Uganda: Februar 2011

Auf der ugandischen Seite des Schlagbaums geraten wir in wüste Bauarbeiten, die ehemalige Straße ist nur noch eine Ansammlung von Baggerlöchern, zwischen denen wir etwas orientierungslos herumkurven.

Erst nach einiger Zeit entdecken wir eine kleine Hütte, in der wir die Zollbehörde zwar vermuten, aber leider nicht finden können. Nach einigem Hin und Her verweist man uns an eine andere kleine Hütte, in der man uns einen Zettel ausstellt, mit dem wir zur 1. Hütte zurückkehren müssen. Jetzt bekommen wir dort gegen Zahlung von 50,00 $US pro Person den begehrten Stempel in den Pass und dürfen uns auf die Suche nach der Einfuhrbehörde für Monster machen. Diese befindet sich in einem feudalen Gebäude auf der anderen Seite und nach einem kurzen Querfeldeinmarsch durch die Baustelle, werden wir dort herzlich begrüßt.

Der Beamte ist äußerst freundlich und höflich, knöpft uns aber nichtsdestotrotz 20,00 $US für die Roadtax, eine Art Straßenbenutzungsgebühr ab. Anschließend versorgt er uns mit einigen nützlichen Tipps zur Erkundung seines Landes und rät uns dringend von einem Besuch Kampalas an diesem Wochenende ab, denn dann finden die Wahlen statt und man rechnet mit einigen Unruhen.

Bereits auf den ersten Kilometern bemerken wir eine Vielzahl von Straßenverkäufern, die ein sehr gutes Gemüseangebot anpreisen. Immer wieder gibt es kleine Marktstände und sobald wir dort auch nur andeutungsweise stoppen, rennen die Verkäufer samt Ware auf uns zu und recken uns diese durch die Fenster entgegen.

Wir verbringen einige relaxte Tage am malerischen See Bunyoni, der im Bergland zwischen Kisoro und Kabale liegt, bevor wir den Queen Elisabeth N.P. ansteuern. Dieser Nationalpark befindet sich in Westuganda, direkt an der Landesgrenze zur DR Kongo. Das Schöne an diesem Park ist, dass die Straße von Ishaka nach Katunguru mitten durch den Park führt und sich die Tiere natürlich an keinerlei Grenzen halten. Folglich sehen wir auf der Durchreise jede Menge Elefanten, Giraffen, Springböcke und am Lake Edward selbst einige Hippos und das ohne irgendwelche Eintrittsgebühren gezahlt zu haben. Auf der Weiterfahrt nach Fort Portal überqueren wir wieder einmal den Äquator, dieses Mal von Süd nach Nord und ohne ein weiteres Foto dieser Begebenheit gemacht zu haben.

 

Der kleine Ort selbst bietet keine Besonderheiten, wenn da nicht dieser Supermarkt in asiatischer Hand wäre, in dem es fast alles zu kaufen gibt. Selbst ein Angebot von Käse und Wein fehlt nicht und nur mit größter Selbstdisziplin können wir einen Kaufrausch verhindern. Umgeben wird die Kleinstadt von hügeliger Landschaft und zahlreichen Teeplantagen, die alles in ein leuchtendes Grün verwandeln.

 

Etwas südlich von Fort Portal liegt das Kasenda Crater Lake Field, eine Ansammlung von mehr als 40 Kraterseen. Wir haben den waldumsäumten See Nkuruba auserkoren, der zu den reizvollsten gehören soll. Und richtig, nach etwas abenteuerlicher Abfahrt, da Monster etwas breit, erreichen wir den Kraterrand und das schöne Lake Nkuruba Community-Camp. Hier herrscht nicht nur eine himmlische Ruhe, nein, es lassen sich auch wunderbar zahlreiche Vögel und die hübschen Seidenaffen beobachten. Letztere fallen morgens und abends in das Camp ein, toben eine Zeitlang durch die Bäume und auf dem Rasen herum und verschwinden letztendlich so schnell wie sie gekommen sind, ohne irgendwelchen Schaden angerichtet zu haben.

