Oman: Januar 2018

Der Oman, der Name allein klingt schon wie ein arabisches Märchen und wir verbinden mit ihm ein Gemisch aus Weihrauch und fremden Gewürzen, Kamelkarawanen, die durch die Wüste stolzieren, Dattelpalmen in einsamen Oasen und geheimnisvoll verschleierte Frauen. Am Sylvestermorgen reisen wir völlig unkompliziert in dieses Land aus 1001 Nacht ein. Zuvor muss Jupp die Emiratis ein wenig auf Trab bringen, damit sie uns auch ausreisen lassen. Sie schicken ihn von Hott nach Hüh und wieder zurück und erst ein Wutausbruch und die Frage:“ Was denkt ihr euch eigentlich dabei einen alten Mann derart durch die Gegend zu jagen?“ führt zu einem solchen Erfolg, dass die Jungs mal gleich vergessen die Ausreisegebühr zu kassieren. Auf der omanischen Seite ist alles völlig entspannt, kurze Wege zwischen zwei Containern, in denen sich zum einen die Immigration und zum anderen eine Versicherungsagentur für die Fahrzeugversicherung befinden. Dann geht es schon zum letzten Posten. Was der nun allerdings von uns will, bleibt zunächst ein Rätsel, denn der junge Beamte fragt ständig nach: „ Beba“. Beba? Was ist das? Meint er vielleicht, ob wir irgendwelche alkoholischen Getränke einführen wollen? Beba so wie Bebida im spanischen? Wir sind völlig ahnungslos und vor lauter Verzweiflung begehrt der Beamte in Monsters Innerstes zu schauen. Kein Problem, brav zieht er seine Schuhe aus bevor er eintritt, schaut sich ganz kurz um und fragt schon wieder:“Beba“? Oh Mann, was will er nur? Suchend blickt er sich um und dann geht ein Strahlen über sein Gesicht: „Beba“! Mein Blick folgt seinem ausgestreckten Finger und was sehe ich? Unser Carnet de passage, das auf dem Kühlschrank liegt! Der arme Mann will die ganze Zeit unsere Papiere haben. Wie kann man nur so begriffsstutzig sein, beba...paper...ist doch klar, oder?

 

Den Silvesterabend verbringen wir am Feuer, noch lange sitzen wir draußen und beobachten die Fischer, die mit Autos die Netze aus dem omanischen Golf schleppen. Leider sind auch hier die Strände ziemlich vermüllt, nach dem extrem sauberen Dubai etwas gewöhnungsbedürftig.

 

Eigentlich könnte die Vollmondnacht sehr ruhig und romantisch sein, wenn da nicht die liebestollen Kater wären. Zwei an der Zahl singen (oder was immer sie auch für Gesang halten) die halbe Nacht den Mond an und weder geworfene Steine noch Monsters Signalhorn können die Biester vertreiben. Mit leicht müden Stellen im Gesicht, steuern wir morgens Shinas, den 1. größeren Ort an. Zuerst müssen wir uns mal wieder mit Geld versorgen und dann folgt das 2. Begehren eines Reisenden, die Telefonkarte. Nachdem wir auch noch einen Lulu-Supermarkt besichtigt haben, verlassen wir die Küste und biegen in die Berge ab.

 

Über die Bienenkorbgräber von Al-Ayn fahren wir bis zum Wadi Damm, wo wir uns für die nächsten 3 Tagen häuslich niederlassen. Dieses Wadi wird selbstverständlich auch von anderen Touristen besucht und so mancher ist natürlich an uns und unserer Reise interessiert. Es ergeben sich nette Gespräche, aber den Vogel schießen mal wieder 2 deutsche Paare ab. Monster ist zweifelsohne als deutsches Fahrzeug erkennbar, aber diese Damen und Herren sprechen uns auf englisch an, um nach dem Weg zu den Pools zu fragen. Ok, denke ich, wenn ihr das so haben wollt, bekommt ihr auch eine englische Antwort. Soweit, so gut. Aber dann folgt der nächste Morgen und wir wollen abfahren. Dazu müssen wir bekanntlich erst einmal den Motor etwas laufen lassen, um Luft zu pressen. Dieser Vorgang dauert wenige Minuten, aber diese sind bereits genug um unsere „englischen Deutschen“ auf Trab zu bringen. Die Herren der Schöpfung erscheinen um uns anzumeckern. Ohne guten Morgen wird losgezetert, wohlgemerkt dieses Mal auf deutsch, während die Damen verstohlen um die Ecke lauern. Wir können nur den Kopf schütteln und fragen uns, warum sich manche Menschen selbst im Weg stehen.

