Georgien: Oktober/November 2017

 Die Einreise in dieses kleine Land zwischen dem schwarzen und dem kaspischen Meer, zwischen dem kleinen und dem großen Kaukasus, verläuft entgegen anders lautenden Berichten schnell und völlig problemlos. Bereits nach 30 Minuten rumpeln wir über die georgische Straßen in Richtung Batumi. Unser erster Eindruck: die Straßen sind einfach nur grottenschlecht und die Georgier fahren wie die Henker.

In Batumi haben wir Glück und finden auf Anhieb einen tollen Parkplatz direkt am Wasser und in Laufdistanz zur Altstadt. Was macht man als gemeiner Tourist als nächstes? 1. Gang zur Touristeninformation, 2. Gang zum Geldwechseln und 3. Gang in einen Telefonladen, um eine Sim Karte fürs Handy zu erstehen. Alles ist in null-komma-nix abgearbeitet und wir sind Internetmässig wieder auf der Höhe. Überhaupt läuft das Internet bisher überall besser als in Deutschland und dass auch noch für ganz kleines Geld. Mich beschleicht da so ein Gefühl von Abzocke in D....

Sodann widmen wir uns dem touristischen Teil Batumis, in rasender Geschwindigkeit bringt uns ein Lift auf den 130 m hohen Alphabetic Tower. Dieser Turm ist mit den 33 Buchstaben des georgischen Alphabets verziert, jeder 4 m groß. 

 

 

 

 

 

Die Skulptur von Ali und Nino darf natürlich auch nicht fehlen. Sie besteht aus 2 Figuren, die sich aufeinander zu bewegen bis sie sich küssen und ineinander verschmelzen. Eine schöne Liebesgeschichte, zumindest für solche Romantiker wie mich.

 

 

Bereits am nächsten Tag sind wir wieder unterwegs. Unser zweiter Eindruck: die Straßen sind einfach nur grottenschlecht und die Georgier fahren wie die Henker. Da wird überholt, auch wenn es überhaupt keinen Sinn macht, da man an der nächsten Ecke sowieso abbiegt. Sehen muss man eh nichts, denn frei ist, wenn kein Gegenverkehr in Sicht ist, was einige Meter vor einer Kurve eigentlich immer so ist. Eingeschert wird grundsätzlich im letzten Moment oder manchmal auch gar nicht, weil man den Entgegenkommenden durch ständiges Aufblicken derart eingeschüchtert hat, dass dieser nach rechts ausweicht. Die Straße ist doch schließlich breit genug für 3 oder 4 Autos nebeneinander, gell?

Es wird erst etwas ruhiger als wir in die Berge abbiegen, dafür kommen wir nun nicht mehr so recht vorwärts. Für die 140 Kilometer von Zugdidi bis Mestia benötigen wir geschlagene 4 Stunden und sind am Ende auch noch ziemlich enttäuscht. Das kleines Dörfchen Mestia hat sich bereits zum Winterschlaf gerüstet und das eigentliche Ziel Ushguli ist aufgrund von heftigem Schneetreiben nicht mehr zu erreichen. Wir sind tatsächlich etwas zu spät in der Jahreszeit für solche Eskapaden, folglich juckeln wir am nächsten Tag den gleichen Weg wieder zurück.

Auch beim dritten Eindruck wird es nicht besser, die Straßen sind einfach nur grottenschlecht und die Georgier fahren wie die Henker. Dazu kommen ungezählte Viecher. Kühe, Hunde, Hühner, alles nimmt irgendwie am Straßenverkehr teil, aber den Vogel schießen tatsächlich die Kühe ab. Diese Rindviecher stehen den georgischen Rennfahrer in Sachen Intelligenz in nichts nach. Mit Vorliebe liegen sie auf Brücken (wahrscheinlich wegen der guten Aussicht), stehen auf dem Mittelstreifen (vermutlich um sich beide Grünstreifen als Futterquelle zu sichern) und traben dann stoisch über die Fahrbahn, allerdings ohne sich für eine bestimmte Richtung zu entscheiden. Der dann einsetzende Kuhslalom, in Verbindung mit gleichzeitigem Überholen oder Ausweichen, stellt die höchste Form des georgischen Straßenverkehrs dar.

Mehr oder weniger gebeutelt, fahren wir über Kutaisi nach Tiflis. Dort finden wir am Lisi See einen guten Übernachtungsplatz. Am nächsten Morgen wollen wir eigentlich mit einem Taxi in die Stadt, werden jedoch von einem Georgier in deutsch angesprochen, der uns dann noch gleich in die Altstadt fährt. Wir bummeln einige Zeit durch die Straßen und nähern uns einigen halbkugelförmigen Kuppeln, die aus dem Boden ragen. 

