Iran 3: November/Dezember 2017

Unsere vermeintliche Offroadsrecke von Ardakan nach Chupanan ist inzwischen 2-spurig asphaltiert, aber dennoch machen wir sehr langsam und benötigen 2 Tage mit traumhaften, einsamem Übernachtungsplätzen bis wir Mesr in der Dahst-e-Kavir erreichen. Ein nettes Dörfchen mit Häusern aus Lehm und winkenden Einwohnern. Eine einzige Straße führt durch den Wüstenort. Wir durchqueren ihn folglich in der Erwartung des großen Nichts, der Unendlichkeit des Sandes. Und was kommt? Es muss eine Fata Morgana sein, denn wir meinen ca. 100 Touris auf einer Düne zu erspähen. Geländewagen und Quads fahren die Düne rauf und runter, aus den Autoradios schallen die Bässe der Technomusik, ja geht‘s denn noch? Nix wie weg hier, weiter in den Sand und hinter Düne 17 finden wir unser einsames Plätzchen.

Wir drehen eine Runde, besuchen die Quelle von Garmeh, die alte Lehmstadt Kharanaq und den Feuertempel der Zarathustrier ChakChak. An einer Tankstelle ereilt uns ein weiteres Mal die Freundlichkeit der Iraner. Einige Lkw-Fahrer geben uns ihre Tankkarte, sodass wir anstatt für 600 Real nun für 300 Real unseren Tank füllen können. Nach einer Stippvisite in Yazd, wollen wir uns die alte Lehmstadt von Sharyazd ansehen, angeblich ein Geheimtipp. Die Abfahrt dorthin ist aufgrund von Koordinaten schnell gefunden, doch anstatt auf unser GPS zu hören, vertrauen wir auf ein Hinweisschild und fahren in eine immer schmaler werdende Gasse. Es geht um einige Kurven und dann geht nichts mehr. Vor uns eine Baustelle, umgeben von hohen Mauern, dahinter die Koordinaten zur Lehmstadt. Toll, jetzt könnten wir zwar zu Fuss dorthin, aber wie bekommen wir Monster hier wieder weg? Rückwärts geht nicht, da kriegen wir die Kurve nicht, vorwärts geht sowieso nichts und auf der Stelle drehen, schafft Monster bisher noch nicht. Oh Mann, guter Rat ist teuer, aber wir können hier ja schlecht ewig stehen bleiben...Was soll ich lange schreiben, es wird verdammt eng, Stückchen für Stückchen, Zentimeter für Zentimeter gelingt es Jupp in schweißtreibender Arbeit unser Gefährt zu drehen. Am Ende benötigen wir 30 Minuten um aus dieser hohlen Gasse wieder heraus zu kommen. Puh, das ging so grade nochmal gut. Schlussendlich finden wir die richtige Zufahrt zum Castle doch noch und sind hoch erfreut, dass uns der dortige Wächter zum Frühstück einlädt. Als ob er geahnt hat, dass wir das nötig haben.

Die alten Gemäuer sind die Anstrengung aber wenigstens wert, viele Räume sind inzwischen restauriert und absolut sehenswert.

Natürlich darf auch dieses Mal ein Besuch in Persepolis nicht fehlen und wir sind dann auch gleich mal erstaunt, was sich hier in den letzten 12 Jahren doch alles verändert hat. Waren wir damals ziemlich allein auf weiter Flur, tummeln sich heute zahlreiche Touristen in der Anlage. Eine Führung jagt die nächste, aber auch die Restaurierung hat Fortschritte gemacht.

Wir erreichen Shiraz und ergattern einen Stellplatz in Laufdistanz zur Stadt. Gleich am 1. Morgen stürzen wir uns ins Getümmel, bestaunen nicht nur das alte Fort und den Souk, sondern auch eine Menge Händler, die Markisenstoffe zu allem möglichen verarbeiten. Da kommt uns doch der Gedanke, dass einer unserer Campingstühle einen neuen Sitzbezug gebrauchen könnte. Flugs zu Monster zurück, Stuhl auseinander gebaut, zurück zum Händler, Stoff ausgesucht und Preis verhandelt. Das klappt ja wie am Schnürchen hier. Während wir noch so da stehen, stellt uns der Händler die übliche Frage, wie uns der Iran gefällt und bekommt von Jupp die übliche Antwort: „ Der Iran gefällt uns sehr gut, die Leute sind unglaublich freundlich, aber leider gibt es bei euch kein Bier!“ Der Händler schaut einmal nach rechts und einmal nach links: „Willst du iranischen Whiskey?“ Häh, wie jetzt? Anscheinend haben wir richtig gehört, schnell wird auch dieser Preis verhandelt und so kommt es, dass wir um 17.00 Uhr nicht nur im Besitz eines neuen Stuhlbezuges sind, sondern auch noch 1.5 l iranischen Whiskey unser eigen nennen. Natürlich müssen wir das Zeugs noch am gleichen Abend probieren und staunen nicht schlecht, es schmeckt wie Grappa und erfreut unsere Gaumen.

