Griechenland: Oktober 2017

Yassos- herzlich Willkommen in Griechenland.

 

Die Ankunft in Griechenland ist völlig unspektakulär, ratzfatz fahren wir von Bord und das war‘s auch schon. Kurze Orientierung, schneller Einkauf und ab zum Strand, besser kann es nicht gehen. Die Tagestemperaturen laden zum Schwimmen ein, zwischendurch ein wenig relaxen beim Lesen und die kalte Abendtemperatur lässt sich bei netten Gesprächen am Lagerfeuer auch gut aushalten. So verbringen wir gleich 2 Tage an Ort und Stelle, könnten es noch länger aushalten, doch der Weg bis in den Oman ist schließlich noch weit.

Zunächst aber unternehmen wir noch einen Abstecher in die Berge. In engen Serpentinen geht es bergauf und bergab und kurz nachdem wir eine Brücke überqueren, sehen wir am rechten Straßenrand ein kleines Hinweisschild. Von Natur aus schon immer etwas neugierig, wird Monster kurzerhand geparkt und schon holpern wir die zahlreichen Natursteinstufen hinunter. Unten erwartet uns ein kleines Naturwunder, denn ein Flüsschen hat im Laufe der Zeit ein tiefes Bett ins Kalkgestein gefressen und zwar in einer derart affenartigen Geschwindigkeit, dass ein großes Steintor einfach stehen geblieben ist. Auch damals waren die Menschen bekanntermaßen gar nicht so dumm und nutzten dieses Steintor fortan als Brücke. 

Aus lauter Freude über diese neue Brücke bauten sie dann gleich noch eine kleine Kapelle neben das Flüsschen, die bis heute gehegt und gepflegt wird.

 

Da wir somit also „steinmäßig“ schon mal eingestimmt sind, fassen wir für den nächsten Tag das Zeus-Heiligtum Dodona ins Auge. Bei Homer kann man über Odysseus lesen: „Um dem Rat des Zeus aus den Gipfeln der Eiche zu lauschen...“ Zwar kam dieser wackere Held ziemlich weit in Griechenland herum bis er ins heimatliche Ithaka zurückfand, aber die Priester konnten dem Rauschen der Eiche, an deren Wurzeln Zeus leben sollte, auch ganz banale Ratschläge entnehmen. Etwa in der Art wie: „Wird meine Frau jetzt endlich mal ein Kind bekommen oder werde ich in meinem Job erfolgreich sein?“ Lebenswichtige Fragen, auf deren Beantwortung Dodona spezialisiert war. Leider wurde die heilige Eiche bereits im Jahre 395 n. Chr. gefällt und dem neu gepflanzten Bäumchen können wir weder ein ehrwürdiges Rauschen geschweige denn irgendwelche Antworten entlocken. Aber wenigstens verbringen wir eine absolut ruhige Nacht auf dem Parkplatz vor den Toren der Anlage. Kein Wunder, wo uns doch Zeus persönlich bewacht.

 

Nächstes Etappenziel sind die Meteora Klöster. Auf dem Weg dorthin stoppen wir an einem Laden für Autozubehör, denn wir benötigen ein paar dieser kleinen Glassicherungen. Der Besitzer des Geschäfts will uns auf seinen Parkplatz lotsen, doch dazu muss erst einmal die Markise eingefahren werden. Aktion gelingt, Monster steht, die Verhandlungen beginnen, es wird über das Woher und Wohin lamentiert und dann wechseln ungefähr 10 Sicherungen den Besitzer. Geschenkt! Dieser Gutmensch will absolut kein Geld annehmen und obendrein hat er noch den Stress, Monster wieder vom Parkplatz zu bekommen. Markise wieder reinkurbeln, Straße sperren, ihm ist nix zu viel. Da sage noch einer was von den Griechen…

 

 

Am frühen Nachmittag erreichen wir die steilen Konglomeratfelsen von Meteora, auf denen in schwindelnden Höhen je ein Kloster wie aufgepappt zu sein scheint. Dazwischen ziemliche Abgründe.

 

Über eine steile Felsentreppe erklimmen wir das 1. Kloster, zwar etwas anstrengend, aber immer noch deutlich besser als z.B. im 14. Jahrhundert. Am Anfang mussten die Mönche mit Hilfe aufeinander gebundener Holzleitern die Höhen erklimmen, um ungestört ihren Seelenfrieden zu finden. Später dann wurden sie wie Lasten in einer Art riesigem Einkaufsnetz mit einer Seilwinde die 40 Höhenmeter empor gekurbelt. Auch nicht so prickelnd. 

