Mosambik: November 2011

Als Übergang zwischen Sambia und Mosambik haben wir uns den kleinen Grenzort Cassacatiza ausgesucht, wie sich herausstellt keine so schlechte Wahl. Auf sambischer Seite durchforsten wir auf der Suche nach einem Beamten sämtliche Räume und nachdem wir 2 dieser Spezies aus dem Mittagsschläfchen reißen konnten, erhalten wir problemlos alle begehrten Stempel und können auf die andere Seite wechseln. Dort befindet sich bereits ein imposantes Gebäude, indem man alle Behörden im Halbkreis aufgebaut hat.

Die Jungs scheinen sich schon Tage zu langweilen, denn mit enthusiastischem Arbeitseifer stürzen sie sich auf sämtliche Dokumente, deren sie habhaft werden können. Die Pässe verschwinden bei der Immigration, das Carnet beim Zoll, nur der Mensch für die Roadtax (Straßengebühr) geht leer aus. Hey, was ist hier denn los? Sind in Mosambik alle arbeitswütig? Der Eindruck hält leider nicht lange an, der Mensch von der Einwanderungsbehörde zeigt erste Schwächeanfälle, da ihn das mehrfache, erfolglose Durchblättern unserer Pässe ziemlich beansprucht hat. Am Ende seiner Kräfte kann er uns gerade noch die Frage nach unserem Visum dahinhauchen bevor er sich erschöpft in einen Stuhl fallen lässt. Fröhlich erkläre ich ihm, dass wir keines haben, aber dieses ja seit einiger Zeit an allen Grenzübergängen direkt ausgestellt würde.

Der Blick, den ich dafür ernte, spricht Bände, aber Gesetz ist Gesetz, gell? Der Beamte hat keine Wahl, er murmelt also was von je 1 Passbild, je 25$US Visumgebühr und einer Gebühr von 10$US. Wie jetzt Gebühr und warum in Dollar? Das ist nun endgültig alles zuviel für den Guten, er nimmt unseren ganzen Krempel an sich und verschwindet nach hinten. Anscheinend legt er sich dort zunächst mal aufs Ohr, denn wir warten eine geschlagene halbe Stunde bevor er wieder auftaucht. Na jedenfalls ist es ihm gelungen, die Visa einzukleben und eine Quittung auszustellen und siehe da, die Gebühren sind von 10$US auf 90 Meticais, was ungefähr 3.50$US entspricht, gefallen.

Während des Wartens haben wir bereits die fälligen 125$US Roadtax bezahlt, höchstpersönlich unser Carnet abgestempelt und die Frage nach der nötigen Haftpflichtversicherung für Monster abgewendet, denn irgendwo muss man schließlich auch mal sparen. Aus diesem Grunde kommt unsere gute, alte, deutsche, grüne Versicherungskarte in den Einsatz, flugs noch mit einigen netten Stempeln unsererseits versehen und wieder einmal wirkt das Wort „International“ Wunder. Puh, das wäre also vollbracht.

Über eine EU-finanzierte Asphaltstraße fahren wir zügig durch hügeliges Gelände, denn nur wenige Dörfer liegen in dieser bewaldeten Bergregion und auch der Verkehr ist nur mäßig.

Die einzig größere Ortschaft ist Mandje, hier gibt es immerhin einen Kiosk und eine Bar, bevor uns am späten Nachmittag in Tete das volle Leben trifft. Der gesamt Verkehr scheint sich vor der Sambesi Brücke zu tummeln und so bleibt ein Stau nicht aus. Wir haben Glück und kommen nur kurz in dieses Vergnügen, denn wir haben uns für die Nacht den Campingplatz „Jesus e bom“, ein von der Reformationskirche unterhaltener kleiner Platz am nördlichen Sambesiufer, auserkoren.

