Tansania: Februar 2011

Einmal mehr steht ein Grenzübergang vor der Türe, der sich heute alleine durch die heftigen Visagebühren von den vorherigen unterscheidet.
Pro Person werden 50,00 $US fällig, zusätzlich ist für Monster eine Straßenbenutzungsgebühr in Höhe von 20,00 $US und eine Bearbeitungsgebühr von 5,00 $US zu zahlen. Das Ganze ist also ein recht teures Vergnügen.

Kaum sind wir auf den tansanischen Straßen unterwegs, fällt uns ein großes Schild mit den Worten „Weightbridge“ ins Auge und jeder Lkwfahrer wird aufgefordert, dort anzuhalten um seine Achslast wiegen zu lassen. Als braver Fahrer reiht sich auch Jupp in die lange Schlange Wartender ein.

Während wir dort so herumstehen, denke ich an Südamerika zurück, wo wir an zahlreichen solcher Waagen einfach vorbei gefahren sind und maule vor mich hin, warum wir hier denn jetzt wohl warten sollen. Wie es dann immer so geht, ein Wort gibt das andere, woher ich denn eigentlich wisse, dass Ausländer in Tansania nicht gewogen werden müssen usw. bla, bla ...die Wogen schlagen hoch, ziemlich wütend legen Monster und Jupp einen Gang ein und brausen von dannen. Tja, zu meiner Schande, wie ich nun gestehen muss, dauert es gar nicht lange, da werden wir von Blaulicht verfolgt, gestoppt und ziemlich aufgebracht befragt, warum wir nicht auf die Waage gefahren sind.

Äääh, ja…warum eigentlich nicht…? Alles reden hilft nichts, wir müssen umkehren und lesen nun zu unserem großen Schrecken auf einer großen Tafel, dass uns 2.000,00 $ US Strafe drohen. Au weia, so weit bin ich also gekommen mit meiner großen Klappe. Wir sollen auf den Hof der Wiegestation fahren und uns anschließend in einem Büro einfinden. Puh, das geht ja gar nicht, denn der ganze Hof mutet an wie ein Hochsicherheitstrakt und wir befürchten, dort einmal hinein gefahren, kommen wir so leicht nicht mehr hinaus. Folglich bleiben die beiden Unschuldigen erst einmal draußen vor den Toren stehen und ich traue mich in die Höhle des Löwen.

Dort angekommen, rede ich mir den Mund fusselig, schreie Zeter und Mordio, drücke auf die Tränendrüse, gebe mein volles Repertoire und muss am Ende doch klein bei geben. Alles für lau, der Amtsschimmel trabt lustig herum, das Prozedere muss genauestens eingehalten werden und dazu gehört nun einmal, dass sich auch Monster und Jupp einfinden müssen, ansonsten zeigt sich niemand mehr gesprächsbereit. Am Ende können wir gemeinschaftlich glaubhaft machen, dass wir tatsächlich gerade erst in Tansania eingereist sind und uns mit den Gepflogenheiten daher noch nicht auskennen. Dahingehend verfasse ich eine schriftliche Entschuldigung an den obersten Verkehrsminister des Regierungsbezirkes Kilimandscharo, bereue meine Tat bitterlich und nach kaum 2 Stunden dürfen wir den Tatort ungeschoren verlassen. Holla, wo ist die nächste Weightbridge???

Tja, eine Wiegestation ist es nicht, aber eine Polizeikontrolle. Die Damen und Herren dieser tansanischen Institution scheinen auf unserer Sonnenschute in großen Buchstaben „Halt mich an!“ zu lesen und jeder dieser Berufsgattung zugehörige Mensch leistet dem Folge.

