Iran 2: November 2017

Das Verkehrschaos steckt uns noch ein wenig in den Knochen und aus diesem Grunde gönnen wir Monsterchen heute mal einen Ruhetag und fahren stattdessen mit der Metro in die Stadt. Praktischerweise gibt es am Mausoleum eine Station und somit stürzen wir uns ins Getümmel, im wahrsten Sinne des Wortes. Was sich in den Waggons der Untergrundbahn so abspielt ist sehenswert. Nicht nur, dass die Bahn absolut voll ist, nein, durch die Menge schieben sich auch noch Leute, die alle möglichen Dinge an den Mann oder die Frau bringen wollen. Lauthals werden Zahnbürsten, Haargummis, Tischdecken, Brieftaschen, Rücksäcke und ähnliches feil geboten. Klaro, ist vermutlich auch ein Riesengeschäft, wenn man so im Zug sitzt und denkt: „Och, ich könnte mir ja auch mal eine neue Zahnbürste kaufen!“, gell??? Aber den Vogel schießt ein Typ ab, der sich eine Clownsnase aufgesetzt hat und mit einer Art Heulboje grässliche Geräusche abgibt. Ja ist denn heut‘ schon Karneval?

Wir bleiben 2 Tage in der von Verkehrschaos und Luftverschmutzung geplagten Millionenmetropole, besuchen das Nationalmuseum, den Golestan-Palast, das nationale Juwelenmuseum und selbstverständlich den Bazar, doch dann müssen wir weg. Genug des Smogs und den vielen Menschen, auf nach Kashan.

Kashan gehört zu den längsten besiedelten Plätzen des iranischen Hochlandes. Der Grund ist eine äußerst ergiebige Quelle in der Nähe der Stadt, die noch heute die ehemaligen königlichen Gärten, die Baq-e Fin, bewässert. Genau dorthin zieht es uns, denn auf dem Parkplatz kann man wunderbar über Nacht parken. Wir schauen uns 2 Tage in Kashan um, der obligatorische Bazar und ein altes Herrenhaus einer Kashaner Kaufmannsfamilie stehen auf dem Programm. Das Herrenhaus gliederte sich, gemäß der orientalischen Architektur, in einen privaten und in einen öffentlichen Bereich und genau diesen schauen wir uns an. 

Nächstes Etappenziel ist Isfahan. Dort hat es uns 2005 sehr gut gefallen und wir steuern unseren Stellplatz von damals an. Zentrumsnah liegt der Parkplatz vom Pavillon Hasht Behesht und genau wie damals können wir auch dieses Mal hier campieren. Wir beschließen einen kleinen Spaziergang zu unternehmen, biegen um 2 Ecken und laufen Anja und Peter in die Arme. Die beiden sind ebenfalls heute hier angekommen, haben sich jedoch für einen anderen Stellplatz entschieden. Kaum 2 Stunden später trudeln Ute und Holger ein und quartieren sich neben uns ein. Obwohl sich auch in Isfahan, so wie überhaupt im ganzen Iran, inzwischen sehr viel verändert hat, fühlen wir uns auch dieses Mal sehr, sehr wohl. Die Atmosphäre um den großen Platz, den Meydan-e Imam, ist einzigartig. Rundherum verlaufen doppelstöckige Arkaden, in deren Untergeschosse zahlreiche Geschäfte ihre Waren anpreisen und langsam im Innern zum eigentlichen Bazar werden.

2 Tage durchstreifen wir die Stadt, liegen „sau“ unbequem, aber bei leckerem Essen, mit Ute und Holger in einem traditionellen Restaurant auf den Teppichen und fühlen uns rundum wohl. Aber alles hat ein Ende, die kalten Temperaturen treiben uns weiter gen Süden, jedoch nicht ohne dem großen HyperStar Supermarkt einen Besuch abzustatten. Dieser Supermarkt ist die iranische Version der französischen Carrefour-Kette und bietet alles was das Herz begehrt. Na ja, fast alles jedenfalls, denn auch hier gibt es leider weder Schweinefleisch noch Bier oder Wein.

 

 

 

 

 

Dafür aber jede Menge Overlander, die alle in den Oman wollen…deren Wege sich aber von hier aus vorerst trennen.

 

Wir schlagen einen Nebenstrecke in Richtung Wüste Dasht-e Kavir ein. Es gibt Sand, Wellblech, Sand und Wellblech und eine alte Karawanserei. Der Eingang ist wie geschaffen für Monster, es herrscht absolute Ruhe und der Sternenhimmel liefert seinen Teil zum Wohlfühlfaktor.

Mal wieder eine Nacht ohne Ohrstöpsel ist nicht zu unterschätzen. Gut ausgeruht beschließen wir am nächsten Morgen nicht die Strecke die unser Navi ausweist zu nehmen, sondern eine Piste, die zwar auf keiner Karte erscheint, aber dafür in die grobe Richtung zu unserem Ziel weist. Es macht mal wieder irre Spaß so einfach querfeldein zu fahren, Erinnerungen an Afrika werden wach und wir genießen die Fahrt aus vollen Zügen. Kurz bevor wir wieder auf das schwarze Band des Asphalts treffen, stoppen wir in einem kleinen Dorf am Straßenrand um eine kleine Pause einzulegen. Es dauert gar nicht lange, da scharwenzelt so ein Typ um Monster herum, klopft immer wieder ans Seitenteil und verschwindet plötzlich wieder. Na, wieder so ein neugieriger Vogel, denken wir noch und dann auch nicht weiter über ihn nach. Jedenfalls bis 10 Minuten später ein Auto neben uns hält, drei Männer herausspringen und in barschem Ton nach unseren Pässen verlangen. Jupp versucht es mit einem seiner üblichen Späßchen: „ Sorry, no farsi, Tourist aleman, Football-Champion“ wobei er eindeutige Beinbewegungen macht, aber diese Jungs hier scheinen überhaupt keinen Sinn für Humor zu haben. Abermals sehr unfreundlich: „Passport!“ woraufhin wir recht kleinlaut unsere Pässe herausrücken. Jede Seite wird eingehend studiert und dann werden wir in Gnaden entlassen. So schnell wie die Herrn angerückt sind, sind sie auch wieder weg und übrig bleibt nur der Typ, der schon zuvor um Monster herumscharwenzelt ist. Zuerst schaut er ein bisschen blöd aus der Wäsche und dann besitzt er doch tatsächlich die Dreistigkeit uns nach Alkohol zu fragen. Spinnt der? Selbst wenn wir welchen hätten, wäre er sicherlich der letzte der welchen bekäme. Wenn wir sehr bösartig wären, könnten wir sogar denken: „Netter Versuch, wenn es ohne nicht geklappt hat, versucht er uns eben mit Alkohol an die Geheimpolizei auszuliefern“.

Kurz nach unserer Weiterfahrt, sehen wir an einer Tankstelle eine Servicestation. Ein perfekter Ort um Monster ein wenig Pflege angedeihen zu lassen. Wir fahren über eine Grube und trotz Jupps intensiver Kontrolle wird in einer affenartigen Geschwindigkeit abgeschmiert und das für den stolzen Preis von umgerechnet 2,00 €. Die anschließende Monster-Wäsche und das Teechen für die Herrn der Schöpfung ist selbstverständlich inbegriffen. Allein die Frage zum Abschied ist etwas irritierend, denn ein weiteres Mal dreht es sich um Alkohol. Wo sind wir hier bloß gelandet?