Ägypten: Oktober/November 2010

Ägypten, widersprüchliche Empfindungen machen sich in uns breit. Wie wir in vielen Reiseberichten gelesen haben und aus eigener Erfahrung wissen, ein wunderschönes Tauchgebiet. Im Gegensatz dazu ein schmutziges Land, dessen Bevölkerung aus Neppern, Schleppern und Bauernfängern besteht. Kein Einkauf ohne Betrugsversuch und Korruption ist an der Tagesordnung. Eine kleine Kostprobe bekommen wir beim Einsteigen in die Fähre. Alle Autobesitzer müssen ihr Carnet vorweisen und bekommen dann einen rosaroten Zettel ausgefüllt, der dazu berechtigt, die Fähre bzw. den Hafen in Nuweiba mit seinem Fahrzeug auch wieder zu verlassen. Direkt vor unserer Nase, reißt der Zöllner eine Schublade auf, die sich vor seinem dicken Bauch befindet, schmeißt das Carnet unseres Vordermannes hinein und rumms, die Schublade ist wieder zu. Sofort bricht großes Theater aus, man schreit sich ein wenig an (vielleicht hört sich dieses Arabisch auch nur in unseren Ohren nach Geschrei an) und dann wechselt ein Geldschein den Besitzer. Simsalabim, Sesam öffne dich, das Carnet erscheint und der rosarote Zettel wird ausgefüllt. Ich denke mir, na das kann ja heiter werden hier.

Mehr zufällig erfahren wir, dass es für nur 10 $US möglich ist, eine Kabine mit 2 Betten zu belegen und nach einer kurzen Inspektion einer solchen, entscheiden wir uns dazu. Besser schlecht gelegen als gar nicht, gell?

Schlussendlich setzt sich die Fähre so gegen 2.00 Uhr in Bewegung, wir verfallen wieder Erwarten in einen unruhigen Schlaf, der jedoch gegen 5.30 Uhr ein abruptes Ende findet. Der Anlegeprozess hat begonnen und wir begeben uns eilig an Deck. Hier lernen wir die 1. Lektion: „Eile mit Weile“ denn bis die ganze Fähre fest vertäut liegt und Monster an Land fahren kann, vergehen doch noch 1,5 Stunden.

Die Suche nach der Zollabfertigung ist relativ einfach, denn vor uns tut sich ein großer Unterstand auf, unter dem etliche Pkws stehen, die komplett abgeladen und ausgeräumt werden. Hier muss es sein und tatsächlich, nach einiger Zeit drückt uns ein Zöllner einen abgerissenen Zettel mit Hieroglyphen in die Hand und nur unwesentlich später gesellt sich ein englisch sprechender Zöllner zu uns. Dieser führt uns fortan durch den langwierigen Prozess der Einreise, der, um 170,00 € leichter im Portemonnaie, damit endet, dass Monster ägyptische Nummerschilder besitzt und Juppi so eine Art Fahrzeugschein.

Die 1. Woche auf dem Sinai verbringen wir in Dahab und im Ras Mohammed Nationalpark, wohin es uns zum Tauchen verschlagen hat. Ingo versorgt uns in seinem Safaricamp mit Luft und Blei, so dass wir vor Monster’s Haustüre direkt ins Wasser steigen können. Herrlich, so ließe es sich ewig aushalten, doch wir haben schließlich eine Verabredung mit Chantel und Ton in Kairo und so brechen wir am Samstag unsere Zelte ab.

Vom Suezkanal sehen wir leider so gut wie nichts, lediglich in weiter Ferne können wir ihn vermuten, denn das Schiffe einfach so durch die Wüste fahren, erscheint uns nun doch nicht wahrscheinlich. Etwas nervös nähern wir uns Kairo, zu oft haben wir von dem chaotischen Verkehr gehört und der Campingplatz soll auch nicht so einfach zu finden sein. Doch oh Wunder, alles klappt wie am Schnürchen, zwar überholt man uns sowohl rechts als auch links und so mancher wechselt auch die Spur von ganz links nach ganz rechts, aber dieses kündigt er ja schließlich durch ein dezentes Winken mit der Hand, die aus dem Fenster hängt, an.

Überhaupt, was rede ich hier von Spur, das ist doch völlig überflüssiges Zeug und reine Platzverschwendung, denn auf eine Straßenbreite passen doch locker 6-7 Fahrzeuge nebeneinander. Geblinkt wird natürlich niemals (wäre ja auch unfair denen gegenüber, die keinen haben), sondern man hupt nach irgendeinem ausgeklügelten System, dessen Arbeitsweise sich unserem Verstand immer noch widersetzt.

Nach einigen waghalsigen Abbiegemanövern, vollgepumpt mit Adrenalin, erreichen wir die Gegend um den Campingplatz und damit einen der Nilkanäle. Oder sollte ich besser sagen, eine der örtlichen Müllhalden, denn Wasser sehen wir hier kaum, dafür aber Berge von Plastikflaschen und -tüten, umgeben von einem fürchterlichen Gestank. Es ist unfassbar, in diesem stinkenden Moloch tummeln sich auch noch Menschen, die ihren alltäglichen Beschäftigungen nachgehen.

Die Tage in Kairo stehen ganz unter dem Motto der Visabeschaffung. Zuerst benötigen wir ein Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft, damit wir das Sudanvisum beantragen können und nachdem sich dieses in unseren Pässen befindet, fehlt nur noch das Äthiopienvisum. Auch das ist kein weiteres Problem und wir können uns der kulturellen Seite Kairos widmen, das ägyptische Museum steht auf dem Programm.

