Namibia: März 2012

Es kann endlich losgehen und doch verlassen wir Springbok mit einem etwas mulmigem Gefühl, zwei unterschiedliche Gründe sind die Ursache. Es ist fast unglaublich, aber wenn man eine längere Zeit an einem Ort verweilt hat, scheint man eine Art Heimatgefühl entwickelt zu haben. Fast, aber eben nur fast, ein wenig traurig rollen wir vom Campingplatz, aber der zweite Grund ist deutlich übermächtig. Was macht unser Monsterschätzchen? Rollen alle Räder rund? Hören wir merkwürdige Geräusche?

Die erste halbe Stunde verläuft äußerst schweigsam, doch dann machen sich langsam die Gedanken an den Grenzübergang breit. Was werden die Südafrikaner mit uns anstellen? Ob sie uns gar zu irgendwelchen Strafen verdonnern? Alle Aufregung ist umsonst, am Grenzübergang geht es zu wie üblich, die Beamten sind nicht sonderlich freundlich, aber auch nicht unfreundlich, die dicken Mamas am Schalter bewegen sich nur sehr widerwillig. Sollten wir vielleicht ohne weiteres von dannen kommen?

Nachdem die Damen unsere Pässe einige Mal zwischen sich hin und her geschoben haben, erbarmt sich eine und watschelt in die hinteren Katakomben. Folgt nun unsere Strafe? Oh ja, sie folgt…auf afrikanische Art und Weise. Also, wir haben unser Visum überschritten, dabei spielt es keine Rolle ob es 10 Minuten oder 30 Tage sind und dafür müssen wir eine Strafe in Höhe von 1000 Rand pro Person zahlen. Ok, denken wir, das geht ja noch, aber dann kommt es…wir müssen diese Strafe nicht jetzt bezahlen, sondern können das auch von Deutschland aus oder wann immer wir wollen oder aber bei der nächsten Einreise nach Südafrika. Wie jetzt? Wenn wir nicht mehr nach Südafrika einreisen, dann müssen wir gar nicht zahlen?? Tja, dann warten wir das doch erst einmal ab und folglich zahlen wir nichts.

Die namibische Seite ist überaus pflegeleicht, ohne große Diskussion bekommen wir erneut einen 90-Tage-Stempel und das war es.

Wir fahren zunächst über eine wunderbare Asphaltstraße bis nach Grünau um dann Bekanntschaft mit den Schotterstraßen Namibias, den sogenannten Pads, zu machen. Was soll ich sagen, zumindest diese „Pad“ ist eine der besten, die wir seit langem gefahren sind, ich würde selbst so manche Teerstraße dafür tauschen.

Wir kommen also weiterhin schnell voran, unterwegs treiben uns Schilder mit den Slogans: hungrig? durstig? müde? gehörig an und so erreichen wir das Canon Roadhouse sogar vor Einbruch der Dunkelheit.
Das Roadhouse macht Spaß, die Einrichtung besteht aus alten Autos und Motorräder, genau die richtige Kulisse für uns. Die Campsite ist absolut klasse, große, schattige Stellplätze, an den meisten eigene Dusche und Toilette und den Swimmingpool der Lodge kann man selbstverständlich mitnutzen, einziger Minuspunkt sind die recht übersichtlichen Portionen zu durchwachsenen Preisen im Restaurant.

Am nächsten Morgen sind wir zeitig unterwegs, denn nach dem Grand Canyon ist der Fish River Canyon mit einer Länge von 160 Kilometer der größte Canyon Afrikas und der zweitgrößte Canyon der Welt. Vermutlich gibt es also viel zu sehen und tatsächlich, nachdem wir die Touristenströme hinter uns gelassen und direkt am Rande der Schlucht gefrühstückt haben, sehen wir das ganze Ausmaß.

Die Tiefe des Canyons umfasst zwischen 457 und 549 Meter, seine Breite ist bis zu 27 Kilometer und selbst Rekordtemperaturen von 50 ºC wurden hier schon gemessen. Diese herrschen heute gottlob nicht, aber muckelig warm ist es trotzdem.

dem Weg entlang des Canyons über Ai-Ais befinden wir uns quasi auf dem Rückweg gen Südafrika, aber die Strecke entlang des Gariep Flusses ist ein unbedingtes Muss für uns und wir bereuen keine Minute des Ganzen. Wunderbare Landschaft, Ruhe, Sternenhimmel, endlich mal wieder wildes, unbeschwertes Campen… die Freiheit. Nach Zwängen in Botswana und Südafrika ein vermisstes Gefühl, wir fühlen uns sauwohl und landen an einem kleinen Ort namens Klein Aus Vista.

Der dortige Stellplatz der Farm ist wunderschön, einmal häuslich eingerichtet haben wir auch Augen für unsere Umgebung und können nur noch staunen. Was wir anfänglich für Laubwerk hielten, sind in Wirklichkeit zahlreiche Vogelnester, aneinander gebaut, ein faszinierendes Gebilde.

