Jordanien: Oktober 2010

Am Dienstagmorgen sind die 20 km bis zur Grenze in Dara’a schnell zurückgelegt, doch was soll ich sagen, die Holländer sind schon da.
Schön geordnet stehen die Fahrzeuge auf der rechten Seite der Straße, was uns die Gelegenheit bietet, ganz frech auf der linken Seite an der langen Schlage vorüber zu fahren.
Jupp stürzt sich in die Zollabfertigung und keine 15 Minuten später ist die Ausreise erledigt.

Wir hängen die Holländer ab und düsen auf die jordanische Hälfte der Grenze. Zunächst müssen wir langsam über eine Grube fahren, damit ein Zöllner Monsters Fahrgestell inspizieren kann und dann dürfen wir den Rest zu Fuß abwickeln.

1. Aktion: Geld tauschen und Versicherung abschließen 2. Aktion: Carnet abstempeln, mit dem Auto zum nächsten Gebäude 3. Aktion: Einreisestempel in unsere Pässe (geht ganz schnell, da wir die Visa bereits in D. beantragt haben) 4. Aktion: Duty Free Shop = Biervorräte aufstocken.

Was wir dabei auf dem Zollhof beobachten, amüsiert uns mal wieder kräftig, denn der rauchende Teil der Jordanier deckt sich in diesem zollfreien Laden reichlich mit Zigaretten ein und hat nichts Besseres zu tun als diese hier mitten auf dem Zollhof zu verstecken. Unter den Augen der Zöllner werden munter die Türverkleidung der Pkws abgeschraubt und die Hohlräume gleich Stangenweise mit Glimmstängeln aufgefüllt, es ist einfach herrlich anzuschauen. Von solchem Gebaren der verschiedenen Schmuggler inspiriert, verstecken wir die gekauften Sixpacks und begeben uns zur 5. Aktion = Zollkontrolle.

Alle Papiere werden nochmals kontrolliert und dann möchte jemand Monsters Innenleben begutachten. Wie üblich öffnet Jupp die Türe von außen, ich nehme innen freundlich grinsend den Fliegenvorhang zur Seite, aber die Leiter bleibt oben. Nun beginnt Juppi sein allseits beliebtes Spielchen, das da lautet: wer kennt die meisten Namen deutscher Fußballclubs oder seiner Spieler. Es fallen Namen wie Bayern München, Schalke oder Michael Ballack und alle sind derart begeistert, dass das Ansinnen eines Kollegen, der unser Haus betreten und in die Schränke schauen möchte, von den anderen vehement verworfen wird. Die Herren werfen sich noch einige Namen zu und das war es dann auch schon, unbehelligt treten wir die Weiterreise an. Wie wir später von der holländischen Gruppe hören, ist dieses keineswegs der Normalfall, denn bei ihnen wurde jedes Fahrzeug auch von innen genauestens kontrolliert. Ich sage es ja immer, der holländische Fußball…

Über Irbid wollen wir zu den Ruinen der antiken Stadt Gadara, Umm Qais, und stoppen unterwegs bei einem Metzger. An der am Straßenrand ausgestellten Tierhälfte baumelt noch der Schwanz, was uns in die Lage versetzt, das Tier als Kuh zu identifizieren. Kuh ist gut, also nix wie rein. Drinnen werden wir von den anderen Kunden super nett begrüßt und, nach den üblichen Fragen woher und wohin, zum Teetrinken in ihr Haus eingeladen. Diese Freundlichkeit setzt sich auf unserem weiteren Weg fort, überall wo wir auftauchen, winken oder hupen uns die Menschen zu und ständig lädt man uns zum Tee oder gar zum Essen ein. Die Gastfreundschaft in diesem Land ist wirklich unglaublich.

Von Umm Qais hat man bei klarem Wetter eine wunderbare Aussicht auf die Golan-Höhen und den See Genezareth, die uns heute leider verwehrt bleibt, nur schemenhaft können wir den See erkennen. Eine kleine Straße windet sich ins Jordantal hinab und angesichts der geschichtsträchtigen Namen, die wir auf der Karte lesen, macht sich ein merkwürdiges Gefühl in uns breit. Recht langsam bewegen wir uns durch die spektakuläre Landschaft abwärts und es ist uns sehr wohl bewusst, dass wir uns unter ständiger Beobachtung sowohl der jordanischen als auch der israelischen Armee befinden.