Bei der Abfahrt von Shiraz, durchfahren wir eine Art Automeile und stoppen an einem Teileladen mit Mercedes-Stern vor der Türe. Mein Göttergatte stürmt den Eingang und kommt mit seinem breitesten Grinsen wieder heraus. „Ich bin im Paradies!“ lauten seine Worte. Für umgerechnet 10,00 € hat er 2 komplette Blinker, 1 Scheinwerfer-Glas und 3 Birnen ersteigert, wow!

In Kerman quartieren wir uns im Garten des Hotel Akhavan ein und Juppi kann es sich nicht verkneifen, auch dort nach Bier zu fragen. Vor 12 Jahren konnten wir hier in einer Nacht und Nebelaktion 4 Dosen Bier erwerben, aber heute hat keiner der beiden Besitzer von Nichts eine Ahnung. Ob da jemand beim Schmuggeln erwischt wurde? Naja, wie auch immer, wir sind ja versorgt.

Am späten Nachmittag trudeln Ute und Holger ein, wie immer gibt es viel zu erzählen und dann muss ja auch noch alles für unsere große Expedition in die Wüste Lut besprochen werden. Am frühen Freitagmorgen werden wir durch merkwürdiges Schaukeln geweckt. Was ist denn jetzt mit Monster los? Entwickelt er nun ein Eigenleben oder hat der iranische Whiskey doch irgendwelche Nebenwirkungen? Ruckzuck stehen wir in den Hosen und vor der Türe und da sehen und spüren wir auch schon was los. Um uns herum bebt die Erde ganz gehörig, nicht nur Monster schaukelt, sondern auch die Häuser und Bäume. Erdbeben! Gottlob ist nichts weiter passiert, das Epizentrum lag irgendwo in der Wüste. Unsere nächstes Ziel, doch bevor es losgehen kann, müssen wir unsere Visaverlängerung in Angriff nehmen. Samstagmorgen um 8.00 Uhr sind wir unterwegs zum Polizeigebäude im Stadtzentrum. Es herrscht bereits ziemlicher Trubel dort, aber wir werden irgendwie bevorzugt behandelt und zum entsprechenden Büro geschleust. Dort empfängt uns ein Offizieller und erklärt uns sogleich mal, das Computersystem würde heute nicht arbeiten und wir sollen morgen wiederkommen. Nö, nö, von solchen Tricks haben wir schon öfters gehört und lassen uns von seinem Geschwafel nicht ins Bockshorn jagen. Ganz ruhig erzählen wir ihm, dass wir heute noch nach Tabas fahren wollen und man dort bekanntlich keine Verlängerung bekommen kann. Hm, das gefällt ihm aber gar nicht, jetzt muss er doch tatsächlich noch selbst arbeiten und versorgt uns mit einem Laufzettel für die verschiedenen Stationen, die wir anlaufen müssen. 1. Weg zum Fotografen, denn ich habe nur Passfotos als Doro und brauche welche als Fatima, also mit Kopftuch. 2. Weg zur Melli-Bank zwecks Einzahlung der Gebühren und 3. Weg zurück zur Polizei. Dort noch flugs 2 Formulare ausgefüllt und ab zurück zum Arbeitsunwilligen. Der nimmt immer noch widerwillig unsere ganzen Dokumente in Empfang und bestellt uns für 13.00 Uhr zurück ins Präsidium. Na geht doch, warum nicht gleich so? Um 13.00 Uhr ist unsere Verlängerung tatsächlich in den Pass eingetragen und wir können uns unserer geplanten Tour widmen.

Wir bunkern Wasser, Lebensmittel und Brennholz und dann kann es losgehen. Nach der Überwindung einer 2.690 Meter hoch Passstraße, geht es auf Asphalt nach Shadad, eine Oase am Rand der Wüste Lut und dort biegen wir ab in das Gebiet der Kalouts oder auch Yardangs genannt. Das sind riesige, bizarr aussehende Gebilde, zwischen denen wir uns für die Nacht häuslich niederlassen.

Am nächsten Morgen fahren wir noch ca. 80 Kilometer auf der Straße, die quer durch die Wüste Lut nach Nebandan führt, und biegen dann auf eine feine Kiesebene in Richtung Süden ab. Heftige Bodenwellen lassen uns nur langsam voran kommen, aber wir haben ja schließlich Zeit genug. Bereits früh suchen wir einen Nachtplatz und kaum haben wir ein Lagerfeuer entzündet, bekommen wir auch schon Besuch. Ein kleiner Wüstenfuchs interessiert sich sehr für das Abwasserrohr an Holli‘s Lkw. Immer wieder schleicht er sich heran, stellt sich auf die Hinterpfoten und versucht ein Tröpfchen Wasser zu ergattern. In der Nacht klettert er sogar auf den abgestellten Campingtisch, wie wir am nächsten Morgen den Fußspuren entnehmen können.

