Botswana: Januar 2012

Bestens informiert, so glauben wir zumindest, nähern wir uns dem ersten vermeintlichen Fleischkontrollpunkt direkt an der Grenze. Der Kühlschrank ist von Fleisch- und Wurstwaren befreit, das ganze Zeug ruht nun im Gefrierbeutel im Bett und somit sehen wir den Kontrolleuren ganz entspannt entgegen. Was wir allerdings nicht wissen, ist, dass hier an der Grenze auch die Gemüse- und Obsteinfuhr verboten ist. Hm, da hilft nur wie so oft die reine Dreistigkeit, frech behaupten wir keine Waren an Bord zu haben und weigern uns, den Beamten Monsters Innenleben betreten zu lassen. Durch die hochgeklappte Leiter darf er hinein schauen, aber unser Haus oder gar Schlafzimmer zu durchsuchen, nein, das geht ja wohl gar nicht. Der Beamte zeigt sich einsichtig, schließlich wollen wir ja auch nicht sein Haus inspizieren.

Auf dem Weg nach Francistown passieren wir noch 2 solche Kontrollen, aber da wir von Süd nach Nord unterwegs sind, werden die Fleischwaren nicht beanstandet. Dieses Mal sind unsere Schuhe die begehrten Objekte der Kontrolleure. Jupp und ich müssen aussteigen und auf einem durchgeweichten Putzlappen unsere Schuhe abtreten, angeblich damit wir keine Seuchen verbreiten. Wir können uns ein Grinsen kaum verkneifen, befolgen aber brav die Prozedur und sind entlassen. Dass der gemeine Europäer vielleicht mehr als 1 Paar Schuhe besitzt, scheint außerhalb der Vorstellungskraft der Beamten zu liegen.

Monster kommt ebenfalls nicht ungeschoren davon, auch er bzw. seine Reifen müssen desinfiziert werden. Von Francistown sehen wir nicht allzu viel, wir besuchen lediglich die verschiedenen Einkaufszentren, denn wie üblich können wir nicht alle begehrten Waren an einem Platz finden. Wir lassen uns in dem schönen Garten des „The Marang“ Hotels nieder und feiern Detlefs 50ten bei einem ausgezeichneten Abendessen.

Bereits am nächsten Morgen müssen wir weiter, denn die nächsten 3 Wochen haben wir ein strammes Programm zu absolvieren, damit unser Besuch seinen Flieger in die Heimat pünktlich erwischt. Die 300 km lange, ziemlich eintönige und einsame Strecke von Nata nach Kasane wird einzig durch weitere Lebensmittelkontrollen belebt.

 Das Elephant Sands Camp erreichen wir quasi einen Tag zu spät und das nicht nur, weil wir Chantel und Ton um ein paar Stunden verpassen, sondern weil sich am Wasserloch des Camps 2 Tage zuvor dramatische Szenen abgespielt haben. Stundenlang hat dort ein Kampf zwischen einem Wildhund und einem Kudu stattgefunden, bei dem der Kudu sein Leben verlor und noch 24 Stunden später labte sich ein ganzes Wildhundrudel an seinem Kadaver. Glück braucht der Mensch und wir haben mal wieder keins, denn wir können lediglich 2 Elefanten im Camp bestaunen.

Am nächsten Tag steht der nächste Grenzübergang an, bei Pandamatenga wollen wir nach Simbabwe einreisen. Auf botswanischer Seite begrüßen uns drei überaus freundliche Ladies, es wird gescherzt und gelacht und die Dame von der Einwanderungsbehörde stempelt selbst unser Carnet ab, obwohl hierfür eigentlich der Zoll zuständig ist. Kaum haben wir den 1. Schlagbaum passiert, ist Schluss mit Asphalt und auf einer zünftigen Schotterpiste geht es weiter zum nächsten.

Dieses Mal sind gleich vier Herren am Start, die sich derart langweilen, dass sie sich alle gleichzeitig auf unsere Pässe stürzen. Sie erzählen uns, dass an guten Tagen maximal 4 Personen die Grenze überqueren, gestern war niemand dort und heute sind wir die Einzigen. Auch hier ist jedermann sehr freundlich, nur leider ist die ganze Geschichte ein wenig teuer. Zunächst berappen wir 30$ US pro Person für das Visum und darüber hinaus fallen noch die Gebühren für Monster an. Wir müssen eine Haftpflichtversicherung abschließen, eine Straßengebühr und eine Abgassteuer bezahlen, so dass wir am Ende um 70$US ärmer sind. Puh, kein günstiges Vergnügen hier.

Weiter geht die Fahrt über eine schmale Lehmpiste, eigentlich eine landschaftlich reizvolle Strecke, nur beginnt es zu unserem Leidwesen wie aus Kübeln zu regnen. Innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich die Fahrt in eine Schlammschlacht und gibt uns schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf die Routen im Kongo. 

