Iran: November 2017

Wie schon unzählige Male zuvor überqueren wir einen Fluss, der die Grenze bildet. Auf der Brücke bereits wechseln die Militärposten, aus den armenischen werden iranische und kurze Zeit später stehen wir vor dem 1. Zollhäuschen. Monster muss noch draußen warten und wir werden zur Personeneinreise gebeten. An sich kein großes Unterfangen, doch leider sind alle Computer ausgefallen und es hat sich bereits eine kleine Schlange von Lkw-Fahrern gebildet, die alle auf die Ein- oder Ausreise warten. Wir warten eine Stunde und nichts geschieht, zwischendurch unternehmen wir einen kleinen Spaziergang, wir warten 2 Stunden und nichts geschieht, wir essen schon mal ein Äpfelchen, wir warten 3 Stunden und siehe da, es geschieht etwas. An allen anderen Wartenden vorbei, werden wir bevorzugt behandelt und die Pässe gestempelt. Dass ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht anwesend bin, spielt irgendwie überhaupt keine Rolle. Jetzt aber nichts wie auf zur Fahrzeugkontrolle. Kaum angekommen, spurtet auch schon ein Zöllner mit unserem Carnet los und keine 3 Minuten später, sind alle Formalitäten erledigt. Keine Fahrzeugkontrolle, keine Fragen nach Drogen oder Alkohol ..." Welcome to Iran"... (wir hätten Bier und Wein Hektoliterweise schmuggeln können)

 

Aufgrund der inzwischen eingesetzten Dunkelheit wollen wir nicht mehr bis nach Jolfa fahren und stoppen unterwegs an einem Parkplatz, der zu einem Wasserfall führt. Auf dem Parkplatz befinden sich 3 kleine Restaurants und an einem brennt noch Licht, sodass es nicht lange dauert, bis der Besitzer sich bei uns einfindet. Er komplimentiert Jupp zu seinem Laden und beginnt eine Preisdiskussion, falls man das was nun folgt überhaupt so nennen kann. Englisch spricht der junge Mann nämlich nicht ein Wort. Umständlich wird jedes Wort in ein Übersetzungsprogramm auf seinem Handy gesprochen und jedes Mal dauert die Antwort eine Ewigkeit. Nach gefühlten 30 Minuten hat Jupp genug von dieser Aktion, bedankt sich artig und wir verlassen den Parkplatz, um dann keine 100 m weiter auf einem freien Schotterplatz kostenlos zu nächtigen.

 

Am nächsten Morgen finden wir uns in Jolfa ein, um uns mit allem was der Reisende so braucht einzudecken. Wir finden einige Wechselstuben, entscheiden uns aber zunächst mal so etwas wie eine Touristeninformation zu suchen. Auf unsere Nachfragen ernten wir nur Schulterzucken, daher marschieren wir kurzentschlossen ins Rathaus und bringen unser Anliegen vor. Leider gibt es hier auch erst einmal verständnislose Gesichter, aber dann führt uns ein kleines, aufgeregtes Männlein zu einer jungen Frau, die des englischen mächtig ist. Diese packt sogleich ihren Mantel und eskortiert uns zu einem Geldwechsler. Hier haben wir gleich gar nichts mehr zu sagen, lediglich die zu tauschende Summe wird gefragt, den Rest regelt die resolute junge Dame namens Mahtab. Toll, wo wir doch schon einmal so nett unterwegs sind, ersteigern wir noch gemeinsam eine Simkarte fürs Handy.

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Dankeschön möchte Mahtab lediglich mal einen Blick in Monster werfen und einige Selfies mit uns zusammen haben. Wenn‘s weiter nichts ist.

 

