Vereinigte Arabische Emirate: Dezember 2017

Die Überfahrt in die Vereinigten Arabischen Emirate ist ganz locker, zuerst gibt es noch ein leichtes Abendessen, bestehend aus Köfte und Reis und dann können wir uns auch schon in den Frachtraum zu Monster schleichen, um die Fahrt schlafend zu verbringen. Die Nacht ist so ruhig, dass wir das Frühstück gleich mal verpennen.

 

Nach der Ankunft im Hafen, beginnt ein ähnliches Chaos wie bei der Abfahrt. Das Carnet wird noch auf dem Schiff eingesammelt und die ganze Bande, bestehend aus 2 Lkws, 2 Motorrädern und etlichen Radfahrern wird zur Immigration geleitet, wo es mal wieder warten heißt. Dann immerhin werden wir als Ausländer bevorzugt behandelt, die Pässe gestempelt und dürfen zu unseren Fahrzeugen zurückkehren. Jetzt müssen wir den Menschen mit den Carnets wieder aufsuchen und der verpasst uns einen Laufzettel mit 6 verschiedenen Stationen. Puh, die Sucherei beginnt. Um das Ganze mal abzukürzen, nach gut 4 Stunden sind wir, um einige Dirham leichter, durch alle Instanzen und haben wieder einmal Glück gehabt, denn auf dem Zollgelände gibt es einige Duty-free Läden, die tatsächlich Alkohol verkaufen. Irgendwie bringen wir die Reihenfolge durcheinander, kaufen dort ein und stellen dann fest, dass wir bzw. Monster noch durch einen Scanner muss. Wie blöd ist das denn? Die Alkoholeinfuhr ist nämlich im Emirat Sharjah, in dem wir uns gerade befinden, verboten. Na wird schon gut gehen, so hoffen wir zumindest. Und wie bereits erwähnt, wir haben anscheinend einen Papst im Gepäck, denn just in dem Moment, als Monster im Scanner steht, gibt dieser seinen Geist auf und wir werden nur einer oberflächlichen Kontrolle durch einen Zollbeamten unterzogen. Na ist das Glück?

 

Die 1. Nacht verbringen wir völlig unbehelligt in der Nähe vom Hafen am Strand und am nächsten Morgen geht es auf Shoppingtour. In der Mall of the Emirates gibt es einen Carrefour-Supermarkt und ob des Angebots, trauen wir unseren Augen kaum. Ja ist denn heut‘ schon Weihnachten? Die Preise sind leider genauso traumhaft, aber an dem einen oder anderen Leckerchen kommen wir dennoch nicht vorbei.

 

Für die nächsten 7 Tage lassen wir uns am Al Soufouh Strand in Dubai nieder. Dieser Strandabschnitt liegt in Laufdistanz zum Burj al Arab und ist seit Jahren ein beliebtes Ziel aller Overlander. Leider wurde ein anderer Strand inzwischen für Camper geschlossen und so haben etliche, der bisher dort campenden Einheimischen ihr großes Ami-Wohnmobil nun hier geparkt. Ganz hinten in der Ecke finden wir noch ein Plätzchen, das sich im Nachhinein als genial entpuppt, denn so hören wir von dem Generatorenlärm, den die Emiratis verursachen, wenig bis gar nichts. Wir richten uns häuslich ein, neben uns Ute und Holli und nach 3 Tagen laufen Corinne und Olli auf, um Olli‘s Geburtstag gebührend zu feiern. Es wird ein lustiger Abend, denn so nach und nach trudeln immer mehr Leute ein, die mit uns auf dem Schiff waren.