Beim Eintritt des Gebäudes verschlägt es uns fast die Sprache, wahre Menschenmassen in Gruppenform drängeln sich um die verschiedenen Exponate und im Tutenchamun Saal findet das ganze Geschehen seinen Höhepunkt. Dicht an dicht gedrängt schieben wir uns an der Totenmaske und den Sarkophagen vorüber und sind einfach nur froh, diesem Getümmel entgehen zu können. Der reine Wahnsinn! Man glaubt es kaum, aber da ist es auf dem Basar deutlich ruhiger und wir schlendern entspannt durch die verschiedenen Gassen, in denen uns zahlreiche Männer mit schmutziger Stirn auffallen. Doch bei dem, was wir dort sehen, handelt es sich keineswegs um Schmutz, sondern sozusagen um einen Gebetsschaden. Wie das? Es ist tatsächlich so, dass die Ausübung der Religion mit soviel Hingabe verfolgt wird, dass bei der Verbeugung gen Mekka die Stirn der Betenden davon in Mitleidenschaft gezogen wird und sich dieser dunkle Fleck bildet. Aber nicht nur die Betenden sind derart enthusiastisch, auch die Religionsvertreter sind es. Hörten wir in der Türkei immer nur den Aufruf zum Gebet, so beschallt man uns hier gleich anschließend noch mit einer 15-minütigen Predigt und weiterem Gesang. Besonders morgens um 5.00 Uhr sehr erfreulich!

Am Freitagmorgen brechen wir sehr zeitig zu den Pyramiden auf, mit der Folge, dass wir eine Stunde warten müssen, bevor man uns zum Haupteingang vorfahren lässt. Chantel und Ton machen dabei eine Erfahrung der besonderen Art, denn ihre beiden Propangastanks, die sich in der Heckgarage befinden, werden als Bomben identifiziert und sie dürfen daher das Gelände nicht befahren. So etwas ist natürlich wieder eine Herausforderung für meinen Juppi. Frech, dreist beschimpft er zuerst einmal die kontrollierenden Polizisten, die Art, wie wir hier behandelt würden sei ungeheuerlich, wir seien schließlich Touristen und keine Terroristen! So dann erklärt er, wir hätten kein Gas an Bord, was natürlich eine Kontrolle von Monster nach sich zieht, die auf wundersame Weise einzig unsere Außenküche mit den darin befindlichen Gasflaschen ausspart. Der Chef der Kontrolltruppe schenkt Jupp daraufhin sein Frühstück und ich werde unter Polizeischutz zu einer der Kassen geleitet, selbstverständlich an den Schlangen der Wartenden vorüber bis ganz nach vorne. Manchmal kann ich es einfach nicht glauben und das gewisse Grinsen auf dem Gesicht meines Mannes hält irgendwie den restlichen Tag über an.

Die weiße Wüste, eines der landschaftlichen Highlights Ägyptens, hat etwas Außerirdisches an sich. Der Wind und das Wetter haben seltsame Formationen in die weißen Felsen geschliffen, die immer unwirklicher erscheinen, je mehr wir uns ihnen nähern. Da gibt es Kamele, Falken, Champignons und Pferdeköpfe, der Phantasie sind kein Grenzen gesetzt und wir wissen nun auch, wo sich der Osterhase herumtreibt, wenn er gerade keine Eier verteilt. 

Wir probieren die verschiedensten Pisten aus und erfreuen uns an unseren neuen Reifen, denn mit denen macht es riesigen Spaß im Sand herumzukutschieren. Es kommt wie es kommen musste, wir bleiben stecken und erst jetzt, am 2. Tag der lustigen Fahrt, lassen wir die Luft ab. Wir senken den Luftdruck auf 1 Bar und ohne weiteres dazutun befreit sich Monster mühelos aus seiner misslichen Lage. Unglaublich dieser Unterschied zu unseren alten, schmaleren Reifen!

Wir kehren auf die Asphaltstraße zurück und eine ganze Zeitlang fährt ein Minibus vor uns her, der nun jedoch plötzlich anhält. Die Türen öffnen sich, heraus stürzen 5 Männer und fallen im weichen Sand auf die Knie. Aha, denken wir, in diese Richtung muss Mekka sein und die Jungs hier, die wollen nun beten. Aber welche seltsamen Bewegungen vollführen sie dabei? Anstatt ihr Haupt auf den Wüstensand zu senken, wühlen sie in ihren Hosenschlitzen bzw. heben ihre Galabyya! Wir können kaum noch an uns halten, nix beten, die Männer pinkeln schlichtweg im knien!

Über die Oasen Farafra, Dakhla und Al-Kharga steuern wir nach einer Woche Luxor und das dortige Rezeiky Camp an. Hier treffen wir auf Overlander aus Deutschland, Holland, Irland und England, mit denen wir einen vergnüglichen Abend verbringen bevor wir am nächsten Tag von einer geführten Tour bestehend aus 17 Plastikbombern umzingelt werden. Diese Truppe wird es aber nicht gewesen sein, die mir auf Magen und Darm geschlagen ist, das ägyptische Essen, zu dem wir uns haben hinreißen lassen, kommt da wohl eher als Verursacher in Frage. Jedenfalls führt es zu einer verspäteten Abreise, denn erst am Dienstagmorgen kann es weitergehen nach Safaga an das rote Meer. Wir haben uns entschieden, die Wartezeit auf die Fähre nach Wadi Halfa/Sudan lieber hier angenehm beim Tauchen zu verbringen und starten erst am 17.11. in Richtung Assuan.

Über unsere Erlebnisse dort und das Fährabenteuer werde ich im nächsten Bericht schreiben.