Lesotho: Dezember 2011

Am Sonntagmorgen wachen wir bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein auf, endlich steht einer Befahrung des Sani-Passes nichts mehr im Wege.

Die Fahrt dort hinauf ist ein Trip auf das Dach Südafrikas, denn mit 2865 m ist er der höchste Pass des Landes. Eigentlich beginnt die Fahrt recht unspektakulär, es ist zwar ein bisschen kurvig, aber bis zum südafrikanischen Grenzübergang kein besonderes Erlebnis. In Monsters Führerhaus fallen solche Ausdrücke wie: „Kindergeburtstag, wieso sollte man hier ängstlich sein, kann doch jeder fahren“, doch kaum ausgesprochen, rächt sich unser Hochmut. Die Piste ändert sich dramatisch, die Haarnadelkurven winden sich immer enger, der Schotter wandelt sich in loses Geröll und wird zunehmend steiler. Monster rumpelt im kleinsten Gang über die Felsbrocken und wir fürchten, sollten wir ins Rutschen geraten, gibt es kein Halten mehr. Als wir in einer besonders engen Kurve nochmals zurücksetzen müssen, schießt das Adrenalin bis in die Haarspitzen und die Nerven sind zum Zerreißen angespannt. Jetzt nur keinen Fehler machen, sonst war das unser letzter.

Zu allem Überfluss wird Monster am Ende auch noch bockig, denn plötzlich vernehmen wir ein undefinierbares lautes Krachen, das uns zutiefst erschreckt. Was war das denn? An Anhalten ist hier und jetzt überhaupt nicht zu denken und Monster bewegt sich noch, also kriechen wir weiter den Berg hinauf. Das Krachen versetzt uns noch dreimal in leichte Panik ohne dass wir den Grund dafür kennen, aber allen Widrigkeiten zum Trotz erreichen wir den Gipfel.

Oben angekommen, fühlen wir uns um 100 Jahre zurückversetzt. Die Menschen leben in Rundhütten aus Stein und sind in traditionelle Basotho-Decken gehüllt, ein unglaublicher Kontrast zu Südafrika. In der Hütte der Grenzer qualmt ein Kohleofen und die Zöllner vertreiben sich die Zeit beim Kartenspielen. Das Visum wird kostenlos ausgestellt, jedoch müssen wir eine Art Mautgebühr in Höhe von 6,90 € bezahlen.
Wir fragen beim Sani Top Chalets, ob wir für die Nacht dort parken dürfen und melden uns gleichzeitig zum Abendessen an. Irgendwie erinnert mich die Atmosphäre an eine altmodische Ski Hütte und es gibt selbst Glühwein im Ausschank, bei nächtlichen Temperaturen um die 6° Grad keine schlechte Wahl.

Wir durchqueren Lesotho von Ost nach West, befahren dabei überwiegend Schotterstraßen und fühlen uns außerordentlich wohl.

Natur pur, in jede Richtung und soweit das Auge reicht, nichts als Berge. Die Dörfer, die wir passieren, sind alle sehr ordentlich und sauber, Müll sehen wir nirgends herumliegen und überall bewirtschaftet man die Felder. Übrigens eine sehr mühevolle Arbeit, denn hier sieht man noch den Ochsenpflug im Einsatz.

Die Menschen sind alle sehr nett, aber ein bisschen neugierig und die Kinder halten leider sehr fordernd die Hand auf. Die Strecke über den Sani Pass, den Mokhoabong Pass, den Cheche Pass und den Blue Mountain Pass ist sicher eines unserer Highlights in Afrika.

In Thaba-Tseka beginnt die Asphaltstraße und dort tummeln sich zahlreiche Polizisten, die bei unserem Anblick in rege Betriebsamkeit ausbrechen. Selbstverständlich müssen wir gestoppt werden und selbstverständlich kommt der Beamte zum Fenster auf meiner Seite. Ich kurbele brav die Scheibe herunter, grüße freundlich, verweigere jedoch die Herausgabe meines Führerscheins. Ungläubiges Staunen im Gesicht des Polizisten und es folgt ein kurzer Disput. „ Gib mir deinen Führerschein“, „Nein, ich bin nicht der Fahrer“, „Ja, aber Du fährst doch jetzt“, „Nein, ich bin nicht der Fahrer“, „Doch, bist Du wohl“, „Nein, bin ich nicht, ich habe gar kein Lenkrad“, begleitet wird meine Aussage von heftigen Lenkbewegungen mit meinen Armen. Nochmals ungläubiges Staunen und erst als er alle seine Kollegen fröhlich grinsen sieht, fällt endlich der Groschen und er wechselt auf Jupps Seite.

Kurz vor der Hauptstadt Maseru biegen wir in Richtung Süden ab, wir wollen nach Malealea. Kurz vor dem kleinen Ort liegt der Gates of Paradise Pass, an dem ein Schild verkündet: Wanderer halte ein und wirf einen Blick auf die Pforte zum Paradies, und wirklich die Aussicht auf die Bergwelt, die man nach der Überquerung genießt, ist atemberaubend. Wir lassen uns in der Malealea Lodge nieder, die das Herz der kleinen Ortschaft bildet und fühlen uns auf dem Campground pudelwohl.

Mick, der Besitzer, ist ein freundlicher Mensch, der uns mit allen möglichen Infos versorgt und am Abend tritt der örtliche Chor in der Lodge auf. Einen ganzen Tag lang zerbrechen wir uns den Kopf, welche Krankheit Monster befallen hat und kommen zu dem Schluss, dass das Allradgetriebe irgendeinen Schaden genommen hat. Leider können wir hier und jetzt keine Lösung finden und so wollen wir uns mal wieder die Beine vertreten und zu einem schönen Ziel zählt der Botso’ela Wasserfall. Dieser soll mit einer einfachen Wanderung innerhalb von 4 Stunden hin und zurück zu erreichen sein und so machen wir uns in Begleitung eines Südafrikaners und seiner amerikanischen Frau auf den Weg. Es gibt viel zu erzählen und so ist das 1. Stück des Weges schnell zurückgelegt.

Im Dorf Malealea gesellen sich einige Kinder zu uns, die uns bereitwillig den Weg zeigen und mitlaufen.

Es geht über Stock und Stein, etliche Flüsse sind zu durchqueren und am Ende sind wir 6 Stunden unterwegs und 12 km gelaufen. Soviel zum Thema, it’s a nice and easy 4 hours walk. Wider Erwarten haben wir am nächsten Tag keinen Muskelkater, bleiben aber trotzdem gerne noch einen Tag in der Lodge bevor wir am Samstag wieder in Richtung Südafrika aufbrechen.