Die zentrale Lage des Victoria Falls Rest Camp mitten im Ort gibt den Ausschlag für seine Wahl und von dort können wir auch zu Fuß zum Rainforest Nationalpark mit seinen berühmten Viktoriafällen. Natürlich haben wir nicht die optimale Reisezeit für einen Besuch der Fälle, aber der Ausblick vom Cataract Aussichtspunkt ist dennoch spektakulär.

Innerhalb von Minuten sind wir von der tosenden, feuchten Gischt pitschenass, was uns aber nicht davon abhält den Rundweg zu absolvieren.

Man glaubt es kaum, Samstagmorgen passieren wir schon wieder eine Grenze, wir kehren nach Botswana zurück. Die gleiche Prozedur wie beim 1. Mal, Fleisch und Gemüse tummeln sich in unserem Bett und Monster samt Besatzung wird mal wieder desinfiziert. Langsam müssen wir schon richtig steril sein!

Heute fahren wir nur wenige Kilometer, denn wir wollen ins Senyati Safari Camp, von dem der Reiseführer schreibt, wer hier nächtigt, der braucht keine Pirschfahrten mehr zu unternehmen. Viel Ruhe und vor allem echte Wildnis mit einem Wasserloch, das Elefanten, Büffel, Löwen und Hyänen besuchen. Ihr ahnt es bereits, oder? Genau, obwohl wir die halbe Nacht auf Beobachtungsposten sitzen, sehen wir mal wieder nur Elefanten. Es ist zum Haare raufen, vermutlich sind an uns doch Ornithologen verloren gegangen.

Der berühmte Chobe Nationalpark, das drittgrößte Wildschutzgebiet des Landes, liegt nun direkt vor uns. Von der Chobe Safari Lodge aus, unternehmen wir einen Bootsausflug in den Park. 3 Stunden schippern wir auf dem Fluss und sehen ausnahmsweise mal nicht nur Elefanten, sondern auch zahlreiche Hippos und Büffel. Damit findet auch der nächste Abstecher nach Botswana ein Ende, denn wir wollen nun weiter in den Caprivi-Streifen nach Namibia. Dazu befahren wir die gut ausgebaute Transit-Asphaltstraße zwischen Sedudu Gate und Ngoma Gate, dürfen jedoch keinesfalls von der Straße abweichen und müssen uns sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausfahrt in Kontrolllisten eintragen.

Wenige Meter weiter passieren wir bereits die nächste Grenze, die völlig problemlos ist. Wir wundern uns zwar ein wenig, dass wir bei der Einreise keine Roadtax (Straßengebühr) bezahlen müssen, aber vorsichtshalber sprechen wir mal nicht darüber.

Der 1. größere Ort ist Katima Mulio, den wir zum Geldwechseln und Einkaufen nutzen. Von dort haben wir es nicht mehr weit bis zum ausgewählten Übernachtungsplatz im Nambwa Camp direkt am Kwando Fluss. Kurz bevor wir die Asphaltstraße verlassen wollen, fängt uns nochmals eine Lebensmittelkontrolle ein, dieses Mal eine der übelsten Sorte. Die Damen dort sind nicht nur so unglaublich fett, dass ich mich frage, wie sie überhaupt in Monster hineinkommen sollen, sie sind auch noch unglaublich frech. Wir spielen unser übliches Spiel, müssen uns aber am Ende geschlagen geben und zumindest eine der Ladies ins Auto lassen. Glaubt jetzt nur nicht, wir hätten es ihr leicht gemacht und einfach die Türe geöffnet und die Leiter heruntergelassen. Oh nein, nicht mit uns! Wer Beute machen will, muss leiden und so muss dieses unbewegliche Murmel sich über den Beifahrersitz in den Durchgang zwängen. Eigentlich schade, dass sie dort nicht stecken geblieben ist. Die Kühlschrankkontrolle verläuft ganz in unserem Sinne, und etwas übermütig geworden, kann ich mir beim Aussteigen der Kontrolleurin eine fiese Bemerkung nicht verkneifen. Für die Frage, ob sie die konfiszierten Lebensmittel denn eigentlich alle selbst auf isst, ernte ich einen fast tödlichen Blick und wir suchen schleunigst das Weite.

Die Zufahrt zum Nambwa Camp ist alles andere als einfach, tiefsandige Spuren führen durch enges Buschwerk und wir sind recht froh, dass wir unbeschadet in dem idyllischen Camp ankommen. Am frühen Morgen, während die restliche Bande noch selig schlummert, bin ich schon auf den Beinen und staune nicht schlecht, dass ein Pavian mitten auf unserem Tisch sitzt und in aller Gemütsruhe unsere zurückgelassenen Gläser ausschleckt. Anscheinend finden nicht nur wir, dass Amarula, ein aus Marulafrüchten hergestellter Likör, ein geiles Zeug ist. Auf den Affen jedenfalls scheint es eine unangenehme Nebenwirkung zu haben, denn dieser flüchtet samt Glas auf einen Baum, beäugt mich missmutig von oben und wirft mir dann doch tatsächlich das Glas an den Kopf. Ich sag’s ja, oh Alkohol, oh Alkohol…