Die Jungs und Mädels, die diese ungewöhnliche Behausung bauen, heißen Siedlerweber und haben eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren Sperlingen.

Der nächste Morgen lässt sich gemütlich an, wir quaken solange mit unseren nächtlich angekommen Nachbarn (nicht die Vögel, sondern Holländer), dass sich die mögliche Weiterreise irgendwann in Frage stellt und wir stattdessen Monsters Räder nochmals kontrollieren. Liegt es an den häufigen Kontrollen in der letzen Zeit oder ist mein Göttergatte wohlmöglich lustlos oder schlampig infolgedessen? Die nun folgende Warnung ist jedenfalls seeehhhrrr einprägsam, denn Monster, nur halbwegs mittig hochgebockt um beide Radlager gleichzeitig zu checken, gefällt diese Position überhaupt nicht und so kippt er plötzlich und unerwartet vom Wagenheber. Ich kann euch sagen, ein sch…Gefühl wenn man sein Haus umkippen sieht. Alles geht gut, der Sturz vom Wagenheber ist nicht so tief, das Gelände relativ gerade, der Schreck ist größer. Puh, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, immer noch!!

In Lüderitz ist uns die Shark Insel, die durch eine künstliche Landbrücke zur Stadt verbunden ist, als Campsite viel zu windig und wir fahren weiter bis zum Diaz Point Leuchtturm. Der Abend dort, in Gesellschaft des einzigen Esten, der jemals von Estland bis zum Kap der guten Hoffnung gefahren ist (www.tarmo-rtw.blogspot.com), ist sehr unterhaltsam und der arme Kerl scheint sich sehr über die deutsche Küche zu freuen.

Am Morgen fahren wir zur bekannten Geisterstadt Kolmanskop. 

Einst handelte es sich bei Kolmanskuppe um eine Siedlung in Deutsch – Südwestafrika, die ihren Namen einem Herrn namens Coleman verdankt, der im Jahr 1905 genau hier mit seinen Ochsenkarren in der weiten Dünenlandschaft stecken blieb. Bekannt wurde Kolmanskop 1908, nachdem man in der Nähe die ersten Diamanten gefunden hatte, was, bei den Menschen in der Region und nicht zuletzt auch in aller Welt, einen regelrechten Boom auslöste. Ein Ort entstand, aber die Wüste holte sich im Laufe der Jahrzehnte zurück, was der Mensch ihr abgerungen hatte.

Die Häuser verfielen zusehends und in den Ruinen häufte sich der Sand meterhoch. Nur ein zaghafter, zunächst auf Privatinitiative beruhender Museumsverkehr brachte gelegentlich ein bisschen Leben zurück und man begann, einige erhaltenswerte Gebäude zu restaurieren, Räume wieder originalgetreu zu möblieren und nach und nach einen geordneten Museumsbetrieb einzurichten. Die Lady, die uns herumführt, macht einen tollen Job, die Führung macht Spaß und ist informativ.

Wir nehmen nicht den direkten Weg zum Sesriem, sondern fahren einen kleinen Schlenker über die landschaftlich schönere D707 und sind echt begeistert. Die kleine Farm Gunsbewys ist ein wahres Kleinod, wir sind völlig allein und lernen die Besitzerin erst am nächsten Morgen kennen. Die achtzigjährige Dame dreht jeden Abend und Morgen einige Runden in einem kleinen Schwimmbecken und ist geistig und körperlich einfach topfit. Sehr bewundernswert!

Bei glühender Hitze fahren wir weiter durch eine wunderschöne Landschaft und erreichen am späten Nachmittag Sesriem. Direkt an „der“ Kreuzung, neben einer Tankstelle, hat ein Campingplatz seine Pforten geöffnet, doch als wir dort die Preise erfragen, fallen wir fast hinten rüber und suchen sofort das Weite. Da fragen wir doch lieber am offiziellen Platz und bekommen ohne Probleme einen Stellplatz zu akzeptablen Preisen, der zudem den Vorteil hat, dass man morgens ca. 1 Stunde vor Parköffnung in Richtung Sossusvlei losfahren darf.

Wir schaffen es trotzdem nicht vor Sonnenaufgang, ganz im Gegenteil, wir trödeln dermaßen herum, dass wir selbst die örtliche Müllabfuhr noch erleben. Hach, wenn ich dran denke, muss ich heute noch schmunzeln. Also, Sossusvlei, ein vom „namibian wildlife resort“ verwalteter Nationalpark, verfügt über ein Müll- Sortierungsprogramm, was bedeutet, dass 3 verschiedenfarbige Abfalltonnen, selbstverständlich mit großen Hinweistafeln versehen, den Besucher zur Mülltrennung animieren sollen. Der gemeine Deutsche, sprich wir, fühlt sich fast wie zuhause und sortiert, was das Zeug hält, zumindest der weibliche Teil dieser Reisegruppe fühlt sich gut. Jedenfalls bis zur Entsorgung. Es erscheint ein Müllwagen mit Fahrer und 2 fröhlich grinsenden Arbeitern, die Jungs haben sichtlich Spaß an ihrem Job, quatschen und lachen mit mir und entsorgen währenddessen meinen gut sortierten Müll in einem Abwasch. Wie jetzt? Alles auf einen Lkw? TiA!! This is Africa, ich muss so laut lachen, dass sich selbst die Müllabfuhr wundert.

