Äthiopien/Kenia: Januar 2011

Auf dem Weg durchs Omo-Valley zur inoffiziellen kenianischen Grenze am Turkana See, ändert sich nicht nur die Landschaft, nein, auch die Menschen tun das. Auffallend ist, dass sie sich nicht nur anders kleiden, die Frauen z.B. tragen ein Rockartiges Fell aus Ziegenleder und die Brüste bleiben unbedeckt, auch ihr Verhalten ist kein typisch äthiopisches. Sie stehen zwar wie gehabt am Wegesrand, aber es wird nicht so aufdringlich gebettelt und so mancher legt ein kleines Tänzchen für uns ein. In Konso können wir völlig unbehelligt den Markt besuchen und sehen dabei die Bekleidungen der verschiedenen Naturvölker. Möchte man allerdings ein Foto z.B. einer Hamerfrau machen, dann muss man dafür 2 Birr berappen.

Auf einen Besuch der Tellerlippenfrauen vom Stamm der Mursi verzichten wir völlig, denn zum einen liegt dieses Dorf ziemlich entgegen unserer Fahrtrichtung und zum anderen ranken sich viele Geschichten um dieses Volk. So erzählt uns ein südafrikanischer Reisender, dass man sich unbedingt bereits morgens um 7.00 Uhr im Mursidorf einfinden soll, denn ab 10.00 Uhr fallen dort Touristenströme ein und die anwesenden Mursi sind zu diesem Zeitpunkt schon völlig betrunken.

Wir lassen diesen Abstecher also sausen und fahren stattdessen über Turmi nach Omorate, wo wir den lästigen Papierkram erledigen müssen. Dazu werden unsere Namen in ein großes Buch eingetragen, wobei die Vor- oder Nachnamen eine untergeordnete Rolle spielen. Aus Dorothea wird kurzerhand Geb. und der Nachname dazu passend dann eben Valkyser. Der Ausreisestempel in unsere Pässe trägt noch die Jahreszahl 2010, der neue ist laut Aussage des Zöllners noch nicht da. Komisch, der Jahreswechsel muss für den Guten völlig überraschend gekommen sein und überhaupt, warum so pingelig, es ist doch erst der 07. Januar!

Einen Stempel für Monster bekommen wir an diesem einsamen Grenzposten dann auch nicht, aber wir nehmen das nicht so tragisch. Wird wohl nicht so schlimm sein, wenn wir dann später einen Einreisestempel von Kenia vorweisen können und so kann das Abenteuer Offroadstrecke beginnen.

Ganz so aufregend wie anfangs vermutet wird es schlussendlich dann doch nicht, wir fahren zwar fast 800 Kilometer auf wechselnden Pisten, von Sand, über Steine und Lava-Geröll ist alles vorhanden, aber die unzähligen Flüsse, die wir durchqueren müssen, führen alle kein Wasser und stellen somit kein Problem für uns dar.

Wie die ganze Geschichte bei Regen ausschaut, möchten wir uns aber lieber nicht vorstellen und auch keine größere Panne, denn erst nach 3 Tagen treffen wir auf ein anderes Fahrzeug und somit die erste Menschenseele.

In Loyangalani legen wir eine 2-tägige Pause ein und quartieren uns in einem von Frauen geführten Camp ein, nachdem wir in der, vom Reiseführer viel gelobten Oasis Lodge, von einem deutschen, einzahnigen, versoffenen Blödmann arrogant behandelt werden. In genau dieses Resort fallen ganz passend am Nachmittag einige Motorradfahrer ein, selbstverständlich mit einem extra angemieteten Begleitfahrzeug.

Leider hat der Fahrer dieses Begleitfahrzeugs noch nicht einmal eine Ahnung von seinem eigenen Auto, denn am Abend muss für einen Reifenwechsel zunächst Jupps Werkzeug und dann der ganze Jupp persönlich ausgeliehen werden. Trotz der zahlreichen, farbigen Schaulustigen, die zwar mit Rat, aber nicht mit Tat zur Stelle sind, gelingt es ihm nämlich nicht die Radmuttern zu lösen. Unsere ausgeliehene Eisenstange ist bereits erheblich verbogen und Juppi kann mit seinem Hinweis auf die Zwillingsbereifung gerade noch das Schlimmste verhindern, denn wie sich herausstellt, drehen die Jungs die ganze Zeit in die falsche Richtung.

Insgesamt benötigen wir 6 Tage für die Strecke, die im Nachhinein zwar ein Belastungstest für Monster war, aber auch sehr viel Spaß gemacht hat. Bevor wir jedoch in die Zivilisation zurückkehren, statten wir dem Samburu Nationalpark einen Besuch ab und fahren beinahe doch nicht hinein. Der Eintritt für uns alle drei für 24 Stunden soll tatsächlich 200 $US kosten und wir fragen uns, ob es uns das wert ist.

Um es kurz zu machen, der Ausflug in die afrikanische Tierwelt war ein Erlebnis, wir sehen Elefanten, Zebras, Warzenschweine und auf dem Campingplatz machen wir Bekanntschaft mit frechen Pavianen. Diese Biester turnen nicht nur auf Monsters Dach herum, sondern ein ganz besonders dreistes Exemplar begegnet mir selbst auf der Treppe. Er will hinein, ich will hinaus, ich weiß nicht wer sich mehr erschreckt hat, aber mein Schrei war definitiv lauter.

Auf dem Weg nach Nairobi fallen uns die zahlreichen Verkäufer auf, die alle möglichen Waren an den Mann bringen möchten. Einer bietet durchs offene Autofenster Zwiebeln an und erntet von Jupp ein:“ Nä, nä, nä“ woraufhin der Zwiebelmensch draußen den Kopf schüttelt und ebenfalls mit:“Nä, nä, nä“ antwortet. Sprechen die Kenianer etwa Kevelaerer Plattdeutsch?

