Armenien: November 2017

Die georgische Grenze bei der Ausreise ist nicht ganz so feudal wie diejenige bei der Einreise, aber die Abwicklung geht genauso professionell vonstatten. Beide müssen wir kurz zur Gesichtskontrolle vor den Zöllner treten und bums sind die Stempel auch schon in den Pässen, auf zum nächsten Schalter. Dieses Mal werden Monsters Papiere kurz kontrolliert und damit ist der Grenzübertritt auch schon abgewickelt. Wir holpern weiter, die schlechten Straßen bleiben uns auch im Grenzbereich treu, um eine große Halle herum, die anscheinend irgendwann mal neues Abfertigungsgebäude werden sollte. Die Fertigstellung scheint nicht gelungen, ganz im Gegenteil, das ganze Gebäude macht inzwischen einen recht desolaten Eindruck. Durch können wir nicht, dann wird der Weg wohl seitlich daran vorbeiführen und schau an, da hinten tut sich ein Zollbereich auf. Wir nähern uns dem 1. Schalter, werden aber bereits von weitem gestoppt und mir wird bedeutet, ich solle aussteigen und zu einem Gebäude auf der linken Seite gehen. Brav folge ich dieser Anweisung und lande in einer völlig überheizten Passkontrolle. Zwei Beamte hinter einem Schalter scheinen schon auf mich gewartet zu haben, stürzen sich gemeinsam auf meinen Pass und lesen akribisch jeden Stempel. „Jungs, da habt ihr was zu tun, wollen wir denn heute noch fertig werden?“ denke ich schmunzelnd, denn meine Pass ist voll mit afrikanischen Stempeln und Visa. Nach 10 Minuten scheint das Studium der verschiedenen Einreisestempel seinen Reiz verloren zu haben, mein Pass bekommt einen weiteren dazu und ich darf die Sauna-artige Bude verlassen. Jupp konnte seine Einreise ganz bequem vom Fahrersitz aus regeln, wird aber nun für Monster ebenfalls nach innen gebeten. Es dauert fast 15 Minuten bis alle Monster-Daten in ein armenisches Fahrzeugdokument übertragen sind, es sind umgerechnet 33,00 € für die Straßenbenutzung und ähnliches Zeugs zu entrichten und dann können wir auch dieses Kapitel abhaken. Es ist mal wieder wie so oft schon, die tollsten Geschichten haben wir über armenische Zollkontrollen gehört, so mancher hat 2-3 Stunden benötigt und jedes Pillendöschen wurde kontrolliert und bei uns? Nada, vielleicht wirkt Monsters grüne Farbe irgendwie entspannend auf die Obrigkeit.

 

Hatten wir gehofft, die schlechten Straßen wären fortan Geschichte, so werden wir bitterlich enttäuscht. Es rumpelt und scheppert genauso wie zuvor. Zwar bauen die Chinesen mit Volldampf an einer neuen Autobahn, aber der überwiegende Teil bis Jerewan ist leider noch nicht fertig. Zu allem Übel verpassen wir auch noch die Auffahrt zur Umgehungsstraße, aber am Ende ist das doch nicht allzu schlimm. Die Armenier fahren deutlich disziplinierter als die Georgier, jeder bleibt hübsch in seiner Spur und auch die Teilnahme irgendwelcher Viecher am Straßenverkehr ist deutlich eingeschränkt. Überhaupt macht das ganze Land einen deutlich sauberen Eindruck.

 

In Goght steuern wir das 3 Gs Bed and Breakfast von Sandra und Marty, einem holländischen Paar an bzw. wollen es ansteuern. Unser Navi weist uns zwar den richtigen Abzweig, aber als wir an diesem Weg stehen, schenken wir unserer Elektronik keinen Glauben. Hier soll es sein? Vielleicht gibt es noch eine andere Zufahrt? Wir drehen, versuchen es mal durch das Dorf, aber von hieraus kommen wir auch nicht heran. Da hilft nur fragen und ganz zufällig stehen einige Männer vor einem Laden herum. Es geht mit Händen, Füßen und Kauderwelsch bis einer der Herrn fragend sagt: „Sandra“? Ja supi, das wäre mal geklärt, aber wie kommen wir dorthin? Kurzentschlossen springt einer zu uns ins Führerhaus und bringt uns exakt zu dem Abzweig, an dem wir zuvor schon waren. Na toll, das hätten wir auch einfacher haben können.