Alle hundert Meter sind kleine Checkpoints, an denen wir zwar stoppen müssen, aber ansonsten unbehelligt weiterfahren können. Unten angekommen brauchen wir uns über die einzuschlagende Richtung keine großen Gedanken zu machen, denn Stacheldraht und aufgestellte Barrieren verweisen uns unmissverständlich nach links. Dabei fahren wir so dicht an der Grenze entlang, dass sich unser Handy ständig in das Netz eines anderen Betreibers einloggt, per SMS begrüßt uns zuerst Jordanien, dann Israel und zum guten Schluss noch Palästina.

In Jerash, eine der größten und eindrucksvollsten Ruinenstätten Jordaniens, oft als „Pompeji des Ostens“ bezeichnet, treffen wir „unsere“ Holländer wieder. Aber nicht nur die, sondern auch eine Gruppe Italiener und wir können uns langsam nur noch wundern, wie viele solcher geführten Touren hier im nahen Osten unterwegs sind. Längst trifft man nicht nur die Overlander auf ihrem Weg nach Afrika, sondern immer öfter die ganz „gewöhnlichen“ Wohnmobile und deren oft unzufriedene Besatzung. Mehr als ein Mal hören wir uns das Gemecker über die unzulänglichen Campingplätze oder gar nur Parkplätze oder die katastrophalen hygienischen Verhältnisse an und untereinander scheint man sich auch nicht immer grün. Aber was haben diese Leute denn erwartet? Wenn ich in einer Gruppe reise, muss ich mich nun einmal anpassen und dass ich mich nicht auf einer Butterfahrt befinde, ist doch eigentlich auch klar, oder? Unsere deutschen Mitbürger tun sich bei solchem Gestöhne übrigens ganz besonders hervor.

Über Amman kommen wir zum Berg Nebo, für Juden, Christen und Moslems gleichermaßen einer der heiligsten Plätze Jordaniens. Nachdem Moses die Israelis 40 Jahre lang durch die Gegend geführt hatte, sah er von hier oben endlich das gelobte Land, das er jedoch nicht betreten durfte. Er verstarb hier und wurde auf diesem Berg begraben, so glauben zumindest die Juden und Christen, während die Moslems davon überzeugt sind, er befindet sich irgendwo zwischen Jericho und Jerusalem. Aber wie nun auch immer, die Berge, die Kirche auf dem Gipfel und auch die Aussicht sind so beeindruckend, dass die Heiligkeit höchstens noch das Tüpfelchen auf dem I ist. Über eine kleine, kurvenreiche Straße fahren wir zum tiefsten Punkt der Erde, nämlich zum toten Meer, das 400 m unter dem Meeresspiegel liegt, und seinen Namen bekam, weil sein hoher Salzgehalt (30%) sämtliches maritime Leben meuchelt. Uns bekommt es gut, denn ohne irgendwelche Gliedmaßen zu bewegen, treiben wir im warmen Wasser umher und etwaige Schwimmversuche tragen eher zur Belustigung bei.

Eine Zeitlang fahren wir noch am toten Meer entlang, aber dann zieht uns doch der Kings-Highway und Monster muss die Berge wieder hinaufklettern, hinauf bis zum sog. „Grand Canyon“ von Jordanien, dem immensen Wadi Mujib. Von hier hat man eine spektakuläre Aussicht und die Schlucht trägt ihren Namen wenigstens ein bisschen zu Recht. In Kerak verpassen wir nur um Stunden den Besuch des Königs, aber das versetzt uns in die Lage, direkt vor den Toren der mächtigen Kreuzritter-Burg zu nächtigen.

Am nächsten Tag erreichen wir Petra. - Petra ist der herrlichste Ort der Welt, ich habe eine Menge sehr schön geschriebener Berichte darüber gelesen, aber ich bin sicher, dass sie keinen Begriff davon geben und Du wirst nie erfahren, was Petra eigentlich ist, falls Du nicht selbst hierher kommst.- So schrieb T.E. Lawrence und dementsprechend sind wir ziemlich gespannt, was uns erwartet. Der Hauptzugang führt damals wie heute durch eine wenige Meter breite, steile Felsschlucht- ein Nadelöhr, das den Besucher unmittelbar vor dem berühmtestes Bauwerk, dem Treasury oder Schatzhaus, wieder ausspukt.

Dahinter liegen etwas verstreut noch ca. 800 Denkmäler, in den Sandstein gehauene Gräber mit prächtigen Fassaden, Tempel und auch ein Theater. Wir nehmen uns für das Gelände 2 Tage Zeit, denn das Campieren direkt auf dem Parkplatz ermöglicht uns einen Besuch ein wenig abseits der Touristenströme, nämlich am späten Nachmittag und am frühen Morgen.