Trotzdem schaffen wir es endlich doch noch loszukommen und fahren dann aber recht zügig die 60 Km bis zum 2 x 4 Parkplatz, fünf Kilometer vor dem Sossusvlei, mit seinen mächtigen Sanddünen eins der namibischen Highlights. Dort werden wir gestoppt, und zwar nicht nur von den Hinweistafeln, die darauf hinweisen, dass Lkw hier definitiv nicht weiterfahren dürfen, sondern auch von den viel gewichtigeren 5 Sicherheitsleuten, die uns den Weg versperren. Wie jetzt? Wir hier nicht weiter? Geht ja gar nicht! Wir müssen unbedingt unseren Allradbetrieb ausprobieren! Während wir schon mal Luft aus Monsters Reifen ablassen, quaken wir mit den Guides, sind freundlich und nett, halten den restlichen Betrieb auf, sind immer noch freundlich und nett, halten weiterhin den Betrieb auf…quak...wir haben Zeit…

quak, quak, quak…Monster fährt natürlich bis zum Sossusvlei…

Nach einem spektakulären Apfelkuchen in Solitaire, fahren wir Richtung Swakopmund und erfreuen uns an der wunderschönen Landschaft. Inmitten des Namib Naukluft Parks biegen wir ohne Genehmigung von der Hauptstraße ab, nehmen eine Abkürzung mitten durch den Park und überqueren die D1985 in Richtung Blutkuppe. Die ganze Strecke ist wunderschön, wir sehen große Tierherden, unendliche Landschaft und unser Übernachtungsplatz ist einfach geil. Wir sind völlig allein, bis auf einen einsamen Schakal, er scheint uns nicht zu verlassen, denn wir sehen ihn abends und morgens.

Nach soviel Einsamkeit stürzen wir uns in Swakopmund mitten ins Vergnügen. Wir parken Monster neben dem Jetty, wie wir heute lesen äußerst unsicher(!?), und stürzen uns, selbstverständlich erst nach dem obligatorischen Stadtspaziergang, ins Vergnügen. Im Brauhaus gibt es nicht nur ein kaltes Erdinger, auch die zur Abwechslung mal wieder deutsche Küche erfreut unsere Gaumen.

Wir verlassen Swakopmund in Richtung Norden am Meer entlang und der Asphalt geht schon bald in Piste über, jedoch nicht in die übliche sandige, sondern in eine steinharte, die aus Gips und Salz besteht. Unterwegs treffen wir lediglich den ein oder anderen Angler, meist schon von weitem an der am Auto senkrecht befestigten Angelrute zu erkennen. Es gibt nicht viel Abwechslung auf dieser Strecke, die Zeltplätze sind nach der Entfernung benannt, heißen z.B. Mile 14 und über Henties Bay erreichen wir Cape Cross. Die hier lebenden tausende Robben sieht man zunächst nicht, aber dafür riecht man sie sehr wohl.

Die 2-tägige Pause, die wir bei Mile 108 einlegen, verbringt der Angler aus unserer Runde, bei wider Erwarten angenehmen Tagestemperaturen, überwiegend in Gesellschaft von Fischen. Nach Erlernen einer neuen Technik (die Köder werden irgendwie am Angelhaken festgebunden) findet so manches frische Fischfilet seinen Weg in unseren Kühlschrank oder direkt in den Magen. Erst der aufkommende Küstennebel vertreibt uns endgültig ins Landesinnere, zum Brandberg und zum kleinen Ort Uis. 1922 ursprünglich als Minenstadt gegründet, erfreut er sich heute einer zunehmenden Zahl von Rentnern, da die Regierung das Land im Sonderangebot an potenzielle Investoren verkauft. Uns ist das alles relativ schnuppe, wir fühlen uns sehr wohl auf dem Gelände des White Lady B&B und beginnen langsam Monster einer gründlichen Reinigung zu unterziehen.

Der jährliche Heimaturlaub ist nicht mehr weit entfernt und somit finden wir uns 4 Tage vor dem Abflug in Windhoek ein. In Gesellschaft von Chantel und Ton vergeht die letzte Zeit inmitten der Stadt, auf einem noch gar nicht eröffneten Campingplatz (www.urbancamp.net) recht kurzweilig und den krönenden Abschluss bildet, wie könnte es anders sein, ein absolut leckeres Abendessen. Wir freuen uns jetzt bereits auf die Rückkehr in dieses wunderschöne Land und nicht zuletzt auf ein weiteres Wild-Cordon bleu.