In strömendem Regen fahren wir nach Täbris, wo wir im Mozafer Passenger Park einen wunderbaren Stellplatz finden. Neben uns ein junges schweizer Paar mit einem Landcruiser, die uns sogleich mal mit der Hiobsbotschaft überraschen, dass morgen irgendein Feiertag ist und wir somit gleich 2 Tage hier festhängen, da am Freitag, dem iranischen Sonntag, natürlich auch alles geschlossen ist. Na toll...und wir brauchen noch eine Versicherung für Monster. Was nun? 3 Tage im Regen sitzen, ohne Versicherung fahren oder unsere kleinen, grauen Zellen mal ein bisschen auf Trab bringen? Wir entscheiden uns für letzteres und schicken eine WhatsApp an Mahtab, mit der Frage, ob die Versicherungsbüros an der Grenze morgen auch geschlossen haben. Die Antwort von ihr lautet weder ja noch nein, sondern es gibt eine Telefonnummer ihres Cousins, der in Täbris lebt und bei einer Versicherungsagentur arbeitet. Es ist wie so oft, man muss nur einen kennen, der einen kennt, der einen kennt. Am späten Vormittag des Feiertages finden wir uns im Versicherungsbüro ein, wo wir von 6 verschiedenen Leuten herzlich begrüßt werden. Da sind der Cousin, ein Freund und der vor einem Jahr erblindete Besitzer der Agentur und die dazugehörigen Frauen. Es gibt Tee, es wird palavert, die Hälfte der Truppe fährt irgendwann zu einem Ausflug und wir? Wir trinken Tee und bekommen am Ende unsere Versicherungsunterlagen. Aber damit nicht genug, anschließend werden wir zur Familienrunde kutschiert, denn heute findet eine iranische Tradition statt. Das sogenannt Nazri, wobei Leute Essen kochen und es an andere, wie Arme, Familie und Freunde verteilen. Wir landen in einem riesigen, plattierten Erdgeschoss, in dem in großen Töpfen Reis, Gemüse und Hühnchen gekocht wird. Anschließend wird das Essen portionsweise in Schalen verpackt und auch wir erhalten eines dieser „Lunchpaket“. Nur kurz glauben wir, dass wir damit nun zu Monsterchen zurückkehren können, dann werden wir auch schon wieder ins Auto befördert und zur Mutter des Versicherungsmaklers gefahren. Dort nehmen wir alle zusammen das Essen ein und dann will man mit uns noch eine Besichtigungstour unternehmen. Uff, jetzt ist aber wirklich genug, wir wollen endlich nach Hause und alle anderen Beteiligten machen auch keinen besonders traurigen Eindruck, dass es nun vorbei sein soll.

 

Frohen Mutes brechen wir am Freitagmorgen auf. Über Ardabil geht es nach Masouleh, einem kleinen Dorf, das terrassenförmig in einen sehr steilen Abhang hineingebaut ist. Wegen des Gefälles gibt es zwischen den Häusern nur ganz wenige Straßen, stattdessen fast ausschließlich Stufen und Serpentinengassen. Die Häuser sind aus Lehmziegeln gebaut, die mit einem ockerfarbenen Lehm verputzt sind und geht man ein paar Stufen höher, kann man das Dach des darunterliegenden Hauses betreten.

 

Für die Fahrt nach Teheran, nehmen wir verbotenerweise die Autobahn. Warum sollen wir auch über eine schlechte, kurvenreiche Straße juckeln, wo es doch diesen wunderbaren Highway gibt? Dazu weiß der Mensch an der 1. Mautstelle auch keine Antwort, aber er will uns partout klarmachen, dass Lkw auf der Autobahn verboten sind. Währenddessen wedelt sein Kollege im 2. Kassenhäuschen schon mit 2 Geldscheinen, was wohl bedeuten soll, was wir zu zahlen haben. Auch in dieser Hinsicht stellen wir uns doof, was zur Folge hat, dass es dem Chef des ganzen wohl zu dumm wird und er uns mit eindeutiger Handbewegung durchwinkt. Doch die 2. Mautstelle folgt bereits kurze Zeit später. In diesem Häuschen sitzt ein Typ, der mit dem Kopf rollt wie ein Inder und uns dann ebenfalls durchwinkt. An der 3. Mautstelle sind wir mal gewillt zu zahlen, halten daher schon einen Geldschein aus dem Fenster, der auch tatsächlich angenommen wird. Doch dann bekommen wir das Geld mit den Worten: “Welcome to Iran“, zurück. Die Polizei hat auch irgendwie ein gestörtes Verhältnis zu unseren Autobahnfahrten, denn sobald sie unser ansichtig werden, stoppen sie uns und müssen dann mühsam überzeugt werden, dass Monster ja gar kein Lkw ist. Es folgt die Einfahrt nach Teheran und mir fehlen so recht die Worte, was hier abgeht, ist einfach unvorstellbar.

 

Es geht nur schrittweise vorwärts und aus den ursprünglichen 3 Fahrspuren werden wahlweise 5 oder 6, einspurige Abfahrten werden mindestens zu zweit befahren. Jede noch so kleine Lücke wird ohne Rücksicht auf Verluste ausgenutzt. Die Iranis, eigentlich ein höfliches, freundliches Volk, scheinen zu einer Art Rallyefahrer zu mutieren sobald sie ein Lenkrad in den Händen halten. Uns stehen jedenfalls die Haare zu Berge. Endlich am Khomeini Mausoleum, unserem Stellplatz, angekommen, kommt Jupp zu der Erkenntnis, dass alle Irrenanstalten des Landes geöffnet worden sind und man allen Irren zur Entlassung ein Auto samt Führerschein geschenkt hat.