Kenia/Tansania: März 2011

Wir reisen zum 2. Mal nach Kenia ein, heute im Grenzort Malaba, und entgegen einiger Horrorberichte benötigen wir knapp 25 Minuten für die gesamte Abwicklung. Was nicht etwa daran liegt, dass wir besonders schlau gewesen wären, sondern eher daran, dass wir ganz dreist die Pkw- Spur benutzen und somit an allen wartenden Lkws vorüber fahren.

Die 4. größte Stadt Kenias, Eldoret ist das nächste Ziel und nach einem kurzen Einkaufsstopp im brandneuen Nakumat quartieren wir uns im Naiberi River Camp ein.
Das Gelände ist ein Paradies, mit kleinen Bandas an jedem Stellplatz und obwohl sehr klein, hat man durch die Hecken eine gewisse Privatsphäre. Die Mitarbeiter sind alle unglaublich freundlich und werden nur noch durch den Eigentümer Raj übertroffen. Dieser hat nicht weniger als 7 Hunde, die der Bar jeden Abend einen Besuch abstatten. Das Restaurant und die Bar sind wie eine Höhle gestaltet und das Essen ist einfach eine Wucht.

Raj ist ebenfalls Direktor einer Textilfabrik mit Namen Ken-Knit, in der neben anderen Dingen, die meisten Masai (lt. Wikipedia auch Massai, Maasai, Maassai oder eben Masai) Decken herstellen. Als Krönung des Ganzen kennt Raj jeden und alles in Eldoret und so bekommt man alles Erdenkliche zu einem sehr günstigen Preis, wir können selbst einige Schweißarbeiten und einen Ölwechsel von seinen Mechanikern erledigen lassen und müssen nur die Ersatzteile dafür bezahlen. Es ist also kein Wunder wenn man hier länger als geplant hängen bleibt.

Wir raffen uns erst nach 1 Woche zur Weiterfahrt auf und gelangen über eine sehr schöne Nebenroute durch das Rift Valley zum Lake Baringo.

In Roberts Camp treffen wir auf einen der rot-schwarzen Busse eines deutschen Reiseveranstalters und auf jede Menge Nilpferde. Die Tiere kommen nachts zum Grasen an Land und grunzen fröhlich unter unseren Fenstern herum. Dass dadurch nicht ganz ungefährliche Situationen entstehen können, lernen wir am nächsten Abend. Nach einem kurzen Umtrunk in der Bar des Platzes, wollen wir zu Monster zurück und können uns gegen den Nachtwächter nicht wehren, der darauf besteht, uns samt Lampe zu begleiten. Soviel haben wir doch gar nicht getrunken, dass man uns nun nach Hause bringen müsste, oder? Doch bereits nach wenigen Schritten sehen wir die Notwendigkeit seines Tuns, denn ein zentnerschweres Hippo kreuzt unseren Weg und zeigt sich wenig erfreut über unsere nächtliche Störung. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass das Flusspferd das gefährlichste Tier Afrikas ist und jedes Jahr mehr Menschen durch Flusspferd-Angriffe sterben als durch alle anderen Tiere auf diesem Kontinent zusammen.

Dementsprechend sind wir auch beim Besuch des Lake Naivasha ziemlich auf der Hut, wenn wir abends auf unseren Campingstühlen sitzen und die Tiere neben uns grasen.

Vermutlich ein letztes Mal kehren wir bei Chris in der Jungle Junction ein, wie schon beim 1. Besuch haben sich einige Reisende eingefunden und die Tage und Abende geraten recht kurzweilig. Ehe wir uns versehen, haben wir schon wieder eine Woche hier verbummelt und es wird Zeit mal wieder ein Offroad-Abenteuer in Angriff zu nehmen.

Nach einigen SMS mit Chantel und Ton, die sich in Arusha (Tansania) herumtreiben, steht das Ziel sehr schnell fest. Wir wollen gemeinsam zum Lake Natron fahren und dazu treffen wir uns am Vulkan Longido. Der erste Teil des Weges ist einfach superschön, völlig alleine in der Natur sehen wir Giraffen, Gnus, Zebras, Strauße und Büffel, die einzigen Menschen, die wir hin und wieder erblicken, sind einige Masai. Diese wandern mit ihren Kuh-, Schafs- oder Ziegenherden mitten durch das Wild und nehmen keinerlei Notiz voneinander.