Sandra begrüßt uns ganz herzlich, aber leider mit den Worten: „Eigentlich habe ich den Campingplatz bereits geschlossen, aber wo ihr schon mal da seid...“ Wir dürfen bleiben und sind nahezu im Paradies gelandet.

 

 

Es gibt eine komplett eingerichtete Küche, sogar mit Induktionsfeld (damit kenn ich mich ja gar nicht aus), samt Aufenthaltsraum und einem wunderbaren Ofen, heiße Duschen und mehrere WC‘s und zu meiner großen Freude eine Waschmaschine.

 

Die Temperaturen lassen zwar eine Nutzung des Pools nicht zu, aber schön anzusehen ist er trotzdem.

Wir fühlen uns sauwohl und Sandra und Marty kümmern sich sehr liebevoll um uns. Am liebsten würden wir noch eine ganze Weile bleiben, aber der nahende Winter und unser Iranvisum treiben uns nach 4 Tagen weiter in Richtung Grenze.

Auf dem Weg hoffen wir einen Blick auf den Ararat zu erhaschen, aber der hüllt sich leider in Wolken und so machen wir einen Abstecher nach Tatev zum dortigen Kloster. Das Spektakuläre ist nicht das Kloster selbst, sondern die Auf-und Abfahrt durch die atemberaubende Vorotan-Schlucht. In engen Serpentinen geht es noch über Asphalt hinab, aber auf der anderen über Schotter wieder hinauf. 

 

Leider liegt dieser Abschnitt bei der Abfahrt im Schatten, sodass wir eine Fotosession auf den nächsten Morgen verlegen und dann bietet sich morgens dieses Bild:

 

Heute geht es noch bis zur armenischen Grenze, die wir an sich auch finden, aber leider wissen wir nicht so recht wohin. Jemand weist uns nach rechts vor ein Gebäude, dort stehen auch die kleinen Hüttchen, in denen normalerweise ein Zöllner sitzt, aber weit und breit ist niemand zu sehen. Vor uns ein mit einer Kette verschlossenes Tor und sonst einfach nix, niemand interessiert sich für uns. Jupp steigt mal aus, schlendert ein bisschen umher und späht mal vorsichtig in das Gebäude. Dort hat er anscheinend jemanden aufgetan, denn nach ein paar Minuten erscheint er mit einem jungen Mann, der in Monsters Innerstes schauen möchte. Ok, ein kurzer Blick von draußen und das war die ganze Kontrolle. Nun bedeutet er mir, ich solle mitkommen, derweil Jupp schon mal weiterfahren soll. Auch gut, ich also mit ins Gebäude, der junge Mann weist mich in eine Richtung und siehe da ...auch nix. Ich wandere also mal durch die verschiedenen Räume, bis ich auf eine junge Zollbeamtin treffe und wedele mit meinem Pass. Das scheint sie zwar irgendwie zu verstehen, aber trotzdem führt sie mich wieder hinaus in den Raum in dem ich angefangen habe und gibt mir zu verstehen, ich solle 10 Minuten warten. Derweil ich da so herum sitze, sehe ich Jupp und Monster draußen vorbeifahren. Hm, wohin gehen die nun? Mitten in meine Überlegungen kehrt die junge Beamtin zurück und fragt nach meinem „Husband“. „Das ist der Typ, der da draußen in dem grünen Truck herumfährt“ antworte ich, woraufhin sie wieder entschwindet. War das jetzt die falsche Antwort? Anscheinend nicht, denn keine Minute später taucht die Beamtin wieder auf und ich soll abermals mitkommen. Wir gehen nach draußen, erspähen meine beiden Lieben und ich werde daraufhin entlassen. Wie jetzt? Was ist denn mit den Ausreisestempeln? Wofür war ich in diesem Gebäude? Egal, wir fahren erstmal weiter und siehe da, wir kommen nach einigen hundert Metern an eine weitere Schranke und dort werden nun endlich unsere Pässe gestempelt. Ein Tor öffnet sich, auf Wiedersehen Armenien.