Nach so vielen alten Steinen ist unser Bedarf fürs erste gedeckt, wir verlassen Petra am Nachmittag auf einer Straße mit wunderbaren Ausblicken über das Tal und landen für die Nacht auf einem Hochplateau, wo wir völlig alleine den Sonnenuntergang über der Wüste genießen.

Im Besucherzentrum zum Wadi Rum haben uns die Tourveranstalter dann wieder, denn die Einfahrt in die Wüstenlandschaft ist mit normalen Pkws nicht gestattet. Also steigen die meisten Besucher in vierradgetriebene Jeeps um und lassen sich zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten fahren. Für Monster ist es der 1. Ausflug in die Wüste, weder er noch wir haben irgendwelche Erfahrung in Bezug auf das Dünen fahren und dementsprechend sind wir recht gespannt.

Als erstes heißt es den Luftdruck in den Reifen zu senken sprich Luft abzulassen, damit diese eine breitere Auflagefläche haben und wir nicht so schnell im Sand versinken, dann noch die Freilaufnaben eingeschaltet und los geht die Fahrt. Monster wird immer mutiger und meistert selbst arg sandige Passagen mit Bravour. Erst an einer hohen, roten Düne scheitern der Fahrer und sein Gefährt, trotz stetiger Bemühungen können sie die Spitze nicht erklimmen und rutschen statt dessen immer wieder ab, was aber dem Fahrspaß keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, wir fühlen uns so wohl in dieser Umgebung, dass wir gleich 2 Tage und Nächte hier verbringen und selbst auf einem Wüstentrack anstatt auf dem Highway nach Aqaba fahren.

Aqaba ist überwiegend ein Ort für Strandfans und Wassersportler, ansonsten hat er nicht viel zu bieten. Das Zentrum besteht lediglich aus ein paar Geschäftsstraßen, die man schnell erkundet hat, was nicht im Geringsten stört, denn uns zieht es endlich unter die Wasseroberfläche und somit in den „Royal Jordanian Dive Club“.

3 Tage genießen wir das kühle Nass bevor wir uns am Samstagnachmittag im Büro der Fährgesellschaft Arab Bridge Maritime einfinden, um ein Ticket für die langsame Verbindung nach Nuweiba/ Ägypten zu kaufen. Auch hier scheint Wochenendstimmung zu sein, denn es sind nur zwei Angestellte anwesend, von denen einer englisch spricht. Nach langem Hin und Her entscheiden wir uns am Ende doch noch für die Schnellfähre, diese ist zwar 35 JD teuerer, aber auch deutlich schneller und was viel wichtiger ist, sie fährt tagsüber. Während wir zu Monster zurückkehren und ich mich noch freue, dass uns eine schlaflose Nacht erspart bleibt, sinniert Jupp über die Höhe des Einfahrttores der Fähre. Also nochmals zurück damit uns eine Enttäuschung am nächsten Tag erspart bleibt.

Die beiden Angestellten entpuppen sich als genauso schlau wie wir, die genaue Einfahrtshöhe wissen auch sie nicht und so wird per Telefon der Manager bemüht. Der weiß es vermutlich auch nicht, denn bevor er etwas Falsches sagt, verbietet er lieber den kompletten Transport von Lkws auf der Schnellfähre. O.K. dann eben doch eine schlaflose Nacht, denn die langsame Fähre soll erst um Mitternacht ablegen. Insha’allah!

Wir finden uns bereits um 18.00 Uhr im Hafen ein, erledigen in aller Ruhe die Ausreiseformalitäten und bereiten unter den Augen der zahlreichen Schaulustigen unser Abendessen zu. Unsere Außenküche erregt zwar einige Aufmerksamkeit, aber das tut unserem Appetit keinen Abbruch und so lässt sich die Wartezeit gut überbrücken. Wie bereits erwartet zieht sich die Beladung der Fähre in die Länge, doch wir haben Glück und gehören zu den 1. die an Bord fahren dürfen und somit auch zu den 1., die die Zollformalitäten erledigen können. Wie sich herausstellt, gibt es nicht viel zu erledigen, denn wir haben zwar unsere Visa bereits in Deutschland bekommen, aber hier werden sie trotzdem nicht abgestempelt. Stattdessen behält der ägyptische Zöllner unsere Pässe und drückt uns einen abgerissenen Zettel in die Hand, mit dem wir unsere Dokumente am Morgen auf ägyptischen Boden angeblich wieder abholen können. Insha’allah!!