In den nächsten Tagen wird die Strecke anspruchsvoller, Dünenlandschaften kommen immer wieder in Sicht, enge Passagen müssen gemeistert werden und irgendwann an einer Anhöhe passiert es dann. Wir stecken bis zum Tank im Sand. An und für sich kein so großes Problem, schließlich sind wir ja mit 2 Fahrzeugen, aber was macht Holger? Anstatt abzuwarten wie es mit Monster weitergeht, will er an uns vorbeiziehen und bleibt nun ebenfalls stecken. Tolle Wurst! Jetzt stehen wir beide und auch noch hintereinander. Vorwärts geht gar nichts, also rückwärts in der eigenen Spur, nur dort steht leider Holli. Also muss er zuerst mal weg. Bei diesem Versuch gibt Holger kräftig Gas, kommt auch ein paar Meter weit, doch dann: klack, klack, klack und der Öldruck ist weg. Uns fährt der Schreck in alle Glieder, lieber Gott, lass es keinen Motorschaden sein! Bevor wir irgendetwas anderes tun, beschließen wir den Motor erst einmal abkühlen zu lassen und derweil Monster zu befreien. Sandbleche müssen her, der Reifen-Luftdruck wird abermals, bis auf ein Minimum, reduziert und dann heißt es Daumendrücken. Monster ist brav, wie auf Schienen wühlt er sich durch den Sand und Jupp gelingt es an Holli vorbei auf festeres Terrain zu gelangen. Das 1. Problem ist gelöst, auf zum 2. Ganz vorsichtig wird Holgers Truck gestartet und siehe da, der Öldruck ist wieder da. Uns allen fällt ein Stein vom Herzen, da scheinen alle Schutzengelchen aufgepasst zu haben. In dieser Nacht schlafen wir alle sehr schlecht, was wäre gewesen wenn, geht uns wohl allen durch die Köpfe…

 

Nach 6 Tagen kommt unser Wüstenabenteuer zum Ende, gemütlich juckeln wir auf Asphalt bis kurz vor Nebandan in die Merikhi Mountains und genießen die bunten Berge.

Über Zahedan an der Grenze zu Pakistan fahren wir die restlichen Kilometer bis Bandar Abbas am persischen Golf auch noch gemeinsam. Dort führt unser 1. Weg zur Val Farj Shipping Gesellschaft, wo wir das Ticket für die Überfahrt nach Sharjah, in die Vereinigten arabischen Emirate, kaufen. Wir wollen bereits am Samstag übersetzen und so schlagen wir für 2 Tage unser Lager auf einem Parkplatz direkt an der Strandpromenade auf. Heute am Donnerstag, dem iranischen Samstag, ist am Abend der Teufel los. Überall wird gegrillt, die Wasserpfeifen qualmen und die Musik darf natürlich auch nicht fehlen. So richtig arabisches Feeling kommt auf, da werden wohl die Ohrstöpsel mal wieder in Aktion treten müssen.

Am Samstag sollen wir uns bereits um 8.00 Uhr im Hafen einfinden und es folgt eine Geschichte, die wohl jeder Reisende anders erlebt. Unsere setzt sich überwiegend aus warten zusammen, erst am späten Nachmittag ist der Papierkram erledigt und es beginnt eine heftige Diskussion mit dem angeheuerten Agenten. Wir sind inzwischen eine Gruppe aus 4 Parteien. Ein Paar aus der Schweiz, Corinne und Oliver, mit ihrer Ural mit Beiwagen, Onur, ein in Dubai lebender Türke, mit seinem Motorrad, Ute und Holger mit ihrem Lkw und wir mit unserem Monsterchen. Der Agent verlangt doch sage und schreibe 100,00 $US, und zwar nicht insgesamt, sondern von jeder Partei. Zusätzlich versucht er sich an den eigentlichen Gebühren zu bereichern, die er mal kurz von 645.000 IR auf 1.000.000 IR erhöht. Ja hat der noch alle am Christbaum? So geht‘s ja wohl gar nicht. Es wird geredet und geredet, ein Polizist wird eingeschaltet und weiter geredet und am Ende wird alles gut. Die Gebühren sind wieder auf den Normalpreis gesunken und der Agent bekommt insgesamt 100,00 $US für uns alle zusammen. Jetzt heißt es nur noch weiter warten bis wir um 21.00 Uhr endlich an Bord der Hormuz 12 fahren können und diese in Richtung VAE ablegt.