 

Die Forts von Bahla und Jabrin sind unser nächster Programmpunkt. In Bahla steht das größte Lehmfort des Oman und ist auch als Weltkulturerbe gelistet, aber das Fort von Jabrin, das ursprünglich ein Wohnschloss war, gefällt uns eindeutig besser.

 

Mit einem kostenlosen Audioguide versehen, erkunden wir den gesamten Komplex bevor es nach Nizwa weitergeht. Dort findet jeden Freitagmorgen ein weithin bekannter Tiermarkt statt. In aller Herrgottsfrühe hören wir schon von Weitem das Gemecker und Geblöke unzähliger Ziegen, Schafe und Rinder und so gegen 7.00 Uhr geht das Spektakel dann los. Ein kreisrunder Versteigerungsplatz unter einem schattenspendenden Dach ist überfüllt von Menschen, drumherum sind zum Verkauf stehenden Tiere angebunden. Die Verkäufer führen zuerst Schafe und Ziegen solange im Kreis herum bis sich ein potenzieller Verkäufer für das angebotene Tier interessiert. Sofort wird das Tier zu ihm hingeführt und dieser beginnt es auf seinen Gesundheitszustand zu untersuchen. Da werden Mäuler geöffnet und Zähne betrachtet und eine „Fleischfestigkeits-Kneif-Prüfung“ durchgeführt, wonach ein lautstarker Handel über den Preis beginnt. So manches Mal sehen wir einen Interessenten schnell aufstehen und zum Rand des Platzes herüber eilen, an dem recht unauffällig die Frauen warten. Anscheinend liegt die Verwaltung des Geldes und die endgültige Kaufentscheidung in ihrer Hand, wie im richtigen Leben.

 

Um 9.30 Uhr ist das ganze Spektakel vorbei, alles löst sich auf und strömt in Richtung Souk bzw. Cafe´ um das Tagesgeschehen nochmals eingehend zu besprechen. Auch wir machen uns wieder auf den Weg, dieses Mal in Richtung Jebel Shams, dem mit 3009 m höchsten Berg Omans. Selbstverständlich kommen wir nicht bis dorthin hinauf, aber immerhin bis zu einem Plateau, das auf 2000 m Höhe liegt. Von dort hat man eine phantastische Aussicht, fast 1000 m tief in eine Schlucht, die als „Grand Canyon“ Omans bezeichnet wird.

 

Da wir somit sozusagen im „Bergmodus“ sind, nehmen wir als nächstes das Saiq-Plateau unter die Räder. Unterwegs passieren wir einen Militärposten, der nicht nur unsere Papiere kontrolliert, sondern auch, ob Monster tatsächlich ein Allrad-Fahrzeug ist. Dieses ist angeblich aus Sicherheitsgründen wegen des starken Anstiegs bzw. Gefälles notwendig. Angesichts der gut ausgebauten, asphaltierten Straßen allerdings ein recht fragwürdiges Ansinnen. Monster klettert jedenfalls ganz tapfer die Strecke hinauf, allerdings verpasst er am nächsten Morgen bei der Fahrt zu einem Aussichtspunkt einen dieser unleidlichen Speedbraker. Bei uns wohl eher als Drempel bezeichnet, gibt es diese Dinger hier in ungezählter Anzahl und in verschiedenen Höhen. Na jedenfalls werden wir ordentlich durchgeschüttelt, alle Kisten im Kofferraum springen aus der Halterung, im Innenraum herrscht ebenfalls ein ziemliches Durcheinander, aber wenigstens tragen wir keine gesundheitlichen Schäden davon. Puh, da muss Monster aber demnächst besser aufpassen, gell? Wir juckeln gemütlich den ganzen Weg wieder herunter und fahren in Richtung Muscat, der Hauptstadt. Unterwegs machen wir ein Päuschen an einem Coffee Shop, mampfen ein paar indische Bohnen, kehren zu Monster zurück und erstarren. Einer unserer beiden Reservereifen ist nicht mehr da! Ich denke sofort an Diebstahl in der vergangenen Nacht, aber wie sollte man ein 120 kg schweres Reserverad unbemerkt von der Rückwand hieven, wenn wir direkt daneben schlafen? Also das kann es schon mal nicht sein, da kann sich das Rad eigentlich nur bei unserem Jump über den Speedbraker verselbständigt haben. Ich glaub‘s nicht, den ganzen Weg wieder zurück...2 Stunden später erreichen wir den Aussichtspunkt, an dem wir gewendet haben und siehe da, da liegt er. Unseren roten Eimer und einige Wasserflaschen hat er unter sich begraben, aber ansonsten sieht er topfit aus.

 

                                                 Glück braucht der Mensch!