Ruanda: Februar 2011

Nachdem uns die Ausreise aus Tansania dann endlich gelungen ist, gestaltet sich die Einreise nach Ruanda erfrischend unbürokratisch. Als deutsche Staatsbürger benötigen wir noch nicht einmal ein Visum. Obwohl sich die Deutschen in früheren Tagen sehr unfein in diesem Land benommen haben, scheinen uns die Ruander nicht sonderlich gram. Übrigens ganz im Gegenteil zu unseren belgischen Mitbürgern. Diese müssen tatsächlich geschlagene 21 Tage auf ihr Visum warten während wir sogar ohne irgendwelche Kosten willkommen geheißen werden.

Bereits auf den ersten Kilometern springt uns die Sauberkeit auf den Straßen ins Auge. Seit 2005 existiert nämlich ein gesetzliches Verbot von Plastiktüten, das auch gegenüber Touristen streng kontrolliert wird. Zusätzlich dazu, gibt es monatliche Säuberungstage, an denen selbst Minister teilnehmen und so ist es nicht verwunderlich, dass sich das Land in eines der saubersten in ganz Afrika verwandelt hat. Die Amtssprache ist französisch und gefahren wird ganz zivilisiert auf der rechten Fahrbahnseite.

Wir erreichen die Hauptstadt Kigali mit ca. 1 Million Einwohnern und es eröffnen sich breite Alleen und keinerlei Verkehrschaos. Es ist unglaublich, das soll jetzt noch Afrika sein?

Etwas außerhalb des Zentrums steuern wir das „One Love Guesthouse“ an, wo wir auf dem Parkplatz campieren dürfen. Das kleine Gästehaus einer japanischen Organisation in Ruanda unterstützt behinderte Menschen und Invaliden, deren Verletzungen oftmals vom Genozid herrühren.

Die Angestellten sind alle sehr nett und freundlicher Weise stellen sie uns sogar einen Stromanschluss zur Verfügung. Gottlob, wie sich herausstellt, denn damit können wir unsere Klimaanlage betreiben, die nicht nur die nächtlichen Temperaturen erträglich macht, sondern überwiegend die Geräuschkulisse von draußen übertüncht. Und diese ist einfach unbeschreiblich. Es ist nicht nur der ständige Lkw-Lärm, nein, es sind die Wachhunde, die ansonsten den Schlaf unmöglich machen würden. Diese scheinen total verrückt zu sein, denn sie bellen nicht etwa, nein, sie heulen die ganze Nacht wie die Wölfe. Ein höllisches Geräusch.

Wir verzichten auf eine weitere Nacht in dieser Idylle und wenden uns der Geschichte des Völkermordes zu. Zwei erschütternde Genozid-Gedenkstätten befinden sich südlich von Kigali, die beiden Kirchen von Ntarama und Nyamata. Hier wurden im April 1994 mehrere tausend Menschen, vor allem Frauen und Kinder, brutal ermordet. Wir können noch erkennen, dass sich die Mörder z.B. mit Granaten Zutritt in die Kirchen verschafft haben. Im Innern sieht man Blutspritzer an den Wänden und es liegen heute noch Gebeine, zusammen mit Kleidung, Geschirr und Bibeln herum. Mehrere hundert Schädel und Gebeine sind in einem benachbarten Gebäude aufgebahrt. Der Besuch erinnert uns stark an die „Killing Fields“ in Phnom Penh, wir sind schockiert.

Das Städtchen Kibuje am östlichen Zipfel des Kivu Sees ist unser nächstes Ziel. Das Panorama um den See herum, mit den vorgelagerten Inselchen vor der Kulisse der hohen Berge, ist Bilderbuchreif. Leider ist der angestrebte Campingplatz nicht mehr existent und so quartieren wir uns wohl oder übel auf dem Parkplatz des Eden Roc Hotels ein. Man höre und staune, in dieser abgeschnittenen Gegend gibt es sogar eine Wifi-Verbindung.