Die Regenzeit steht vor der Türe und so ist es nicht verwunderlich, dass es während unseres 1. Buschcamps nachts zu regnen beginnt, äh… vielmehr beginnt es zu schütten. Da die knochentrockene Erde die Wassermassen nicht aufnehmen kann, bilden sich überall kleine Flüsse und Seen, die uns zwar nicht erfreuen, die Einwohner aber umso mehr.

Wo immer sich die Gelegenheit bietet, springen vor allem die jungen Hirten pudelnackt in diesen kleinen Seen herum und genießen das Bad. Wir hingegen haben unsere liebe Not mit dem Wasser, denn die Pisten versinken im Schlamm und werden streckenweise spiegelglatt. Hier nun zeigt sich ein Nachteil unserer breiten Reifen, denn Monster ist einfach nicht mehr in der Spur zu halten, er schlindert von rechts nach links und kracht so manches Mal in die seitliche Begrenzung der Spurrillen.

Wir sind sehr froh, als am späten Vormittag die Sonne wieder hervorkommt und die Piste trocknet. Die Fahrt ist auch so schon abenteuerlich genug, denn immer wieder sind Flüsse zu durchqueren und steile Böschungen zu bezwingen. Aber ist es nicht genau das, was uns hierher treibt?

Die ersten beiden Tage sind eine tolle Erfahrung, doch dann ändert sich das Bild. Wir kommen an einen Abzweig und stoßen auf die Hauptstrecke zum Lake Natron, an dem sich eine Art Wunderheiler niedergelassen hat. Um dessen Wundertrank und somit Hoffnung auf Heilung zu erlangen, machen sich täglich tausende Menschen auf den Weg. Viele von ihnen kommen nur leider niemals dort an, weil sie unterwegs verunglücken oder stranden. Der ehemals gut zu befahrende Schotterweg ist total kaputt gefahren, große Schlaglöcher und dicke Steine machen so manche Flussdurchfahrt fast unmöglich. Dazu kommen völlig überladene Fahrzeuge, manche sitzen mit 20 Leuten in einem Geländewagen oder andere mit hunderten auf der Ladefläche eines Lkws und das bei absolut unangepasster Geschwindigkeit. Was passiert, wenn diese sich überschlagen, kann man sich lebhaft vorstellen. Die Überlebenden sitzen manchmal tagelang unter einem Baum, ohne Essen und Trinken, und warten auf Hilfe.

Wir benötigen am Ende 7 Stunden für eine 80 km lange Strecke und müssen so manche Schlacht schlagen um nicht auch noch Wegezoll für diese Horrorstrecke zu zahlen.
Einige erfindungsreiche Dörfer wollen sich den Ansturm nämlich zu nutze machen und haben Schlagbäume über den Weg errichtet. Da haben sie die Rechnung jedoch ohne Chantel gemacht, denn diese wird über solches Gebaren derart böse, dass sie die Barrieren eigenhändig öffnet und die verdutzen Männer obendrein auch noch beschimpft. Wir sind amüsiert, begeistert und natürlich Nutznießer ihrer Aktionen.

Am Lake Manyara treffen wir wieder auf Asphalt und nun geht die Fahrt zur Maserani Snake Farm zügig vonstatten. Dort angekommen, sortieren wir uns in die Menge der großen Overlandtrucks ein, die den Platz sozusagen als Stopover nutzen. Gottlob verfügt jeder Stellplatz über ein kleines Dach, denn in den nächsten Tagen schüttet es weiterhin wie aus Eimern und es wird nahezu kalt. Lange Hosen sind angesagt, aber wie immer, wenn wir „unsere“ netten Holländer treffen, qualmt der Grill aus allen Rohren und so manches Feuerchen erwärmt die kalten Nächte.

Tja, was soll ich sagen, die Zeit der Heimreise rückt in greifbare Nähe und es ist nicht nur die Regenzeit die uns jetzt bereits wegtreibt, auch der 75. Geburtstag meiner lieben Mama liegt uns am Herzen. Doch am Ende ist es wie immer, mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen wir Monster und Tansania und freuen uns jetzt bereits auf die Rückkehr im September.