Auf der morgendlichen Fahrt in Richtung Kampala stoppen wir an einer Straßenkreuzung und werden prompt von einem dort herumlungernder Typen angequatscht. Auf seine Frage: „Hey man, wohin fährst du?“ erntet er ein schiefes Grinsen und die Antwort: „Afrika!“ Dieses scheint ihn irgendwie zu befriedigen und indem er auf Monster deutet, folgt auch schon die nächste Frage: „ Was ist das?“ Antwort: “Mein Haus.“ „Gib mir ein kaltes Bier!“ „Nein“ „Warum nicht?“ „ Weil es morgens früh ist und du musst arbeiten“ Antwort: “OH!“

Kampala ist seit 1962 die Hauptstadt Ugandas und hat ca. 1.5 Millionen Einwohner, von denen sich an diesem Sonntagnachmittag etliche auf der Straße herumtreiben und uns die Suche nach dem Kampala Backpackers Hotel ein wenig erschweren. Obwohl wir ziemliches Glück haben und der bekannte Traveller Treff nicht von einem der zahlreichen Overlandtrucks heimgesucht wird, beschließen wir am nächsten Morgen unsere Position nochmals zu wechseln. Dazu müssen wir auf die andere Seite der Stadt und wie es manchmal so geht, schleust uns unser GPS mitten durch die Innenstadt und durch ein chaotisches Marktgetümmel.

Das Red Chili Hideaway Hostel und Campsite liegt ca. 6 km außerhalb der Stadt und sagt uns deutlich mehr zu, aber da wir auch hier keine anderen Reisenden treffen, fahren wir bereits nach 2 Tagen nach Jinja und die Bujagali Falls.

Jinja liegt am Ufer des Viktoriasees, direkt am Austritt des Nils aus dem See. Etwas flussabwärts, in traumhafter Lage auf einer Landzunge inmitten des Nils, finden wir ein relativ neues Camp, das über einen deutschen Küchenchef verfügen soll. Leider hat diesem die Einsamkeit wohl nicht besonders gefallen, denn er hat unverhofft die Heimreise angetreten und so kochen wir auch heute in unserer eigenen Küche.

Am nächsten Morgen wollen wir uns die eigentlichen Stromschnellen der Bujagali Falls anschauen und während wir noch darüber nachdenken, ob wir auf dem Gelände des Eden Rocks Resort verbleiben wollen, nähern sich alte Bekannte. Peter aus England und Jerry und Els aus Belgien haben sich ebenfalls mit ihren Fahrzeugen eingefunden, wollen aber heute nach Kampala weiterfahren. Des Alleinseins ein wenig überdrüssig, schließen wir uns den dreien spontan an und kehren ins Red Chili zurück.

Die unerwartete Gesellschaft gefällt uns außerordentlich gut, die Tage vergehen beim Quatschen und Grillen zwar wie im Fluge, aber irgendwann muss das Lotterleben auch mal ein Ende haben. Der Murchinson N.P. steht auf dem Programm. Von Kampala bis nach Paraa, wo sich das Hauptquartier befindet, sind es 309 km und somit eine stramme Tagesetappe für Monster. Im Reiseführer haben wir gelesen, dass es ab Masindi zwei verschiedene Strecken gibt und somit entscheiden wir uns für die Route über Butiaba und Bulisa, die landschaftlich spektakulär sein soll. Sie führt an der Ostseite des Lake Albert entlang, aber die beschriebenen sehr guten Aussichtspunkte über den See und die angrenzenden Bergketten in der DR Kongo können wir zu unserem Leidwesen nicht finden, den schlechten Pistenzustand jedoch sehr wohl. Folglich erreichen wir den Nationalpark erst bei Einbruch der Dunkelheit und fahren für heute nicht mehr hinein, denn auch hier gelten die happigen Eintrittspreise jeweils für 24 Stunden.