Aus welchem Grund entzieht sich so recht meiner Kenntnis, aber mein Göttergatte fühlt sich beim Anblick der Klöster irgendwie an Monster erinnert und dass man bei so einem Gefährt ab und an auch mal die Ventile einstellen sollte. Siedendheiß dämmert ihm, dass er das wohl die letzten 80000 Kilometer schlichtweg vergessen hat. Nun ist der Gedanke einmal im Kopf, da kann er es auch gleich erledigen und so lassen wir uns in dem kleinen Dörfchen Kastraki nieder. Die Ventile sind mehr oder minder schnell bearbeitet. Minder weil diverse Telefonate mit Sohnemann Dennis geführt werden müssen, da sich der Papa anscheinend zeitweise dem Alzheimer hingibt. Am Ende jedenfalls gelingt doch noch alles perfekt, nur dass wir dabei eine kleine Metallplatte im Motorraum finden, die sich im Laufe der Zeit von ihrem Halter losgerappelt hat. Eigentlich kein großes Problem, wenn wir denn ein Schweißgerät dabei hätten. Mangels Masse mache ich mich mit dem Teil auf, um irgendwo einen Schweißer aufzutreiben. Der Plan ansich ist gut, ein passender Laden ist auch schnell ausfindig gemacht, aber leider ohne Schweißer. Der ist irgendwo auf Abwegen und niemand weiß, wann und ob er jemals zurückkehrt. Ich versuche nach 2 Stunden nochmals mein Glück, aber nix is mit Schweißer. Also Plan B, wir fahren in den Nachbarort Kalambaka. Der dort ansässige Schweißer ist nicht nur anwesend, nein, er steht sogar direkt neben seinem Schweißgerät und ruckizucki ist der Halter wieder angeschweißt. Bezahlung? Nein, danke...da sage noch einer was von den Griechen…

Nach so vielen Steinen und Kültür, sind wir reif für den Strand und tuckern, trotz Regen und Sturm, an einen kleinen Beach südlich von Agiokambos. Aufgrund des desolaten Wetters, sind wir völlig alleine dort, was sich aber am nächsten Tag ändert. Es scheint nicht nur die Sonne, sondern es taucht ein weiteres Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen auf. Da wir uns prächtig mit Ulrike und Helmut unterhalten, bleiben wir gleich noch einen Tag dort bevor wir nach Thessaloniki starten. Unterwegs macht plötzlich Monsters Tacho Zicken, die Nadel zittert oder bleibt gleich ganz hängen, was Juppi ziemlich auf den Zeiger geht. Mir geht auf die Nerven, dass er dann jedes Mal auf das Tachoglas klopft und ich mich erschrecke. Während wir also alle beide leicht angenervt über die Autobahn juckeln, denke ich plötzlich, ich habe eine Erscheinung. Da zieht doch tatsächlich ein Firmenlogo für Kienzle Tachos an meinen Augen vorbei. Flugs bis zur nächsten Ausfahrt, zurück marsch, marsch und rein in den Laden. Am Empfang 2 junge Damen, mehr oder weniger dem Englischen mächtig bis aus dem Hintergrund eine deutsche Stimme ertönt. Aber es kommt noch besser, der junge Mann, dem die Stimme gehört, ist nicht nur deutsch, nein, er hat auch Jahre lang für Kienzle gearbeitet und sich hier vor 6 Jahren mit 2 Kompagnons selbstständig gemacht. Wieso er und seine Frau, übrigens eine Libanesin, nach Griechenland ausgewandert sind, ist auch eine tolle Story. Die beiden überlegten damals schon länger, ob sie nach Kanada oder evtl. sogar nach Griechenland auswandern wollen. Als sie eines Abends zum Essen ausgehen ist diese Auswanderung mal wieder Gesprächsthema. Beim Bezahlen bekommen sie doch tatsächlich eine griechische Euromünze zurück und somit ist die Entscheidung gefallen. Nun aber zum Tacho, der ursprüngliche Besitzer der Firma, ist ab und zu immer noch dort tätig und fühlt sich für unseren Tacho zuständig. In Windeseile hat er den Übeltäter ausgebaut, das Ganze ohne auch nur hinzuschauen, und nimmt ihn mit in seine Katakomben. Es dauert keine 45 Minuten, da ist unser Tacho komplett überholt, mit neuer Uhr versehen, LEDs ausgetauscht, geprüft und wieder eingebaut. Bezahlung? Doch nicht für die Arbeit! Die Teile ok, aber der Rest ist Kundendienst. Da finden wir die Nadel im Heuhaufen, dürfen kaum etwas bezahlen und da sage noch einer was von den Griechen…

In Thessaloniki fahren wir zum Campinghändler Zampetas. Dort dürfen wir kostenlos übernachten und der Bus in die Stadt fährt quasi vor der Haustüre ab. Na dann, auf ins Getümmel. Nach kurzer Wartezeit kommt auch schon ein Bus, zwar ein Vorkriegsmodel mit Holzsitzen, aber immerhin er fährt. Allerdings nicht sehr lange, da haucht das Teil sein Leben aus und ist nicht willig, wieder anzuspringen. Sprachlos schauen wir uns an, als der Busfahrer die Türen öffnet, wir müssen nun leider hier aussteigen. Wir verlassen den Bus immer noch ziemlich erstaunt, ganz im Gegensatz zu den Griechen, die noch nicht einmal ihre Gespräche unterbrechen. Tja, das kommt davon, wenn man ohne sein Monster aufbricht.

 

 

Na jedenfalls dauert es nicht lange, da kommt der nächste Bus gefahren, stoppt wie selbstverständlich und wir können die Fahrt in die Innenstadt fortsetzen. Einige alte Steine werden doch noch angeschaut und auch das Wahrzeichen der Stadt, der weiße Turm, darf natürlich nicht fehlen.

 

Am nächsten Morgen lernen wir Ute und Holger kennen, die ebenfalls bei Zampetas campieren und schnell ist klar, wir müssen uns nochmals wiedersehen, denn wir sind auf gleichen Route in den Oman unterwegs. Flugs verabreden wir uns für den Abend am wunderschönen Strand in Keramoti und wir vier passen so gut zueinander, dass wir uns am nächsten Abend abermals treffen bevor es über die Grenze in die Türkei geht.