 

Den einen oder anderen Wermutstropfen gibt es dennoch, denn wie uns Onur (Motorradreisender, in Dubai lebender Türke) und seine Frau erklären, ist es verboten am Strand zu grillen bzw. ein Feuer zu entzünden. Wie jetzt? Kein Feuer, Alkohol geht sowieso nicht, aber jetzt ist auch noch das Fleisch passé? Geht ja wohl gar nicht! In geheimer Mission setzen sich einige der Herren (na, wer ist wohl vorneweg?) in die hinteren Gefilde ab und allein ein wohlriechendes Aroma verrät das Geschehen hinter den Lkws. Onur und seine Frau halten sich wohlweislich aus solchen Vergehen heraus, denn sie dürfen zwar hier leben solange sie arbeiten, aber sobald sie aus dem Schema fallen, müssen sie innerhalb von 3 Monaten das Land verlassen. Solange sie der Gesellschaft von Nutzen sind, sind sie geduldete Gäste. Krass, macht kein gutes Gefühl.

Besonders wohl fühlen wir uns in den Emiraten bisher zwar nicht, aber natürlich darf bei aller Kritik auch ein bisschen Sightseeing nicht fehlen. Wir kommen schließlich nicht alle Tage nach Dubai, doch nach 7 Tagen haben wir endgültig genug vom Trubel, brauchen ein wenig Ruhe. Dazu fahren wir in eine künstlich angelegte Oase inmitten der Wüste. Der reine Wahnsinn, umgeben vom Wüstensand hat man hier Seen angelegt, es tummeln sich Wasservögel und Fische und natürlich auch zahlreiche Emiratis. Zumindest bis in die frühen Abendstunden, doch dann kehrt absolute Ruhe ein. Herrlich, schlafen ohne Ohrstöpsel und dazu noch Vogelgezwitscher…

 

und Zeit zum Nachdenken…

 

Tja, die Emiratis oder auch „Locals“ genannt, das ist ein Thema bzw. eine Spezies für sich. Toll sehen sie aus in ihren schneeweißen „Dashdallas“ und der traditionellen Kopfbedeckung, irgendwie recht lässig und doch auf die eine oder andere Art und Weise ziemlich arrogant. Da düsen sie nun mit ihren teuren Sport- oder getunten Geländewagen die Dünen oder den Strand auf und ab, bauen riesige Zeltburgen, selbstverständlich mit eigenem Toilettenwagen, und zeichnen sich im Grunde durch kompetentes Nichtstun aus. Die wenigsten dieser „Möchtegern“- Scheichs hat in seinem Leben etwas aus dem Weg gesetzt, in der Regel sind sie einfach nur die Nutznießer einer riesigen, weitverzweigten Verwandtschaft, die irgendwann vom Öl profitierte. Nett sind sie, oberflächlich an unserer Reise interessiert und absolut freundlich, aber ihre Einladungen können wir einfach nicht ernst nehmen...weil... wahrscheinlich auch nicht so gemeint.

Ja und dann sind da noch die Gastarbeiter. Diese Jungs arbeiten quasi für ein Trinkgeld, schicken jeden übriggebliebenen Groschen in die Heimat und hausen in Wohnheimen mit ungezählten ihres Gleichen. Würde man diese tapferen Helden aus Indien, Bangladesh, Pakistan oder den Philippinen des Landes verweisen, wäre der Zusammenbruch der gesamten Infrastruktur vorprogrammiert. Wer sollte dann den achtlos liegengelassenen Müll aufsammeln, die unerzogenen Kinder hüten oder womöglich putzen?

 

Nach 2 Tagen der Ruhe sind wir bereit zu neuen Taten und brechen auf in Richtung Musandam, eine omanische Halbinsel ganz im Norden der Emirate. Auf dem Weg dorthin kommen wir in Umm al-Qaiwain und dem dort ansässigen Barracuda Beach Hotel vorbei. Das Hotel interessiert uns eigentlich überhaupt nicht, aber was es beherbergt um so mehr, denn dort soll es einen Laden geben, der auch an Leute ohne Lizenz, also so Typen wie wir, Alkohol verkauft. Als wir dort ankommen, können wir es kaum glauben, dieses Geschäft ist nicht einfach nur ein kleiner Laden, nein, dieses Geschäft hat eine Supermarkt-artige Größe und verkauft Alkohol in jeglicher Form und aus aller Herren Länder.