Mit einigem Verhandlungsgeschick gelingt es uns am nächsten Tag wenigstens die Gebühren für Monster um einiges herunterzuhandeln indem wir sein Gewicht kurzerhand halbieren. Wer verfügt auch schon über eine Waage hier mitten im Busch, gell?

Da wir von Chantel und Ton gehört haben, dass der sog. Game Drive hier nicht sonderlich lohnenswert war, entscheiden wir uns für einen Bootstrip auf dem Viktoria-Nil flussaufwärts. Auf der 17 km langen Strecke zu den namensgebenden Murchinson Falls sehen wir große Flusspferdeherden und zahlreiche der ziemlich großen Nilkrokodile, doch der Höhepunkt der Fahrt sind die Wasserfälle. Der Viktoria-Nil zwängt sich nämlich durch eine 7 m breite Schlucht und stürzt dabei 43 m in die Tiefe.

Am nächsten Morgen haben wir Mühe, die 92 km lange Piste zwischen Paraa und Masindi bis zum Ablauf unserer 24 Stunden zu bewältigen und erreichen das Wairingo Gate sozusagen „just in time“. Und so wie der Tag begonnen hat, endet er auch. Wir fahren und fahren, vorüber an den Karuma Falls, über Lira und Soroti erreichen wir in den frühen Abendstunden Mbale. Hatten wir eigentlich geplant, in den Mount Elgon N.P. und zu den dortigen Sipi Falls zu fahren, fällt dieses den schlechten Straßenverhältnissen und der Aussicht auf noch schlechtere zum Opfer.

Stattdessen quartieren wir uns ziemlich ermattet auf dem Parkplatz des Mount Elgon Hotels ein und lernen die Gastfreundschaft des dortigen Managers kennen. Ganz im Gegensatz zu den sonstigen Gepflogenheiten im Umgang mit Touristen, dürfen wir dieses Mal völlig kostenlos auf dem gut behüteten Hotelparkplatz übernachten und revanchieren uns dafür mit einem Besuch der Hotelbar. Als wir uns dort so umschauen, erregt ein kleines gelbes Schild unsere Aufmerksamkeit, an dessen Bedeutung wohl kein Zweifel gehegt werden kann.

Früh am nächsten Morgen wollen wir uns der kenianischen Grenze nähern, werden aber abrupt von einer kleinen, runden Person in einer Art Krankenschwestertracht daran gehindert. Was mag sie nur wollen? Das Rätsel ist schnell gelüftet, die vermeintliche Tracht ist die ugandische Variante einer Polizeiuniform und die Gute möchte unsere Papiere kontrollieren.

Das übliche Spielchen beginnt, ich weigere mich das Fenster zu öffnen und gebe mit wilden Handzeichen zu verstehen, dass sie es auf der anderen Seite versuchen soll. Also wackelt die Arme um Monster herum und versucht es noch einmal. Jupp seinerseits versteht einmal mehr nur Bahnhof und bringt die Polizistin schier zur Verzweiflung. Er stellt merkwürdige Fragen welche Lizenz sie denn nun sehen möchte, ob mit oder ohne Foto und beantwortet ihre Fragen mit Gegenfragen. Es entsteht eine Art Konversation nach folgendem Muster: „ Bitte machen sie das Licht an“ „Warum“ „Ich möchte es kontrollieren“ „Warum, es ist helllichter Tag“ „Ja, aber das Licht muss nachts funktionieren, darum möchte ich es kontrollieren.“ „Aber ich fahre nachts nicht“ und so geht es in einem fort. Nach ca. 15 Minuten ist die Hüterin des Gesetzes fast den Tränen nahe, legt die Hände zum Gebet zusammen und sagt: „ Bitte, bitte, Sir, machen sie das Licht an“ Kaum zu glauben, dass sie anschließend froh ist uns wieder los zu sein, oder?

Ob sich die Kunde von uns schon bis zur Grenze herumgesprochen hat, bleibt ein Rätsel, aber Tatsache ist, dass wir anschließend im Schweinsgalopp durch die ugandische Zollabwicklung sausen, fast so als wolle man uns einfach nur noch von hinten sehen.