Erst so nach und nach geht uns auf, dass wir meistens gestoppt werden, weil unser Kennzeichen mit einem „K“ beginnt und die Polizisten uns schlichtweg für Kenianer halten. Sehen sie dann unsere weißen Gesichter, wissen sie nicht mehr, was sie mit uns anfangen sollen. Folglich stehen wir überwiegend nutzlos auf der Straße herum und behindern den fließenden Verkehr, wer wird denn auch an den Straßenrand fahren? Wie immer, bestätigen auch hier bekanntermaßen Ausnahmen die Regel und bereits ziemlich angenervt treffen wir schlussendlich auf einen Polizisten, der uns geradeheraus nach einem Geschenk fragt. „Do you have a gift for me“? Antwort Jupp in feinstem Schulenglisch: „Sehe ich aus wie der Weihnachtsmann?” Ein schiefes Grinsen vom Gesetzeshüter und dann: „ Come on man, ich habe kein Geld und muss doch etwas zu essen kaufen. Antwort Jupp: „Hey Mann, schau dich an, du bist fett wie eine Tonne, du brauchst nichts zu essen!“ Ich denk, ich höre nicht richtig, aber solche Frechheit reißt selbst den dreisten Polizisten zum lachen hin und wir können bis zur nächsten Kontrolle weiterrollen.

Wir erreichen Moshi, am Fuße des Kilimandscharo und können am frühen Morgen tatsächlich einen Blick auf den kaum noch schneebedeckten Gipfel erhaschen.

Komisch, da läuft man jahrelang mit einem Traumbild herum und wenn der Moment dann endlich gekommen ist, macht sich ein wenig Enttäuschung breit. So wenig spektakulär haben wir uns diesen Berg nun doch nicht vorgestellt.

Eigentlich sind wir nur nach Tansania eingereist, um uns in Arusha einen möglichen Unterstellplatz für Monster anzuschauen. So wie alle Jahre wieder, wollen wir unser Schätzchen für einige Zeit alleine lassen und natürlich nur in gute Hände abgeben.

Arusha ist ein quirliges Städtchen mit einem absolut chaotischen Verkehrsaufkommen. Von morgens früh bis abends spät reiht sich ein Fahrzeug an das andere, umgeben von den allgegenwärtigen Matatus. Das sind Minibusse, die abseits der Hauptrouten und innerhalb von Orten verkehren, selbstverständlich ohne feste Fahrpläne. Stattdessen hängen die Beifahrer, eine Art Ticketverkäufer und Schaffner, mit dem Oberkörper bis zum Bauchnabel aus den Fenstern und schreien das Fahrziel lauthals hervor.

Gestoppt wird willkürlich, z.B. wenn man einen potenziellen Kunden erspäht oder einem Fahrgast plötzlich einfällt, er möchte doch lieber an dieser Kreuzung aussteigen. Diese Dinger sind sicherheitstechnisch eine Katastrophe und fahren ab, wenn sie voll sind und das bedeutet meistens: Hühner und Ziegen auf dem Dach, Waren unter dem Sitz und kein Platz für die Beine.

Das vorübergehende Zuhause für Monsterchen entspricht voll und ganz unseren Vorstellungen und so setzen wir unseren Weg zielstrebig fort, was bedeutet fort von Tansania.

Zwar liegen die schönsten Nationalparks auf unserer Route, aber bei den Preisen die hier angesagt sind, bleibt uns fast die Luft weg. Für die Serengeti z. B. sollen wir für Monster 400,00$ US und pro Person 60,00 $US zahlen, pro Tag versteht sich, und fürs Campen fallen zusätzlich 30,00 $US pro Person an. Dazu kommt, dass wir den Ngorongoro N.P. durchqueren müssen, der abermals mit 320,00 $US zu Buche schlägt, wobei wir in den eigentlichen Krater mit Monster überhaupt nicht hineinfahren dürfen. Alles in allem also ein sehr teures Vergnügen, das wir uns einfach nicht leisten wollen.

Die Straße in Richtung Singidia ist schlichtweg eine Katastrophe, denn diese entpuppt sich als eine große Baustelle. Die eigentliche Fahrbahn ist nicht mehr vorhanden, stattdessen wird man kilometerlang über Behelfswege an der Seite entlang geführt. Nach ungefähr 100 Kilometern Sand- Schotter- Feldweg, erscheint uns wie eine Fata Morgana plötzlich Asphalt, der genauso mysteriös nach ca. 20 Kilometern wieder verschwindet. Dann sieht man wieder ein Teilstück an dem gearbeitet wird, dann ein Teilstück, das gerade erst vermessen wird, dann zur Abwechslung mal wieder Asphalt und so weiter und so fort.