Nach einem Kurztreffen mit Chantel und Ton in der Nunda Lodge nahe den Popa Falls kehren wir nach Botswana zurück und statten dem Weltkulturerbe Tsodilo Hills einen Besuch ab. Mystische Inselberge, tausende Felszeichnungen und rätselhafte Entdeckungen inmitten der Buschsavanne haben die Hills berühmt gemacht. Der Rhino Trail, ein Wanderweg, den wir mit einem Führer begehen müssen, führt zu den schönsten Felsbildstätten. Leider ist die Englischversion unseres Führers irgendwie mit unserer nicht so recht kompatibel und so kommt es schon mal zu leichten Verständigungsschwierigkeiten.

Bei einer Felszeichnung zeigt er auf ein ovales Zeichen, das kreuz und quer mit Linien bedeckt ist und sagt dazu: “Totus“. Häh? Totus? Was ist das denn? Wir schauen uns an und rätseln: „Totus? Das haben wir ja noch nie gehört!“ Unser Führer bleibt hart, immer wieder zeigt er auf das Zeichen und sagt: „Totus!“ OK, hier in Botswana muss es ein, uns unbekanntes Tier namens Totus geben, und gehen zunächst mal weiter, hinab ins „Tal der tanzenden Penisse“.

Auf der 2-stündigen Wanderung treffen wir noch etliche Male auf verschiedene Arten der Totus-Spezies und erst ganz zum Schluss findet sich des Rätsels Lösung. Es handelt sich keineswegs um eine seltene, botswanische Lebensform, sondern schlicht und ergreifend um eine Schildkröte. Mit ein wenig Phantasie und gutem Willen, wird ganz schnell aus einem „Totus“ ein „Turtles“. Is klar, oder?

Der mächtige Strom Okavango mit seinem einzigartigen Binnendelta ist weltberühmt und ein Highlight jedes Touristen, so ist es nicht verwunderlich, dass auch wir uns in die lange Schlange einreihen. Ausgangspunkt für jegliche Aktivitäten in der Gegend ist Maun, ehemals ein verschlafenes Nest, heute jedoch die Touristenhochburg schlechthin. Es gibt alles was das Herz begehrt, selbst Shoppingcenter und natürlich sämtliche Supermarktketten.

Wir entschließen uns zu einem Rundflug über das Delta, da wir uns erhoffen, auf diese Art und Weise einen guten Eindruck von diesem weit verzweigten Wassernetz zu bekommen. Mit dem Wetter haben wir einigermaßen Glück, der Himmel ist zwar ziemlich bewölkt, aber es regnet nicht und mit dem Flieger bleiben wir unter den Wolken. 

2 Stunden kreisen wir über dem Gebiet bevor wir Richtung Maun zurückkehren wollen, doch oh Schreck, direkt vor uns tobt ein Gewitter und der Pilot sieht keine Chance dieses zu umfliegen.

Was folgt ist eine Buschlandung und ich fühle mich zurückversetzt in die Zeiten von Daktari und seinem Löwen Clarence. Irgendwie sah diese ganze Geschichte im Fernsehen deutlich cooler aus, wir springen und holpern jedenfalls von Stein zu Stein und alle Beteiligten machen einen erleichterten Eindruck als unser Flieger zum Stehen kommt. Uff, das wäre geschafft und nun? Nix ist mit nun, ganz unspektakulär warten wir auf besseres Wetter und bereits 1 Stunde später starten wir erneut, dieses Mal in Richtung Maun.

Ein weiteres Highlight müssen wir ebenfalls links liegen lassen. Die Makgadikgadi Pans sind mit einer Größe, die der Fläche Belgiens entspricht, die größten Salzpfannen der Welt, nur leider nach Regenfällen unbefahrbar. Somit wenden wir uns den letzten Nashörnern Botswanas zu. Diese leben im Khama Rhino Sanctuary, einem 4300 ha großen Schutzreservat. Für die letzten beiden Tage unserer Besucher richten wir uns häuslich auf einer der großen Campingstellflächen ein und machen uns am Morgen auf die Suche nach einem der verbliebenen 37 Nashörner. Am Ende meint der liebe Gott es doch noch mal gut mit uns und beschert uns dieses Mal nicht nur Vögel, sondern tatsächlich 3 Nashörner. Sehr zufrieden kehren wir ins Camp zurück, nicht ahnend, was uns am Abend noch bevor steht.

Wir treffen gerade die 1. Vorkehrungen für das Abendessen, als es Andrea die Sprache verschlägt und sie nur noch stotternd hervorbringt: „ Da steht 1 Nashorn!“ Zunächst sind alle wie vom Donner gerührt und fast ist es schon zu spät bis die Kameras aktiviert sind.

Mit diesen Bildern im Kopf gehen die Urlaubswochen zu Ende und wir kehren nach Südafrika zurück.