Dort angekommen, werden wir zwar sehr freundlich begrüßt, aber der Platz macht einen recht desolaten Eindruck. O.K. für eine Nacht soll es uns egal sein, dafür haben wir von unserem Stellplatz aus einen tollen Blick auf Tete, denken wir bis zu dem Moment, in dem wir erfahren, dass wir pro Person 10$US für die Nacht bezahlen sollen. Sind die von allen guten Geistern verlassen hier? Wir regen uns fürchterlich auf, fordern eine Quittung ein, die natürlich niemand ausstellen will, und haben am Ende doch keine große Wahl, denn im Dunkeln durch Tete zu fahren, ist auch nicht sehr prickelnd. So ist es halt manchmal im Leben, wie gewonnen, so zerronnen…

Zu allem Überfluss meint auch noch ein Nachbar, er müsse seine Mitbürger die ganze Nacht mit Musik unterhalten und dementsprechend ist dann unsere Laune am nächsten Morgen. Nochmals drücken wir dem Campingverwalter unser Missfallen aus und da erst stellt sich heraus, dass der Platz gar nicht mehr zur Kirche gehört, sondern an einen Südafrikaner vermietet ist, der nun anscheinend schnell reich werden möchte. Ob das der richtige Weg ist?

Unser Weg führt uns jedenfalls erst einmal zum Geldwechseln und damit mal wieder zu den Schwarzhändlern. Diese Sorte scheint sich auf der ganzen Welt ähnlich zu sein, denn genauso wie diese uns als potenzielle Kunden erkennen, erkennen wir die Bande auch schon von weitem.

Unter einer Brücke, verborgen vor den Augen des Gesetzes, findet das Geschäft statt wobei wir heute noch mehr Vorsicht walten lassen. Wie üblich zunächst zähe Verhandlungen um den Kurs, dann Übergabe der Meticais durch Juppis Seitenfenster, das jedoch nur einen kleinen Spalt geöffnet ist. Damit der Junge draußen jetzt nicht allzu nervös wird, haben wir die Dollar gut sichtbar, jedoch für ihn unerreichbar, aufs Armaturenbrett gelegt und zählen und sichten nun die Meticais. Dass am Ende 200 Mts fehlen, verwundert uns keinen Moment und auch der Schwarzhändler scheint nicht sonderlich davon beeindruckt, denn nach nur kurzem Gezeter rückt er die fehlenden Scheine heraus und erhält im Gegenzug unsere Dollar. Uff, das wäre geschafft, nun kann die Fahrt endlich losgehen.

Vorüber am quirligen Ziegenmarkt der den Ortsausgang markiert, gelangen wir rasch in eine typische afrikanische Landschaft. Traditionelle Rundhütten stehen zwischen riesigen, knorrigen Baobabs, diese urtümlichen Flaschenbäume, und immer wieder tauchen sog. „balancing rocks“ auf. Das sind riesige, scheinbar balancierende Granitblöcke, die ausschauen, als hätte ein Riese sie aufeinander geschichtet. Es macht Spaß durch Mosambik zu fahren, die Menschen sind unglaublich freundlich, winken und freuen sich anscheinend uns zu sehen.

Trotz der ganzen Armut haben die Menschen hier eine Lebensfreude und es tut gut, zu sehen, wie oft und gerne sie lachen. Da sollte sich so mancher in Deutschland ein Beispiel dran nehmen und öfter mal darüber nachdenken, wie gut es uns eigentlich geht.

Auf unserem stetigen Weg zur Küste verbringen wir eine Nacht in Catandica auf einer von Schweizern betriebenen Farm, Sol del Luna, und erhalten ein klein wenig Hintergrundwissen in Bezug auf den Umgang mit Angestellten und Arbeitern. Tatsächlich scheint es so zu sein, dass man seinen Arbeitern immer wieder alles neu erklären und sagen muss. Es ist nicht selbstverständlich, dass jeden Morgen die Felder bewässert werden, nein, es gibt Tage, da wird das Bewässern schlichtweg vergessen. Nicht etwa aus Bösartigkeit, nein, es scheint einfach zur schwarzen Mentalität zu gehören. Geht etwa eine Haushaltshilfe für einige Tage in Urlaub, muss sie bei ihrer Rückkehr unter Umständen komplett neu angelernt werden, weil sie die einfachsten Dinge wieder vergessen hat. Unvorstellbar für uns, tia = this is Africa!

In Chimoio quartieren wir uns im Motel Milpark ein, wo man uns gestattet neben dem Poolbereich zu campieren. Es ist heiß, 36° im Schatten, und somit freuen wir uns, als man uns eine Stromverbindung anbietet. Leider rasen auf dem weitläufigen Gelände die Söhne des Besitzers mit ihren Quads herum, scheinbar eine echte Landplage, und es dauert eine ganze Weile bis wir unser Stromkabel sicher über Bäume und Monsterdach verlegt haben.