 

Wir sind in dem sehenswerten Bäderviertel Abanotubani, in dem es angeblich zu früheren Zeiten 65 Bäder gegeben haben soll. Wir entscheiden uns für das Orbeliani-Bad, das einzige, das oberirdisch angelegt ist und schon von Weitem auffällt.Wir haben Glück, dass wir ein Einzelbad ergattern können, denn eigentlich muss man so ein Bad wohl vorbestellen. Man kann mit oder ohne Badedress auflaufen, ganz nach Belieben, denn man hat die Kabine auf jeden Fall für sich. Im eigentlichen Baderaum findet man eine Dusche und ein mit Kacheln eingefasstes Badebecken, das nur so tief ist, dass man noch darin stehen kann. An den Seiten sind mehrere Stufen eingemauert, so dass man sich setzen kann und sich langsam an das ca. 45° heiße Schwefelthermalwasser gewöhnen kann. Wir aalen ca. 15 Minuten im Wasser und dann erscheint die Masseurin, die bei mir ihres Amtes waltet. Ich werde zunächst mit einer Art Lufaschwamm abgeschrubbt und anschließend von oben bis unten eingeseift, tolles Gefühl. Zum Abschluss will die Masseurin mir die Haare waschen und fragt nach meinem Shampoo. „Oh, germanie shampoo gut!“ lautet ihre Aussage und schon landet ein gefühltes halbes Pfund davon auf meinem Kopf. Sie massiert (oder traktiert?) meinen Kopf was das Zeug hält während ich puste und schnaufe, denn gleichzeitig kippt sie mir ständig Wasser über den Schädel. Währenddessen dümpelt Jupp im heißen Wasser und amüsiert sich köstlich. Na warte, denke ich, dein Masseur kommt gleich auch noch und wie heißt es doch so schön? Wer zuletzt lacht, lacht am besten, denn Juppi erwischt einen Kollegen der rabiateren Art...Na jedenfalls sind wir beide anschließend derart gebeutelt, dass wir erst einmal ein Bier brauchen. Das gehört nämlich auch zum Service, man ruft kurz bei der Rezeption an und schwupps, wird der gewünschte Drink serviert.

Bekanntermaßen macht Schwimmen hungrig und da wir am Mittag bereits eine schöne Restaurantmeile erspäht haben, wissen wir genau wohin des Weges. Wir entscheiden uns für ein Restaurant, in dem schon einige Touristen sitzen, wundern uns aber sogleich, dass die Kellner sich mehr für ein, im Fernsehen laufendes, Fussballspiel interessieren als für die Gäste. Endlich trollt sich doch noch mal einer zu uns herüber, ist aber relativ unfreundlich und knallt uns die Speisekarte auf den Tisch. Wir beiden schauen uns schon fragend an, aber als die Dame am Nachbartisch auch noch ihr Essen zurückgehen lässt, gibt es keine Zweifel mehr. Hier sind wir falsch! Auf ins nächste Restaurant, welches sich als Volltreffer entpuppt. Die Kellner super freundlich, das Essen 1a, es gibt Decken gegen die Kälte, am Ende ruft man uns ein Taxi an und bringt uns noch persönlich dorthin um den Preis zu verhandeln. Geht‘s noch besser? Die Heimfahrt ist dann allerdings Abenteuer pur. In dem sowieso schon chaotischen Verkehr, beginnt der Taxifahrer mit seiner Gattin zu telefonieren, damit diese uns erklärt, dass er uns seine Telefonnummer geben möchte, damit wir auch weiterhin seine Dienste in Anspruch nehmen können. Nachdem das geklärt ist, beginnt er eine Art Sightseeing Tour. Im Prinzip ja gar nicht schlecht, aber leider nimmt er bei seinen Erklärungen jedes Mal beide Hände vom Lenkrad und redet, heftig gestikulierend, auf georgisch auf uns ein. Unser georgisch bzw. russisch nimmt ungeahnte Dimensionen an: „ Da, da“ (Ja, ja) , damit der Fahrer sich mal wieder auf die Straße konzentriert. Zuhause angekommen, brauchen wir erstmal einen Vodka um dieses Erlebnis zu verdauen.

Natürlich darf auch der Besuch eines Weinguts nicht fehlen, denn Georgien versteht sich als Wiege des Weins, da hier schon seit über 6000 Jahren Wein angebaut wird. Typisch dabei ist die Gärung in Tongefäßen, Kwewris genannt, die in die Erde eingelassen werden. Wir lernen so einen Marani (Weinkeller) auf dem Weingut Schuchmann kennen und genießen nicht nur eine Degustation und Führung in deutscher Sprache, sondern auch ein ganz phantastisches Abendessen.

Unser letztes Ziel in Georgien ist das Höhlenkloster von Vardzia, eine wirklich beeindruckende Anlage. 

Die komplette Felswand ist ca. 500 m hoch und das Besteigen der steinernen Treppen erfordert etwas Kondition. Wir sparen uns die Besichtigung für den Morgen auf und übernachten direkt vor der nachts angestrahlten Anlage. Morgens um 9.00 Uhr sind wir bereit zu neuen Taten, nur leider ist noch geschlossen. Öffnungszeit: 10.00 Uhr...Wir haben mal wieder Glück, denn gerade als wir zu Monster zurückkehren wollen, kommt ein Trupp Arbeiter gefahren, die doch tatsächlich fragen, ob wir mit ihnen hinauffahren wollen. Das ist doch mal Service und anstatt den steilen Anstieg laufen zu müssen, werden wir bequem nach oben kutschiert. Oben angelangt müssen wir aber dennoch reichlich klettern, es geht über steile Steintreppen oder auch schon mal eine Leiter immer aufwärts um dann am Ende ziemlich steil wieder nach unten zu führen. Aber das Höhlenkloster ist die Anstrengung allemal wert. 

Von nun an geht es nur noch Richtung Grenze und das mal wieder recht holprig. Unser Fazit: die Straßen sind grottenschlecht und die Georgier fahren wie die Henker.