine Zeit für die tollen Wanderwege, denn bereits am nächsten Tag beginnt unsere Buchung für den Krügerpark.

Dichte Wälder aus Akazien und dazwischen offene Savannen, so präsentiert sich der berühmte Nationalpark, der etwa halb so groß ist wie die Schweiz. Tolle Geschichten haben wir gehört, von Löwen, Leoparden, Elefanten, Kaffernbüffeln und Spitzmaulnashörnern, eben den „Big Five“, zu denen sich noch viele andere Wildtiere gesellen sollen und dementsprechend hoch sind unsere Erwartungen.

Am Morgen um 3.45 Uhr klingelt der Wecker und um 4.30 Uhr stehen wir bereit zur ersten Pirschfahrt. Mit unseren Tauchlampen bewaffnet, durchstreifen wir die Dunkelheit nach den gelb aufleuchtenden Augen der Raubtiere, die sich jedoch vor unseren Blicken verbergen. Es beginnt bereits zu dämmern, als wir endlich mal auf eine große Elefantenherde stoßen, die sich links und rechts der Straße tummelt. Bei Monsters Anblick gerät die ganze Bande ein wenig in Unruhe, lautes Tröten erschallt und so manche Drohgebärde deuten in unsere Richtung. Es macht den Eindruck, als ob Monster den Elefanten irgendwie Angst einflößt, denn nicht nur wir, sondern auch die Tiere machen sich schleunigst aus dem Staub.

5 Tage lang durchstreifen wir die Wildnis, jeden Morgen um 4.30 Uhr geht es los und dennoch ist die Ausbeute an Tieren, die wir erspähen, einfach nur enttäuschend. 1 fußkranker und 1 altersschwacher Löwe, einige Hyänen, zahlreiche Elefanten und Büffel und das war’s auch schon. Vielleicht sollten wir uns doch auf die Vogelbeobachtung spezialisieren?

Da die Tierbeobachtung so enttäuschend ist, verwenden wir ein wenig unserer Energie auf die Beobachtung der gemeinen Südafrikaner.

Diese Spezies bevorzugt den Campingurlaub, liebt die Natur, fettes Fleisch, Bier, Cola und Brandy und fährt einen Pick-up Geländewagen, genannt Bakkie. Mit diesem kurvt er nun über den Campingplatz auf der Suche nach dem vermeintlich besten Stellplatz. Mitunter werden 3-4 Runden gedreht, aber außer uns regt sich niemand darüber auf, denn jeder macht das so.

Ist ein Platz auserkoren, wird als erstes der Strom angedockt, wobei man natürlich schon mal ein Döschen Bier trinken kann. Der Strom ist außerordentlich wichtig, denn die Ladefläche des Bakkies ist bepackt mit mindestens 3 großen Kühlboxen, die ihrerseits voll sind mit Fleisch, Bier und Eis. Dann wird weiter aufgebaut: Vorzelt, davor ein Pavillon, zweite Dose Bier, Teppich, Tisch, Stühle, Spültisch, drittes Bier und so weiter und so fort, wir glauben, die bleiben mindestens 3 Wochen, aber nein, am nächsten Morgen wird alles wieder abgebaut, natürlich auch wieder unter Zuhilfenahme von Bier und dann fährt man fröhlich zur nächsten Campsite.

Nach einer letzten morgendlichen Pirschfahrt verlassen wir den Krüger Nationalpark ganz im Norden am Pafuri Gate und legen bei einer Mammutfahrt die Kilometer bis nach Botswana zurück. Gerade noch vor Toresschluss erledigen wir die einfachen Grenzformalitäten und lassen uns ziemlich geschafft in einem Camp gleich neben den Zollhäuschen nieder.