Erwartungsvoll schalten wir unsere Klimaanlage ein, deren Kompressor auch kurz anspringt, aber dann seine Tätigkeit wieder einstellt. Was ist das denn nun? Nicht genug Strom? Dem ist leider nicht so, wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass unsere Klima ein weiteres Mal sein Leben ausgehaucht hat. Ob der Kompressor einfach nur zu wenig Flüssigkeit hat oder ob es sich um etwas anderes handelt, spielt dabei letztlich auch keine Rolle mehr. Wie zum Hohn rotten sich inzwischen draußen zahlreiche Wolken zusammen, es kommt Wind und Regen auf, die Temperatur stürzt in den Keller und wo wir gerade noch geschwitzt haben, beginnen wir nun uns immer mehr Klamotten anzuziehen, es sind nur noch 14° Grad!

Inhassoro, der nördlichste der touristischen Strände vor Beira, ist ein kleiner Ort und der große Campingplatz menschenleer. Außer uns befindet sich nur noch eine Familie aus Südafrika hier, die täglich mit ihrem kleinen Boot hinaus zum Fischen fährt und auch uns mit ihrem frischen Fang versorgt. Am nächsten Tag werden wir sogar zu einem Schnorchelausflug nach Santa Carolina eingeladen, den wir herzlich gerne angenommen hätten, doch leider plagen mich seit dem frühen Morgen merkwürdige Bauchschmerzen, die im Laufe des Tages in heftige Bauchkrämpfe ausarten. Kein Mensch weiß, was soll es bedeuten und nach 2 Tagen ist der ganze Spuk gottlob vorüber.

Wir siedeln um nach Vilanculo, ein kleines Städtchen ohne Besonderheiten wie uns erscheint. Nur wenige Straßen durchziehen das Zentrum, die meisten Wege jedoch sind einfache Sandpisten. Wir tun uns schwer mit der Wahl unserer Unterkunft, der bekannte Backpacker-Platz, das Baobab Beach Camp sagt uns nicht zu und so düsen wir kreuz und quer durch den Ort. Wenigstens können wir dabei unsere Einkäufe schon erledigen. Sobald wir jedoch an einen Gemüsestand herantreten, versucht ein vermeintlicher Helfer mit mehr oder weniger guten Englischkenntnissen das Geschäft an sich zu reißen. Sinn und Zweck dieser Übung ist natürlich auf irgendeine Art und Weise an Geld zu kommen, sei es von uns einen überteuerten Preis zu verlangen oder falls das nicht gelingt, dann eben anschließend vom Verkäufer eine Provision einzufordern.

An einem Fischstand sind die Jungs besonders dreist, es wird eine Menge Chaos verursacht, ein völlig überzogener Preis verlangt und am Ende wollen sie uns auch noch beim Gewicht über den Tisch ziehen. Jeder kennt diese Federwaagen, an die unten das Wiegegut angehängt wird, oben muss man festhalten und auf einer Skala kann man dann das Gewicht ablesen. Bisher haben wir immer geglaubt, diese müssten automatisch auch das richtige anzeigen, in Mosambik ticken diese Waagen jedoch anders. Wir wissen nicht, wie sie manipuliert sind, aber das sie es sind, steht außer Frage, es sei denn der Sinn für 1 Kilogramm und unser gesunder Menschenverstand hätten uns komplett verlassen. Das schlimme an dieser Geschichte ist, dass auf diese Art und Weise nicht nur die wenigen Touristen übers Ohr gehauen werden, sondern auch die einheimische Bevölkerung, der es nun wahrlich nicht besonders gut geht.