Wir stoppen spontan bei einer Mangoverkäuferin. Juppi steigt aus und sofort beginnen die ersten Preisverhandlungen, 1 Mango soll 25 kenianische Shilling kosten. Jupp erklärt der verdutzten Lady, er könne nicht besonders gut rechnen, wie viel denn 2 Mangos kosten? „Sir, zwei Mangos kosten 50 KSh“. „Richtig. Und 3“? „75“ „ Auch richtig, und wie viel kosten 5“? „125“, lautet die Antwort woraufhin Jupp: “ Nä, nä, nä, 5 Mangos kosten 100 KSh“ und wedelt mit dem passenden Schein. Die Antwort der lachenden Verkäuferin: „Nä, nä, nä“, aber der Schein entschwindet trotzdem sofort in ihrer Tasche. Was lernen wir daraus? …Die Kenianer scheinen ganz lustige Vögel zu sein und sprechen „Kävels Platt“…

Wir verbringen eine Nacht am Mount Kenia auf einer Forellenfarm und erwachen am Morgen bei charmanten 3° Grad. Das soll nun Afrika sein? Doch keine Bange, bereits 2 Stunden später brennt der sonnige Planet wieder gnadenlos vom Himmel.

Der Verkehr in Nairobi ist gnadenlos, wir wühlen uns 2.5 Stunden von einem Stau in den nächsten und sind froh, als wir endlich den Campingplatz erreichen. Die Jungle Junction ist ein echter Overlander-Treffpunkt und so wundern wir uns nicht, dass uns einige alte Bekannte begrüßen. Mit Annemieke und Hans aus Holland, Leonie und Torsten aus D. und Peter aus England verbringen wir einige nette Tage, schlagen uns nicht nur beim Carnivore, einer Art „All-meat-you-can-eat“ Restaurant die Bäuche mit Fleisch voll, sondern auch beim gemeinsamen Barbeque und schöpfen beim Einkauf im Nakumatt-Supermarkt aus dem Vollen.

Nach 4 Tagen ist die Wäsche gewaschen, mit den Lieben daheim telefoniert, die Website auf den neuesten Stand gebracht, das Geburtstagsvideo (http://www.youtube.com/eddyhatgeburtstag) für Eddy ( Gattin unseres Webmaster Heiko) gedreht, Monster von innen und außen geputzt, offiziell in Kenia eingereist und wir fragen uns, was wollen wir hier noch? Eigentlich nichts, so schön ist Nairobi nun auch nicht und wir machen uns auf den Weg an die Küste, wo es gilt einige schöne Stellen für unseren Besuch aus Deutschland zu finden.

Wir grasen die Orte über- und oberhalb von Mombasa ab, finden nette Plätze in Watamu und am Tiwi Beach und rollen mit Monster am Freitagabend auf den Parkplatz des Flughafens. Dieser ist wie leergefegt und wir suchen uns ein Plätzchen für die Nacht, denn zu unserer großen Freude landet unser Besuch nachts um 1.30 Uhr. Kaum haben wir geparkt, findet sich ein Ordnungshüter ein, der uns sehr bestimmt des Platzes verweist, weil dieser nur für Taxis reserviert ist und bald ganz voll sein wird. Häh? Hier ist keine Menschenseele weit und breit, aber gut, wir wollen wenigstens noch ein Mützchen voll Schlaf bekommen und ziehen friedfertig auf den uns zugewiesenen Platz am Ende des Airports. Nachts um 1.30 Uhr ist natürlich immer noch kein Mensch oder Auto weit und breit und dem Flieger entsteigen auch höchstens 10 Leute, aber freudig können wir Andrea und Detlef in die Arme schließen.
Die nächsten 14 Tage stehen voll im Zeichen der Entspannung, am Tiwi Beach erleben wir ein kleines Paradies direkt am Strand.

Am Morgen kommen zunächst die Fischer mit ihren Fängen gefolgt vom „Mangoman“, der selbstverständlich auch noch anderes Obst und Gemüse im Angebot hat und eigentlich könnten wir es ewig hier aushalten, wenn….ja wenn da nicht das akute Platzproblem wäre.

Detlef schläft bereits seit Tagen in der Hängematte (nicht zuletzt weil dank seines Schnarchens sonst niemand mehr schlafen würde) und überhaupt ist Monster nicht gerade ein Platzwunder. Also geben wir unsere Idylle zugunsten eines Hotelbettes auf und ziehen um nach Watamu. Dort gibt es ein Hotel, das keine Gäste hat und anscheinend auch keine haben möchte. Das Frühstück ist schlichtweg nicht existent, Kaffee gibt es auch nicht, von anderen Getränken ganz zu schweigen, aber dafür sind die Zimmer mit Klimaanlage akzeptabel, der Preis mit 24,00 € p.P. günstig und der Stellplatz für Monster mehr als o.k.

Wir fühlen uns wohl, die Tage vergehen mit Tauchen und Hochseeangeln wie im Fluge und schwupps, schon naht der Tag des Abschiednehmens. Gemeinsam fahren wir noch bis Voi am Tsavo Nationalpark und dort trennen sich bis auf weiteres unsere Wege. Andrea und Detlef gehen auf eine 6-tägige Safari bevor es wieder nach Hause geht und wir beiden nehmen unseren gewohnten Lebenswandel wieder auf. Damit wir auch gleich wissen was das heißt, fahren wir über eine befestigte Piste, werden anständig durchgeschüttelt und eingestaubt bevor wir die Grenze zu Tansania erreichen.