Nach welchem unorthodoxen Prinzip die Japaner hier den Straßenbau betreiben, bleibt uns einfach schleierhaft. So kommt es, dass wir uns beim Einbruch der Dunkelheit irgendwo im Nirgendwo befinden und uns seitlich in die Büsche schlagen.

Mit so einem Monstrum wie Monster unsichtbar zu werden, ist gar nicht so einfach und während wir uns noch in Einsamkeit wiegen, knattert bereits ein Moped, bemannt mit 2 Männern, heran. Der Sozius klettert vom Gefährt, grinst freundlich und stellt sich als der, für dieses Gebiet zuständige Pastor vor.

Ein kleines Schwätzchen wird gehalten und als wir uns erkundigen, ob es sicher ist, hier für die Nacht zu parken, kramt der Geistliche ein Handy aus seiner Kutte. Angerufen wird der Besitzer des Landes auf dem wir hier stehen, woraufhin dieser sogleich herbei eilt und uns die Genehmigung erteilt, auf seinem Gelände zu nächtigen. Allerdings sollen wir einige Meter nach links, dort habe er vom Dorf aus ein besseres Auge auf uns. Wie Dorf? Wo Dorf? Selbst als wir wissen, wo es ist, können wir es noch nicht erkennen. Von wegen Einsamkeit, tausend Augen beobachten uns aus der Dunkelheit.

Beim nächsten Bushcamp sind wir dann wirklich alleine, allerdings lerne ich die Vorzüge der Reifensandalen kennen, die von den Massai getragen werden. Diese Teile sind tatsächlich aus der Aussendecke von Altreifen geschnitten und das dicke Gummiprofil verhindert, dass sich z.B. Dornen von unten durch die Sohle drücken. Bei meinen japanischen Sicherheitsschuhen (Thongs) ist dieses leider nicht der Fall und mehr als einmal werden meine Ausflüge in die Wildnis durch schmerzhafte Pickser in die Fußsohle erschwert.

Die Strecke zur ruandischen Grenze wird immer einsamer, wir durchfahren lediglich noch kleine Dörfer oder Orte und können nur noch die nötigsten Lebensmittel ergattern. Das gesamte Angebot erstreckt sich meistens auf Tomaten, Kartoffeln, Möhren und Kohl und man höre und staune, Kleidung. Diese liegt nicht etwa in Schaufenstern wie es der europäische Tourist gewohnt ist, nein, sie wird auf Kleiderbügeln aus Draht sehr dekorativ in die Bäume gehängt. Beim näheren Betrachten kommt uns allerdings der Verdacht, dass es sich keineswegs um neue Ware handelt, sondern eher um Klamotten, die einer deutschen Altkleidersammlung entsprungen sind.

Wir erreichen den kleinen Grenzort Rusumu, wo vor dem Schlagbaum ein ziemliches Lkw-Durcheinander herrscht. Also erledige ich die Carnet- Ausstempelung für Monster per Pedes und befrage einen Beamten nach der Immigration. Dieser zeigt in eine grobe Richtung, die mich zwar etwas verwundert, aber er wird es wohl wissen, gell? Also fahren wir an den zahlreichen Lkws vorüber und ehe wir uns versehen, sind wir auch schon über die Grenzbrücke gefahren. Leider haben wir dabei völlig übersehen, dass wir uns somit schon auf ruandischem Boden befinden und der ruandische Grenzbeamte klärt uns auch sogleich auf, dass wir vergessen haben aus Tansania auszureisen. Hm, kann ja schon mal vorkommen im Eifer des Gefechtes, oder? Er sieht es dann auch nicht als tragisch an, ich darf die Brücke nochmals zu Fuß überqueren und siehe da, endlich finde ich das kleine Zollgebäude, in dem ich unsere Pässe ausstempeln lassen kann.