Bei der Weiterfahrt am nächsten Morgen kommen wir an einem Auto-Waschplatz vorbei und da wir dort einen Wasserkran erspähen, stoppen wir abrupt. Auf Nachfrage erklärt man uns, dass es sich um „gutes“ Wasser handelt und gestattet uns freudig Monsters Wassertank zu füllen. Warum sich die Jungs so freuen, erfahren wir unmittelbar, denn sie verlangen sage und schreibe 10,00 $US für 50 Liter. So etwas doch nicht mit uns…, da sollen sie doch ihr Wasser behalten.

Am Lac Kivu gefällt es uns so gut, dass wir zwar die Ortschaft, aber nicht den See wechseln. In einem Vorort von Gisenyi, Rubona, finden wir ein Plätzchen in einer kleinen Lodge, von deren schönem Garten wir einem herrlichen Blick über den See genießen. So richtig romantisch wird die Atmosphäre, als am frühen Abend die Fischer singend in ihren Auslegerbooten hinaus auf den See fahren. Sie werden erst in den frühen Morgenstunden, übrigens immer noch singend, mit hoffentlich reichem Fang wieder zurückkehren.

Nächstes Etappenziel ist Musanze (bis 2006 Ruhengeri), am Fuße der Virunga-Vulkane und Ausgangspunkt für das Gorilla-Tracking im Parc National des Volcans. Die Tiere kann man das ganze Jahr über besuchen, allerdings gibt es Beschränkungen für die Besuchserlaubnis.

Kinder unter 15 Jahren sind z.B. nicht zugelassen und auch Menschen mit Erkältungen oder für die Gorillas gefährlichen Infektionen. Auf uns trifft keines dieser Merkmale zu, aber eine Visite dort kommt trotzdem nicht in Frage, denn seit 2007 kostet eine Genehmigung 500 US$ pro Person. Dazu kommt wie selbstverständlich am Ende des Trips ein Trinkgeld für die Führer und Spurensucher. Also ein recht teures Vergnügen, das wir uns mal wieder nicht gönnen wollen, weil uns jegliches Verständnis für solch eine Preisgestaltung fehlt.

Nichtsdestotrotz steuern wir das Kinigi Gästehaus nahe dem Park-Hauptquartier in Kinigi an, wer weiß, vielleicht verirrt sich ja ein einsamer Gorilla in diese Gefilde und stattet uns einen Besuch ab. Leider ist dem nicht so, stattdessen schaut ein junger Mann aus Deutschland bei uns vorbei, der Teil eines Filmteams ist, das einen Dokumentarfilm über die Gorillas gedreht hat. Zwar lernen wir dann auch noch gleich den obersten Chef der Nationalparkverwaltung kennen, aber zu unserem Leidwesen spendiert auch dieser uns keinen kostenlosen Besuch und so ziehen wir am nächsten Tag unverrichteter Dinge von dannen.

Der kleine ugandische Grenzort Cyanika ist nicht sonderlich weit entfernt, bereits nach 45 Minuten Fahrzeit trudeln wir dort ein und sind tatsächlich die einzigen Grenzgänger. Auf ruandischer Seite müssen wir den für die Passausstemplung zuständigen Beamten erst noch ausfindig machen, denn bei soviel Langeweile befindet sich dieser natürlich nicht in seinem Büro. Aber dann geht alles ganz zügig, zack, zack sind alle nötigen Stempel an Ort und Stelle und eigentlich könnte sich nun der Schlagbaum öffnen. Aber eben nur eigentlich, denn der junge Mann an eben diesem scheint sich ebenfalls gehörig zu langweilen und da kommen wir gerade recht. Man könnte sich doch mal ein Wohnmobil von innen anschauen und somit ein wenig Zeit totschlagen. Neugierig schaut der Zöllner in jeden Schrank und jede Ecke und erst ein energisches Auftreten von Juppi, er befördert den Guten kurzerhand nach draußen, bereitet dem schamlosen Treiben und unserem Ruanda-Aufenthalt ein Ende.