Es gibt selbst mein südafrikanisches Lieblingsgesöff Savannah und unseren heimischen Underberg. Nebenbei geht es hier zu wie in einem Taubenschlag, die Kunden schlagen im Minutentakt auf dem Parkplatz auf und haben alle nur ein Ziel…

Während wir unsere neuen Schätze in Monster verstauen, spricht uns ein deutscher, junger Mann an. Wir erzählen ein bisschen von uns, woher-wohin, und in einem Nebensatz erwähnen wir, dass wir nun nach Musandam und in ein paar Tagen zurückkehren wollen. Er wirft einen Blick auf unsere Beute, zieht eine Augenbraue hoch und meint grinsend, ob wir das alles in diesen paar Tagen austrinken wollen. Wie jetzt? Selbstverständlich nicht! Na dann hätten wir wohl ein kleines Problem, die Omanis wären zwar sehr nette Menschen, die auch wenige Zollkontrollen durchführen, aber die Emiratis auf dem Rückweg wären da das genaue Gegenteil. Ihn persönlich haben sie aufs Schärfste kontrolliert und in jeden Winkel seines Fahrzeugs geschaut. Na supi, das sind ja tolle Aussichten, da werden wir unsere Pläne nochmals überdenken müssen.

 

Und so kommt es dann auch, wir drehen bei und fahren stattdessen in Richtung Dibba nach Osten. Hier gibt es zwar keine besonderen Sehenswürdigkeiten, aber immerhin schöne Badestrände. Am Al-Aqah-Strand lassen wir uns für 2 Tage nieder bevor es weiter gen Süden geht. Die kleine Stadt Fujairah ist die Hauptstadt des gleichnamigen Emirats und es gibt auch nicht viel zu sehen hier, aber unser eigentliches Ziel ist der Yachthafen. Dieser ist recht schnell gefunden und nach harten Preisverhandlungen, können wir für den nächsten Morgen eine Angeltour buchen. Praktischerweise darf Monster direkt im Hafen übernachten und so haben wir es in der Frühe nicht weit. Leider haben wir eine recht unruhige Nacht, denn irgendwelche Irren benutzen die Straße als Motorrad-Rennstrecke und die Angelausfahrt entspricht auch nicht ganz unseren Vorstellungen, aber immerhin können wir eine Dorade unser eigen nennen. Anstatt nun eine weitere Nacht im Yachthafen zu verbringen, beschließen wir die Position zu wechseln und lassen uns am Strand vor den Toren der Stadt nieder. Es dauert gar nicht lange, da hält ein Fahrzeug der Gemeinde neben uns und wir werden des Platzes verwiesen. Es sei zu gefährlich direkt am Strand und wir sollen ca. 100 m zurück, hinter eine kleine Einzäunung. Kaum stehen wir dort, beginnt ein buntes Treiben. Die Quads brausen mit einem Affenzahn an uns vorbei und jede Menge Schaulustige promenieren vorüber, selbstverständlich nicht zu Fuß, sondern in ihren Autos, die Trommeln werden ausgepackt, Feuer und Grills entzündet, eben alles was der gemeine Emirate am Abend so macht. Als dann aber auch noch die Araberpferde samt Reiter um uns herum galoppieren, reicht es uns. Wir packen unsere Siebensachen und machen uns auf die Suche nach einem anderen Nachtplatz. Auf der anderen Seite der Stadt glauben wir fündig geworden zu sein, ein großer Platz am Meer, lediglich am südlichen Ende steht ein großes Zelt. Wir packen Tisch und Stühle aus, entzünden ein Feuer und lassen uns an selbigem gemütlich nieder. Kaum haben wir Platz genommen, startet der einzige Nachbar seine Generatoren, schaltet eine riesige Lichterkette mit rot, gelb, grün blinkenden Lampen ein und dazu Musik aus 1001 Nacht in Ohrenbetäubender Lautstärke. Ja, kann das denn alles wahr sein? Es ist noch nicht einmal Wochenende...es folgt eine weitere Nacht mit Ohrstopfen und eine Flucht in den Oman am nächsten Morgen.