Wir ziehen ohne Fisch von dannen und finden schließlich im Garten der Pension „Josef + Tina“ ein nettes Plätzchen. Leider setzen uns dort die Moskitos bereits am Nachmittag zu, vom Abend ganz zu schweigen und so ist es nicht verwunderlich, dass wir am nächsten Morgen unsere Zelte abbrechen und weiterziehen nach Morrungulo. Unterwegs fühlen wir uns endlich mal wieder mitten in Afrika, die Ortschaften, die wir durchqueren muten andere wie große, bunte Märkte und einfach alles, was man sich vorstellen kann, wird am Straßenrand feilgeboten. Der eine handelt mit Tomaten, der andere mit Zahnpasta, dazwischen Fahrradpedale oder Gürtelschnallen, Plastiktöpfe, Mausefallen, ein unglaublich bunt gemischtes Sortiment und ich glaube, mit ein bisschen suchen, findet man einfach alles. Dazwischen reihen sich etliche „Restaurants“ aneinander, die jeweils aus einem Plastiktisch und vier kleinen Stühlchen bestehen und es wird gekocht, was das Zeug hält. Auf den Holz- oder manchmal auch Holzkohlefeuern brodelt wer weiß was in großen Alutöpfen, begleitet von ohrenbetäubender Musik aus völlig übersteuerten Lautsprechern. Herrlich, tia = this is Africa!

Morrungulo ist eigentlich nicht viel mehr als ein breiter, sandiger Strand und im Palmenhain vom Beach Resort fühlen wir uns endlich rundum wohl. Leider nicht sehr lange, denn dann rafft es plötzlich Jupp dahin. Durchfall wie Wasser, zeitweise Fieber und allgemeines Schlappsein führen zu Überlegungen, ob es sich evt. um Malaria handeln könnte und da wir gar kein Risiko eingehen wollen, kommt sogleich der Schnelltest auf den Tisch.
An und für sich eine einfache Geschichte. Auf einen Teststreifen muss an eine bestimmte Stelle ein Tropfen Blut und an einer anderen Stelle eine beigefügte Flüssigkeit aufgebracht werden, nur wie kommen wir nun an diesen Tropfen Blut? Dem Test beigelegt ist auch ein steriles Stechinstrument, aber dieses gelangt ja nun mal nicht von alleine in Juppis Finger. Ich fasse mir ein Herz, nehme seine Hand in den Würgegriff, schließe die Augen und steche beherzt zu, was sofort mit einem lauten Schrei kommentiert wird. Ja, wer ist denn nun hier der Held? Die Klärung dieser Frage legen wir vorerst auf Eis, der Test ist schließlich vorrangig und alles Weitere klappt dann auch wie am Schnürchen. Bereits nach wenigen Minuten liegt das negative Ergebnis vor…Jupp muss ein Simulant sein…was ihn aber nicht davon abhält, weitere 2 Tage das Bett zu hüten.

Nachdem wir nun alle unsere Wehwehchen auskuriert haben, fühlen wir uns endlich in der Lage mal wieder den Kopf unter Wasser zu stecken. Praktischerweise haben wir es nicht weit bis zu einer Tauchschule, in der wir auch sehr nett begrüßt werden, aber eben nur begrüßt, denn mit Tauchen scheinen sie es hier nicht so zu haben.
Am 1. Tag ist es zu spät (früher Vormittag), am 2. Tag das Boot mit 4 (!)Tauchern angeblich schon voll, am 3. und am 4. Tag ist es zu windig und am 5. Tag haben wir die Nase voll und reisen ab.

Nächster Versuch in Tofo, das uns aber insgesamt nicht gefällt und unser Übernachtungsplatz im Bamboozi Backpackers schon gar nicht, wir reisen ab. Nächster Versuch in Ponta da Barra, Lighthouse 4x4 Camping. Der Campingplatz ist leer, der Besitzer ist gerade auch nicht da, aber wird von seinen Leuten gerne angerufen, damit wir über den Übernachtungspreis verhandeln können. Ich traue meinen Ohren kaum, als der gute mir erzählt, wir sollen 15$US pro Person pro Nacht bezahlen. Alle Verhandlungen sind zwecklos, er müsse schließlich seine Leute das ganze Jahr bezahlen und dann müsse er diesen Preis haben. Wovon er seine Leute wohl jetzt bezahlt, wo wir seine gastliche Stätte verlassen? Wir reisen ab, nächster Versuch im Coconut Bay Resort, das sehr einsam in den Dünen unterhalb von Tofo liegt, dafür aber direkt vor dem berühmten Manta Reef und hier nun finden wir endlich eine Bleibe für die nächsten 6 Tage. Lange Strandspaziergänge, Tauchen, Angeln, kurzum wir machen Urlaub…
und kehren Mosambik anschließend den Rücken. Das Wetter wird schlecht, Maputo übt keinerlei Reiz auf uns aus und Afrika ist schließlich noch groß.